Wine & Cheese – Ist das der Start einer Reihe?

Wine & Cheese

Vor ein paar Jahren erschien bei Deep Print das Spiel Beer & Bread welches ein Eurogame für zwei Personen darstellte. Schön aufbereitet in einer kleinen Schachtel mit tollem Material, wie für Deep Print üblich. Scott Almes war der Autor, der mir zwar schon aufgefallen war, aber dessen Spiele eigentlich nie einen größeren Eindruck auf mich hinterlassen hatten. Hauptmechanik waren die Karten, die wir auf unterschiedlichste Arten und Weisen benutzen konnten. Wer mehr über das Spiel wissen möchte findet eine Review hier auf dem Blog. Nun einige Jahre später erscheint mit Wine & Cheese ein Spiel das offensichtlich in der gleichen Tradition zu stehen scheint. Gleicher Autor, gleicher Illustrator, wieder ein Spiel für zwei in derselben Schachtelgröße. Wieder ein Eurogame mit ähnlichem Thema. Wir benutzen diesmal aber keine Karten als Hauptmechanik, obwohl es natürlich welche gibt, nein, wir müssen ein paar Arbeiter einsetzen um Ressourcen zu erwirtschaften. Klingt doch ganz spannend und als Spiel für zwei kamen wir auch nicht daran vorbei.

Worum geht es?

Diesmal spielen wir zwei Bauernhöfe die in der gleichen Region Wein und Käse herstellen und um den größten Profit wetteifern. Das Spiel wirft uns in diesen Wettbewerb und gibt uns zwei Jahre Zeit dafür. Die Runden des Spiels sind unterschiedliche Jahreszeiten in denen unterschiedliche Dinge passieren. Wir setzen Arbeiter ein um Ressourcen zu erwirtschaften und müssen dann unsere Karten so gut es geht nutzen um die genannten Waren herzustellen. Wir dürfen uns dabei aber auch nicht auf nur eines der beiden Lebensmittel konzentrieren, denn am Ende erhalten wir nur Punkte für das, welches wir weniger gut produziert haben. Also besser wir kümmern uns um beides gut.

Wine & Cheese – Spielaufbau / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Wie auch schon bei Beer & Bread gibt es vor dem Spielstart so Einiges vorzubereiten. Das Spielbrett ist das zentrale Element und da Michael Menzel „der Meister der Spielbretter“ beteiligt war, bekommen wir hier auch mal wieder ein besonders hübsches und optisch sehr gut durchdachtes. Wir duellieren uns ja quasi mit unserer Gegenspieler*in und so ist es wenig verwunderlich, dass wir an den jeweiligen Rändern des Bretts unseren Hof mit diversen Kartenfeldern wiederfinden. Dazwischen gibt es ein paar Anzeigen und die Quartiere für unsere Arbeiter wo sie aufgereiht stehen. Die Kartenauslage befindet sich auf einer Seite und das sogenannte Parzellenfeld, wo wir die Arbeiter zur Ressourcengewinnung im Spielverlauf einsetzen werden auf der anderen.

Wine & Cheese – Ressourcen Anzeiger / Foto: Spieltroll

Ich kann nicht alles vorab erklären, denn das sprengt den Rahmen für dieses kleine Spiel. Ihr solltet nur wissen, dass es für seine kleine Größe dann doch ein recht komplexes Spiel ist. Ein paar Dinge zu den Arbeitern muss ich aber doch erklären, sonst versteht leider niemand wo der mechanische Kern verborgen liegt und was den Reiz hier ausmacht. Zunächst muss gesagt werden, dass es fünf Arbeiter pro Spieler*in gibt und jeder eine eigene Farbe hat. Zu jedem Arbeiter gibt es auch noch eine Bank bzw. einen Hut. Dieses kleine Holzteil fungiert als beides. Wir stellen die Bänke farblich zufällig in die Quartiere und stellen die Arbeiter auf die entsprechenden Bänke. Setzen wir die Arbeiter später auf den Parzellen ein, so werden die Bänke zu ihren Hüten. Die Quartiere zeigen uns an, welche Felder innerhalb des Parzellenrasters unser Arbeiter bearbeiten wird. Das Parzellenraster zeigt auf den Feldern derweil unterschiedliche Rohstoffe an.

Wine & Cheese – Der Arbeiterbereich / Foto: Spieltroll
Wine & Cheese – Kalenderleiste mit dem Spielablauf / Foto: Spieltroll

Das Spiel schreitet über eine Kalenderleiste voran. Es gibt verschiedene Jahreszeiten, in denen wir uns mit unterschiedlichen Dingen befassen müssen. Jede Jahreszeit unterteilt sich dabei in unterschiedliche Arbeitsschritte die uns die Leiste bereits bekanntgibt. Wir wissen also die ganze Zeit, wann was abgehandelt wird und hier kommt eine weitere Besonderheit von Wine & Cheese zum Vorschein, das Element der Zeit, denn wir Stellen ja zwei Waren her, die durch eine Reifeprozess eigentlich nur besser werden und das spiegelt sich über die Dinge die wir herstellen wollen auch wieder. Das sorgt aber auch dafür, dass wir keine Ressourcen wie Milch zum Beispiel ewig lagern können, denn diese verdirbt. Wir müssen also möglichst die richtige Menge einsammeln, die zu unseren Rezepten passt und müssen auch den Reifeprozess miteinplanen, damit unsere Waren möglichst gut werden.

Die Ressourcen werden übrigens in Wine & Cheese nicht durch verschiedene Marker angezeigt, sondern wir haben hier für alles die gleichen und legen sie nur auf die entsprechenden Felder der Ressourcen. Das sorgt für niedrigere Produktionskosten und weniger Platz in der Spielschachtel, denn es wird euch so vorkommen, dass ihr hier ein riesiges Spiel aus der kleinen Schachtel holt, was ihr sonst definitiv in einer größeren Schachtel erwarten würdet.

Wine & Cheese läuft über zwei Jahre und ermöglicht euch in diesem Zeitraum eure Waren herzustellen. Jede Phase des Spiels ist ein wenig anders und es gibt im Vorfeld viele Regeln zu lernen, dennoch fühlt sich das alles organisch und richtig an wenn ihr spielt. Geht euch also auch gut von der Hand und die Symbolik auf der Kalenderleiste führt euch gut durch das Spiel.

Die Rezeptkarten zeigen uns an, was wir für Zutaten benötigen und wieviel Geld wir für diese Waren bekommen können. Der Goldwert gilt, wenn die Ware ausgereift wurde und den Silberwert gibt es wenn wir es unausgereift verkaufen müssen oder wollen. Waren liegen im Spielverlauf in unserem Keller und auf jeder Zutat steht ein Marker. Durch den Reifungsprozess werden diese Schritt für Schritt entfernt. Die Karten haben auch noch Effekte und gehören zu bestimmten Genusspaaren, was wir an der Illustration erkennen können. Durch diese erhalten wir am Spielende besonders viele Punkte, sollten wir sie herstellen können.

Wine & Cheese – Ein Genußpaar / Foto: Spieltroll

Am Spielende zählen wir unsere Punkte für jede Warenkategorie einzeln zusammen und das niedrigere der beiden ist unser erzieltes Endergebnis.

Das Fazit

Wine & Cheese – Der Reifeprozess / Foto: Spieltroll

Junge, Junge! Ich habe schon lange nicht mehr so viel tiefgründiges Spiel auf so kleinem Platz vorgefunden. Hier stimmt einfach alles. Das Material ist toll durchdacht, setzt an den richtigen Punkten kleine verspielte Akzente und Michael Menzels Kunst ist wie immer toll und wirkt hier authentisch oldschoolig, was wirklich sehr gut zum Spiel passt. Dieses sieht aber tatsächlich nur ein bisschen so aus, denn was wir hier geboten bekommen ist wirklich toll und gar nicht altbacken. Worker Placement geht immer, aber bei Wine & Cheese muss ich mir meiner Sache sehr sicher sein. Die Ressourcen entscheiden und was ich auf dem gemeinsamen Parzellenspielfeld ergattern kann ist natürlich auch abhängig von meinem Gegenüber. Das alles mit meinen Rezeptkarten zusammenzubringen und auch die Reifung miteinzuplanen ist die große Kunst und erfordert enorme Planung und ein gehöriges Maß an vorausschauender Denke.

Am besten gefällt mir aber der Einsatzmechanismus, den ich noch gar nicht richtig beschrieben habe. Spieler*in Nummer 1 sucht sich einen der Arbeiter aus und setzt ihn auf dem Parzellenfeld ein. Die Karte der Hütte, von der wir den Arbeiter entfernt haben zeigt uns an für welche drei Felder wir unsere Ressourcen bekommen. Ein Feld auf der Karte ist rot und zeigt unseren Arbeiter an. Zwei andere sind grün. Es gibt zweierlei Karten. Auf der einen Sorte sehen wir nur unseren Arbeiter (Alleine schuften!) und bekommen je eine Ressource der drei angezeigten Felder. Die andere Sorte zeigt auf den grünen Feldern bereits benutzte Arbeiter mit Hut (Zusammen arbeiten). Hier bekommen wir für das rote Feld zwei Ressourcen und das Gegenüber erhält Ressourcen wenn es Arbeiter auf den Feldern stehen hat. Das erfordert schon Planung, um dem Gegenüber nicht zu viel Zeug zuzuschustern, Aber damit ist es noch nicht getan. Al nächstes ist unser Gegenüber nämlich zweimal dran Arbeiter einzusetzen. Beim ersten gibt es keine Wahl und es muss derjenige mit der gleichen Farbe von der anderen Seite genommen werden. Der zweite darf dann frei gewählt werden und danach ist Nummer 1 wieder dran, aber ebenfalls zweimal und muss auch zunächst die zu letzte benutze Farbe einsetzen. Das ist ein enormes taktisches Element, denn das Parzellenfeld füllt sich natürlich mit Arbeitern und so kann das Gegenüber auch schon mal in schlechte Entscheidungen gezwungen werden. Richtig klasse und zusammen mit allen anderen Elementen entsteht so ein wirklich spannendes und komplexes Spiel.

Wine & Cheese – Der Parzellenbereich mit Arbeitereinsatz / Foto: Spieltroll

Mit Wine & Cheese setzt Scott Almes dem schon richtig guten Beer & Bread noch einen drauf und liefert hier schon fast ein expertiges Worker Placement Spiel für Zwei ab, das Seinesgleichen sucht. Sowohl in Art und Implementierung der Mechaniken, als auch in der Spielgröße.


  • Verlag: Pegasus Spiele, Deep Print Games
  • Autor(en): Scott Almes
  • Illustrator(en): Michael Menzel, Alexander Jung
  • Erscheinungsjahr: 2026
  • Spieleranzahl: 2 Spieler*innen
  • Dauer: 45-75 Minuten

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