#020 Blogbuch – Kampagne

Heute würde ich gerne mal über Brettspiele mit Kampagnen sprechen. Diese bereiten mir nämlich zunehmend Kopfschmerzen, oder sagen wir mal, ich muss in letzter Zeit häufiger über sie nachdenken. Eigentlich mochte ich solche Spiele immer ganz gerne und wollte sie auch immer in voller Gänze erleben, aber in den letzten Jahren hat das leider zusehends nachgelassen. Das erste Mal so richtig aufgefallen ist es mir, als ich von meiner Frau Schlafende Götter geschenkt bekam und wir es nur wenig später ausprobierten. Das Spiel gefiel uns eigentlich ganz gut, aber wir kamen einfach nicht dazu es regelmäßig zu spielen, wie es das Spiel verdiente. Noch während der Pandemie erlebten Kampagnenspiele ja einen regelrechten Boom. Ist ja auch klar, wir alle hatten eines im Überfluss: Zeit! Die wollte natürlich totgeschlagen werden und da boten sich Kampagnenspiele an, ja drängten sich sogar auf. Dennoch glaube ich irgendwie nicht, dass Zeit das Problem bei mir ist. Bei manchem Legacyspiel bekommen wir es ab und zu ja auch noch hin oder schauen wir uns zum Beispiel das neue Cozy Stickerville an, welches wir regelmäßig abends spielen konnten und uns die Zeit nahmen. Aber auch für Legacyspiele gibt es Gegenbeispiele in unserer jüngeren Vergangenheit. Aktuell stehen bei uns drei Kampagnen- und oder Legacy-Spiele herum, die wir entweder angefangen haben, oder noch beginnen wollen, bei denen sich mir allerdings immer mehr aufdrängt, dass das einfach nicht passieren wird.

Divinus

Das erste Spiel ist Divinus, welches wir in der Truhe der Vielfalt Stufe in der Spieleschmiede unterstützt haben. Wir warteten ziemlich lange auf das Spiel. Länger als auf jedes andere Spiel, welches wir gebacked haben. Wir haben es dann sogar recht bald gespielt. Immer mal wieder mehrere Partien, so dass wir eigentlich fast durch damit sind. Allerdings nur fast. Und die einzelnen Pausen zwischen diesen Phasen des Spielens waren immer immens groß, so dass wir inzwischen, so glaube ich, fast genau so lang an der Legacy-Kampagne spielen, wie wir auf das Spiel gewartet haben. Das Spiel ist dabei nicht einmal schlecht und wir fühlten uns ganz gut unterhalten. Jedoch brachen wir immer wieder nach zwei oder drei Partien ab und machten erst ein halbes Jahr später weiter. Vielleicht war es uns einfach nicht spannend genug? Aber ehrlich gesagt, weiß ich es bei Divinus nicht genau.

Kinfire Chronicles: Night´s Fall

Beim zweiten Fall kann ich es schon etwas genauer sagen. Kinfire Chronicles: Night´s Fall. Auch das stand nach dem Kauf etwas länger im Regal, wobei meine Frau immer bock darauf hatte es zu spielen. Als wir es dann endlich taten und uns dem ersten Szenario widmeten, waren wir zunächst enttäuscht, weil wir krachend gescheitert waren. Wir probierten es einfach noch einmal und verloren erneut. Ich konnte mich noch gut an einen Forenbeitrag bei BGG erinnern, wo ein Vater schrieb, dass er es mit seiner achtjährigen Tochter spielte und diese das Spiel nach einigen Szenarios zu langweilig und einfach fand, so dass sie abbrachen. Wir schafften nicht mal Szenario Nummer eins und das nicht weil es so schwierig war, sondern eher, weil das Spielsystem so zufällig war, das du einfach keinen Einfluss darauf hast. Dieses Spiel macht optisch und vom Material her so viel richtig, dass du es kaum fassen kannst, dass ausgerechnet das Spielprinzip so dämlich ist. Das soll sich noch ändern und hängt wohl auch von der Charakterauswahl ab, aber nee, sorry, dann stimmt da einfach was nicht. Okay, ist ein völlig anderer Grund als bei Divinus, aber wir wollten uns einfach die Zeit nicht nehmen noch mehr Trial und Error Partien zu spielen. Da war sie ja wieder: die Zeit. Vielleicht ist sie es ja doch?

The Dark Quarter

Spiel Nummer drei ist wieder so ein gebacktes Spiel. Die Rede ist von The Dark Quarter. Auf dieses Spiel habe ich mich ursprünglich mal richtig gefreut und war auch hier All-in gegangen. Jetzt steht es hier im Regal und ich habe nach diversen Berichten von Leuten, die es schon „gespielt“ haben, kaum noch Lust es auszuprobieren. Ein Spiel in dem du eigentlich gar nicht mehr spielst sondern nur noch liest und die physischen Komponenten kaum noch brauchst, wie in anderen Lucky Duck Spielen noch üblich, macht mich dann einfach, trotz der schönen Prämisse nicht mehr an. Mich dort zeitlich so sehr zu investieren, die ganzen Szenarien noch durchzuspielen, so erzählerisch schön und abgefahren sie auch sein sollen, da habe ich jetzt tatsächlich kaum noch Bock drauf.

Ist ja jetzt auch nicht so, dass es die ersten Erfahrungen dieser Art waren. Wie gesagt mit Schlafende Götter fing es eigentlich an. Earthborne Rangers ist auch ein gutes Beispiel, wobei dort haben wir es noch mit am längsten ausgehalten, weil das Spiel irgendwie neu und frisch war, aber auch dort haben wir nach unzähligen Stunden irgendwann aufgehört, weil uns unsere Zeit am Ende zu kostbar war. Also doch die Zeit. Ich denke es ist doch ein wenig vielschichtiger. Die Zeit spielt eine wichtige Rolle, gerade wenn du dank Job, Familie und anderer Verpflichtungen nicht so wahnsinnig viel davon hast. Das Alter spielt auch eine Rolle. Denke ich an früher zurück, da hast du sowas tagelang gespielt und es hat dir nichts ausgemacht. Tage schienen endlos und sich ein Wochenende mit seinen Freunden hinzusetzen und ein episches Spiel zu spielen war einfach normal und hat dir nichts ausgemacht. Heute denke viel eher darüber nach, ob ich so viel Zeit investieren kann.

Neben Zeit und Alter ist für mich die Qualität ein weiterer ausschlaggebender Punkt. Viele der Kampagnenspiele sind es einfach nicht wert so viel Zeit in sie zu investieren, weil ihre Geschichten zu langweilig sind, oder das Spielgeschehen auf Dauer zu repetitiv. Mache ich immer wieder das Gleiche, dann muss die Geschichte, die mir das Spiel erzählen will, schon unglaublich gut sein, um mich bei der Stange zu halten. Ist die Geschichte zu dünn, dann muss das Spiel mich immer wieder mit frischen Ideen dabei halten. Manchen Legacyspielen gelingt das, wie zum Beispiel Klong! Legacy oder auch Zug um Zug: Legenden des Westens, aber Divinus ist spielerisch zu eintönig, um uns lang genug zu fesseln, um die erforderlichen Partien zu absolvieren.

Zu den oben genannten drei Spielen wird es hier wohl keine Reviews mehr geben, weil wir sie nie beenden werden. Auch sie müssen die Sammlung dringend verlassen, denn sie schlucken exorbitant viel Platz. Also verbleibe ich doch mit dem Zitat des Roger Murtaugh: „Ich bin zu alt für diesen Scheiß!“

Würde mich wirklich mal interessieren wie andere das sehen? Bin ich alleine damit? Oder habt ihr Ähnliches bei euch festgestellt?

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