Portrait – Klaus Teuber

Heute möchte ich mit einer weiteren neuen Kategorie beginnen – den Autorenportraits. Meiner Meinung nach haben es einige Autoren durchaus verdient, ihr Schaffen ein bißchen näher in den Fokus zu rücken und wie ich über die Jahre festgestellt habe, kann man die Handschrift eines Spieleautoren eindeutig in seinen Spielen wiedererkennen, so dass man wissen sollte, was sonst noch so von ihm erdacht wurde, denn es könnte einem gefallen. Den Anfang soll, Mr. Catan himself, Klaus Teuber machen, denn sein Einfluß auf die gesamte Spieleszene war in der Vergangenheit immens. Vielleicht ist er für einige heutzutage nicht mehr ganz so präsent, weil er in den letzten Jahren kaum noch nennenswerte Spiele hervorgebracht hat, aber glaubt mir, vom Ende der Achtziger bis hin zu den frühen 2000er Jahren ist Klaus Teuber einer der bestimmenden Autoren der Brettspielszene und veränderte durch sein Spiel die „Die Siedler von Catan“ die Welt der Spiele nachhaltig.

Klaus Teuber wurde am 25. Juni 1952 als Sohn eines Zahntechnikermeisters geboren und übernahm zunächst das familieneigene erfolgreiche Dentallabor, dass bereits in den Dreißiger Jahren von seinem Großvater gegründet wurde. Allerdings war er, laut eigener Aussage, schon immer spielbegeistert und begann zum Ausgleich für seinen stressigen Job damit im heimischen Hobbykeller Spiele zu erfinden. Außerdem knüpfte er viele Bekanntschaften über die Jahre und prägte so in diversen Funktionen die deutsche Spieleszene für einen gewissen Zeitraum.

Begonnen hat alles mit dem Spiel Barbarossa und die Rätselmeister, dass er mit viel Glück beim ASS Verlag unter bringen konnte, die damals eigentlich gar nicht soviel mit Brettspielen zu tun hatten. Mit Barbarossa gewann er im Jahr 1988 bereits den Preis für das Spiel des Jahres und sorgte für einen Überraschungshit. Ich selbst bekam das Spiel zum Geburtstag geschenkt und fand es, wie ich leider gestehen muss, nur solala. Es gefiel mir einfach nicht, weil es mir damals schon zu wenig Spiel enthielt. Das bloße Raten der selbstgekneteten Figuren reichte mir einfach als Konzept damals schon nicht aus. Übrigens etwas, dass sich bei mir bis heute durchzieht. Ratespiele haben es bis heute schwer, mich für sie zu begeistern. Die Menschen hier in Deutschland aber liebten das Spiel und die Auszeichnung tat ihr Übriges zur Verbreitung des Spiels.

Nur zwei Jahre später legte Klaus Teuber nach und veröffentlichte mit Adel verpflichtet einen weiteren Titel, der von der Spiel des Jahres-Jury abgefeiert und zum Preisträger des Jahres 1990 ernannt wurde. Der Spieltroll bekam auch in diesem Jahr dieses Spiel zum Geburtstag geschenkt und ich kann mich tatsächlich noch sehr gut an die erste Partie erinnern, die wir damals vor gähnender Langeweile abgebrochen haben. Danach stand es erstmal recht lange abseits rum und wurde verschmäht, bis wir es aus irgendeinem Grund nochmal rausholten. Diesmal spielten wir eine komplette Partie und es gefiel uns leider immer noch nicht. Wir fanden es schlicht langweilig. Klaus Teuber war zu diesem Zeitpunkt nicht in meiner Gunst. Seine Spiele blieben aber lange in meiner Spielesammlung.

1991 tat er es dann schon wieder und schaffte es mit Drunter & Drüber innerhalb von vier Jahren zum dritten Mal den Titel für das Spiel des Jahres zu gewinnen. Ziemlich faszinierend, aber nach den gezeigten Vorleistungen war das Spiel Drunter & Drüber für mich erstmal nicht interessant genug. Die Spielidee klang wieder so, als würde sie mich nicht begeistern und zudem empfand ich das Spiel als sehr häßlich und unansehnlich. Moment, soll das hier nicht eine Würdigung für einen legendären Spieleautoren werden? Ja, aber zu Beginn begeisterte mich Herr Teuber einfach überhaupt nicht. Drunter & Drüber kaufte ich mir erst viele Jahre später als gebrauchtes Spiel, als ich die fixe Idee hatte meine „Spiele des Jahres-Sammlung“ zu vervollständigen und was soll ich sagen, dass Spiel ist wirklich tol, macht Laune und gefällt mir bis heute wirklich gut. Leider muss man sagen, ist es bis heute kein schönes Spiel und ich finde das ist ein Klassiker, der mal eine neue Aufmachung verdient hätte. Die englische Version von Mayfair Games „Wacky Wacky West“ geht da schon in die richtige Richtung ist aber auch noch nicht das Ende der Fahnenstange.

So, Klaus Teuber war erst vor drei Jahren in das Brettspielbusiness eingestiegen und hatte bereits dreimal in kürzester Zeit den bedeutensten Brettspielpreis weltweit abgeräumt, was kann da denn noch kommen? Adel Verpflichtet gewann sogar ganz nebenbei 1990 auch noch den Deutschen Spiele Preis der auf der Messe in Essen verliehen wird. 1992 veröffentlicht Teuber „Der fliegende Holländer“ und gewinnt diesen Preis erneut. Das Spiel wird von der Spiel des Jahres Jury nicht in Erwägung gezogen. Trotz all des Erfolges, bleibt das Spieleerfinden selbst für einen so erfolgreichen Autor erstmal nur eine Nebenbeschäftigung, ein Hobby mit dem man ein bißchen Geld verdient.

Es folgen sehr turbulente Jahre in seiner Karriere und wer sich das mal selber im kleinsten Detail zu Gemüte führen möchte, der sollte sich Klaus Teubers Buch Mein Weg nach Catan durchlesen. Er gründete mit seinem Freund und Gleichgesinnten Reiner Müller 1993 die Frima TM-Spiele und veröffentlichte selber Spiele. Das ging nur zwei Jahre gut und die Insolvenz drohte, bevor er mit seiner Firma für Simba Toys die redaktionelle Arbeit für die neugegründete Spielemarke des Konzerns Goldsieber übernahm. Auch hier war er im Hintergrund an der äußerst erfolgreichen Arbeit Goldsiebers beteiligt.

In der Zwischenzeit war er als Spielerfinder aber nicht untätig und entwarf seinen wohl größten Erfolg „Die Siedler von Catan“, der zum Meilenstein werden sollte. Das Catan bei Kosmos erschien, einem Verlag, der seine Brettspielserie eigentlich einstellen wollte, weil er ebenfalls kurz vor der Insolvenz stand ist dabei reiner Zufall und eine Veröffentlichung bei Goldsieber wäre genauso möglich gewesen. Catan avancierte aber zum Riesenhit und gewann natürlich sowohl den Deutschen Spiele Preis, als auch den Preis für das Spiel des Jahres im Jahre 1995. Catan löste eine neue Brettspielwelle aus und brachte soviele Innovationen mit sich, dass selbst der Rest der Welt sich diesem Spiel nicht entziehen konnte und sogar der Begriff der German Board Games (später Eurogames) von ihm mitgeprägt wurde. Das Spiel verkaufte sich damals und auch heute noch wie geschnitten Brot und sorgte dafür, dass Klaus Teuber seit 1999 hauptberuflich als Spieleautor tätig ist. Zu diesem Zeitpunkt, etwas über zehn Jahre nach dem Startpunkt seiner spielerischen Laufbahn war er jeweils vierfacher Preisträger der beiden wichtigsten deutschen Spielepreise, gewann mit Catan auch im Ausland so gut wie jeden Preis und gewann 1996 und 1997 sogar auch noch zweimal den deutschen Kinderspielpreis für Hallo Dachs und Die Ritter von der Haselnuß. Läuft also bei Herrn Teuber.

Für mich war er zunächst nur ein gewöhnlicher Spieleautor, dessen Spiele mir einfach nicht gefielen, bis Catan erschien, was mir in Punkto Brettspiele ebenfalls die Augen öffnete. Ich war zwar schon immer ein begeisterter Geek, aber ab hier wurde alles anders und das hält für meinen Geschmack bis heute an. Ich weiss nicht ob es der Zeitgeist war, oder seine besondere Kreativität? Aber irgendwas muss er ziemlich richtig gemacht haben, denn seine Spiele gefielen schon immer ziemlich vielen Menschen und nebenbei hat er eines der wichtigsten Brettspiele überhaupt erfunden, dass als Initialzündung für viele Spieleautoren fungiert haben dürfte und die Welt der Brettspiele nachhaltig verändert hat.

Klaus Teuber und seine Söhne haben danach die Marke Catan immerweiter ausgebaut und die Fans haben fast alles, was die Catanwelt zu bieten hat auch mitgetragen. Leider kamen nicht mehr soviele tolle andere Ideen von ihm selber, die viel Beachtung gefunden haben, aber an Catan baut er bis heute.

Bekannteste Werke von Klaus Teuber:

  • Catan (1995)
  • Catan – Das Kartenspiel (1996)
  • Löwenherz (1997)
  • Sternenschiff Catan (2001)
  • Die Sternenfahrer von Catan (1999)
  • Elasund (2005)
  • Adel Verpflichtet (1990)
  • Die neuen Entdecker (2001)
  • Drunter & Drüber (1991)
  • Barbarossa und die Rätselmeister (1988)

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