
Zu diesem Spiel muss ich ein wenig weiter ausholen, denn es hat für mich im Kopf so ein bisschen was angestoßen und das ist seltsam, weil es weder das eine, noch das andere zu sein scheint. Aber lasst mich vorn anfangen, damit ihr mir folgen könnt. Gretchens Garten kam bei uns schon vor einer ganzen Weile auf den Tisch und ich habe bis heute darüber nachgedacht, was ich zu diesem neuen Spiel aus der Lookout Greenline aufschreiben möchte. Ich kann euch sagen, das ist absolut nicht leicht für mich, denn für mein Empfinden steht dieses Spiel zwischen einigen Stühlen und kann nirgendwo Platz nehmen und noch viel mehr steht Gretchens Garten zumindest in meiner Spielwelt für einen neuen Typ Spiele, die seit einiger Zeit die Märkte erobern. Wobei ich nicht weiß, ob erobern das richtige Wort ist, ich finde sie schleichen sich eher ein und tauchen überall auf. Ich meine natürlich die inzwischen überall in aller Munde sogenannten Cozy Games. Das Genre der gemütlichen Spiele. Thematisch würde ich auch dieses Spiel dort verordnen. Spielerisch nur zum Teil, weil es eigentlich schon fast zu, und ich scheue mich dieses Wort im Zusammenhang mit diesem Spiel zu schreiben, komplex in seinem Spielprinzip und eigentlich gar nicht mehr unbedingt „cozy“ ist. Deshalb kann es sich nicht setzen und muss im Genre Stuhlkreis stehen bleiben. Das führte in meinen Gedanken auch dazu unbedingt mal etwas zu diesen ganzen Cozy Games machen zu müssen, denn einige davon gehen mir ziemlich auf die Nerven und auch das zum Teil unberechtigte Abfeiern dieser Spiele lässt mich an mir Zweifeln. Aber dazu wann anders mehr. Nun aber ab in Gretchens „Garten“.
Worum geht es?
In Gretchens Garten wetteifern die Spieler*innen um den schnuckeligsten und hippsten Sukkulenten-Garten. Auch das sind Begriffe die ich sonst eigentlich nicht in einem Satz gebrauchen würde. Im Grunde ist Gretchens Garten ein Tableau Builder, bei dem wir uns über zwölf Runden um Pflanzen kümmern müssen und uns eine schöne Sammlung von Pflanzen und Töpfen aufbauen müssen. Dazu können wir uns sogar den einen oder anderen Ableger von unseren Konkurent*innen abzwacken. Wer am Ende die meisten Punkte hat gewinnt.

Wie läuft das ab?

Gretchen betreibt einen Laden und den finden wir als Auslage im Spiel wieder. Hier liegen offen Sukkulenten aus, die wir erwerben können. Das Spiel besteht eigentlich nur aus vielen Karten und Markern. Die Karten unterteilen sich in zwei Stapel Sukkulenten, sowie einigen Topfkarten. Hinzu gesellen sich noch ein paar Wetter-, Sonder- und Gießkannenkarten. Die Marken sind zweiseitig und zeigen auf einer Seite einen Wassertropfen und auf der anderen ein Blatt. Vor dem Spiel müssen wir uns entscheiden mit welchen Sukkulenten wir spielen wollen. In jedem Stapel gibt es je sechs Sorten die farblich kodiert sind. Im Spiel muss von jeder Farbe eine mitspielen, so dass wir uns ein Set zusammenstellen können. Unseren Satz legen wir über Gretchens Laden in farblich getrennten Stapeln bereit. Zu jedem Stapel gehört noch ein eigener Blütenmarker. Vor Beginn des Spiels müssen wir auch noch einen Spielstapel zusammenstellen der je nach Spieler*innen Anzahl anders aufgebaut ist. In diesem wird eine bestimmte Anzahl jeder Sukkulenten Sorte plus einige Sonderkarten gemischt. Anschließend werden die Felder in Gretchens Laden mit Töpfen und Sukkulenten von den gemischten Stapeln befüllt. Die Wetterkarten werden ebenfalls gemischt und als Stapel bereitgelegt. Durch diesen werden die Runden gezählt und in jeder Runde herrscht ein anderes Wetter, welches Einfluss auf das Wachstum hat. Die Spieler*innen selbst starten das Spiel jeweils mit einem Tableau, sowie zwei Starttöpfen und einer Gießkanne.

Das Spiel selbst läuft dann in vier Phasen ab. Aktionen, Wetter, Wachstum und Aufräumen. Auch die Aktionsphase teilt sich in vier einzelne Schritte: Kaufen, Schneiden, Pflegen und Blühen und ist natürlich die Hauptphase des Spiels. Bevor ich das kurz erläutere noch eine Sache: die Währung des Spiels sind quasi Blätter auf unserem Geldbaum, der auf unserem Tableau abgebildet ist. Blätter die hier liegen sind Geld wert und mit denen Bezahlen wir im Laden. In Gretchens Laden sind unter den Karten jeweils die Kosten angegeben. Die Pflanzenkarten an sich haben nur wenige Eigenschaften: Die Farbe ist relevant und jede Pflanze hat eine eigene Fähigkeit. Pflanzen dürfen wir nur kaufen, wenn wir auch einen leeren Topf für sie haben. Zum Spielstart haben wir zwei Töpfe und diese haben ein paar mehr Dinge auf die wir achten müssen. Auch sie haben eine Farbe. Sie verfügen über einen Wasserspeicher und haben eine bestimmte Größe, die in Blättern angegeben wird. Kaufen wir eine Pflanze platzieren wir sie in einem Topf. Kaufen wir einen neuen Topf so platzieren wir diesen immer zwischen unserem Tableau und dem Topf links oder rechts. Die anderen Töpfe verschieben wir dann um eine Position weiter nach außen. Die Sukkulenten bleiben aber liegen.

Danach darfst du Schneiden und dabei schaust du dir die Sukkulenten deiner Mitspieler*innen und den Vorrat an. gibt es noch Pflanzen dieser Sorte im Vorrat, du hast einen leeren Topf und auf der Pflanze liegt ein Blatt und noch keine Blüte, so darfst du das Blatt als Steckling entfernen. Das Blatt wird auf die Tropfen Seite gedreht und bleib liegen. Du nimmst dir eine Sukkulente dieser Art aus dem Vorrat und platzierst sie in einem leeren Topf.

Im Anschluss folgt die Pflege deiner Pflanzen. Du kannst Pflanzen nun umtopfen und/oder gießen. Beim Umtopfen gilt das du entweder genau zwei Pflanzen austauschen oder bis zu zwei Pflanzen verschieben darfst. Auf keiner der Pflanzen darf sich dabei eine Blüte befinden. Nun folgt das Gießen und dazu erhalten wir zwei Tropfen aus dem Vorrat und legen sie auf unsere Gießkanne. Wir dürfen nun beliebige viele Tropfen aus der Gießkanne auf unsere Wasserspeicher verteilen. Wasser, dass wir nicht benötigen bleibt in der Kanne. Alle Pflanzen die nun einen vollen Wasserspeicher haben bekommen eine Extra-Wachstumsphase spendiert und das bedeutet nichts anderes als, dass wir alle Tropfen in Blätter umwandeln und auf die Pflanze verschieben.

Nun folgt noch das Blühen, welches nur eintreten kann, wenn die entsprechende Blüte noch im Vorrat liegt und du eine Sukkulente in einem gleichfarbigen Topf hast. Möchtest du, dass sie blüht, dann entfernst du alle Wassertropfen aus dem Topf und legst die passende Blüte auf die Pflanze. Solche Pflanzen bringen am Ende 7 Punkte, bleiben aber für den Rest des Spiels so wie sie sind. Jede Sorte kann am Tisch insgesamt nur einmal zum Blühen gebracht werden.
Die Wetterphase zeigt uns nun an, wieviel Wassertropfen wir in dieser Runde auf unsere Töpfe und in unsere Gießkanne legen dürfen. Dann folgt die richtige Wachstumsphase, die genauso abläuft wie die während der Pflege in der Aktionsphase. Zum Schluss passieren noch die üblichen Aufräumarbeiten, wie Erneuerung der Auslage, Startmarker Weitergabe und das Aufdecken einer neuen Wetterkarte.
Am Ende gewinnt die tollste Sammlung und wir erhalten Punkte. Jeder Topf bringt zwei, jede Blüte sieben und jedes Blatt einen Punkt. Einige Pflanzen haben darüber hinaus noch Fähigkeiten zu punkten.
Das Fazit
Jetzt mal ehrlich, wenn ihr die Beschreibung lest, dass klingt gar nicht nach so cozy oder? Ich finde das sind schon relativ viele Regeln für ein gemütliches Spiel. Tja, damit ist Gretchens Garten momentan für mich ein Spiel, das dieses Dilemma des Cozy-Genres, sehr gut widerspiegelt. Zum einen ist es sowohl thematisch als auch vom Spielergebnis her relativ belanglos. Was meine ich damit? Nun ja, das Thema ist geschenkt… das kannst du mögen oder auch nicht. Es erzeugt zumindest kein konfrontatives Gefühl sondern sorgt dafür, dass alle Spieler*innen munter ihre eigene kleine Pflanzenauswahl hegen und pflegen, sie mit lustigen bunten Töpfen versehen und das Spiel eine Wohlfühlatmosphäre versprüht. Cozy eben. Das soll ja vor allem neue Spieler*innen in das Hobby bringen, die bei anderen Brettspielen, die eben nicht gemütlich sind, schnell das Weite suchen, weil so ein Spiel erst verstanden werden muss und sie sich ja doof anstellen könnten und dann werden sie vielleicht noch ausgelacht. Also probieren sie es gar nicht erst. So ein Cozy Game soll den druck rausnehmen. Das tut Gretchens Garten aber tatsächlich nicht und da ist es auch nicht alleine mit. Es hält trotzdem recht viele Regeln bereit und sorgt dafür, dass du tatsächlich ein bisschen was zu tun bekommst. Das ist erstmal gut für die passionierten Spieler*innen in unserer Mitte, denn so bleibt das Spiel nicht ganz so belanglos. In der Theorie. Gretchens Garten fühlt sich aber dennoch absolut belanglos an, weil niemand am Tisch so richtig was falsch machen kann und am Ende irgendwer gewonnen hat und alle da sitzen und sagen: „Ja okay, ist halt vorbei jetzt.“ Im Zweifel sind die Neulinge nun gefrustet, weil die Regeln dann doch, zwar nicht sonderlich komplex, aber doch viel zu zahlreich waren und die Vielspieler*innen, weil in dem Spiel viel agiert wird, ohne auch nur irgendwas Großartiges zu erreichen. Da reiht sich das Spiel in eine Reihe ein mit so Graupen wie Flamecraft.
Ganz ehrlich Gretchens Garten ist kein schlechtes Spiel, aber eines das ich eigentlich nicht mehr spielen möchte, weil ich das Gefühl nicht los werde, dass es komplett an allen Zielgruppen vorbei erdacht wurde und weder Fisch noch Fleisch ist oder eben einfach total belanglos. Flamecraft konnte mit seiner Optik wenigsten noch punkten und hat sich allein wegen der niedlichen Figuren wahrscheinlich gut verkauft. Gretchens Garten setzt aber voll auf einen alternativen Öko-Look und kann auch hier für mich nicht überzeugen.
- Verlag: Lookout Games
- Autor(en): Jay Bendixen, Ryan Boucher
- Illustrator(en): Carrie Cantwell, Nele Diel
- Erscheinungsjahr: 2026
- Spieleranzahl: 2-4 Spieler*innen
- Dauer: 45 Minuten