FYFE – Surfen in der Südsee

FYFE

So scheint es zumindest, wenn ich mir das mal wieder wunderschöne Cover von Lukas Siegmon anschaue, der sich allmählig zu einem meiner Lieblingsillustratoren entwickelt. Wirklich hübsch. Auch das Material sieht ungewöhnlich und durchaus sehr hübsch aus, wenn ich die Schachtel öffne. Spiele der Edition Spielwiese erwecken eigentlich immer meine Aufmerksamkeit und so ist es auch hier. Zudem habe ich mich gefragt: Wer ist Kosch? Das Pseudonym oder der Künstlername des Autors ist mir bisher völlig unbekannt. Auch auf boardgamegeek.com wurde ich nicht fündig. Also lass ich mich mal überraschen. Recht schnell wird aber klar, dass FYFE mit dem Surfen soviel zu tun hat wie Schach mit Minigolf. Die Optik dient hier nur als Vehikel, dass wird einem bereits nach wenigen Minuten klar. Trotzdem sollte keiner FYFE zu früh abschrieben, denn trotz des blendenden Themas haben wir es hier doch mit einem interessanten und optisch herausragenden Legespiel zu tun, bei dem sich des öfteren Vergleiche mit Calico anbiedern werden. Neugierig?

Worum geht es?

Die Surfer- und Südseethematik ist also bereits abgehakt. Das Spielgeschehen hat nichts mit diesen Themen zu tun. Wir ziehen nur kleine, runde Plättchen aus einem Beutel und müssen dann einen auf unser Brett legen. Das Besondere ist in diesem Fall, das wir aus einem Pool von Punktebedingungen uns selbst unser Spielbrett gestalten und es am Ende darauf ankommt wo und wie wir sie am Rand platziert haben. Um mehr geht es nicht.

FYFE – Tableau und Wertungstafeln in Form von Surfbrettern / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Vorweg eine kleine Warnung, wollen die Spieler*innen einen guten Überblick über ihr Spielmaterial behalten, so benötigt FYFE doch eine ganze Menge an Tischfläche, wenn mit vielen Spieler*innen gespielt werden soll. Das solltet ihr definitv berücksichtigen.

FYFE – Wertungstafeln / Foto: Spieltroll

Jede*r Spieler*in erhält zu Beginn ein Spielertableau mit vielen Einkerbungen und runden Ablageflächen. Dazu gesellen sich ein Satz Surfbretter, auf denen verschiedenste Punktebedingungen für das Spiel abgedruckt sind, sowie Muschelplättchen mit einmaligen Fähigkeiten für den Spielverlauf. Um das Spiel erfolgreich zu bewältigen sollten sämtliche Surfbretter und Muscheln so bereitliegen, dass immer ein Überblick über alle Bestandteile besteht. Das benötigt, wie erwähnt, ein bißchen Platz.

Die 130 Symbolplättchen wandern alle in den großen Beutel und zu Beginn der Partie bekommen alle zwei Stück in ihren Vorrat. Dazu befinden sich zwei Ablageplätze unten auf dem eigenen Tableau. Diese Plättchen sind das A und O des Spiels. Jedes einzelne zeigt eine Kombination aus Farbe, Symbol und Zahl. Von diesen Dingen gibt es jeweils fünf verschiedene, alle Steine sind somit einzigartig. Hinzu gesellen sich noch fünf Steine die eine Muschel zeigen.

FYFE – Symbolplättchen im eigenen Vorrat / Foto: Spieltroll

In der Mitte des Tisches liegen zusätzlich noch drei weitere Dinge für alle bereit. Genau wie die Surfbretter der Spieler*innen, liegen in der Mitte noch kleine Teilbretter aus, die die Spieler*innen sich zusätzlich verdienen können, wenn sie zuerst eine der Surfbrettbedingungen erfüllt haben. Ein kleiner Bonus sozusagen. Dazu gesellen sich noch 5 Punkteplättchen, die sich die Spieler*innen dadurch verdienen können, wenn sie mehrere Punktebdingungen in einer Runde abschließen können. Als drittes liegen dort noch Jokerplättchen aus, die eventuell durch die Muschelplättchen ins Spiel kommen können und auf einen der Spielsteine gelegt werden, um anzuzeigen, dass dieser fortan alle Farben, Symbole und Zahlen sein kann.

FYFE – Erster Spielzug / Foto: Spieltroll

Der Spielablauf ist dann ganz simpel. Die Spieler*innen müssen zunächst einen Stein aus dem Beutel ziehen (Ausnahme: erste Runde keinen Stein ziehen und in der letzten Runde wird ebenfalls keiner mehr nachgezogen). Sollte dabei eine oder mehrere Muschel(n) gezogen werden, so werden zunächst die Muschelglücksplättchen abgehandelt. Eine Muschel bleibt in der Mitte liegen, alle anderen gehen zurück in den Beutel. Zu den Muscheln komme ich gleich, erstmal den Zugablauf. Nachdem also die Muscheln abgehandelt worden sind, müssen die Spieler*innen einen ihrer zwei Steine auf ihr eigenes Tableau einsetzen. Dieses zeigt fünf mal fünf Vertiefungen, in die jeweils ein Stein gelegt werden kann. Liegt der Stein, müssen die Spieler*innen überprüfen, ob dieser Stein in einer Reihe, Spalte oder Diagonale liegt, in der schon ein Surfbrett auf ihn zeigt. Ist das der Fall, können die Spieler*innen optional weitere Bretter anlegen, ziehen ansonsten aber nur noch einen neuen Stein aus dem Beutel und legen ihn in ihren Vorrat. Sollte noch kein Surfbrett auf den Stein zeigen, so müssen sie eines in eine der Vertiefungen am Rand des Tableaus einsetzen, so dass es auf den Stein zeigt. So wird es mit der Zeit immer schwieriger sämtliche Punktevoraussetzungen zu erfüllen.

FYFE – Spielsituation / Foto: Spieltroll

So werden 25 Runden gespielt, bis die Tableaus voll sind. Die Spieler*innen agieren dabei immer gleichzeitig und somit sollte eigentlich keine Verzögerung entstehen, obwohl der ein oder andere bestimmt länger zum Grübeln braucht. Sollte jemand eine oder mehrere Reihen, Spalten oder Diagonalen vervollständigen, so wird geschaut, ob die Surfbretter für diese erfüllt sind. Die Surfbretter zeigen je nach Schwierigkeit eine Sonne mit einem Punktwert. Solange diese nicht erfüllt sind, sollten sie auf der Seite mit der halben Sonne liegen. Wenn sie erfüllt wurden einfach umdrehen, um anzuzeigen, dass sie fertig sind und für die Schlusswertung zählen. Sollten so mehrere auf einmal feertig sein, gibt es Bonuspunkte in Formvon Plättchen, bin ich der oder die erste mit diesem Brett darf ich mir zusätzlich das kleine Brett aus der Mitte nehmen und auf mein Brett legen und erhalte einen Bonus von drei Punkten. Am Ende einfach alle vollen Sonnen zusammenzählen und Punkte vergleichen.

FYFE – Spielsituation /Foto: Spieltroll

Nun noch zu den Glücksmuscheln. Wann immer eine aus dem Beutel gezogen wird, dürfen alle Spieler*innen eins ihrer Glücksplättchen benutzen. Diese verleihen einem einmalige Sonderfähigkeiten. Zum Beispiel dürfen Spielsteine vertauscht werden, oder ich drehe einen Stein einfach um und lege einen Joker darauf. Insgesamt haben wir sieben dieser Muschelplättchen. Jedes verfügt über einen Punktewert in einer vollen Sonne. Die Werte reichen von eins bis sechs. Am Ende des Spiels bekommen alle Spieler*innen für alle unbenutzten Muscheln die Punkte. Die Spieler*innen müssen beim Zug einer Muschel allerdings kein Plättchen benutzen, wenn sie nicht wollen. Es kann also durchaus vorkommen, dass in einer Partie mit weniger Spieler*innen überhaupt keine Muschel gezogen wird, da der Beutel aufgrund der Aufgabenstellung natürlich bei weniger Spieler*innen nicht ausgedünnt wird, sondern die gleiche Menge an Spielsteinen enthält.

FYFE – Spielsteine / Foto: Spieltroll

Das Fazit

FYFE kam bei uns trotz einiger Unwegbarkeiten sehr gut an. Okay das Thema ist eigentlich nicht vorhanden und das ganze Spiel hat schon einen sehr abstrakten Charakter. Auch das es eigentlich keine Interaktion gibt, mag viele stören, aber ich finde das eigentlich nie schlimm. FYFE ist absolut solistisch. Jeder grübelt vor sich auf seinem eigenen Tableau hin und könnte eigentlich für sich die 25 Runden spielen, wenn da nicht die Muscheln wären. Insgesamt hat das Spiel doch einen gewissen Charme. Ich muss es auch auf jeden Fall mit Calico vergleichen, denn FYFE ist ähnlich angelegt und hat eine ganz eigene Spielverlaufskurve. Zu Beginn ist das ganze Tableau frei und die Möglichkeiten sind endlos. Die Züge dauern kurz und spielen sich fast schon ein bißchen wie auf Autopilot. Im Mittelteile entfaltet es sich dann zu einem Hirnzwirbler in dem ich versuche die besten Punktemöglichkeiten unter einen Hut zu bekommen. Die Surfbretter können links und oben am Rand eingesetzt werden und es ist wirklich selten eine gute Idee zusätzliche Bretter anzubringen. In dieser Phase bereitet FYVE mir das meiste Vergnügen. Dann zum Schluß, ähnlich wie bei Calico sind die Steine die ich noch auf meinem Tableau gebrauchen kann noch sehr begrenzt und ob sie noch kommen werden, oder gar schon auf dem Tableau eines Gegners liegen, kann ich nciht mehr beeinflussen. Entweder habe ich Glück, weil ich genau den Stein ziehe den ich brauche, oder aber eben nicht. Dann gehen manche Surfbretter eben nicht mehr auf. In diser Phase fällt einem dann auch of auf, das einiges auf dem eigenen Tableau so gar nciht funktioniert hätte.

FYFE – Muschelglücksplättchen / Foto: Spieltroll

Die Gefahr der Analyse Paralyse ist im Mittelteil enorm hoch wie ich finde und ihr solltet dringend vermeiden mit solchen Kolleg*innen FYFE zu spielen. Manchen könnte außedem der Glücksfaktor am Ende der Partie ein wenig zu groß sein, aber das ist wirklich vergleichbar mit Calico. FYFE ist für mich dennoch interessant und macht Spaß. Spieler*innen die solche Legespiele und Grübler mögen sind hier definitiv nicht verkehrt. Wenn sie dann auch das hintenraus vorhandene Glückselement verkraften können: perfekt.

Das Material von FYVE ist auf den ersten Blick sehr schön gestaltet. Die Spielsteien fühlen sich wertig an und sind schön bedruckt. Allerdings machte sich bei unseren Steinen schon nach wenigen Partien an den Rändern ein leichter Abrieb bemerkbar. Die doppellagigen Spielbretter neigen außerdem dazu sich nach außen zu verbiegen und die Versuche sie ins Gegenteil zurückzudrücken wurde mit Falten auf den Verbindungsstücken zwischen den runden Ablageflächen quittiert. Nicht schön aber insgesamt auch kein großer Aufreger für mich.

FYFE – Tableau bei Spielende / Foto: Spieltroll

Mir hat FYFE gefallen und wir werden es in Zukunft doch immer mal wieder aus dem Schrank holen. Das Gesamtpaket ist stimmig und für ein Erstlingswerk recht beachtlich.


  • Verlag: Edition Spielwiese, Pegasus Spiele
  • Autor*in(en): Kosch
  • Illustrator*in(en): Lukas Siegmon
  • Erscheinungsjahr: 2022
  • Spieler*innenanzahl: 2 – 5 Spieler*innen
  • Dauer: 30-45 Minuten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.