Portrait – Stefan Feld

Nach zwei Monaten möchte ich mit euch ein weiteres Bild in meiner Autorengalerie bewundern. In diesem Portrait soll es um den deutschen Spieleautoren Stefan Feld gehen, der es immer wieder schafft uns mit seinen Eurogames zu überzeugen. Sein Name steht wie kein anderer in diesem Business für den Begriff des Punktesalats. Etwas, das für viele fast schon ein Synonym für Eurogame ist. Das kommt natürlich nicht von ungefähr, denn Herr Feld agiert in seinen Spielen sehr oft durch sehr viele Möglichkeiten Punkte zu bekommen. Der Name Stefan Feld ist den meisten Leuten dieses Hobbys mit Sicherheit bekannt, aber man muss sich mal vor Augen halten, dass sein erstes Spiel erst 2005 veröffentlicht wurde. Dafür, dass es zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 16 Jahre sind, hat er ziemlich viele, sehr bekannte Spiele auf den Markt gebracht. Über ein paar davon werde ich im Laufe dieses Portraits ein wenig sprechen aber man kann sie natürlich nicht alle nennen. Die Spiele eines Stefan Feld scheinen dabei eine gewisse Qualität zu haben, denn er ist mit nichten jemand, der wie Reiner Knizia zum Beispiel, jedes Jahr zig Spiele veröffentlichen kann, sondern eher nur ein paar, die dann aber fast alle immer große Beachtung finden. Schauen wir uns diesen interessanten Autoren und seine Spiele einmal etwas genauer an.

Stefan Feld wurde 1970 in Karlsruhe geboren und lebt derzeit in Gengenbach, wo er auch seit 1999 an einem Gymnasium als Lehrer tätig ist. Zunächst unterrichtet er Sport und Physik, wird aber im Jahr 2014 auch Direktor des Instituts. Gengenbach ist ein kleinerer Ort in Baden-Würtemberg, der sich durch seine Nähe zur französischen Grenze auszeichnet. Strasbourg liegt nur wenige Kilometer entfernt und damit wären wir schon bei einem seiner Spiele. Nach eigener Aussage gehörte das Spielen in seiner Familie immer dazu und seine älteren Geschwister erlaubten ihm immer mitzuspielen. Von daher war er wahrscheinlich spielerisch schon immer ein wenig „vorbelastet“. Zum Spieleerfinden kam er dann erst im Jahre 1998. Ein Jahr bevor er seinen Job als Lehrer am Gymnasium aufnehmen sollte, nahm er an einem Wettbewerb des Friedhelm Merz Verlages Teil, der die Spielemesse in Essen veranstaltet. Diese riefen Autoren auf, ein Spiel zum Thema Radio zu entwickeln und Stefan Feld nahm daran teil und erreichte den zweiten Platz, welcher ihm einen Motivationsschub gab weitere Spiele zu entwickeln, was er fortan tat. Spiele- und Autorentreffs, sowie Messen wurden besucht und 2005 war es dann soweit. Revolte in Rom wurde sein erstes veröffentlichtes Spiel.

Ein gewisser Michael Menzel illustrierte das Spiel und als absoluter Newcomer gelang es ihm sofort auf der Empfehlungsliste des Spiel des Jahres 2006 zu landen. Ein wirklich erstaunlicher Erfolg. Revolte in Rom wurde von Queen Games veröffentlicht, einem von zwei Verlagen, bei dem Stefan Feld bis heute quasi beheimatet ist. Er veröffentlicht zwar auch bei anderen Verlagen, aber Queen Games und vor allem Alea/Ravensburger haben die meisten seiner Titel herausgegeben. Die nummerierte Alea-Serie wäre ohne ihn wahrscheinlich undenkbar.

Stefan Feld wurde schon des öfteren in Interviews gefragt, wie er zu seinen Spielen findet, was für ihn bei der Spieleerfindung zuerst kommt. Bruno Cathala im letzten Portrait nannte grundsätzlich drei verschiedene Ansätze, wie in ihm eine Idee für ein Spiel heranwächst. Das Thema, dass er umsetzen möchte, eine Mechanik die in ihm reifte oder aber ein bestimmtes Spielmaterial, dass ihn dazu anstiftet ein Spiel dazu zu entwerfen. Stefan Feld gibt hier eindeutig die Mechanik als Triebfeder für seine Entwicklung an. Er entwickelt zunächst eine zentrale Mechanik die seine Spiele tragen soll und alles andere würde drumherum entwickelt werden und könnte in verschiedenste Richtungen gehen. Hier ist er überhaupt nicht festgelegt, was zum Beispiel an Spielmaterial noch hinzukommen kann. Das Thema kommt irgendwann später hinzu. Laut seiner Aussage testet er seine Spiele in verschiedenen Gruppen. Er ist außerdem Mitglied in einem Spieleverein, den Offenburger Spielefreunden, bei denen er oft seine neuesten Kreationen ausprobiert.

Schauen wir uns nun mal einige seiner Spiele an. Insgesamt hat Stefan Feld in diesen bisher „erst“ 16 Jahren über 30 Spiele veröffentlicht. Schaut man sich die Boardgamegeek Spielerangliste an befinden sich zur Zeit 18 seiner Veröffentlichungen unter den Top 1000 Spielen. Das ist eine wahnsinnig starke Quote und spricht für die spielerische Qualität und die Beliebtheit seiner Spiele. Wobei man sagen muss, dass er eigentlich wirklich nur gute und sehr gute Jahre mit seinen Spielveröffentlichungen hatte. Rund um seine neue Tätigkeit als gymnasialer Direktor ist ein Knick zu erkennen. Eine Phase in der er weniger Spiele und weniger erfolgreiche Spiele veröffentlicht hat. Aber in den letzten Jahren nimmt er wieder an Fahrt auf. Im Jahr 2011 gelingt ihm ein ganz besonderes Kunststück. Bei der Wahl zum Deutschen Spielepreis landen drei seiner Spiele aus diesem Jahrgang unter den ausgezeichneten zehn Spielen. Platz 2 erreicht Die Burgen von Burgund, Platz 9 Luna und Platz 10 belegt Strasbourg. Zwei Jahre später wiederholt er dieses Kunststück mit Brügge auf Platz 3, Bora Bora auf Platz 4 und Rialto auf Platz 9 ein weiteres mal. Zwei richtig starke Jahre für den Autoren Stefan Feld.

Er kann den Deutschen Spielepreis zwar nie gewinnen, aber weitere seiner Spiele erreichen sehr gute Platzierungen. Gleich sein Erstlingswerk Revolte in Rom kommt 2006 auf den 10.Platz. 2007 gelingt ihn sein erster zweiter Platz mit Notre Dame, 2008 folgt Platz 4 mit Im Jahr des Drachen und 2010 Platz 8 mit Macao. Im Jahr 2012 muss man noch ein weiteres Spiel hervorheben, dass ihm zum dritten Mal die zweite Platzierung einbringt. Trajan sorgt für einigen Wirbel und wird auch ein internationaler Erfolg. Es gewinnt den Gamers Choice Award in der Kategorie Multiplayer.

Auch beim wichtigsten Spielpreis dem Spiel des Jahres hat er einige Erfolge zu verzeichnen, kann aber auch diesen so wichtigen Preis bisher nicht gewinnen. Insgesamt fünfmal landet er auf der Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres. 2006, wie bereits erwähnt, mit Revolte in Rom, 2007 mit Notre Dame, 2008 mit Im Jahr des Drachen und 2011 mit Die Burgen von Burgund und Luna. Im selben Jahr wird auch zum ersten mal eine Kennerspiel ausgezeichnet und es zeigt sich, das Felds Spiele in dieser Kategorie besser aufgehoben sind. Für diesen Preis wurde er seitdem ganze dreimal nominiert. Im Jahr 2011 wurde Strasbourg, 2013 Brügge und 2019 Carpe Diem nominiert. Jede Menge Anerkennung also für seine Spiele.

Eine ganz besondere Bedeutung kommen seinen Titeln in der Alea Spieleserie zu. Diese Serie umfasst bisher 18 Titel und sieben davon stammen von ihm. Alea hat einen Reebot angekündigt und veröffentlicht seit eingier Zeit neue Version der alten Klassiker und versucht sie ein wenig aufzuhübschen, nachdem Carpe Diem durch sein abschreckendes Äußeres und seine schlechte redaktionelle Bearbeitung, die im Jahr 2018 wirkte als würde das Spiel aus dem Jahr 1998 stammen, für einiges an Aufsehen sorgte. Der Effekt wurde durch die direkte Konkurrenz zum Kennerspielpreis noch verstärkt. Der Gewinner Flügelschlag sah in allen Belangen besser aus, verfügte über wertigeres Material und auch die redaktionelle Bearbeitung war auf einem anderen Niveau. Der Markt hat sich deutlich verändert und Carpe Diem konnte dort nicht mithalten. Spielerisch ist das Spiel allerdings alle erste Sahne und gehört zu meinen Lieblings Feldspielen.

Stefan Feld gehört für mich leider in die Kategorie, der Autoren, die ich erst recht spät für mich entdecken konnte. Seine Hauptzeit rauschte wegen meiner Abstinenz vom analogen Spielesektor fast komplett an mir vorbei. Ich kann mich daran erinnern mal Notre Dame gespielt zu haben, aber danach wird es düster. Leider hat Notre Dame auch keine großen Spuren hinterlassen, so dass ich es aus meiner heutigen Sicht nicht mehr beurteilen kann. Ich habe viele Spiele von Stefan Feld erst in den letzten Jahren kennenlernen dürfen und bin immer noch dabei seine Spiele zu entdecken. Leider sind viele der älteren Titel auch nicht mehr verfügbar, so dass ich auf neue Veröffentlichungen warte. Die Burgen von Burgund gehört aber zu meinen absoluten Lieblingstiteln und in diesem Moment, denke ich daran, dass es mal wieder Zeit wird eine Partie zu spielen. Seine Titel fordern mich rein spielerisch. Wenn ich einen Titel von Feld spiele, ist mir das Thema nahezu egal, ich möchte seine tollen Mechaniken ausreizen, die im Hintergrund schlummern und von jeder Menge Beiwerk geschmückt werden, dass dazu dient Punkte zu machen. Ich teile die Auffassung das er wirklich viele Spiele macht, die man als Punktesalt auffassen kann, aber im positivsten Sinne finde ich das bei ihm richtig toll. Er gibt mir als Spieler viele Möglichkeiten zum Punkten und alles macht in seinen Spielen trotzdem Sinn und ist verzahnt. Es gibt auch viele Beispiele von anderen Autoren, die das einfach nicht hinbekommen. Dort macht man viele unzusammenhängende Dinge, die mit Punkten belohnt werden, dieses Gefühl habe ich bei Felds Titeln allerdings nie. Stefan Feld gehört für mich deshalb zu den ganz großen seiner Zunft und ich erwarte noch richtig viele tolle Spiele von ihm.

Bekannteste Werke von Stefan Feld:

  • Die Burgen von Burgund (2011)
  • Trajan (2012)
  • Bora Bora (2013)
  • Brügge (2013)
  • Notre Dame (2007)
  • Im Jahr des Drachen (2008)
  • Macao (2010)
  • Carpe Diem (2018)
  • Amerigo (2013)
  • Aqua Sphere (2014)
  • Bonfire (2020)
  • Luna (2011)
  • Das Orakel von Delphi (2016)
  • Die Speicherstadt (2010)
  • La Isla (2014)
  • Strasbourg (2011)
  • Merlin (2017)
  • Forum Trajanum (2018)

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