Click A Tree – Rosenbergsche Landwirtschaft

Click A Tree

Wundert es irgendwen, dass es in einem neuen Rosenbergspiel um Landwirtschaft geht oder Plättchen aneinander gelegt werden müssen? Nein, natürlich nicht. Uwe Rosenberg bleibt sich treu und hat seine Lieblingsthemen und bastelt trotzdem immer wieder an interessanten Mechaniken. Für manche mag das repetitiv wirken, aber Herr Rosenberg scheint jemand zu sein, der gerne und ausgiebig an kleinen Stellschrauben feilt und nie ganz zufrieden ist. Irgendwann fällt ihm zu etwas Bestehendem ein neuer Twist ein, auch möge er noch so klein sein, dieser wird dann in einem neuen Spiel erprobt. Click A Tree ist mechanisch wie ich finde aber trotzdem etwas Neues. Rein optisch erinnert es zunächst ein wenig an Applejack, aber sobald es gespielt wird, bleibt dieser Vergleich recht schnell auf der Strecke. Click A Tree befasst sich dabei nicht nur mit der Landwirtschaft an sich, sondern es unterstützt das Click A Tree Projekt der Board Game Road in Ghana, bei der sich europäische Spieleverlage an der Aufforstung eines Waldes unter Berücksichtigung der syntropischen Landwirtschaft engagieren. Das Spiel Click A Tree versucht das Konzept spielerisch umzusetzen.

Worum geht es?

Click A Tree ist ein Plättchenlegespiel mit einem speziellen Auswahlmechanismus und einem besonderen Ressourcenmanagement, das in einem sehr ausgeklügelten und, wie ich finde, neuartigem Spielende-Mechanismus endet. Das Spiel behandelt dabei das Setting der syntropischen Landwirtschaft, bei dem auf die Pflanzen Rücksicht genommen wird, die in einem guten Verhältnis zueinander stehen und voneinander profitieren. Ein Anbaukonzept das sich die Natur zum Vorbild nimmt. Das Spiel bleibt aber weitestgehend mechanisch.

Click A Tree – Auswahltableau für Landschaftsplättchen / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

In Click A Tree bauen alle Spieler*innen an ihren eigenen Auslagen und bedienen sich am Anfang jeder Runde aus der zentralen Auslage. Das Spiel besteht dabei hauptsächlich aus sechseckigen Landschaftsplättchen die drei Dinge zeigen: einen Baum in der Mitte, einen oder zwei Hintergründe mit Früchten und ein Schild mit dem Aufdruck A, B oder AB. Sieben verschiedene Fruchtsorten gibt es und auf dem zentralen Spielbrett werden Holzmarker mit den Sorten zufällig in einem Rondell verteilt. Dieses zentrale Tableau ist der Teil der mich an meisten an Applejack erinnert. Immer zwischen zwei Fruchtmarkern befindet sich eine Mulde in die wir zum Spielstart eines der Landschaftsplättchen legen. Die restlichen Plättchen legen wir versteckt in Stapeln bereit.

Click A Tree – Ernteplättchen / Foto: Spieltroll

Der Aufbau für die Spieler*innen selbst benötigt ein bisschen mehr Aufwand und Erklärung. Diese bauen vor sich selbst im Spielverlauf eine Landschaft aus den Landschaftsplättchen und angrenzenden Ernteplättchen. Von diesen haben sie 14 Stück und mischen sie verdeckt. Zwei werden zum Spielstart aufgedeckt und zeigen an den Rändern Sicheln, die uns vorgeben an welchen Rändern des Plättchens geerntet wird. Darüber hinaus haben sie in der Mitte eine runde Vertiefung für ein sogenanntes Feierabendplättchen, das anzeigt, wenn dieses Plättchen vollständig geerntet hat. Außerdem erhalten alle ihr eigenes Tableau, sowie sieben Fruchtmarker und einen Satz Aufgabenstreifen. Von diesen gibt es insgesamt 15 Stück. Pro Partie werden aber nur neun verwendet. Diese Sätze sind für alle Spieler*innen identisch und sie müssen sich vor dem Spielstart darauf einigen, welche sie benutzen wollen, denn alle müssen die gleichen neun Aufgabenstreifen benutzen.

Click A Tree – Spieler*innentableau / Foto: Spieltroll

Das Tableau zeigt 11 Stufen von 0-10 an. Auf die oberen neun Stufen werden die Aufgabenstreifen gelegt. Die Anordnung ist allerdings völlig egal und hat keinen Einfluss auf das Spiel. Auf Stufe eins werden die eigenen Fruchtmarker gelegt, die Stufe null bleibt frei. Links neben den Stufen befindet sich immer zwischen zwei Stufen eine runde Einkerbung. Auf den oberen sind die Zahlen 2 und 3 bereits aufgedruckt. Die Spieler*innen erhalten dann noch drei Zahlenchips mit den Werten 5, 6 und 7. Mit der 5 überdecken sie die 3 und die 6 und 7 folgen dann in den nächsten Einkerbungen.

Der Spielablauf ist dann relativ einfach. Wer an der Reihe ist durchläuft drei simple Phasen aus denen sich eventuell weitere Aktionen ergeben, bevor der oder die Nächste an der Reihe ist. Als erstes wählt ihr eine Fruchtsorte aus, von der ihr die beiden benachbarten Landschaftsplättchen aus der Auslage haben wollt und bezahlt diese. Danach füllt ihr die Auslage wieder auf. Bezahlt wird mit der gewählten Frucht. Dazu schieben wir den entsprechenden Marker um ein Feld nach unten. Zum Spielstart haben wir von jeder Frucht genau eine. Haben wir die entsprechende Frucht nicht, können wir die Plättchen nicht kaufen.

Click A Tree – Früchtemarker / Foto: Spieltroll

Danach müssen wir die Plättchen in unsere Auslage einbauen. Wir dürfen sie beliebig anlegen. Nichts muss übereinstimmen und lediglich eine jeweilige Kante muss an eine bereits liegende angrenzen. Es ist meistens natürlich sinnvoller auf die aufgedruckten Dinge zu achten um bessere Ernten ausführen zu können. Dazu aber gleich mehr.

Als dritten Schritt müssen wir eines unserer beiden offenen Ernteplättchen in unsere Auslage legen. Dabei ist zu beachten das wir auch hier mit mindestens einer Kante angrenzen müssen, dabei niemals Erntekanten aneinander legen dürfen und wir das Plättchen so legen müssen das mindestens eine Ernte stattfindet. Danach füllen wir unsere offene Ernteplättchen Auslage mit einem neuen Plättchen auf.

Click A Tree – Feierabendplättchen / Foto: Spieltroll

Aus dem Legen der Plättchen können drei weitere Aktionen entstehen, die wir dann abhandeln müssen. Erstens kann es zu einer Ernte kommen. Dabei kommen Ernten sowohl im zweiten Schritt, als auch dritten zustande. Legen wir ein neues Landschaftsplättchen in unsere Auslage so an, das eine Kante eine Erntekante berührt so ernten wir. Oder aber in Phase drei, wo wir eine Erntekante direkt anlegen müssen. Eine Ernte ist dabei nichts anderes, als das wir schauen welche Fruchtsorte angrenzt und wieviel Ertrag wir bekommen. Es zählen dabei Gebiete gleicher Fruchtsorten die aneinander angrenzen. Für jedes Plättchen erhalten wir so die entsprechende Frucht. Wir schieben dann den Marker auf unserem Tableau um so viele Felder nach oben, wie dem Ertrag entspricht. Natürlich blockieren die Auftragsstreifen die Felder weiterhin und müssen erst entfernt werden, bevor die Marker weiter nach oben wandern können.

Als zweite mögliche Aktion kann es eben passieren, dass wir einen unserer Aufträge erfüllt haben. Diese verlangen von uns verschiedenste Dinge, wie Formationen gleicher Bäume, bestimmte Anordnungen von Plättchen oder Schildern mit bestimmten Aufdrucken. Haben wir eines dieser Ziele erfüllt, so entfernen wir den Aufgabenstreifen sofort vom Tableau und schieben den Rest darunter nach oben. So werden unten neue Felder für die Fruchtmarker frei und wir können mehr Vorräte anlegen.

Click A Tree – Aufgabenstreifen erfüllt / Foto: Spieltroll

Das Dritte was passieren kann, ist das alle Ernteoptionen eines Ernteplättchens erfüllt wurden. Ist das der Fall, so legen wir einen der Feierabendmarker darauf, um das anzuzeigen. Ebenfalls müssen wir dann das oberste der Punkteplättchen das sich nach unten bewegen lässt, um ein Feld nach unten bewegen. Passiert das zum ersten Mal im Spiel, so ist es natürlich das unterste Plättchen mit der 7. Damit kommen wir auch schon, zum wie ich finde recht innovativem und spannenden Spielende. Dieses wird nämlich eingeläutet, sobald jemand mit der Anzahl Fruchtmarker eine Linie überschreitet auf der der entsprechende Zahlenmarker links auf dem Tableau liegt. Soll heißen, wenn wir mit sieben Fruchtmarkern über den Siebener Marker ziehen ist das Spiel zu ende. Sieben Marker entsprechen dabei aber allen Früchten, was durchaus schwierig ist. Ganz oben anzukommen kann einfacher sein, aber dafür müssen wir natürlich zunächst auch alle Aufgaben erfüllen. Aber da müssen es dann nur zwei Marker sein.

Das Fazit

Von Click A Tree, da bin ich ehrlich, habe ich tatsächlich nicht viel erwartet, aber wie ihr an dieser Floskel schon erkennen könnt, war es dann in gewissem Sinn doch eine Überraschung für mich. Überrascht war ich vor allem, wie gut mir das spielerische Gesamtbild gefallen hat. Okay, die Optik ist gewöhnungsbedürftig und erfordert zum Teil genaueres Hinsehen, das kann ich als Kritikpunkt gelten lassen. Spielerisch habe ich hier aber nicht viel auszusetzen. Das Glück spielt natürlich ein bisschen mit beim Nachziehen der Plättchen, aber das gehört zu einem Spiel dieser Kategorie dazu. Tja, aber welche ist das eigentlich? Für ein Familienspiel ist eigentlich schon ein bisschen zu viel los. Allerdings ist das Spielgeschehen dennoch sehr überschaubar und eigentlich gut beherrschbar. Click A Tree wabert also ein bisschen zwischen Familien- und Kennerspiel hin- und her.

Wenn ich mir andere Bewertungen anschaue, dann kommt mir das Spiel ein wenig zu schlecht weg und findet gar nicht so viel Beachtung, wie es meiner Meinung nach verdient hätte. Es ist ein Plättchenlegespiel mit durchaus schön verzahnter Mechanik, bei der mich am meisten der Spielende Mechanismus mit den zu erfüllenden Aufgaben und den sich entgegengesetzt bewegenden Markern beeindruckt. Ich versuche also während des Spiels möglichst schnell ein paar Aufgabenstreifen zu erfüllen, damit ich ein wenig mehr Spielraum mit den Früchten gewinne. Danach muss ich meine Möglichkeiten gut erkennen, denn sowohl Ernteplättchen abschließen, als auch Aufgaben erfüllen, sowie die richtigen Früchte bekommen ist hier gleich wichtig. Dafür muss die Auslage im Auge behalten werden, wo dann der Glücksfaktor zuschlägt. Deswegen finde ich das Spiel auch zu zweit am besten, weil es dort viel taktischer bleibt, da die Auslage sich immer nur überschaubar verändert. Zu viert finde ich Click A Tree leider auch ein wenig zu abhängig vom Glück. Tolles Spiel für zwei, wie ich finde, das auch über einen Solomodus verfügt!


  • Verlag: Skellig Games
  • Autor(en): Uwe Rosenberg
  • Illustrator(en): Roman Kucharski
  • Erscheinungsjahr: 2025
  • Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler*innen
  • Dauer: 30-60 Minuten

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