Fallout Shelter – Das Brettspiel

Fallout Shelter / Foto: Spieltroll

Im Moment boomen ja gerade die Umsetzungen von Filmen und Videospielen als Brettspiel. Gefühlt gab es zwar immer schonmal den ein oder anderen Versuch, aber so richtig in Fahrt kommt es erst in den letzten Jahren und damit wir uns richtig verstehen, ich meine nicht diese Spiele in denen einfach nur das Franchise auf ein bestehendes Spiel gebügelt wird, wie ein Harry Potter Cluedo oder ein Game of Thrones Monopoly. Nachdem es bereits zum Viedeospielhit Fallout ein Brettspiel gibt, hat sich Fantasy Flight Games gedacht, auch die sehr beliebte Fallout Shelter Smartphone App hat einen Brettspielableger verdient. Die App habe ich selbst ziemlich lange gespielt und sie ist fantastisch für eine Spieleapp für die man tatsächlich initial erst mal kein Geld zahlen muss. Als ich die Ankündigung für ein Brettspiel hörte war ich direkt Feuer und Flamme, dachte mir aber auch, dass es eigentlich viel zu komplex für ein kleines Brettspiel wäre. Was aber letztlich dabei herausgekommen ist, hat mich ziemlich überrascht.

Wourm geht es?

In der Welt von Fallout spielt man einen Bewohner eines Bunkers, der nach einer langen Zeit wieder aus einem Atombunker in die durch eine atomare Katastrophe zerstörte Oberwelt zurückkommt. In Fallout Shelter baut man diesen Bunker zunächst einmal weiter aus und versucht eine funktionierende Gemeinschaft herzustellen, die sich selbst versorgen kann. Darüber hinaus kann man in die Außenwelt vordringen und Abenteuer erleben, um Beute zu sammeln, die man gebrauchen kann. Außerdem überfallen den Bunker immer wieder Banden und atomarverseuchte Monster. Im Brettspiel bauen wir mit bis zu vier Spielern ebenfalls den Bunker aus und müssen ihn gegen die Gefahren verteidigen. Wer am Ende die meiste ufriedenheit angesammelt hat gewinnt.

Fallout Shelter – Das Brettspiel – Spielaufbau / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Rein optisch kommt das Spiel schonmal außergewöhnlich daher, denn es steckt in einer Metallschatulle, die wie ein kleiner Lunchkoffer aussehen soll, denn diese spielen in der App als Belohnung eine wichtige Rolle. Das Design ist bei allem in den amerikanischen 50er Jahren stehen geblieben, wie im computerspiel eben auch. Sämtliche eigenheiten wurden übernommen. Zum Spielaufbau gehört ein bißchen Vorbereitung. Jeder Spieler bekommt zwei Bewohner/Arbeiter und ein Ressourcentableau in seiner Farbe. In der Mitte wird der Bunker aufgebaut der aus dem zentralen Fahrstuhl und jeweils drei Karten links und rechts davon mit drei unterschiedlichen „Räumen“ besteht. Unter den Fahrstuhl legt jeder Mitspieler seinen Fahrstuhl an und baut ao im Verlauf des Spiels seine eigene Etage im Bunker. Das Spiel kann dann bei vier Spielern einiges an Tischfläche benötigen. Über dem Bunker wir deine Auslage mit den verschiedenen Karten gebildet. Ganz links liegen drei aufgedeckte Karten des Gegenstandsstapels, daneben folgen die gemischten Gefahrenkarten und rechts davon der Raumstapel mit ebenfalls einer Auslage von drei Karten. Die universellen Ressourcenwürfel und Zufreidenheitsmarker werden ebenfalls bereitgelegt.

Fallout Shelter – Das Brettspiel – Raumkarte
Foto: Spieltroll

Die Raumkarten zeigen immer ein paar Felder auf denen man Arbeiter einsetzen muss und darüber die Belohnung die man erhält, wenn man das tut. Manche Felder haben noch Bedingungen, die erfüllt werden wollen, um von ihnen profitieren zu können. So hat der Raum mit der Vault-Tür ein Feld auf dem man drei Nahrungsressourcen abgeben muss, um einen neuen Bewohner zu erhalten. Einige tragen auch Buchstaben des Wortes SPECIAL zu denen ich etwas später komme. Dies sind allerdings keine Bedingungen, sie bringen einem nur Boni, wenn man einen entsprechenden Bewohner hier platziert.

Fallout Shelter – Das Brettspiel – Ressourcentableau / Foto: Spieltroll

Drei verschiedene Ressourcen gibt es im Bunker. Nahrung, Wasser und Energie. Alle werden durch die neonfarbenen kleinen Würfel repräsentiert und werden erst in unserem Tableau zu einer speziellen Ressource. Hier haben wir nur Platz in jeder Reihe für maximal sechs Würfel. Am oberen Rand unseres Tableaus finden wir das Wort SPECIAL übrigens wieder und über jedem Buchstaben gibt es eine kleine Mulde.

Fallout Shelter – Das Brettspiel – Spielsituation
Foto: Spieltroll

Fallout Shelter wird in Runden gespielt und jede Runde besteht aus drei einfachen Phasen, von der die erste zum Spielstart gleichmal weggelassen wird und erst ab der zweiten runde dazukommt. Ich erkläre die drei Phasen aber mal in der richtigen Reihenfolge. Zuerst wird in jeder Runde überprüft ob Gefahren erscheinen. Zu diesem Zweck leigen dem Spiel noch zwei sechsseitige Würfel bei und wir müssen für jede Etage des Bunkers einen gesonderten Würfelwurf ausführen. Die fest ausliegenden Räume der ersten Bunkeretage haben Nummern auf ihren Einsatzfeldern von zwei bis zwölf und je nachdem, welche Nummer man würfelt, erscheint dort eine Gefahr in Form von einer Gefahrenkarte. Diese Gefahrenkarten sind durchsichtig und werden einfach so auf den Einstzort gelegt, das es ihn überdeckt. Das sieht umwerfend gut aus. Auf der Gefahrenkarte sehen wir nun die Bedrohung in Form eines Bildchens und eines Würfelsymbols, das uns anzeigt, was wir mit beiden Würfeln erzielen müssen, um die Gefahr zu besiegen. Sollten wir eine Zahl würfeln, auf der bereits eine Gefahr liegt, so ignorieren wir sie. Diese Gefahren blockieren also unsere Produktionsplätze und müssen erst beseitigt werden, was nicht immer leicht istaber meistens lukrativ.

Nach der Überprüfung der Gefahren werden die Bewohner von den Spielern abwechselnd zugewiesen. Die Plätze können immer nur einmal besetzt werden und für manche Plätze benötigt man mehr als einen Bewohner. Auch müssen zunächst etwaige Kosten bezahlt werden. Als Belohnung kann man natürlich nicht nur Ressourcen bekommen, auch Zufriedenheit, neue Bewohner, Ausrüstung, der Startspielmarker oder das Bauen von neuen Räumen ist möglich. Eine Spezielle Form der Belohnung stellt das Training dar. Hier werden die eigenen Bewohner beim Rückruf geschult. Das Training gibt immer einen der SPECIAL Buchstaben an und wenn wir unseren Bewohner zurückholen dürfen wir ihn an die entsprechende Mulde unseres Tableaus stellen. In der nächsten Runde ist unser Arbeiter dann trainiert und wir bekommen den doppelten Betrag von einem Arbeitsfeld, sollte es diesen Buchstaben tragen.

Fallout Shelter – Das Brettspiel – Raum Bauen über den Fahrstuhl / Foto: Spieltroll

Will man einen Raum bauen, so darf man sich einen aus der Auslage aussuchen und bezahlt hier ebenfalls die zum Bau benötigten Ressourcen und fügt diesen Raum seiner Bunkeretage hinzu. Räume müssen immer angrenzend gebaut werden. Auf unseren Stockwerken gelten die gleichen Zahlen für die Gefahren wie die der Räume des allgemeinen Bunkerteils über ihnen. Das Bauen der Räume bringt einen ein Stück näher ans Spielende, denn das ist entweder erreicht, wenn eine Etage eines Spielers seinen sechsten Raum bekommt oder aber der Gefahrenstapel leer ist. Die neuen Räume eröffnen den Spielern neue Möglichkeiten, denn sie können lukrative Felder beinhalten. Nutzt ein Spieler ein Feld auf einer Etage eines Mitspielers, so bekommt der Besitzer eine Ressource seiner Wahl aus dem allgemeinen Vorrat. Ausnahme hierzu ist das Bekämpfen einer Gefahr, denn das passiert zum Wohle aller.

Fallout Shelter – Das Brettspiel Gefahrenkarte
Foto: Spieltroll

Zum Bekämpfen stellt ein Spieler seinen Bewohner auf das Feld einer Gefahrenkarte und versucht die Gefahr mit einem simplen Würfelwurf zu besiegen. Hierbei können Gegenstände enorm helfen. Wird der angezeigte Wert erreicht oder überboten wird die Gefahr abgelegt und der Spieler bekommt die angegebene Belohnung. Sollte es nicht klappen, so wird der Bewohner hingelgt und gilt als verletzt. Für verletzte Bewohner gibt es spezielle Felder, auf die man sie stellen kann und sie sich dann wieder erholen. Die Belohnung ist also die Heilung des Arbeiters.

So, und Phase drei einer Runde ist dann das schon angesprochene Zurückholen der eigenen Bewohner. Mehr ist es nicht und sollte eine der beiden Spielendebedingungen eintreten, so wird die Zufriedenheit ausgezählt und der Sieger wird ermittelt.

Das Fazit

Meine Suche ist beendet. Von Fallout Shelter habe ich eigentlich nichts erwartet und doch etwas bekommen, was ich schon seit langer Zeit gesucht habe. Das Spiel ist zunächst einmal ganz anders als man denkt und dafür eine kleine Überraschung für mich. Fallout Shelter verbindet nämlich eigentlich zwei Welten miteinander und das innerhalb eines wirklich einfachen Spiels mit dem man durchaus neue Spieler gewinnen kann. Zum einen ist es durch seinen Worker-Placement-Mechanismus im Eurogame beheimatet. Man spielt ja auch nciht gegeneinander, sondern unterstützt sich eher, wenn man Räume der Mitspieler benutzt. Zum anderen hat es einen trashigen Anteil durch das Bekämpfen der Gefahren, denn hier werden einfach Würfel geworfen und es muss ein bestimmter Wert erreicht werden. Ist natürlich pures Glück und man kann viel Pech haben, macht aber dennoch Spaß, weil man es ja nicht machen muss. Man kann etwas gewinnen, unzwar gute Belohnungen, aber auch verlieren, denn der Arbeiter ist eventuell verloren und muss sogar in der nächsten Runde erst wieder einsatzbereit gemacht werden. Man mag es kaum glauben, aber diese beiden Dinge können parallel gut nebeneinander funktionieren.

Fallout Shelter ist dabei genau das richtige Gateway-Spiel, um Spielern das Prinzip der Worker-Placement-Mechanik näher zu bringen. Ich habe des öfteren hier schonmal geschrieben, dass ich auf der Suche nach einem Spiel bin, das insgesamt nicht zu schwierig ist und Wenigspieler diese Mechanik näher bringen kann. Wir haben es schon mit der Familienversion von Agricola probiert, aber das ist für viele schon zu viel. Hier kann Fallout Shelter eine Lücke schließen, denn das Spiel überfordert niemanden, ist in fünf Minuten erklärt und macht mit seiner trashigen Komponente eine Menge Spaß.

Fallout Shelter – Das Brettspiel – Schachtel Inlay / Foto: Spieltroll

Rein von der Optik und den Komponenten rennt Fallout Shelter sowieso offene Tore ein. Die Bewohnerfiguren sehen alle unterschidlich aus. Die Artworks sind original aus den Fallout Spielen und die atomverseucht wirkenden neonfarbenen Würfel und Marken sehen ebenfalls spitzenmäßig aus. Dazu kommt das ganze noch in dieser schicken Metalldose mit Inlay in der alles seinen Platz hat. Ach ja und da wären noch diese transparenten Gefahrenkarten. Das ist wirklich großartig, warum ist da eigentlich noch niemand sonst drauf gekommen.

Zufriedenheitsmarker / Foto: Spieltroll

Ich kann Fallout Shelter eigentlich nur loben. Warnen muss ich allerdings alle Vielspieler und Leute die etwas komplexeres erwartet haben. Nein, das gibt es hier definitiv nicht. Fallout Shelter ist ein Gateway-Spiel und ein attraktives noch dazu. Mir als Vielspieler macht es dennoch Spaß auch wenn es vom Anspruch eher weiter unten anzusiedeln ist.


  • Verlag: Fantasy Flight Games, Asmodee
  • Autor(en): Andrew Fischer
  • Illustrator(en): Michael Silsby
  • Erscheinungsjahr: 2020
  • Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
  • Dauer: 45 – 90 Minuten

Ein Gedanke zu „Fallout Shelter – Das Brettspiel“

  1. Mal wieder ein großes Danke für den Tipp. Das klingt wirklich interessant. Kommt auf die Liste.

    Agricola – Das Familienspiel ist ein gutes Spiel, ich finde das aber recht trocken. Überspitzt formuliert, könnte man auch mit einer Excel-Tabelle spielen. Ich nehme das, dann addiere ich das dort hinzu und kann damit multiplizieren. Oh, das klappt nicht. Also nehme ich das, addiere das dort hinzu, später brauche ich noch das, dann kann ich das damit multiplizieren. Aus dem Umstand schöpfe ich hinsichtlich Gewinnchancen für mich eher Vorteile als Nachteile, es fällt für mich als Familienspiel dabei aber auch etwas ab.

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