Sherlock – Letzter Aufruf

Sherlock – Letzter Aufruf / Foto: Spieltroll

Als ich von der neuen Sherlock-Kartenspielserie hörte, war ich sofort interessiert. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass man mit einem Spiel,das so groß ist wie ein Skatspiel, einen kompletten Kriminallfall mit mehreren Spielern gemeinsam lösen können soll und das ganze auch noch Spaß macht. Zum Auftakt der Serie sind bei Abacus Spiele erst mal drei Fälle der beiden spanischen Designer Josep Izquierdo Sánchez und Martí Lucas Feliu erschienen. Weitere sollen aber folgen. Da meine Frau und ich ja Deduktionsspielfans sind, habe ich mir den ersten Fall, Letzter Aufruf, besorgt, um das Spiel einmal auszuprobieren. Die Schachtel ist wirklich winzig und enthält neben 32 Karten nur noch eine Anleitung. Was mich stutzig machte, waren die Daten auf der Schachtel. Angeblich soll man das Spiel mit bis zu acht Personen Spielen können und es soll tatsächlich eine Stunde dauern. All das gilt es zu klären.

Worum geht es?

Ich werde nichts spoilern, was man nicht durch die Anleitung sowieso erfährt und einige der Karten werde ich im Bild beispielhaft zeigen, das bringt einem aber nicht viel, wenn man den Fall ansonsten nicht kennt. In Sherlock – Letzter Aufruf geht es darum einen Todesfall anhand von 32 Spielkarten, der sich an Bord eines Flugzeugs ereignet hat, aufzuklären. Die Spieler müssen dafür bestimmt Karten ausspielen, die sie für wichtig für die Lösung erachten und sollten es vermeiden unwichtige Informationen auszuspielen.

Wie läuft das ab?

Fangen wir erstmal damit an eine der Fragen zu klären, ja, Sherlock ist theoretisch mit bis zu acht Personen spielbar, halte ich aber für ein zu großes Risiko, um den Fall erfolgreich zu beenden. Zu zweit , zu dritt oder viert ist wahrscheinlich die Idealbesetzung, wobei es auch Solo sehr gut spielbar ist.

Erste Karte Sherlock – Letzter Anruf / Foto: Spieltroll

Man hat dem Spielsystem das hier zu Grunde liegt mal gleich einen schicken Namen gegeben und nennt die kooperative Erfahrung das Q-System. Zunächst muss ich noch vorweg schicken, das sich das Spiel in der ersten Partie erstmal irgendwie seltsam anfühlt, weil man zu Beginn überhaupt nicht vernünftig einschätzen kann, wohin sich das Spiel entwickelt. Jedes der Spiele ist auch nur einmal spielbar, da man danach ja die Lösung bereits kennt. Ich würde also interessierten Spielern empfehlen, sich das Probespiel „Sherlock – Verbleib unbekannt“ zu besorgen, dass man meistens auch zu einem günstigeren Preis erwerben kann, um sich das Spiel einmal anzuschauen.

Wie funktioniert das nun aber? Es gibt eine Karte im Set, die quasi als Startkarte fungiert, auf ihr steht das man sich zunächst die kurze Anleitung durchlesen soll, die erste Karte 01 offen in die Tischmitte legen soll und jedem Spieler vom gemischten Stapel je nach Spieleranzahl, drei oder zwei (ab 6 Spielern), Handkarten austeilen soll. Der restliche Stapel wird als Nachziehstapel ebenfalls in die Mitte gelegt. Obwohl die Spieler zusammenspielen ist es wichtig, das sie nicht über ihre Handkarten sprechen und sie sich auch nicht zeigen. Die einzigen Details die man den anderen mitteilen darf sind unterstrichene Texte und der Inhalt von Feldern, die mit einer Büroklammer gekennzeichnet sind. Mehr darf man über seine Karten nicht verraten.

In der Anleitung gibt es noch einen einleitenden Text, den einer der Mitspieler vorlesen kann bevor es losgeht. Ein Teil der Anleitung ist versiegelt, in ihm befindet sich die Lössung und die Fragen, die wir zum Schluß beantworten müssen, um uns mit Sherlock Holmes zu vergleichen. Wie schon bei Sherlock Holmes Criminal Cabinet kommt der Meister mit extrem wenigen Hinweisen aus und das wird hier quasi zum Spielkonzept erhoben. Die Spieler müssen versuchen die wichtigen von den unwichtigen Hinweisen zu trennen, bevor sie zur Lösung schreiten.

Karten Sherlock – Letzter Aufruf / Foto: Spieltroll

Nachdem ein Startspieler bestimmt worden ist, hat dieser in seinem Zug nur zwei Handlungsmöglichkeiten, entweder er spielt eine seiner Handkarten offen in die Tischmitte aus, so dass alle Spieler die Informationen auf der Karte sehen können, oder er wirft eine Handkarte ab. Diese kommt verdeckt auf einen Ablagestapel, so dass die anderen Spieler sie nicht sehen. Über die auf der Karte enthaltenen Informationen darf der Spieler nicht mehr reden, bis alle Karten gespielt worden sind. Für jede irrelavante Karte, die zum Schluß in der Mitte ausliegt, müssen die Spieler einen Punkt von ihrem Punkteergebnis abziehen. Manche Informationen sind natürlich auch unerlässlich für die Lösung und wenn sie abgeworfen wurden, ist das natürlich Pech und mann muss sich was zusammenreimen.

Am Spielende muss der Ablagestapel aber auch mindestens sechs Karten enthalten, sollte das nicht der Fall sein, so ist die Gruppe noch vor der Lösung komplett gescheitert. Mehr Regeln gibt es bei Sherlock aber auch nicht. Nachdem alle Karten gespielt worden sind unterhalten sich die Spieler über die Lösung des Falls und was eigentlich genau vorgefallen ist. Sind die Spieler sich einig über die Lösung öffnet man den versiegelten Bereich der Anleitung und beantwortet alle Fragen. Für jede richtig beantwortete Frage erhalten die Spieler 2 Punkte, dann können sie das Faltblatt komplett öffnen und sich die Lösung durchlesen und ziehen für jede Karte die in der Mitte liegt und als irrelavant gilt einen Punkt ab

Anleitung Sherlock – Letzter Aufruf / Foto: Spieltroll

Das Fazit

Eigentlich eine sehr schöne Spielidee, die wahrscheinlich aber erst mit dem zweiten gespielten Fall für die Spieler zur positiven Erfahrung wird, denn die Regeln sind so rudimentär, das man am Anfang überhaupt nicht einschätzen kann, welche der Karten nun wichtig ist, oder ob man nur unwichtige Informationen auf der Hand hat. Bei unserer Partie war es am Anfang so, dass ich drei Karten auf der Hand hielt, die zunächst absolut nichts mit dem Vorgang im Flugzeug zu tun haben schienen. Das stellte sich erst viel später heraus und da man natürlich keine wichtigen Informationen abschmeißen möchte, um die Lösung nicht zu gefährden, steckt man da manchmal schon in einer Zwickmühle. Man darf zwar die unterstrichenen Texte und Büroklammerinformationen vorlesen, aber manchmal gibt es weitere Hinweise auf Karten, die erst Sinn mit anderen Karten ergeben. Das ist durchaus ein wenig ärglerlich, aber mit längerer Spieldauer haben wir das System dann ganz gut gefunden. Deswegen behaupte ich, dass das Spiel mit acht Spielern dazu führen könnte, das entweder zuviel Unnützes in der Mitte liegt, oder aber lauter wichtige Informationen abgeworfen werden. Wir hatten zum Schluß sieben Karten auf unserem Ablagestapel und dieser Stapel erhöht tatsächlich den Druck auf die Spieler, weil ja anscheinend wirklich unwichtige Informationen dabei sein müssen. Die Spieldauer ist tatsächlich richtig angegeben, man braucht zwar nicht so lange, um alle Karten auszuspielen, aber bis man sich dann den Fall in allen Details erarbeitet hat vergeht schon ein bißchen Zeit und ich denke je mehr Leute am Tisch sitzen, desto länger dauert das dann auch.

Letztlich ein schönes kleines Deduktionsspiel mit kleineren Macken, die man aber verschmerzen kann.


  • Verlag: Abacus Spiele
  • Autor(en): Josep Izquierdo Sánchez, Martí Lucas Feliu
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Spieleranzahl: 1 – 8 (1-4 meine Empfehlung)
  • Dauer: 60 Minuten

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