Decktective – Blutrote Rosen

Decktective – Blutrote Rosen /
Foto: Spieltroll

Mit Deckscape brachten Abacusspiele eine kleine Exitgame-Variante nach Deutschland die man problemlos überall spielen konnte, weil sie in einer kleinen Kartenspielschachtel unterkam und nur aus einem Kartendeck bestand. Das funktionierte erstaunlich gut und hat inzwischen sieben Teile hervorgebracht. Nun wollen sie auch den Deduktionsmarkt verkleinern und die beiden Autoren Martino Chiacchiera und Silvano Sorrentino nehmen sich diesem Genre in gleicher Weise an. Abacus hatte zuvor schon mit Sherlock versucht diesen Bereich spielerisch abzudecken, allerdings ist das in meinen Augen nicht gelungen. Zu unausgegoren erschien mir die ganze Spielidee, Spaß machte das ganze jedenfalls auf Dauer und mit mehr Spielern nicht. Ich konnte mir zunächst einmal nicht genau vorstellen wie die beiden Autoren hier an die Sache herangehen, aber das kleine Schachtelformat und die Tatsache, dass auf ihr mit einem 3D-Tatort geworben wurde, machte mich sehr neugierig. Natürlich ist die Review spoilerfrei!

Worum geht es?

Die bis zu sechs Spieler schlüpfen mal wieder in die Rolle von Detektiven und müssen diesen Kriminalfall lösen. Das ganze soll ungefähr 60 Minuten in Anspruch nehmen. Der Graf Ferdinand Tudor liegt eines morgens leblos neben einem Rosenbusch vor dem Eingang seines Hauses. Gefunden wird er hier vom Herzog Edward York, der mit seiner Kutsche morgens auf das Anwesen kommt. Was ist passiert? Das gilt es für die Detektive herauszufinden. Ist ein Mord passiert? War es nur ein Unfall? All das steckt in diesem nur 50 Karten umfassenden Spiel.

Decktective – Spielinhalt
/ Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Wie bei Deckscape auch, ist es nicht nötig vorher irgendwelche Regeln zu lesen. Das Spiel startet unmittelbar und erklärt sich selbst auf seinen Karten. Der Stapel darf natürlich nicht durchgesehen werden und gibt den Spielern alle Anweisungen. Das ist sehr komfortabel und für alle geneigten Spieler und auch, wenn sie ansonsten eher nicht dem Spielen verfallen sind ein sehr gelungenr Einstieg.

Auf Karte zwei finden wir dann den Hinweis wie dieses Spiel tatsächlich gespielt wird und das lies mich zunächst ein wenig erschaudern, denn das kam mir ziemlich bekannt vor. Die Spieler bekommen Karten mit Informationen und müssen diese im Spielverlauf ausspielen, wenn sie glauben das sie wichtig sind. Das klingt für meine Ohren ersteinmal ganz verdächtig nach dem Sherlock-Spielprinzip, dass uns zwar gefallen hat, aber insgesamt für ein Spiel mit mehr als drei Personen zu unausgegoren daherkam. Warten wir es ab.

Decktective – Blutrote Rosen – 3D Tatort
/ Foto: Spieltroll

Auf den nächsten Karten wird dann noch der Tatort in 3D vorbereitet, dazu werden einige Karten in die Spielschachtel und den Deckel gesteckt, so dass ein kleines Diorama entsteht. Sehr gelungen, habe ich so auch noch nicht gesehen. Dann folg die Erklärung des wirklichen Spielverlaufs und wir legen zunächst einmal eine Karte mit ihrer Rückseite auf den Tisch. Sie sieht dann wie eine verschlossene Akte aus. Das ist unser Archiv. Je nach Spieleranzahl ziehen die Spieler dann Karten vom Stapel, bis jeder die Anzahl auf der Hand hält. Wir haben zu zweit gespielt und jeder bekam drei Karten auf die Hand. Die Spieler müssen nun entscheiden, ob sie eine Karte ausspielen wollen, wenn sie das können, denn die Karten haben Kosten. Das Archiv gibt vor wieviel eine Karte kosten darf. Zu Beginn dürfen wir nur Karten mit den Kosten eins ausspielen. Die zweite Möglichkeit ist aber, das wir eine Karte, die wir für unwichtig halten ins Archiv ablegen und so die Kosten für die Karten erhöhen die wir bezahlen können. Sehr clever überlegt wie ich finde und deutlich besser als bei Sherlock. So spielen wir uns durch die Hinweise bis wir zum Ende kommen und das Spiel uns auffordert ein paar Fragen zu beantworten.

An dieser Stelle wir der Fall der nun vor uns liegt diskutiert. Ebenfalls clever ist die Tatsache, das jede Person, die als Zeuge, Verdächtiger oder sonstwie als zweigeteilte Karte vorhanden ist. Mit einer Karte bekommt man immer nur eine Hälfte der Aussage und seines Äußeren zu sehen. Soviel kann ich verraten, man muss hier wirklich auf alles achten. Hinweise sind nicht nur im Text, sondern auch in den Bildern versteckt. Nachdem wir denken alles zu wissen, gehen wir auf den Karten weiter voran und wir bekommen Fragen gestellt zu denen wir Antworten geben müssen, die wir mit roten Clips am Rand markieren. Sind wir durch, schauen wir uns die Lösung des Falls an und sehen ob wir richtig gelegen haben. Auch bei Decktective ist es möglich den Fall hinterher an Freunde und bekannte weiterzugeben, es wird nichts zerstört.

Das Fazit

So hätte Sherlock in meinen Augen sein müssen. Decktective macht alles richtig, was Sherlock falscher nicht hätte machen können. Reduzierte Spielerzahl, mehr Hinweiskarten, besseres Aussehen, mehr und klarere Hinweise auf den Karten, die einen erlauben schneller über die Karten zu urteilen, ob sie hilfreich sind oder nicht. Das System mit dem Archiv und den Kosten ist da schon fast brilliant, weil die Kosten auf den Karten eh ansteigen und ich gezwungen bin Sachen abzulegen, um deutlich notwendige Hinweise ausspielen zu können. Ich hatte hier durchaus das Gefühl, dass die Autoren durch die variierenden Kosten und die festgelegte Reihenfolge der Karten im Stapel, steuern können, welche Hinweise man wann als wichtig erachtet und wann nicht. Eine Tatsache die bei Sherlock, wie in meiner Review beschrieben, einfach völlig fehlt. Uns hat Decktective sehr gefallen, auch wenn der Schwierigkeitsgrad eher niedrig war. Für uns war das eine nette Stunde, die man deutlich schlechter hätte verbringen können. Hier darf es gerne mehr Fälle geben. Außerdem sind sie wiederverwertbar.


  • Verlag: Abacusspiele
  • Autor(en): Martino Chiacchiera, Silvano Sorrentino
  • Illustrator(en): Alberto Besi
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Spieleranzahl: 1 – 6
  • Dauer: ca. 60 Minuten

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