Spiele werden immer größer – Hört auf damit!

Stehe ich eigentlich allein mit der Meinung da oder ist es allen anderen einfach egal und sie erfreuen sich an der ganzen Pracht, die Spiele heutzutage auf die Tische zaubern? Ich weiss es wirklich nicht, aber gerade in der letzten Zeit ist es mir wieder vermehrt aufgefallen, das Brettspiele, rein platzmäßig, jeden Rahmen sprengen. Ich hatte vor ein paar Jahren schon mal das Gefühl, dass sie geradezu am explodieren waren, aber was da gerade in letzter Zeit wieder abgeht, ist wirklich, zum Teil, schon Gigantismus. Wenn ihr in einem riesigen Haus lebt, ein eigenes Spielzimmer euer eigen nennt und/oder mit einem riesigem Spieletisch gesegnet seid, ist euch das wahrscheinlich egal, aber mich beginnt es zu nerven. Vielleicht findet ihr das aber auch gerade deswegen doof, weil ihr euch so einen teuren Tisch zugelegt habt, nur um festzustellen, dass es derweil Spiele gibt, die die Tischfläche nicht nur ausnutzen sondern gleich mal sprengen. Wo führt das hin und warum ist das so? Oder bilde ich mir das nur ein und sehe das zu kritisch?

Also vor etwas über einem Jahr bin ich nun mit meiner Frau in eine größere Wohnung gezogen und wir haben uns als passioniere Brettspieler einen großen Esszimmertisch gekauft, den wir auch zum spielen benutzen. Vorher hatten wir leider nur einen quadratisch, klein und kompakten Küchentisch, der zu gar nichts Spielerischem taugte, als auch unseren Couchtisch, auf dem wir fast alle Spiele zockten. Auch zu dieser Zeit gab es immer mal wieder Spiele, die uns an den Rand der Verzweiflung brachten, weil es fast unmöglich war sie auf unserem kleinen Tisch zu spielen. Zwei Beispiele aus dieser Zeit sind zwei unserer Lieblingsspiele Tapestry und Paladine des Westfrankenreichs. Für beide Spiele mussten wir uns Sitzhocker neben den Tisch stellen, um alles Material unterzubringen und um sie auch nur irgendwie spielen zu können. Trotzdem sind das für uns tolle Spiele, die wir nun auf unserem großen Esstisch zu zweit sehr gut spielen können.

Tapestry – Breite der Tableaus / Foto: Spieltroll

Wohlgemerkt zu zweit. Bei vier Spieler*innen sieht das schon ganz anders aus. Da muss der ganze Tisch genutzt werden und eventuell müssen wir den Auszug bemühen. Der Tisch ist in seiner normalen Größe 180 mal 90 Zentimeter groß. Das sollte soch eigentlich ausreichen. Aber weit gefehlt, Tapestry ist ein wahres Platzmonster, denn das Spielbrett allein ist schon riesig, so dass die ebenfalls riesigen Spielertableaus nur seitlich deneben liegen können. Ich habe es ausgemessen und auch bereits im Review seinerzeit angemerkt: über 60 cm Tableau und Auslage pro Spieler*in werden in der Breite benötigt. Das ist eindeutig zu viel!

Herr der Ringe: Die Gefährten – Das Kartenspiel /Foto: boardgamegeek.com

Okay, ich kann mich sogar an frühere Zeiten erinnern, wo es gelegentlich auch schon mal ein Spiel gab, dass es den normalen Rahmen sprengte. Erwähnt sei hier das kleine Kartenspiel Herr der Ringe: Die Gefährten – Das Kartenspiel von Reiner Knizia, das ich mit Freunden damals auf unserem recht großen Tisch spielen wollte. Dieses Spiel ist berühmt und berüchtigt für seinen Platzbedarf und verlagerte sich in den meisten Fällen auf den Fußboden, da der Platz nie ausreichte und er von vorherein in seinen Dimensionen nicht planbar war. An dieses Spiel fühlte ich mich erst unlängst zurückerinnert, als ich Knizias Neuauflage von Equinox in die Finger bekam, welches ebenfalls für ein simples Kartenspiel einen ganz enormen Platzbedarf aufwies.

Dies waren seinerzeit aber nur Einzelfälle oder Spiele mit vollem Erweiterungsausbau. Wer Catan mit sechs Spielern auf der riesen Karte mit allen Erweiterungen spielt, weiß was ich meine. Oder aber Civilization mit der westlichen Erweiterung und all den Kartenauslagen. Einzelfälle, aber weit davon entfernt die Regel zu werden.

Wie ich bereits erwähnte, kam mir der Gedanke das erste mal in unserer alten Wohnung auf unserem viel zu kleinen Tisch. Damals habe ich aber noch gezweifelt, weil ich mir nicht sicher sein konnte, ob das nur der Ausdruck meines Verlangens nach einem größer Tisch war, oder ob es tatsächlich so ist. Als Grund für diese großen Spiele kam mir damals Kickstarter in den Sinn, die natürlich alles größer und besser produzieren wollten, damit die Kampagnen in astronomische Höhen schnellten. Überflüssiges Bling Bling und Ressourcenverschwendung inklusive. Es wurde gemacht, weil es funktionierte und die Leute das alles wollten und kauften. Ich bin davon überzeugt, dass zu dieser Zeit Spiele im Durchschnitt ein bißchen größer wurden, weil sie einfach gut aussehen sollten.

Merchants Cove – Spielbretter / Foto: Spieltroll

Aber woran liegt das heute? Gerade in den letzten Wochen sind mir wieder zwei Spiele auf den Tisch gekommen, die mit ihrem Platzbedarf geradezu verschwenderisch umgehen. Ich rede von Merchants Cove und Endless Winter. Zu beiden Spielen habe ich erst vor kurzem Reviews veröffentlicht und bin auch da wieder auf ihre Größe eingegangen. Beide Spiele sind aus meiner Sicht viel zu groß, aber aus unterschiedlichen Gründen. Merchants Cove dimensioniert einfach alles zu groß. Angefangen beim riesigen Sielbrett, das in der Form kaum einen Sinn hat, inklusiv der riesigen Spielsteine für die Uhr und den Klunkern für die Absolvierung der Zählleiste, bis hin zu den einzelnen Spielertableaus, auf denen die Spieler*innen ihre Minigames absolvieren. Alles ist riesig, sieht aber natürlich gut aus, wenn du an so einem Tisch vorbei gehst und macht Lust dieses interessant aussehende Spiel mit den vielen Komponenten einmal auszuprobieren. Geschenkt, das es als Solospiel zwar sehr gut funktioniert, aber aufgrund der schieren Größe bei mir nicht den Impuls auslöst es aus dem Schrank zu holen, weil ich es im Stehen vor dem Tisch spielen müsste, um alle Komponenten auf der anderen Tischseite zu erreichen.

Bei Endless Winter ist es ein wenig anders. Auch hier ist der gesamte Tisch voll mit den verschiedensten Komponenten. Endless Winter liegt aber gerade in einem Trend von Spielen, die diverse Mechaniken miteinander vermischen. Wie Arnak, Dune Imperium, Honey Buzz und Co. bringt auch Endless Winter, mehr oder weniger, gleichwertig Mechaniken in Kontakt, die auch allein schon ein Spiel tragen würden. Endless Winter ist in dieser Beziehung aber ein extremes Beispiel, denn hier wird Deck Building nicht nur mit Worker Placement vermengt, sondern auch Area Control, Set Collection und Legespiel-Elemente spielen eine gewichtige Rolle. Um das abzubilden liegen hier diverse Spielbretter und Tableaus auf dem Tisch, die alle während des Spiels in Benutzung sind. Würde das ganze auch kleiner funktionieren? Bestimmt, aber es sehe bestimmt nicht so gut aus und in diesem Fall leidet wahrscheinlich die Übersichtlichkeit wegen der viele Baustellen auf die sich die Spieler*innen konzentrieren müssen.

Hört bitte auf damit Spiele immer ausufernder und größer zu machen, wenn es überhaupt keine Notwendigkeit dafür gibt. Endless Winter ist für mich ein Grenzfall bei dem ich es gerade noch einsehe. Merchants Cove, Tapestry und vor allem so kleine Kartenspiele wie Equinox haben das aber nicht nötig. Ich fang jetzt auch nicht noch mit dem Umweltaspekt und den Materialschlachten an, die Kickstarter uns beschert hat. Das wisst ihr bestimmt alles selbst…

Eure Meinung? Bitte in die Kommentare…

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