Diese Woche soll es um das gar nicht mal so große Feld der Deduktionsspiele gehen. Gefühlt gibt es wirklich viele Deduktionsspiele, aber wenn man sich den Spielemarkt mal genau anschaut, so täuscht man sich da leicht. Was aber ist eigentlich so ein Deduktionsspiel genau? Welche Mechanismen stecken dahinter und macht das eigentlich Spaß? Fragen über Fragen und ich versuche sie zumindest ein wenig zu beantworten.
Burggrafen des Westfrankenreichs / Foto: Spieltroll
Shem Phillips hat sich mit seiner ersten Trilogie, den Nordseespielen, schon einen Namen gemacht. Immerhin waren die Räuber der Nordsee für das Kennerspiel des Jahres nominiert, wenn auch der Rest der Serie eher so lala war. Mich konnten auch die Räuber der Nordsee nicht vollends überzeugen. Mit seiner zweiten Trilogie aus dem Westfrankenreich wurde aber alles nocheinmal viel besser und er katapultierte sich in die höchste Riege der Spieledesigner. Angefangen mit den phänomenalen Architekten des Westfrankenreichs einer eleganten und innovativen Einleitung in die Trilogie, gefolgt von den Paladinen des Westfrankenreichs, einem ungleich komplexeren Meisterwerk des Workerplacement und der verzanhnten Mechanismen folgt nun der finale Titel der Serie die Burggrafen des Frankenreichs und es besteht die Hoffnung, dass Shem Phillips hier nocheinmal ein tolles Spiel oben drauf gesetzt hat, um die Trilogie zu einem würdigen Abschluss zu bringen. Die beiden Vorgänger kann man bereits jetzt als Riesenerfolge bezeichnen und so bleibt zu hoffen das gemäß des Sprichwortes auch hier ‚Aller Guten Dinge drei‘ sind.
Es begab sich mal wieder an einem Samstag Abend, dass wir zu einem Spieleabend aufbrachen. Diesmal sollte es schon ein wenig früher losgehen, so dass wir ein paar mehr Spiele schaffen konnten. Unsere Gastgeberin und Arbeitskollegin hatte mal wieder geladen und kurz vor dem nächsten Lockdown, soll diese kleine Erzählung noch schnell das Licht der Welt erblicken. Also unsere Arbeitskollegin, die erst vor kurzem für mehrere Monate auf einer Baustelle lebte, da ihre Wohnung von der ortsansässigen Wohnungsbaugesellschaft um einen Balkon erweiterte und sie sich parallel dazu entschloss ihre Küche zu erneuern, lud uns zu einem Spieleabend ein. Die Wohnung war bereits wieder gut in Schuss, als jetzt vor etwas längerer Zeit ein Rohrbruch in der Etage über ihr die neue Küche bereits wieder in Schutt und Asche legte. Nun verabredeten wir uns für sechs Uhr und das Schicksal nahm seinen Lauf.
Verhandlungen sind ja immer schon so eine Sache. Manche reden gerne mit anderen Menschen und diskutieren über bestimmte Sachverhalte, treffen Absprachen und schließen Kompromisse mit anderen. Viele aber haben mit soetwas Probleme und ihnen fehlen bestimmte Kompetenzen Verhandlungen vernünftig auszuführen. Insofern verwundert es nicht, dass Verhandlungsspiele sich nicht einer besonderen Beliebtheit erfreuen und sie eher seltene Vertreter in der Spielelandschaft sind. Aber es gibt sie und von einigen sollte man zumindest mal gehört haben.
Hans im Glück war bisher für mich ein Verlag, der im Jahr ein bis zwei Spiele herausbringt, die irgendwo zwischen tollem Familienspiel und niveauvollem Kennerspiel angesiedelt waren. In den letzten Jahren haben mich die Veröffentlichungen von Hans im Glück trotzdem eher selten angesprochen. In diesem Jahr aber biegen sie plötzlich mit einem kooperativen Spiel um die Ecke, etwas das sie bisher noch gar nicht in ihrem Portfolio haben, und überraschen mit einer schönen Aufmachung und einem bekannten Thema. Der Überlebenskampf der Steinzeit wird in Paleo spielerisch verarbeitet und das, wie ich finde (ihr seht es wahrscheinlich schon links auf dem Bild), ziemlich gelungen. Das, was Adventure Island einst sein wollte, weil The 7th Continent für viele zu unerschwinglich war, eine kooperative Überlebenserfahrung, bietet nun Paleo im Steinzeitsetting. Adventure Island ist für meinen Geschmack auf ganzer Linie gescheitert, aber Paleo macht einfach so wahnsinnig viel richtig.
Es ist schon ein bißchen her, genauer gesagt 2007, als das ursprüngliche Brass bei Warfrog Games erschien. Im Jahr danach nahm sich Pegasus des Spiels an und nannte es Kohle. Das war der Zeitpunkt an dem das Spiel einiges an Bekanntheit erreichen konnte. Zum einen, weil es spielerisch als sehr gut gilt und zum anderen, weil es ziemlich häßlich war. Brass/Kohle von damals wurde 2018 von Roxley als Brass – Lancashire in einer wahnsinnig schönen Version neu aufgelegt. Im gleichen Zug wurde auch ein zweites Spiel mit dem Namen Brass – Birmingham veröffentlicht. Bei dieser Version handelt es sich um eine noch komplexere Variante des Martin Wallace Klassikers, das von Matt Tolman und Gavan Brown weiterentwickelt wurde. Damals machte ich einen großen Bogen um das Spiel, weil es mich überhaupt nicht angesprochen hat, auch wenn ich sagen muss, das es tatsächlich und nur an der Optik gelegen hat. Dies ist bei der Roxley-Version allerdings kein Hindernis mehr gewesen, denn Mr. Cuddington aka Lina Cosette und David Forest haben sich dem Spiel angenommen und es in ein wunderschönes Meisterwerk verwandelt. Inzwischen ist auch die deutsche Version von Giant Roc erschienen und ich habe es mir angeschaut.
Wenn ich nicht soviele positive Stimmen zu diesem Spiel in den letzten Wochen gehört hätte, dann wäre es komplett an mir vorbeigerauscht. Bei den ganzen KOSMOS-Neuheiten fiel es mir zunächst gar nicht auf. Ich bin jetzt nicht explizit ein Eisenbahnfan, aber irgendwie sprach mich das Cover so gar nicht an. Dabei sollte man bei dem Autor durchaus hellhörig werden. David Thompson hat bereits mit War Chest und vor allem Undaunted in der jüngeren Vergangenheit für ein wenig Aufmerksamkeit gesorgt. Switch & Signal schlägt dabei aber in eine ganz andere Richtung aus und wurde von ihm für seine Eltern entwickelt, denen wohl recht viel an Eisenbahnen liegt. Switch & Signal ist ein kooperatives Spiel, bei dem alle gemeinsam versuchen Züge auf einem Schienensystem zu einem Ziel zu bewegen, um vorher aufgenommene Waren abzuliefern. Das klingt zugegebenermaßen überhaupt nicht spannend, hat mich aber in seiner Ausführung total überrascht. Ich erkläre euch mal was euch erwartet…