
Ich gebe zu, sowohl Reiner Knizia und Der Herr der Ringe sind für mich Trigger, die ich mir immer anschaue und treten sie im Doppel auf, bekomme ich gleich feuchte Hände, denn zu sehr hat mich sein damaliges, kooperatives Spiel begeistert und nachhaltig beeinflusst. Wer etwas darüber erfahren möchte, hat in einer Klassiker Review von vor sechs Jahren auf diesem Blog die Gelegenheit dazu. Ein wirklich tolles Spiel, das natürlich im Kontext seiner Zeit betrachtet werden muss, als es eigentlich noch keine kooperativen Brettspiele gab. Dennoch wurde das Spiel mit dem Herr der Ringe Setting in meinen Augen fantastisch umgesetzt. Im Jahre 2025 durfte sich Reiner Knizia Tolkien erneut vornehmen, diesmal ging es um den Hobbit und seine Reise. Ein Buch das mich ebenfalls sehr geprägt hat. Damals hieß es noch Der kleine Hobbit. Der Titel hier bezieht sich eher auf das Original „There and back again“. Knizia zerteilt die Reise in acht Schauplätze und nutzt eine Roll & Write Mechanik, um sein Spiel voranzutreiben. Ideal um leicht hereinzukommen und das Spiel auch Familien mit Kindern relativ leicht zugänglich zu machen. Das Spielprinzip wird einem nicht neu vorkommen, dafür ist Der Hobbit: Hin und Zurück vom Material her ziemlich hübsch und gut umgesetzt worden.
Worum geht es?
Der Hobbit: Hin und zurück hat, wenn es als Kampagne betrachtet wird, die entscheidenden Schauplätze der Geschichte des Buchs aufgegriffen und in acht einzeln spielbare Roll & Writes mit der gleichen Kernmechanik und immer wieder neuen, kleineren Ergänzungsregeln in ein Spiel gepackt. Die Würfel geben uns neben der Wegfindung über die einzelnen Karten auch Ressourcen zur Hand, die wir benötigen, um die einzelnen Aufgaben zu lösen. Es macht allerdings keinen Abbruch, ob nur ein einzelnes Abenteuer gespielt wird. Diese bauen, außer dem Fortlauf der Geschichte, nicht aufeinander auf.

Wie läuft das ab?
Die wenigen Grundregeln des Spiels sind simpel und lassen sich recht schnell erklären. Der Spielaufbau ist ebenfalls sehr schnell erledigt. Zentrales Element sind die vier Abenteuerbücher für die Spieler*innen, die auf abwischbaren Doppelseiten jeweils ein Abenteuer enthalten und wirklich schön gestaltet wurden. Neben diesen Büchern und einem Stift mit Wischer erhalten die Spieler*innen sonst kein Material. Für das erste Szenario müssen wir noch die Schwertmarken, sowie die fünf Reisewürfel bereitlegen. Für spätere Szenarien gibt es noch weitere Marken, die im ersten Szenario aber keine Rolle spielen. Mehr als das erste Szenario werde ich hier aber nicht erwähnen.

Schauen wir uns das Abenteuerbuch zunächst noch etwas genauer an. Auf der rechten Seite finden wir in der Regel eine Landkarte auf der wir uns mit unserer Reiseschar entlangbewegen und Hindernissen ausweichen müssen, sowie auch Belohnungen einsammeln können. Im Fall des ersten Szenarios finden wir zwölf Zwerge, sowie Thorin und Gandalf auf der Karte wieder, die aus 7 mal 13 Kästchen besteht. Unsere Aufgabe besteht darin die Zwerge nach Beutelsend zu bringen. Sobald wir also Wege von allen Zwergen (nicht unbedingt Thorin) nach Beutelsend gebildet haben, endet die Partie sofort. Gandalf und Thorin nach Beutelsend zu bringen ist nicht unbedingt notwendig, bringt aber viele Punkte für das Spielende. Auf einigen Feldern finden wir Schwert- und Brotsymbole. Sobald wir einen Pfad über ein solches Feld einzeichnen sammeln wir diese Ressourcen ein. Im Falle des Schwertes bekommen wir einen Marker. Für das Brot dürfen wir auf der linken Seite ein Kreuz einzeichnen.

Kommen wir nun zur linken Seite des Abenteuerbuchs. Hier finden wir die für das jeweilige Szenario wichtigen Leisten wieder, auf denen wir Dinge ankreuzen um am Spielende auch ordentlich Punkte zu kassieren. Sobald wir einen Zwerg ins Ziel gebracht haben dürfen wir ihn hier auf der oberen Leiste von links nach rechts ankreuzen und erhalten die unter ihm angegebenen Punkte, indem wir sie einkreisen. Zu jedem Zwerg gehört darunter aber auch ein Brot. Haben wir dieses bereits angekreuzt, sobald wir den Zwerg nach Beutelsend bringen, so erhalten wir auch die Punkte unter dem Brot. Haben wir kein Brot gesammelt, müssen wir Brot und Punkte durchstreichen. Sollten wir Brot sammeln, dürfen wir auf der unteren Leiste ebenfalls von links nach rechts Kreuze machen. Rechts neben der Zwergenleiste finden wir dieselbe Mechanik auch mit Thorin und Gandalf. Für diese beiden müssen wir nur jeweils zwei Brote sammeln und dürfen das jederzeit tun, anstatt diese bei den Zwergen zu markieren.

Unter diesen Leisten finden wir noch eine kleinere die uns zeigt, wie viele Punkte wir für wie viele gesammelte Schwerter am Ende des Spiels bekommen. Bis zu 30 sind hier möglich, wobei wir dafür auch mindestens 15 Schwerter während des Spiels einsammeln müssen. Unter diesem Bereich finden wir noch zwei weitere. Eine für Gandalf und seine Zauberhüte, die wir ebenfalls während des Spiels sammeln können. Sobald wir ein oder zwei haben, setzt Gandalf einen Zauber ein und hilft uns durch zusätzliche Pfade oder Ressourcen. Rechts daneben finden wir den Meisterdieb-Bereich von Bilbo, der es uns vier Mal in diesem Szenario erlaubt einen Würfel zu ignorieren und durch eine andere Belohnung zu ersetzen.

Nun seid ihr umfassend über das Spielfeld informiert und müsst nur noch wissen, wie das Spiel denn jetzt gespielt wird. Das ist super einfach, denn ein*e Spieler*in würfelt alle fünf Reisewürfel und sucht sich danach einen aus und entfernt diesen aus der Mitte. Danach wählen die anderen Spieler*innen reihum auch jeweils einen und danach geht es mit einem neuen Wurf weiter. Bei weniger als vier Spieler*innen ist die Verteilung der Würfel ein wenig anders. Drei der fünf Reisewürfel zeigen ausschließlich Wegsymbole auf Quadraten an. Von eins bis drei Quadraten ist alles möglich. Die beiden anderen Würfel enthalten nur Ressourcensymbole in Form von Schwertern, Broten und Zauberer Hüten. Was ihr mit den Ressourcen macht wisst ihr ja schon und die Pfade dürft ihr nun auf eurer Karte einzeichnen. Dabei dürft ihr an jedem beliebigen Startfeld neu beginnen oder malt einen bestehenden Pfad weiter. In diesem ersten Szenario sind alle Zwerge, sowie Thorin und Gandalf mögliche Startfelder. Ihr dürft das Erwürfelte Ergebnis drehen und wenden wie ihr wollt. Ihr dürft sogar so weiterzeichnen, dass Teile des Ergebnisses quasi bereits gemalte Wege erneut zeichnen würden. Das ist kein Problem. Wichtig ist nur, dass keine Startfelder durchquert werden können. Das heißt das ein Pfad der an einer Seite hineinführt auch nicht an einer anderen wieder herauskommen kann. Also müssen dieser Felder auch umbaut werden, um nach Beutelsend zu kommen. Sollte ein Pfad mit mehreren Zwergen auf einen Schlag an Beutelsend anschließen, so kommen natürlich auch alle Zwerge gleichzeitig in die Wohnung und dürfen markiert werden. Aber wehe es ist nicht genug Brot da.

Das Fazit
Ja das wäre auch schon alles, was ich hier zu berichten habe. Ich möchte über die weiteren sieben Szenarien nichts spoilern, außer dass ich erwähnen möchte, dass diese alle wirklich sehr unterschiedlich sind und wer Spiele von Reiner Knizia kennt, weiß auch das dieser sich wirklich mit Ideen nicht lumpen lässt. Spätere Szenarien werden deutlich anspruchsvoller als dieses wirklich simple erste beschriebene Szenario, bleiben aber dennoch alle im Rahmen eines leichten bis mittelschweren Familienspiels. Besonders schön finde ich, dass hier wirklich versucht wurde die Geschichte mechanisch zu verarbeiten. Für diejenigen, die die Geschichte nicht kennen. Die Zwerge und Gandalf tauchen unangekündigt bei Bilbo auf und haben mächtig Hunger, futtern ihm also die Speisekammer leer. deshalb sollte in diesem Szenario darauf geachtet werden zunächst Brot zu sammeln, bevor die Zwerge eintreffen.
Ein kleines Negativ gibt es für mich aber auch zu erwähnen und das ist das relativ spontane Spielende, welches sich für manchen zu bestrafend anfühlen könnte, denn sobald jemand das jeweilige Ziel (im ersten Szenario zwölf Zwerge nach Beutelsend zu führen) erreicht hat, ist die Partie sofort vorbei. Natürlich kündigt sich so Etwas an und kommt nicht ganz überraschend, aber ich kenne ja meine Pappenheimer die sich dann schnell benachteiligt fühlen.
Das Würfeln der Pfade auf einzelnen Quadraten erinnert ein bisschen an Railroad Ink, aber durch das ganze Drumherum mit den Ressourcen fühlt sich Hin und Zurück deutlich anders an. Ich bin Fan von Roll & Writes, weil ich diese gerne mal zwischendurch auf den Tisch bringe und auch mal an einem vollgepackten Tag recht schnell spielen kann und da macht dieses hier eine wirklich gute Figur. Für mich als Herr der Ringe Fanboy ist das natürlich noch durch das Setting viel mehr gegeben. Reiner Knizia geht meist eh immer, also von daher empfehle ich dieses Spiel sehr gerne für Freunde der leichten bis mittelschweren Unterhaltung und vor allem Fans von Roll & Writes, sowie des Herrn der Ring und des kleinen Hobbits.
- Verlag: Office Dog, Asmodee
- Autor(en): Reiner Knizia
- Illustrator(en): Lorenzo Colangeli
- Erscheinungsjahr: 2025
- Spieleranzahl: 1-4 Spieler*innen
- Dauer: 30 Minuten