Spiele des Jahres 2019

Letztes Jahr habe ich damit begonnen und so soll auch dieses Jahr eine Topliste der Spiele des Jahres bekommen. Am letzten Tag des Jahres möchte ich meine Spiele des vergangenen Jahres 2019 unter das Volk bringen. Vorab möchte ich aber noch zwei Dinge erwähnen, die ihr als meine Leser bechten solltet. Ich kenne natürlich nicht alle Spiele, die in diesem Jahr erschienen sind. Lediglich einen verschwindend kleinen Teil aller Veröffentlichungen konnte ich selber spielen oder werde ihn in Zukunft noch spielen. Diese Top 10 stellt also eventuell nur eine Momentaufnahme dar. Im letzten Jahr ist es sogar so gewesen, dass ich kurz nach Veröffentlichung der Liste Spirit Island das erste mal spielen konnte und es fast mit der gesamten Liste den Boden aufwischte. Sollte sowas recht bald nach Veröffentlichung wieder passieren, so werde ich das auch diesmal nachträglich in diesen Beitrag einarbeiten. Das Zweite, auf das ich hinweisen möchte, ist die Tatsache, dass meine Liste das komplette Jahr 2019 umfasst und nicht wie bei manch anderem erst die Spiele die ab Essen 2019 erschienen sind. Nein, hier findet ihr nur Spiele, die im Jahr 2019 erschienen sind. Bis auf eine Ausnahme sind auch alle Spiele zu diesem Zeitpunkt in deutscher Sprache erhältlich und ich muss noch erwähnen, dass es mir in diesem Jahr ein wenig schwieriger gefallen ist, nur 10 Titel auszuwählen, denn es gibt noch ein paar weitere gute Titel, die es nur knapp nicht geschafft haben.

Harry Potter Hogwarts Battle – Defence Against The Dark Arts / Foto: Spieltroll

10 – Harry Potter Hogwarts Battle – Defence Against The Dark Arts

Nachdem wir bei uns zu Hause Harry Potters Hogwarts Battle rauf und runter gespielt haben und riesige Fans dieses Spiels sind, kann ich auch dieses Jahr nicht anders, als den Duellableger mit einem der längsten Titel überhaupt in meine Top 10 zu wählen. Harry Potter Hogwarts Battle – Defence Against The Dark Arts ist die schon erwähnte Ausnahme, denn bisher gibt es das Spiel nur in Englischer Sprache. Die Anleitung ist aber sehr kurz gehalten und sehr gut zu verstehen, so dass bei Spielern, die dem Englischen mächtig sind, keine Probleme auftauchen dürften. Defence Against The Dark Arts greift das eine Unterrichtsfach aus Hogwarts auf, in dem die Schüler sich gegen die dunklen Künste versuchen müssen und schnappt sich den Duellgedanken, den Harry und Co. unter Snape erlernen. Das Spiel verkörpert genau das. Zwei Spieler treten gegeneinander auf einem Steg an und müssen ihr Gegenüber dreimal besiegen, um den Gesamtsieg davon zu tragen. Defence Against The Dark Arts funktioniert dabei fast genauso wie der große Bruder, nur das wir uns die Zauber hier gegenseitig um die Ohren hauen. Nur ein paar Sachen ein wenig anders ausgelegt und schon hat man ein ähnliches, aber dennoch völlig anderes Spiel und eines der besten 2-Personen-Spiele des letzten Jahres.

Res Arcana / Foto: Spieltroll

9 – Res Arcana

Zum Zeitpunkt meiner All-Time-Top 100 war dieses Spiel völlig neu und ich habe es auf Platz 99 mit hineingenommen und inzwischen ist das Spiel noch weiter in meiner Gunst gestiegen. Es kam in diesem Jahr aus dem Nichts und liefert ein schönes Gesamtpaket über Magieduelle ab. Die Optik ist super, das Material von toller Qualität und die Mechanik der Zaubererduelle, die im Grunde nur über einen cleveren Ressourcentausch funktionieren, fühlt sich sehr ausgewogen an. Dabei sollte man Res Arcana nicht mit den vorgeschlagenen oder zufälligen Sets spielen. Das Draften der Karten macht aus Res Arcana erst das Kleinod, dass es bisher ist. In meiner Vorstellung kommen für das Spiel noch einige Erweiterungen heraus, die es nochmal auf ein ganz neues Level hieven. Ob das so sein wird, weiss ich nicht, aber es scheint mir so angelegt zu sein. Wer Duellspiele mag, und ich gehöre dazu, der kommt an Res Arcana in diesem Jahr einfach nicht vorbei. Tom Lehmann könnte hier erneut etwas Großes in Gang gebracht haben. Wer die Thematik von Magic The Gathering in der Form eines Brettspiels sucht, der wird mit Res Arcana fündig. Dabei hat das Spiel nicht mal ein Brett…

Ohanami / Foto: Spieltroll

8 – Ohanami

Eine kleine unscheinbare Neuigkeit aus dem Frühling diesen Jahres hat sich in meine Top Ten 2019 geschlichen. Ohanami von Steffen Benndorf ist ein wunderbares kleines Kartenspiel, indem die Spieler durch das Draften von Karten versuchen müssen am Spielende die meisten Punkte zu erspielen. Das gelingt ihnen durch Zahlenreihen, die sie vor sich als Auslage bilden. Insgesamt drei Stück dürfen sie ausliegen haben und diese Reihen dürfen sie immer nur am Anfang und am Ende mit neuen Karten bestücken. Die Reihen müssen dabei in auf-/absteigender Reihenfolge ausgelegt werden. Niemals darf man eine Karte zwischen zwei Karten ablegen, die bereits ausliegen. Klingt ein bißchen wie Rommy? Ja schon, aber das Spiel hat noch den Clou, das am Ende jeder Runde nur bestimmte Kartenfarben gewertet werden und das wissen alle Spieler von Anfang an. Ein sehr schönes, kleines und schnell gespieltes Draftingspiel für Zwischendurch, das man immer wieder gerne auf den Tisch bringt. Zumindest ist das bei uns so. Außerdem ist es neuen Spielern sehr schnell beizubringen und bietet eine schöne Kommunikation am Tisch. Für mich eine erste Überrachung im Frühjahr und ein Spiel das ich Familien gerne ans Herz legen möchte.

Roam / Foto: Spieltroll

7 – Roam

Die zweite Überraschung in diesem Jahr war für mich das kleine Ryan Laukat Spiel Roam, dass wir in Essen einfach blind mitgenommen haben. Eigentlich nur, weil ich schon immer mal ein Laukat-Spiel ausprobieren wollte, da ich von seinen Illustrationen immer sehr fasziniert war und bin. Soviel zur Vorgeschichte und Roam entpuppte sich dann aber auch als ein wirklich feines Spielchen, dessen Kauf man mitnichten bereuen sollte. Im Kern ist es eigentlich „nur“ ein abstraktes Steincheneinsetzspiel, dass aber auch zu viert sogut funktioniert, dass man in diesem Bereich seinesgleichen sucht. Ich kenne nicht viele abstrakte Strategiespiele die mit mehr als zwei Spielern sehr gut funktionieren. Roam funktioniert dabei sogar mit jeder Anzahl gut. Die Spieler setzen Steine ein, um die Vorherschaft auf den ausliegenden Spielkarten zu erreichen, die das Spielbrett bilden. Ist eine Karte voll, wird sie gewertet und der Spieler mit den meisten Steinen erhält die Karte, die auf der Rückseite einen Gefährten zeigt, der einem eine neue Möglichkeit bietet Steine einzusetzen. Wer zuerst 10 Gefährten vor sich liegen hat, wobei jeder mit dreien startet, gewinnt. Klingt nicht übermäßig kompliziert und das ist es auch nicht. Roam ist dabei wunderschön illustriert und bietet ein paar kleine Hintergrundhäppchen zur Welt Arzium des Ryan Laukat. Wunderbar!

Die Tavernen im Tiefen Thal / Foto: Spieltroll

6 – Die Tavernen im Tiefen Thal

Der Lauf des Wolfgang Warsch scheint auch in diesem Jahr anzuhalten. 2019 veröffentlichte er mit die Tavernen im Tiefen Thal sein bisher meiner Meinung nach bestes Spiel. In diesem Spiel bringt er diverse Mechanismen, wie Deck Building, Dice Placement und Drafting unter einen Hut und schafft ein faszinierendes Ganzes. Andere Designer machen aus den Mechaniken eigene Spiele, aber Wolfgang Warsch bringt sie alle in einem Spiel unter und das funktioniert ganz wunderbar. Heraus kommt ein thematisch tolles Gasthausspiel, in dem die Spieler versuchen die lukrativsten Gäste in ihr Haus zu holen und am Ende die meisten Punkte zu haben. Grafisch aufbereitet wird das Spiel auch noch von Dennis Lohausen, um das Spiel optisch hervorzuheben. Das Gesamtpaket ist stimmig und macht jede Menge Spaß auch wenn es im ersten Moment wie ein ziemlicher Mischmasch wirkt. Warum das Spiel dieses Jahr nicht beim Kennerspiel des Jahres berücksichtigt wurde ist mir ein Rätsel, aber für mich der bisher beste Warsch.

Der Kartograph / Foto: Spieltroll

5 – Der Kartograph

Die für mich letzte große Überraschung in diesem Jahr kommt von Pegasus und ist gar nicht so groß, sondern eher klein. Der Kartograph spielt im Role Player- Universum und nimmt sich dem namensgebenden Kartenzeichnen an, das der ein oder andere rollenspielafine Zeitgenosse bestimmt noch kennt. In der Kartograph tun wir genau das, was vorne draufsteht, wir zeichnen eine Karte und wer das nach den ausliegenden Punktevorgaben am besten hinbekommt, wird am Ende gewinnen. Der Kartograph ist dabei ein Vertreter der Flip ’n‘ Writes. Es wird also eine Karte umgedreht, die uns Vorgaben gibt, was wir daraufhin einzeichnen müssen, was wir dann auch eifrig tun, denn sonst können wir keine Punkte verdienen. Die Karten geben dabei tetrisartige Formen vor, die wir in den verschiedensten Landschaftsarten einzeichnen müssen. Wir haben dabei immer die Wahl zwischen entweder zwei Formen oder zwei Landschaftsarten. Insgesamt betrachtet ist der Kartograph dabei nicht nur eines der thematischten Spiele des Jahrgangs, sondern auch eines der besten Spiele des gesamten Roll, Flip ’n‘ Sonstwas Genres der letzten Jahre.

Flügelschlag / Foto: Spieltroll

4 – Flügelschlag

In diesem Jahr habe ich insgesamt zweimal mein Prädikat für Spiele dieses Jahrgangs vergeben. Das erste Mal an den wohl größten Abräumer des Jahres: Flügelschlag. Ich bin erst sehr spät im Jahr zu einem Exemplar gekommen, weil es so reißenden Absatz fand. Als ich es dann aber endlich ausprobieren durfte war ich sofort begeistert. Stonemaier und auch Feuerland auf Deutsch haben ganze Arbeit geleistet und dieses fantastische Spiel in die Welt gebracht. Ein Enginebuilder mit Ornithologiethema. Soetwas gab es noch nicht und Elizabeth Hargrave hat mit ihrem Erstlingswerk gleicheinmal sowas von ins Schwarze getroffen. Einfach nur mit einem Spiel das sie gerne Spielen wollte, weil es keines gab, das Themen ansprach die sie spielen wollte. Flügelschlag ist dabei ein sehr rundes Spiel geworden, dass man innerhalb kürzester Zeit erklären kann, das aber auch einiges an taktischer Tiefe enthält und was noch viel wichtiger ist, durch die Unmengen an Vogelkarten spielt es sich jedes Mal anders. Immer wieder fallen einem neue Kombinationen von guten Vögeln auf. Das ganze ist zwar situativ und ein wenig Interaktionsarm, aber wen soetwas nicht stört, der sollte sich dieses Meisterwerk nicht entgehen lassen.

Tiny Towns / Foto: Spieltroll

3 – Tiny Towns

Wer bis hierhin aufmerksam mitgezählt hat, wird sich wahrscheinlich wundern, da ich das Prädikat ja nur zweimal in diesem Jahr vergeben habe, aber immer noch drei Spiele kommen. Wie kann Tiny Towns also besser sein als Flügelschlag und trotzdem kein Prädikat erhalten haben? Das geht schon. In seiner Gesamtheit ist Tiny Towns eben nicht ganz so rund wie Flügelschlag und ich hätte auch für Tiny Towns fast das Prädikat aus dem Schrank geholt, aber es fehlt irgendwie ein kleines bißchen. Dafür ist Tiny Towns aber das viel zugänglichere Spiel, das man auch in größeren Runden schnell mal erklärt und gespielt hat. Tiny Towns ist für mich der neue Inbegriff von Gateway-Spiel. Also ein Türöffner mit dem man jeden in das Hobby einführen sollte. Tiny Towns ist ein kleines Puzzlespiel mit wenigen Regeln, das aber ebenso auch für Gamer einiges an Tiefe zu bieten hat. Aber für diese dann nicht genug und deswegen hat es das Prädikat nicht ganz erreicht. Ich sehe hier aber noch zukünftige Erweiterungen, die das Spielprinzip, das im Kern so einfach ist, das ich mich fast wunder, warum es das noch nicht gab, in weitere Höhen und Abwechslung führen können. Im Moment ist es ein sehr starkes Familienspiel, dass ich bei der Spiel des Jahres- Verleihung erwarte wiederzusehen.

Ecos – Der Erste Kontinent / Foto: Spieltroll

2 – Ecos – Der Erste Kontinent

Auf Platz zwei kommt mein zweites Prädikat für dieses Jahr und das ist Ecos – Der Erste Kontinent von John D Clair. Ein fast genauso perfekt designtes Spiel wie Flügelschlag. Die Produktion von Flügelschlag ist in der Tat noch ein wenig besser, aber insgesamt macht mir Ecos einen Tick mehr Spaß und das liegt einzig und allein daran, dass ich bei Ecos mehr in meiner Hand habe und das Spiel mich ein wenig mehr fordert als das aktuelle Kennerspiel des Jahres. Das muss ich natürlich erläutern, bei Flügelschlag bekomme ich ein paar zufällige Handkarten und ich muss versuchen eine Engine daraus zu bauen die funktioniert. Der Ausgang ist dabei aber völlig offen, ich muss immer wieder schauen welche Teile ich der Maschine hinzufügen kann. Wenn ich Ecos im Draftmodus spiele, dann kann ich von vornherein versuchen zu bestimmen in welche Richtung ich mich entwickeln möchte, in dem ich mir die Karten erdrafte die der angestrebten Taktik entsprechen. Der Unterschied ist nur klein, aber das macht das Bingospiel Ecos einen Tacken besser für mich. Thematisch geht es hier um die Erschaffung eines neuen Kontinents durch Naturmächte, die von den Spielern verkörpert werden. Tolles Material und ein ebenso tolles Spiel.

Paladine des Westfrankenreichs / Foto: boardgamegeek.com

1 – Paladine des Westfrankenreichs

Na, was kann nur besser sein als zwei Prädikatsträger, richig ein Spiel das ich bisher nicht rezensiert habe. Aber das werde ich bald tun. Paladine des Westfrankenreichs hat mir mit Abstand den meisten Spielspaß in diesem Jahr bereitet und kommt damit seinem grandiosen Vorgänger nicht nur ziemlich nah, sondern zieht an ihm vorbei und das, obwohl, oder vielleicht auch eher gerade deswegen, weil Paladine des Westfrankenreichs ein viel komplexeres und vielschichtiger verzahntes Spiel ist. In Paladine des Westfrankenreichs geht es um die Festigung unseres Reichs und die Verteidigung und Ausbreitung unseres Glaubens. Damit ist Paladins nicht nur numerisch, sondern auch thematisch der Nachfolger der Architekten des Westfrankenreichs. Auch dieses Spiel ist ein Worker-Placement-Gigant, der weniger durch Innovation, wie sein Vorgänger besticht, als mehr durch eine extrem ausgeklügelte Verzahnung der einzelnen Spielelemente. Definitiv kein Spiel für Anfänger, aber eines das wenn man es spielt Lust auf weitere Partien macht, weil man immer weiter versuchen will zu optimieren und mehr rauszuholen. Einen Nachteil hat es allerdings, denn obwohl die Schachtel eher klein ist, braucht es riesig viel Platz. Tolles Spiel für Leute mit einem großen Spieltisch.


Damit wäre ich dann auch für dieses Jahr wieder durch mit meinen Top 10. Der Stapel der Spiele die ich aus 2019 noch spielen möchte wird immer kleiner und wird in Zukunft noch abgespielt. Wenn sich in der nächsten Zeit noch Änderungen ergeben sollten, werde ich sie hier noch erwähnen.

Ein Gedanke zu „Spiele des Jahres 2019“

  1. Res Arcane, Paladine und Roam möchte ich auch noch unbedingt anspielen.
    Bei mir kamen in diesem Jahr hauptsächlich die Spiele auf den Tisch die man auch Solo spielen konnte…
    Cloudspire, Untaunted Normandy, Paper Tales, Underwater Cities, Great War Commander, Football Highlights 2042, Der Kartograph ….. und auch ein paar mal eben kurz gespielte tolle Spiele mit der Familie 😉 Draftosaurus, Bees, Tiny Towns, Flügelschlag, Wildlands…..

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