#20 Was ist eigentlich? – Dungeon Crawler

Da ist es: das Jubiläum! Die zwanzigste Ausgabe der Brettspielbegriffserklärung. Seit nunmehr ununterbrochenen zwanzig Wochen erkläre ich hier jeden Freitag einen Begriff aus der Brett- und Kartenspielwelt, den vielleicht noch nicht alle gehört haben und den man sich aneignen sollte, wenn man sich auf solchen Hobbyseiten rumtreibt und Artikel liest, denn sonst versteht man meist nur Bahnhof. Eingeweihte benutzen gerne Codes und spezielles Vokabular: das ist bei Brettspielern und Geeks natürlich nicht anders. Diese Woche geht es mal um einen schon recht alten Begriff, der ursprünglich aus dem Pen & Paper-Rollenspiel über den Umweg der Computerspiele wieder zurück in die analoge Welt gefunden hat. Die Rede ist vom Dungeon Crawler!

Dungeon Crawler

Was verbirgt sich hinter diesem mal wieder englischen Begriff. Das Dungeon ist der Kerker im englischen und meint die dunklen feuchten Räumlichkeiten, die man des öfteren unter einer Burg oder Festung findet. To Crawl ist das englische Verb für kriechen und der Crawler ist somit ein Kriecher. Mit einem Dungeon Crawler könnte man also einen Kerker Kriecher meinen. Aber was ist das genau?

Mit dem Rollenspiel Dungeons & Dragons kam im Jahr 1974 quasi der erste Dungeon Crawler auf den Markt. Inhaltlich schlug man sich durch dunkle Höhlen und Kerker und gab sich dabei mit gefährlichen Monstern ab. Ganz nebenbei erlebte man noch eine Geschichte. Bei D&D gehörten immer auch schon Spielpläne und kleine Miniaturen oder Pappaufsteller seiner Spielfigur zum Spiel, mit der man Positionen anzeigen konnte. Das ist eigentlich der erste Dungeon Crawl und bezeichnet den Vorgang der Spieler durch dieses Szenario zu spielen.

Später namen die Computerspiele dieses Konzept auf und mit Spielen wie Dungeon Master, Wizardry und Co. konnten Spieler diese Spiele nun am Computer erleben und erfreuten sich großer Beliebtheit. Von hier fanden die Spiele wieder zurück auf den Spieltisch und es entwickelten sich analoge Spielideen einen Dungeon durchzuspielen, ohne die Rollenspielkomponente. Rollenspiele entwickelten sich parallel natürlich ebenfalls weiter und entfernten sich eher von den Spielplänen hin zum reinen Kopfkino-Erlebnis.

Hier startet nun die neuerliche Geschichte der Dungeon Crawler als Brettspiel und bezeichnet im Grunde nichts anderes als ein Genre von Spielen in denen wir uns mit einer Spielfigur, die wir verkörpern und die über Spielwerte und Ausrüstung verfügt über ein Spielbrett bewegen, um eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen. Meistens in einem Fantasysetting, aber gerne auch Science Fiction oder Horrorwelten. Dabei ist ein essentieller Bestandteil, das wir nie wissen, was uns im nächsten Raum oder hinter einer Korridorecke erwartet und da wären wir dann auch bei weiteren Begriffserklärungen, wie dem Dungeon Master oder Overlord die man benötigt um soetwas zu gewährleisten. Beides sind Personen, die ein Spiel für die anderen Leiten oder schlicht und einfach gegen alle anderen Spielen (Dazu gibt es später noch eine extra Folge). Inzwischen gibt es aber auch Spiele, die durch ausgeklügelte Szenarien und Mechaniken einen solchen Spieler nicht mehr benötigen und bei denen sich das Spiel selber steuert und allen eine gleichwertige Erfahrung bietet. Hier wäre ein Spiel wie Zombicide zu nennen, bei dem die Zombiehorden nach bestimmten Regeln agieren.

Welches Spiel war nun das erste? Die ganze Geschichte der Dungeon Crawler ist sehr fließend. Natürlich gab es auch schon sehr frühe Vertreter im Computerspielbereich, die weit vor Wizardry und Konsorten erschienen sind, aber sie waren mit Sicherheit keine Massenphänomene. Genauso gab es auch schon sehr frühe Brettspiele, die sich dem Thema angenomen haben, aber das erste wirklich bekannte Spiel war wahrscheinlich HeroQuest das zu einer Art Massenphänomen bei den Kindern der späten 80er Jahre wurde. Früher waren all diese Spiele das, was man als Ameritrash bezeichnet hätte. Heutzutage gibt es Spiele wie Gloomhaven, die im Kern natürlich immer noch ein Dungeon Crawler sind, aber versuchen das ganze mit Eurogame-Einflüssen auf eine spielerisch reifere Basis zu stellen.

Bekannte Vertreter:

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