Klassiker – Mr. Jack

Mr. Jack

Eigentlich wollte ich ein normales Review zu Mr. Jack schreiben, aber dann fiel mir irgendwie während des Schreibens auf, dass dieses Spiel eigentlich alle Kriterien, die ich mir selber für meine Klassiker-Kategorie gesetzt habe, erfüllt. Es ist bereits seit einigen Jahren auf dem Markt und ist einer breiten Spielerschaft bekannt. Dazu ist es auch noch preisgekrönt und ist heute genausogut spielbar wie früher. In diesem Jahr wird das Spiel von Bruno Cathala und Ludovic Maublanc bereits 15 Jahre alt und befindet sich nach wie vor im Programm vom Schweizer Hurrican Games Verlag. Wer ein spannendes Katz- und Mausspiel zwischen Jack the Ripper und den bekannten Persönlichkeiten aus dem viktorianischen London erleben möchte, die im Stadtteil Whitechapel aufeinandertreffen ist in diesem reinen 2-Personenspiel genau richtig. Der Grund warum ich es eigentlich als normales Review schreiben wollte, ist der, dass ich außer über das Spiel selbst gar nicht soviele Fakten über das Spiel kenne. Ich probiere es aber trotzdem mal mit dem Klassiker Review.

Mr. Jack erschien 2006 bei Hurrican Games und wurde zu einem Erfolg für seine Autoren, die vom Künstler Pierô auch als Charaktere im Spiel verewigt wurden. Zwei der acht Charaktere im Spiel weisen erstaunliche Ähnlichkeiten mit den beiden Autoren auf. Die Prämisse des Spiels ist klar. Ein Spieler übernimmt die Rolle von Jack the Ripper und versucht aus den Straßen von Whitechapel zu fliehen. Dazu muss er das Spielfeld über einen von vier Ausgängen verlassen. Der zweite Spieler übernimmt die Rolle des Inspektors, der versucht mit Hilfe von anderen Ermittlern die Identität von Jack aufzudecken und ihn zu schnappen. Jacks Identität ist für ihn geheim und hinter einem der acht Spielsteine, die von beiden Spielern bewegt werden können, verbirgt sich der Mörder.

Mr. Jack – Spielaufbau / Foto: Spieltroll

Für diejenigen die es nicht kennen sollten, möchte ich das Spielgeschehen kurz anreißen. Das Spielmaterial ist recht überschaubar, denn wir haben nur neun Spielsteine, von dem einer als Rundenstein fungiert. Die anderen acht farbigen Steine symbolisieren die acht Ermittler, die sich in den Straßen von Whitechapel herumtreiben. Das Spielfeld zeigt den Spielern die Straßen mit ein paar Häusern, Laternen und Kanaldeckeln. Es besteht aus lauter Sechseckfeldern. Dann gibt es auch noch zwei Kartensätze mit den Identitäten und ihren Fähigkeiten und einem zweiten mit Alibis. Als letztes gibt es noch ein paar Marker für Laternen, Kanaldeckeln und Straßensperren. Mehr Material gibt es nicht und die Spieler können ihr asymetrisches Spiel starten. Zu Beginn werden die beiden Kartenstapel gemischt und der Spieler von Jack zieht sich verdeckt eines der Alibis. Die abgebildete Figur ist die Identität hinter der sich Jack verbirgt. Der Rundenstein auf dem Spielbrett gibt vor was genau passiert. In jeder Runde werden vier Karten gezogen und offen aufgedeckt. Die Karten zeigen vier der Charaktere auf dem Feld, die in einer festen Startaufstellung jedes Spiel beginnen. Jeder der beiden Spieler bekommt zwei der Charaktere. Man wechselt jede Runde, wer sich zuerst einen der Charaktere aussuchen darf. Jeder der Charaktere wird gezogen und kann oder muss, je nach seiner Spezialität, seine Fähigkeit einsetzen.

Mr. Jack – Rundenanzeige / Foto: Spieltroll

Der Ermittler darf nur einmal während des ganzen Spiels einen Versuch abgeben, die Identität zu erraten, weswegen dieser sich sehr sicher sein muss. Der Jack-Spieler muss immer zwischendurch bekanntgeben, ob er sichtbar steht oder nicht. Sichtbar ist man nur, wenn man direkt neben einer Gaslaterne steht, neben einem der anderen Charaktere oder von der Spezialfähigkeit des Dr. Watson betroffen ist, der über eine Laterne verfügt mit der er in eine bestimmte Richtung leuchten kann. Durch die Aussage des Jack-Spielers kann der Ermittler nun Rückschlüsse ziehen. Für Jack kommt es hauptsächlich darauf an, seine Figuren so zu setzen, dass er möglichst wenig Informationen preisgibt.

Mr. Jack – Gaslaterne, Kanaldeckel und Polizeisperre / Foto: Spieltroll

Im Verlauf des Spiels schalten sich immer mehr der Gaslaternen ab und es wird immer schwieriger, da man sich leichter verraten kann. Ein insgesamt sehr einfaches und schnelles Spielprinzip. Eine Partie dauert selten länger als 15 bis 20 Minuten. Das Spiel kommt mit schönem wertigen Material daher. Schöne runde Holzspielsteine, die beidseitig mit Aufklebern versehen sind und Karten die aus extrem dicker Pappe gefertigt wurden machen das Spiel zu einem, daß man gerne in der Hand hält. Mr. Jack wurde zu einem Hit für Cathala und Maublanc und verkaufte sich wohl recht gut. Noch im selben Jahr erschien eine kleine Mini-Erweiterung. Die Kutsche führte das namensgebende Vehikel ein, in dass die Charaktere einsteigen und sich über eine ziemlich weite Strecke befördern lassen konnten. Ein Jahr später erschien dann eine größere schlicht „Erweiterung“ betitelte Ergänzung, in der es fünf neue Charaktere gab. Das Spiel fand aber weiterhin mit acht Charakteren statt, man hatte nun aber mehr Auswahl und konnte zwischen den Partien wechseln. Des weiteren enthält die Schachtel einige Regelvarianten.

2009 erschien mit Mr. Jack in New York ein eigenständiges Spiel mit anderen Charakteren in Manhatten. Die Abwasserkanäle wurden durch die U-Bahn ersetzt, aber im Grunde ist es das gleiche Spiel. Ein Jahr darauf kommen die beiden Autoren dann mit einer Pocket-Variante um die Ecke, in der es kein Spielbrett mehr gibt und das durch neun quadratische Plättchen ersetzt wurde. Auch diese Version, obwohl sie etwas anders funktiniert erfreut sich großer Beliebtheit. 2013 erscheint bei Hurrican Games noch eine multilinguale Version von Le Fantôme de l’Opéra, welches das Mr. Jack-System in ein neues Setting ummünzt. Das Spiel erreicht aber nicht ganz die Popularität seiner Vorgänger und ist danach auch nicht wieder veröffentlicht worden.

Mr. Jack – Charaktere / Foto: Spieltroll

Mr. Jack wird zu einem internationalen Erfolg. Es wird sowohl für den niederländischen, als auch für den französischen Spielpreis nominiert, kann aber keinen der beiden gewinnen. Dafür gewinnt es aber den International Gamers Award 2007 in der Kategorie für „2 Player Strategy Game“ und erlangt weitere Bekanntheit. Auch auf Boardgamegeek.com wird es 2007 für den Golden Geek in dieser Kategorie nominiert.

Ich hatte relativ wenige Berührungspunkte mit diesem Spiel, bis es vor kurzem den Weg in unseren Haushalt fand. Zwar hatte ich es vor vielen Jahren mal gespielt, aber es hinterlies bei mir keinen größeren Eindruck. Erst im letzten Jahr konnte ich Mr. Jack für mich entdecken. Das Spiel kann man wirklich fast schon als abstraktes Strategiespiel bezeichnen. Die Steine stehen immer gleich auf dem Feld und haben alle eine andere Funktion, die es zu berücksichtigen gilt. Auch das Spielfeld hat Funktionen von denen man weiss. So wird vieles planbar. Dazu ist es eines der wenigen asymetrischen Spiele die richtig gut funktionieren, auch wenn man sagen muss, dass es um einiges einfacher ist als Ermittler zu spielen. Jack ist hier deutlich im Nachteil und es benötigt einige Partien, bis man sich Strategien erarbeitet hat mit denen man entkommen kann. Trotzdem bleibt es für Jack immer ein wenig schwieriger. Dafür ist es auf seiner Seite auch mit mehr Spannung versehen. Partien dauern aber nie zu lange, so dass man diese Unausgewogenheit verschmerzen kann und die Seiten wechseln kann.

Mr. Jack – Spielsituation / Foto: Spieltroll

Insgesamt ist Mr. Jack für zwei Spieler ein echtes Kleinod, das man aber auch lieben lernen muss. Man sollte nicht gleich nach ein oder zwei Partien die Segel streichen. Das Spielfeld und die unterschiedlichen Charaktere bieten viel Raum zum experimentieren.


  • Verlag: Hurrican Games
  • Autor(en): Bruno Cathala, Ludovic Maublanc
  • Illustrator(en): Pierô
  • Erscheinungsjahr: 2006
  • Spieleranzahl: 2 Spieler
  • Dauer: 20 – 30 Minuten

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