Abroad – Grenzenloses Europa

Abroad

Keine Ahnung, ob da gerade ein Trend zu erkennen ist, denn im letzten Jahr hat uns bereits Auf nach Japan! mit der Aufgabe einer Urlaubsplanung beauftragt, aber ich denke es ist nur Zufall, dass auch Abroad sich mit diesem Thema oder dieser Aufgabe an die Spieler*innen richtet. Die beiden Spiele haben aber gar nicht so viel gemeinsam, wie man denken könnte. Darauf werde ich aber im Fazit näher eingehen. Die beiden brasilianischen Autoren Rodrigo Rego und Danilo Valente sind mir bisher nicht bekannt, aber ich kann mir aus eigener Erfahrung durchaus vorstellen, wie sie auf die Idee für dieses Spiel gekommen sind, denn früher hatte ich eine brasilianische Freundin, die Europa besuchen wollte und dabei so viele tolle Orte und Personen besuchen wollte, wie es ihr in vier Wochen möglich war. Das klingt für mich schon ziemlich nach der Grundidee des Spiels, auch wenn wir hier aus beruflichen Interesse auf die Reise gehen.

Worum geht es?

Wir spielen Reiseredakteure, die für ihre Arbeit in Europa herumreisen und versuchen für den neuesten Reiseführer so viele Orte und Erlebnisse einzufangen, wie es ihnen möglich ist. Dazu planen sie ihre Reise über 28 Tage hinweg auf ihrem Kalender/Tableau. Rein mechanisch ist das wichtigste Element des Spiels das Managen der eigenen Handkarten, um daraus die sinnvollste Strategie zu entwickeln. Nebenbei geht noch ein Mehrheiten Wettbewerb über die verschiedenen Regionen des Spielplans von statten und wir müssen uns um eine sinnvolle Verwendung der knappen Ressourcen kümmern. Da ist also ganz schön was los.

Abroad – Spielbrett bei Spielaufbau / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Also Abroad simuliert einen Businesstrip voll mit Arbeit eines Reiseredakteurs von vier mal sieben Tagen Länge. Innerhalb dieser vier Wochen spielen wir Karten aus, für die wir allerdings in den richtigen Regionen auf dem Spielfeld stehen müssen. Diese Karten liefern uns Symbole, die wir wiederum benötigen um andere Karten ausspielen zu können und um Wertungen beeinflussen zu können, die auf dem Spielfeld verteilt sind.

Abroad – Spieler*innen Tableau / Foto: Spieltroll

Jede Karte kostet dabei ein Tagesequivalent. Vor uns liegt ein Tableau mit den 28 Tagen aus. Auf jedem Tag liegt ein kleiner Chip. Spielen wir eine Karte, so legen wir die Anzahl Chips, die es kostet sie auszuspielen, in die Region, wo wir sie ausspielen können. Manche Karten können wir allerdings nur ausspielen, wenn wir bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Das ist aber noch nicht alles, es gibt nicht nur Voraussetzungen, sondern auch Boni. Karten sind an besonderen Tagen besonders stark und sollte es uns gelingen, sie an diesen Tagen auszuspielen, kann sich das sehr für uns auszahlen.

Abroad – Marker in einer Region / Foto: Spieltroll

Am Ende jeder Woche gibt es eine Wertung über die Mehrheitsverhältnisse auf dem Spielbrett. Auch hier kann es sich auszahlen, seine Chips besser verteilt zu haben, als die anderen Mitspieler*innen. Schaffen wir es gar unsere Chips auf die Herzchen Seite zu drehen, so sind diese gleich nochmal wertvoller.

Abroad fordert seine Spieler*innen zu jeder Sekunde mit weitreichenden und verzwickten Entscheidungen. Grundsätzlich versuche ich meine Reise mit kurzen Wegen zu absolvieren, denn einerseits spart das meine Ressourcen und je weniger Zeit ich verbrauche, desto mehr Karten kann ich spielen um Orte zu besuchen. Aber manche Karten erfordern eben bestimmte Symbole und Ressourcen, die ich vielleicht noch sammeln muss, oder wollen an einem späteren Wochentag ausgespielt werden, um mir entsprechende Boni zu bringen. Also plane ich eventuell Umwege. Aber hier hört das Dilemma noch nicht auf. Umwege bedeuten vielleicht, dass ich zu einer bestimmten Wertung in einer Region zu spät komme und eine*r meine*r Mitspieler*innen mir diese schon weggeschnappt hat.

Abroad – Zwei Karten für die Region ITA in der ersten Woche / Foto: Spieltroll
Abroad – Spielfigur / Foto: Spieltroll

Wir hantieren insgesamt mit vier knappen Ressourcen: Smileys, Energie, Einheimische und Geld. Hinzu kommt natürlich noch der Faktor Zeit. Abroad ist das pure Dilemma und fordert von seinen Spieler*innen viel Konzentration.

Mehr muss ich eigentlich kaum beschreiben, denn im Grunde besteht das Spiel nur aus einer aufgeteilten Europakarte, einem riesen Haufen Karten und ein paar Markern. Das zu Grunde liegende Spielprinzip ist auch überhaupt nicht kompliziert und lässt sich im Grunde schnell erklären, nur das daraus entstehende Spiel ist nicht zu unterschätzen.

Das Fazit

Ich muss wirklich nicht viel mehr beschreiben. Das ungefähre Spielprinzip sollte klar sein. Auch hier haben wir wieder eines dieser Spiele, die von einem immensen Kartenstapel profitieren, durch den viele Möglichkeiten entstehen und die Spielverläufe verschieden ausfallen können. Unsere Aufgabe als Spielende ist es diese sehr vielen Informationen zu verarbeiten. Diese sind zum Teil sich widersprechende Möglichkeiten und richtiges Filtern und Priorisieren ist nötig um zu einem Erfolg zu kommen.

Einige werden jetzt eventuell einwerfen, dass das Prinzip wieder sehr solistisch klingt, da die Spielenden die ganze Zeit mit ihren eigenen Tableaus beschäftigt sind und ihre Karten sondieren, aber ich muss sagen, dass Abroad durch die vielen Vorgänge auf dem Brett, wo wir in Konkurrenz zu unseren Mitspieler*innen stehen, namentlich die Wertungen in den Regionen, die nur der-, oder diejenige bekommt, der die Aufgabe schneller erfüllt und die Mehrheitswertungen um die Regionen, das Gegenteil der Fall ist.

Abroad – Diverse Karten / Foto: Spieltroll

Die Regeln sind leicht verständlich und verhältnismäßig gut geschrieben. Knapp und auf den Punkt. Trotz des relativ schmalen Regelwerks ist die Aufgabe die uns Abroad stellt eine sehr komplexe Tüftelaufgabe, die nicht für jeden geeignet sein dürfte. Die Informationsflut kann schon sehr einschüchternd wirken. Seid also an dieser Stelle gewarnt.

Abroad – Reiseziele / Foto: Spieltroll

Rein optisch wäre vielleicht noch ein bisschen mehr drin gewesen. Das Spielbrett selbst wirkt eher funktionell, was nicht schlecht ist, da es uns nicht noch mit zusätzlichen Informationen belasten will. Die Karten aber sind recht schön und übersichtlich gestaltet, jeweils mit einem Foto des jeweiligen Ortes.

Insgesamt kam Abroad bei uns durchweg besser an als das zu Beginn erwähnte Auf nach Japan!, was daran liegen dürfte, dass Abroad sich nicht so konform anfühlt. Hier gibt es so wahnsinnig viele Möglichkeiten seinen Spielverlauf zu gestalten, was bei Auf nach Japan! nicht unbedingt möglich ist. Dort gibt es zwar auch viele Karten mit unterschiedlichen Symbolen, jedoch geht es hier darum an nur sieben Tagen die richtigen Symbole zu platzieren und da bietet Abroad doch deutlich freiere Gestaltungsmöglichkeiten.

Abroad – Um es noch ein wenig komplexer zu machen, können noch Feste für die Wochenenden hinzugefügt werden / Foto: Spieltroll

Das klingt alles ganz schön positiv, aber gibt es auch negative Seiten? Ja die gibt es. Wie schon erwähnt, wirkt das Spiel auf manche Zeitgenossen und -genossinnen ein wenig einschüchternd und ich sollte nicht unerwähnt lassen, dass es natürlich auch zu ungünstigen Starthänden kommen kann. Wir hatten in einer Testpartie jemanden mit einer wirklich sehr bescheidenen Starthand dabei, die leider zu nicht viel geführt hat, außer einer gewissen Enttäuschung. allerdings ist das wirklich selten, denn die Karten sind wahnsinnig vielfältig und bieten eigentlich immer einen Weg sich über den Kontinent zu bewegen.

Von meiner Seite gibt es also ein dickes Lob für das Spiel und für Leute die sich gerne durch einen solchen Kartenstapel wühlen, um die gestellten Aufgaben möglichst gut zu erfüllen, sollten hier unbedingt mal einen Blick riskieren und eine Partie spielen. Bei uns bleibt es jedenfalls in der Sammlung.


  • Verlag: 1 More Time Games, Asmodee
  • Autor(en): Rodrigo Rego, Danilo Valente
  • Illustrator(en): Christian Schupp
  • Erscheinungsjahr: 2025
  • Spieleranzahl: 1-5 Spieler*innen
  • Dauer: 90 Minuten

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