Storyfold: Schattenwald – Ein optisches Meisterwerk

Storyfold: Schattenwald

Keine Panik, ich bin noch da, ich habe mir nur eine kleine Urlaubsauszeit gegönnt und wollte mal ein bisschen ausspannen. Mit frischem Schwung geht es direkt los mit einem echten Hingucker. Rein optisch macht Storyfold: Schattenwald schon mal alles richtig und bietet den geneigten Solospieler*innen eine stimmige Abenteuererfahrung. Sjoerd an der Linde aus den Niederlanden, der mir bisher völlig unbekannt war und von dem eine kurze Recherche ergab, dass dieses Spiel tatsächlich sein Erstling ist. Das ist aufgrund der Erscheinung und Reife mit der dieses Abenteuer daherkommt tatsächlich kaum zu glauben und eine wirklich starke Leistung. Hier hatte jemand eine ganz klare Vision und hat sie wirklich toll umgesetzt. Aber genug der Vorrede kommen wir zu den harten Fakten.

Worum geht es?

Storyfold: Schattenwald entführt seine Spieler*innen in eine fantastische Welt in der das kleine Mädchen Luma mit ihrem Bärengefährten Brom in einer verderbten Welt den Wald und seine Tiere versuchen zu heilen. Ein mysteriöser dunkler Schatten hat von ihnen Besitz ergriffen und macht sie für die beiden zu einer konstanten Gefahr. Der oder die Spieler*in erlebt dabei die Reise der beiden in diesem tollen Geschichtsbuch in fünf Kapiteln die aus mehreren Szenen bestehen.

Storyfold: Schattenwald – Spielschachtel aufgemacht wie ein großes Buch / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Storyfold: Schattenwald – Ein eigenes Tutorial als Prolog / Foto: Spieltroll

Das ist kinderleicht gestaltet, denn bevor das Spiel mit seiner richtigen Geschichte beginnt, hat es noch ein Tutorial für uns bereit. Wie später im richtigen Spiel haben wir einen Kartenstapel den wir von Anfang bis Ende durchlaufen, um die Geschichte des Kapitels zu erleben. Im Tutorial werden wir Schritt für Schritt an die Mechaniken herangeführt und erleben so, wie sich das Spiel hinterher anfühlen soll. An dieser Stelle sei aber bereits verraten, dass das wirklich nur ein sehr einfacher Einstieg ist, der wirklich alles toll erklärt, aber mit der Komplexität und dem Schwierigkeitsgrad des späteren Spiels nicht wirklich etwas zu tun hat. Das Tutorial lässt sich auch recht schnell in einer halben Stunde schaffen, während die einzelnen Kapitel dann doch immer so eine Stunde in Anspruch nehmen.

Storyfold: Schattenwald – Das Aufklappen des Ringbuchs zum Spielstart ist bereits ein Erlebnis / Foto: Spieltroll

Der Spielaufbau ist aber ebenfalls schon ein Erlebnis, oder vielmehr ist er das, wenn du das Buch zum ersten Mal öffnest. Hier merkst du sofort mit wieviel Liebe dieses Spiel künstlerisch gestaltet wurde. Das Buch ist gleichzeitig auch unser Spielbrett. Wir klappen zwei Seiten zu beiden Seiten hin aus und wechseln im Verlauf des Spiels im mittleren Teil immer wieder die Stationen durch umblättern. So bestehen die Kapitel immer aus mehreren Szenen, die wir durchstehen müssen.

Storyfold ist dabei durch Karten und Würfel getrieben. Die Karten brauchen wir um die Geschichte voranzubringen, Gegner zu simulieren und unsere Fähigkeiten abzubilden. Die Würfel benötigen wir um Proben auf unsere Fähigkeiten abzugeben. Recht klassisch wie bei vielen Abenteuerspielen. Doch wirkt das hier alles irgendwie neu und spannend. Während auf den beiden ausgeklappten Seiten hauptsächlich verschiedene Kartenstapel und Plättchen lagern findet das eigentliche Spiel auf den Buchseiten und unter den beiden ausgeklappten Seiten statt. Auf der linken Seite legen wir bis zu drei Vorteile ab, die wir im Verlauf der Kapitel durch das Erkunden erlangen können und auf den beiden anderen Seiten bilden wir einen sogenannten Kartenfluss. Zu Beginn eines Kapitels befinden sich auf den ersten vier Plätzen von Links unsere vier Fähigkeitskarten Heilen, Erkunden, Blenden und Helfen. Diese Karten haben alle je zwei Effekte. Wir können den jeweils oberen oder unteren Benutzen und müssen dafür Erfolge würfeln. Die oberen Effekte sind die, die uns in der Regel voranbringen und mit den unteren Sammeln wir eher nur Ressourcen. Dabei bedingen sich die beiden Fähigkeiten auch noch gegenseitig. Brauchen wir zum Beispiel zum Blenden eines Wesens im Wald zwei Erfolge und würfeln mit zweien unsere Würfel nur einen Erfolg, so hat die obere Fähigkeit zwar nicht funktioniert, aber der eine Erfolg bringt uns dafür noch etwas von der unteren Fähigkeit. Im Fall des Blendens wäre das ein Schritt auf der Lichtleiste.

Storyfold: Schattenwald – So stellt sich das „Spielbrett“ zu Spielbeginn dar / Foto: Spieltroll

Je weiter links im Fluss sich eine Karte befindet, desto einfach ist es einen Erfolg zu erwürfeln. Die Felder steigern sich von einer 3+ bis zu einer 6+ auf dem vierten Feld. Es gibt noch drei weitere Flussfelder, aber auf diesen ist uns keine Probe erlaubt. Wir Würfeln hier übrigens mit achtseitigen Würfeln. Der Fluss dient eben nicht nur für unsere Fähigkeiten, denn auch Wesen des Waldes werden als Bedrohung hier abgelegt. Jede Fähigkeit die wir benutzen kommt anschließend ans Ende der Reihe und wir müssen Lücken immer sofort schließen. Alle anderen Karten rücken dann um Positionen nach links. Die Würfel, von denen wir fünf besitzen, stellen nebenbei auch eine Aktionsressource dar. Haben wir alle verbraucht ist unsere Luma-Phase vorbei und die Schattenphase des Spiels beginnt. Diese beiden Phasen wechseln sich stetig ab.

Storyfold: Schattenwald – Einzelne Orte die es zu Erkunden gilt / Foto: Spieltroll

Unser eigentliches Ziel aber ist es auf dem Spielbrett bestimmte Orte zu besuchen. Auf den meisten Spielfeldern gibt es Orte die wir von links nach rechts durchlaufen müssen. Meistens gibt es aber auch noch unabhängige Orte, die uns Vorteile einbringen können, wenn wir sie besuchen. Die Orte sind dabei meistens den Fähigkeiten Erkunden und Helfen farblich zugeordnet, was auch bedeutet, dass wir diese Fähigkeit benutzen müssen um einen solchen Ort aufzusuchen. Auf ihnen ist mit farblichen Punkten angegeben, wie viele Erfolge wir benötigen, um dorthin zu kommen. Schaffen wir es markieren wir den Ort mit einem Marker und müssen später weiterreisen.

Storyfold: Schattenwald – Unsere vier Aktionen am unteren Rand / Foto: Spieltroll

Die beiden anderen Fähigkeiten Heilen und Blenden beziehen sich auf die Wesen in unserem Fluss. Diese können wir tatsächlich blenden, um sie in der Schattenphase kurzfristig auszuschalten, oder aber Heilen, um sie ganz aus der Reihe zu entfernen. Wesen werden nämlich in der Schattenphase relevant. Beginnt diese, fügen uns die Tiere von links nach rechts ihren Schaden zu, den wir oben rechts auf ihren Karten finden. Dadurch ziehen sie uns Energie ab, die wir auf einer Leiste festhalten. Sollte dort das Ende erreicht sein, platzieren wir den Marker wieder am Anfang, müssen aber eine Schattenkarte ziehen und abhandeln. Von diesen gibt es meist nicht sehr viele und sollte die letzte gezogen werden haben wir das Spiel eh verloren. Nachdem sie uns Schaden zugefügt haben, werden ihre Aktivierungsfähigkeiten noch ausgeführt, was sie meistens in der Reihe verschiebt oder uns Marken abwerfen lässt. Haben wir alle Wesen abgehandelt, müssen wir auf der oben bereits erwähnten Lichtleiste, den Schattenmarker um ein Feld in die Mitte bewegen. Sollte dieser jemals in der Mitte ankommen, haben wir auch verloren. Zusätzlich können durch das Vorrücken auch hier noch lästige Effekte auf uns warten.

Storyfold: Schattenwald – Unsere Aktionen in Würfelform / Foto: Spieltroll

Gleichzeitig müssen wir aber auf der Lichtleiste auch mit dem Lichtmarker versuchen die Mitte zu erreichen, denn um das letzte Feld zu erkunden müssen wir die Mitte erreicht haben, ansonsten dürfen wir die Szene nicht wechseln.

Neue Szene neues Glück. Wir räumen Wesen und Marker vom Hauptspielbrett ab und blättern weiter. Unsere Fähigkeiten und anderen Marker, sowie die Zustände sämtlicher Kartenstapel bleiben aber gleich. Das läuft solange, bis wir das Ende des Kapitels erreicht haben. Es ist aber auch wirklich kein Problem das Spiel mittendrin zu speichern, denn es liefert eine Speicherbox gleich mit, die unser Energieniveau und die Positionen unsere Fähigkeiten am Ende einer Szene aufnimmt. Das ist ziemlich gut gelungen.

Das Fazit

Storyfold: Schattenwald – Oben der Ort mit der nötigen Aktion, unten die Aktion selbst mit dem Erfolg auf 3+ / Foto: Spieltroll

Generell ist Storyfold: Schattenwald ziemlich gut gelungen, wie ich finde. Optisch eine Wucht, erinnert es mich an ein farblich umgedrehtes Limbo (Videospiel). Spielerisch ist das System erstaunlich tiefgründig. Was einem zunächst noch gar nicht so auffällt, lernst du recht bald im Spielverlauf. Die Karten im Fluss lassen sich natürlich auch hervorragend manipulieren indem ich bestimmte Aktionen einfach nicht gelingen lasse und nur einen Würfel benutze, damit sie einfach aus dem Weg geräumt werden, damit die Aktion die ich eigentlich machen will, ja vielleicht sogar machen muss, einfacher wird. Mit ein wenig guter Planung lässt sich da viel herausholen, denn ich kann natürlich nicht verhehlen, auch das Glücksmoment ist natürlich stark vorhanden. Es hängt ja immer alles an den Würfelwürfen. Wobei nicht ganz, ich kann mir auch Kristalle verdienen, die ich auf meinen Aktionen lagern darf. Jeden kann ich für einen Erfolg eintauschen, was die Planbarkeit wieder erhöht. So ist dieses System erstaunlich gut und fordert mich heraus.

Also optisch sehr gut, mechanisch interessant und fordernd, gibt es auch Negatives zu bemerken? Nun ja, wenn ich jetzt etwas herauspicken müsste, dann das die Geschichte, oder sagen wir besser Erzählung die uns da erwartet durch die kleinen Beiträge ein eher metaphorisch, philosophischer ist und uns eher in eine Traumwelt entführt als uns handfest unterhält. Das kann man mögen, aber mancher findet das sicherlich ein wenig nervig und zu abstrakt. Ich finde aber, dass es zum künstlerischen Gesamtkonzept sehr gut passt.

Das Spiel ist von den Open Owl Studios, die uns schon Mythwind brachten. Ich finde es schön, dass sie ungewöhnliche Wege gehen und uns mit Spielen versorgen, die du so noch nicht gesehen hast und das trifft auf Storyfold: Schattenwald definitiv zu.


  • Verlag: Board Game Circus
  • Autor(en): Sjoerd van der Linde
  • Illustrator(en): Justine Chalieux
  • Erscheinungsjahr: 2026
  • Spieleranzahl: 1 Spieler*in
  • Dauer: 30-60 Minuten

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