
Grundstein von Metropolis ist entstanden, weil das Vorgänger-Spiel Foundations of Rome, welches es (bisher) nicht in einer deutschen Version gibt, weil es eine absolut wahnsinnige Produktion darstellt, bei vielen so gut ankam, dass es dennoch viele Nachfragen zu dem Spiel gab, ob es nicht auch in einer weniger aufwendigen Produktion, die weniger Platz im Spieleregal wegnehmen würde, erscheint. Ich denke zwar, dass es auch auf Deutsch einige Freaks gegeben hätte die Foundations of Rome gerne in ihre Sammlung integriert hätten, aber ein so opulentes Spiel muss sich für einen Verlag dann auch schon lohnen. Für diejenigen die gar nicht wissen, worum es geht, sei kurz gesagt, dass wir es hier mit einem Stadtbauspiel zu tun bekommen und in der Rom-Variante alle Gebäude aus Plastik modelliert wurden. Das sieht zwar fantastisch aus, ist aber für das zugrundeliegende, recht simple Spiel, absoluter Overkill. Deshalb nun also diese Variante ohne das ganze Bling-Bling und in die schnöde Moderne versetzt. Kein Plastik aber dafür Pappe. Das Spielprinzip ist allerdings das Gleiche.
Worum geht es?
Wer Acquire kennt dürfte einige Ähnlichkeiten entdecken. Auch hier gibt es ein Koordinatensystem aus Grundstücken, die wir erwerben können. Zu Spielbeginn besitzen wir bereits einige. Unsere Aufgabe ist es benachbarte Grundstücke zu erwerben um Gebäude bauen zu können, um unseren Teil der Stadtentwicklung voran zu treiben. Die Spieler*innen stehen im Wettbewerb um die Grundstücke und um ihre Bauwerke, die auch in bestimmten Abhängigkeiten zueinander stehen. Wer das in drei Runden am besten managed und die meisten Siegpunkte erwirtschaftet gewinnt.

Wie läuft das ab?
Ein zentraler Plan in der Mitte des Spielfelds zeigt den Baugrund der Stadt in einzelne Grundstücke unterteilt. Durch Zahlen und Buchstaben lässt sich jedes Grundstück zuordnen. Zu Beginn erhalten die Spieler*innen bereits einige zufällige Grundstücke als Karten auf die Hand. Auf einem weiteren Plan, dem Marktplatz werden weitere Grundstücke ausgelegt. Diese werden aufsteigend teurer. Es werden drei Jahre mit jeweiliger Wertung gespielt. Auf einem weiteren Plan zählen wir Punkte und Bevölkerung unserer Gebäude.


Die Spieler*innen verfügen alle über ein eigenes Tableau, auf dem ihre Gebäudeplättchen gut sichtbar aufgereiht sind. Diese haben verschiedene Formen und Größen die sie auf dem Spielfeld einnehmen. Daraus resultieren Punktewerte und Bevölkerung. Einige Gebäude verfügen dabei über spezielle Arten zu punkten, die meist von ihrer Platzierung und den benachbarten Gebäuden abhängt. Andere Gebäude generieren uns Einkommen. Wir als Spieler*innen zeigen unsere Grundstücke über acht Marker an, die wir auf dem zentralen Brett platzieren. Mehr leere Grundstücke dürfen wir nicht besitzen. Wollen wir weitere erwerben, so müssen wir zunächst Gebäude errichten.

Das Spielprinzip ist dabei wirklich simpel. Sind wir an der Reihe, so haben wir genau drei Möglichkeiten zu handeln. Entweder erhalten wir Einkommen in Höhe von fünf Münzen plus dem Einkommen unserer bereits errichteten Gebäude, die Einkommen generieren, oder wir kaufen uns ein Grundstück aus dem Markt. Dadurch müssen wir unseren Besitzanzeiger auf dem zentralen Brett platzieren. Die dritte Möglichkeit besteht darin eines der Gebäude von unserem Tableau zu bauen. Für viele brauchen wir natürlich zusammenhängende Grundstücke auf dem Plan. Je größer ein Gebäude desto größer unser Nutzen in Form von Punkten, Einkommen oder Bevölkerung. Dieses Prinzip spielen wir reihum bis alle Grundstück eines Jahres aufgebraucht sind. Dann folgt eine Wertung bei der wir Münzen und Punkte für die Gebäude erhalten, die wir gebaut haben. Auch für die Bevölkerung bekommen wir Punkte. Der oder die Spieler*innen mit der größten Bevölkerung erhält einen Bonus, der in jedem Jahr größer wird. Interessanter Weise bekommen die anderen Spieler*innen Punkte in Höhe der Bevölkerung des oder der Spieler*in vor ihnen.

Dieses Spiel wiederholen wir noch zweimal mit jeweils einem Stapel an Grundstücken, bis alle Grundstücke des Spiels verkauft wurden. Der Spielplan ist dabei je nach Spieler*innen Anzahl größer oder kleiner und bestimmte Grundstücke müssen vor der Partie aussortiert werden. In einer Partie zu zweit sind es 49 Grundstücke, während es bei vier Spieler*innen ganze 81 sind.
Die meisten Punkte gewinnen wie üblich.
Das Fazit
Der deutsche Titel Grundstein von Metropolis klingt ein bisschen sperrig für meinen Geschmack, auch wenn er natürlich korrekt übersetzt wurde. Überhaupt nicht sperrig, sondern sehr auffordernd sind für mich das Material und die Präsentation innerhalb der Spieleschachtel. Der Spielaufbau ist tatsächlich trotz der vielen Teile schnell erledigt, weil alles in der Schachtel seinen Platz hat und die Tableaus der Spieler*innen bereits vorbereitet sind. Die Plättchen sind farbenfroh und lassen sich dank der sehr leuchtenden Farben auch gut unterscheiden. Was für ein Städtebauspiel, bei dem man viel Grau erwarten darf, schon eine Leistung ist.

Das Spielprinzip gefällt mir gut, auch wenn es recht seicht erscheint. Eine Partie ist durchaus schnell gespielt und bringt den nötigen Spaß. Zur Spieler*innenanzahl sei gesagt, dass es sich natürlich unterschiedlich anfühlt und spielt. Zu zweit ist relativ viel Platz auf dem Spielfeld und wir können aufgrund des Marktes und der Anzahl der Grundstücke darin schon auch mal ein bisschen mehr taktieren und spekulieren. Es ist möglich ein teures Grundstück weiter hinten in der Reihe, was mir durchaus in den Kram passt, liegen zu lassen und dadurch billiger werden zu lassen, weil mein Kontrahent andere Dinge als wichtiger erachtet. Zu viert unterdessen ist das Spiel sehr viel enger. Es gibt weniger Grundstücke pro Person auf dem Spielfeld und der Kampf um die Grundstücke ist intensiver und ein wenig mehr vom Glück abhängig, was mir die Mitspieler*innen übriglassen. Ein bisschen weniger taktisch, dafür spannender und emotionaler.
Was allerdings nicht von der Hand zu weisen ist, ist der Glücksfaktor zu Beginn der Partie, wenn die Grundstücke zufällig zugeteilt werden. Hast du hier Glück und bekommst ein paar schön zusammenhängende Grundstücke, so kannst du gleich zu Beginn ein großes Gebäude errichten, das drei Jahre lang punkten kann und dir einen Vorteil einbringt, den deine Mitspieler*innen erst einmal aufholen müssen.
Ansonsten habe ich aber keine Kritik an Grundstein von Metropolis zu üben und empfinde es dennoch als gelungenes Spiel auf dem Familienniveau, bei dem ich mir sogar vorstellen kann es auf der Empfehlungsliste für das Spiel des Jahres wiederzufinden.
- Verlag: Kobold Spieleverlag
- Autor(en): Emerson Matsuuchi
- Illustrator(en): Joe Shawcross
- Erscheinungsjahr: 2025
- Spieleranzahl: 2-4 Spieler*innen
- Dauer: 60 Minuten