Die Blutige Herberge

DSC_0205
Die Blutige Herberge / Foto: Spieltroll

Die Blutige Herberge galt in Essen 2015 als einer der Geheimtipps und war recht schnell ausverkauft. Das könnte wohl an der sehr speziellen Mischung liegen, aus der sich dieses Spiel zusammensetzt. Zum einen haben wir da dieses, in keiner Weise alltäglich zu nennende Artwok, dass an spielgewordene Gemälde erinnert. Dann wäre da dieser spezielle Mechanismus der dem Spiel zugrunde liegt, der im ersten Moment schon ganz schön „anders“ ist, als man das sonst gewohnt ist und zum dritten wäre da das Thema mit dem sich das Spiel beschäftigt, denn in „Die Blutige Herberge“ geht es darum Menschen zu töten, sie auszurauben und anschließend so unverdächtig wie möglich verschwinden zu lassen. Das klang schon damals genauso faszinierend wie heute und so sieht es auch aus, wenn man das Spiel auf dem Tisch liegen hat. Das Spiel basiert auf dem Film Die rote Herberge aus dem Jahr 1951, der wiederum auf einer wahren Begebenheit aus den Jahren zwischen 1807 und 1831, der Auberge Rouge, basiert. Das Spiel arbeitet diese Vorgänge dann auch passend auf.

Worum geht es ?

Bei dieser wahren Begebenheit handelt es sich um eine ziemlich abgelegene Herberge auf einem Hochplateau in Frankreich. Gelegentlich kamen Wanderer dort vorbei und da der Verdienst wohl nicht so üppig war, entschloss sich das Wirtsehepaar mit seinem Knecht dazu, die Reisenden umzubringen und auszurauben. Diese Vorfälle werden hier in der humoristischen Form des Films zu diesem Verbrechen aufgearbeitet. Die Spieler schlüpfen in die Rolle der Herbergsbesitzer und jeder versucht das meiste Geld aus den Reisenden rauszuholen, in dem er sie umbringt, ausraubt und die Leichen begräbt. Die Ordungshüter steigen dabei ebenso in der Herberge ab und dürfen dem Treiben nicht auf die Spur kommen.

Wie läuft das ab ?

Das Spielbrett repräsentiert das Gasthaus. Am linken Rand befindet sich der Eingang, neben dem der Stapel mit den Gästen offen, aber gemischt, gelegt wird. Ihm gegenüber am rechten Rand befindet sich der Ausgang, wo im Laufe des Spiels der Ablagestapel entsteht. Dort werden alle Gäste, die die Nächte im Gasthaus überleben abgelegt. Am oberen und unteren Rand befinden sich jeweils vier Türen, die die Gästezimmer darstellen. Hier werden in jeder Runde die Gäste Karten ausgelegt, die ein Zimmer im Gasthaus belegen. Am Anfang platzieren die Spieler hier jeweils einen Zimmerschlüssel ihrer Farbe, wobei die Lage der Zimmer unerheblich für das Spiel ist, dienen sie doch nur zur Markierung, damit man hinterher noch weiß, in welchem Zimmer tatsächlich jemand übernachtet hat für den man auch Geld bekommt, schließlich betreibt man hier als blutrünstige Familie ja immerhin auch noch ein Gasthaus. In der Mitte des Spielplans gibt es eine Geldleiste, die bis zu 40 Francs anzeigt. Jeder Spieler platziert hier einen Marker. Außerdem ist noch ein Tisch in der Wirtsstube abgebildet, der als Ablagefeld für die Bauernkarten dient, von denen jeder Spieler zu Beginn zwei Bauern als Starthand erhält. Darüberhinaus bekommt jeder Spieler eine Karte, die ihm als Scheune dient, unter der er zwei Leichen verscharren kann, sowie einen Schck über 10 Francs und seine Zimmerservice-Plättchen.

DSC_0221
Die Blutige Herberge Startpielerkarte / Foto: Spieltroll

Der geizigste Spieler beginnt und erhält die Startspielerkarte. Der Startspieler zieht vom offenen Gästestapel nacheinander immer wieder eine Person und verteilt sie in die Gästezimmer, bis sämtliche Zimmer des Wirtshauses gefüllt sind. Die Personen gehören zu einer von fünf Gruppen, die alle eine andere Spezialfähigkeit ihr Eigen nennen. Zum einen gibt es Gäste, die sich auf die Bestechung verstehen. Diese Leute sind besonders gut darin Komplizen anzuheuern. Dann gibt es Gäste die Fähigkeiten in Bauarbeiten aufweisen, die man dazu einspannen sollte neue Anbauten für seine Scheune zu errichten, damit man mehr Gästeleichen loswerden kann. Außerdem sind noch welche dabei, die man zum Leute beerdigen benutzen kann und die Ordnunghüter, die sich auch aufs Morden ganz gut verstehen. Zu guter Letzt sind da noch die Adligen, die nichts können, außer enorm volle Taschen zu haben. Perfekte Opfer also!

Die Mechanik des Spiels zu durschauen braucht tatsächlich einen Moment. Am Anfang ist nicht jedem klar, wie man hier korrekt vorgehen muß. Die Spieler haben, wenn sie an der Reihe sind, die Möglichkeit eine von fünf möglichen Aktionen zu machen. Sie können einen Gast bestechen, damit er sein Komplize wird, sie können einen Anbau an ihre Scheune bauen, um mehr Leichen verscharren zu können, sie können einen Gast umbringen, sie können die Leiche eines getöteten Gastes beerdigen oder sie können Passen und so ihr Geld waschen. Um die ersten vier Aktionen auszuführen, muss man Karten aus seiner Hand ausspielen, auf der man zu Beginn nur zwei Bauern hat. Die Handkarten sind in gewisser Weise die Komplizen, die man als blutrünstiges Gastwirtsfamilienmitglied hat. Jeder Gast verfügt über eine Stufe von 0 – 3. Möchte man sich nun einen weiteren Komplizen auf die Hand holen, wählt man einen der Gäste aus und muss soviele Karten aus seiner Hand ablegen, wie die Stufe des Gastes beträgt, den man bestechen möchte. Jede Karte die dabei das Talent zum bestechen hat, darf man aber hinterher wieder auf die Hand nehmen. Alle anderen Gäste werden auf den Ablagestapel gelegt, bzw. die Bauern kommen wieder an den Tisch in der Gaststube. Die Bauern haben Stufe 0 und können somit also immer umsonst angeheuert werden. Das Gleiche gillt nun auch für die drei anderen Aktionen, nur jeweils mit einem anderen Talent.

DSC_0220
Die Blutige Herberge Spielsituation / Foto: Spieltroll

Wenn man nun also einen Gast ermordet hat, wird er umgedreht und die Personenkarte zeigt nun einen Sarg mit der Stufe des Gastes und einen Geldwert, der seinem Vermögen entspricht. Zum beerdigen nimmt man also die Stufe des toten Gastes und darf jede Personenkarte, die man zum ausspielen benötigt, die ein Talent zum beerdigen hat, wieder auf die Hand nehmen. Darüberhinaus braucht man zum beerdigen auch noch einen freien Platz unter einer Scheune oder einem Anbau. Dabei darf man auch unter den Gebäuden der Mitspieler Leute verscharren, muß ihnen dann aber die Hälfte des Vermögens des Opfers abgeben (Familie und so). Die Anbauten sorgen ihrer Stufe entsprechend für mehr Leichenlagerraum. Mit der letzten Aktion darf man sein Bargeld, das auf dem Spielplan angezeigt wird und 40 Francs nicht überschreiten kann, in Schecks umwandeln und umgekehrt. Von den Opfern bekommt man immer Bargeld, ist ja klar, man raubt ihnen die Taschen aus. Sollte man mehr Geld bekommen, als auf der Leiste angezeigt werden kann, verfällt der Rest.

Die Spieler haben zwei Runden Zeit, Aktionen auszuführen, bevor der Morgen graut und ihr schändliches Treiben auffallen würde. Am Morgen passieren der Reihe nach folgende Dinge: 1. finden polizeiliche Ermittlungen statt, falls sich unter den verbliebenen Gästen ein Ordnungshüter befinden sollte. Das bedeutet, für jede von einem Spieler nicht verscharrte Leiche muß er den örtlichen Totengräber bestechen, damit das Morden nicht auffällt und der Spieler gibt 10 Francs oder alles was er noch hat ab. Danach bekommt jeder Spieler für das Zimmer das er betreut indem sich noch ein lebender Gast befindet, 1 Franc als Entlohnung, sämtliche Gäste reisen ab und werden auf den Ablagestapel gelegt. Sie haben die Herberge vorerst überlebt. Ganz zum Schluß müssen die Spieler nun noch ihre Komplizen bezahlen, denn diese helfen natürlich nicht umsonst beim Morden! Die Spieler bezahlen 1 Franc pro Handkarte.

Dann wiederholt sich das Spielchen jede Nacht, bis der Personenstapel zweimal durchgespielt wurde. Einige der Gäste verfügen noch über einige spezielle Fähigkeiten, die noch ein paar zusätzliche Elemente ins Spiel bringen, aber im Groben und Ganzen war es das dann auch.

Das Fazit

Die blutige Herberge ist sicherlich kein alltägliches Spiel, das Thema ist definitiv sehr schräg und das Artwork ist es auch. Aber ich kann nicht sagen, dass es keinen Spass machen würde, in die Rolle eines blutrünstigen Mörders zu schlüpfen und in der Herberge am Wegesrand unbescholtene Gäste abzumurksen. Sagt das was über mich aus? Keine Ahnung. Die Blutige Herberge ist sicherlich nicht für jedermann etwas und der Mechanismus des Spiels ist auch ein wenig tricky, denn man kann sich sofort am Anfang schon Alles ein wenig verbauen. Die Personenkarten sind das allumfassende Element des Spiels. Sie dienen ja sowohl als Spielmittel, als auch als Geldquelle, Gebäude und als Ressource für die ich am Ende bezahlen muss. Wirklich ganz interessant und etwas ähnliches habe ich noch nicht gespielt. Wer außerdem nicht daran denkt, rechtzeitig Geld in Schecks umzutauschen, der muss so manchesmal sein Geld mitbegraben.


  • Verlag: Pearl Games
  • Autor(en): Nicolas Robert
  • Illustrator(en): Luis Francisco, Weberson Santiago
  • Erscheinungsjahr: 2015
  • Spieleranzahl: 1 – 4
  • Dauer: 45 – 60 Minuten

Ein Gedanke zu „Die Blutige Herberge“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.