Glaskugel kaputt? – Kommentar zu den Spiel des Jahres Nominierungen

Gestern wurden in Berlin die Nominierungen für die Spiel des Jahres Preise in den bekannten drei Kategorien, sowie die jeweiligen Empfehlungslisten vorgestellt. Dabei gab es, zumindest für mich, wieder einmal einige Überraschungen. Spiele die ich nicht auf der Rechnung hatte, oder bei denen ich mich nicht getraut habe sie auf meine Tippliste zu setzen. Einen Tag nach der Nominierung will ich die aktuellen Listen einmal durchgehen und meine zwei Pfennig dazu abgeben. Vorwegschicken möchte ich aber, dass ich nicht auf die Veranstaltung eingehen werde. Aus beruflichen Gründen war es mir nicht möglich live oder im Netz dabeizusein und auch im Nachhinein habe ich mir den Stream nicht zu Gemüte geführt. Ich betrachte hier rein die Liste, wie sie auf der Homepage des Spiel des Jahres e. V. zu finden ist. Also los…

Trotz, das ich eigentlich nie viel zum Kinderspiel des Jahres zu sagen habe, finde ich aber die Tatsache, dass Wolfgang Warsch mit zwei Kinderversionen seiner Erfolgsspiele aus dem Kennerbereich Ganz schön clever! und Die Quacksalber von Quedlinburg, erneut in der Kinderkategorie nominiert ist, bemerkenswert. Hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet, aber die Jury gab in einem Kommentar bekannt, dass die Liste bei den Kinderspielen in diesem Jahr gegenüber der Vergangenheit viel kürzer sei, was eventuell aus meiner Sicht für die erneute Nomninierung der Zweitverwertung sprechen könnte. Für diejenigen, die es interessiert: Auch schon clever und Mit Quacks & Co nach Quedlinburg sind die Titel seiner Werke. Als drittes Spiel komplettiert Zauberberg die Nominierten.

Beim roten Pöppel für das Spiel des Jahres bin ich dieses Jahr wirklich überrascht. Das kam in der Vergangenheit immer wieder mal vor und ich bin mir der Ausrichtung und dem Satzungszweck des Spiel des Jahres e. V. durchaus bewusst. Dennoch finde ich hier einige Entscheidungen ebenfalls zumindest bemerkenswert.

Cascadia

Cascadia ist wohl das am meisten im Vorfeld genannte Spiel dieses Jahrgangs gewesen, wenn es um diese Kategorie geht. Das Spiel ist meiner Meinung nach ein Prototyp für diesen Preis und so verwundert es kaum, dass es auch tatsächlich auf der Nominierungsliste steht. Es bleibt aber das einzige Spiel in einer großen Schachtel in diesem Jahr, denn seine Konkurrenten sind das Stichspiel Scout von Oink Games, sowie das Partyspiel Top Ten. Beide Spiele habe ich in meinem Ausblick nicht einmal erwähnt, obwohl mir bei beiden durchaus bewusst war, das sie hier landen könnten. Scout verwundert mich dabei tatsächlich am meisten, denn es gibt durchaus schon einige Gründe, die gegen eine Nominierung gesprochen hätten. Zum einen ist das Spiel eigentlich nur ab vier Spieler*innen richtig toll, das Spiel zu zweit mal wieder nur eine Notversion, um mehr Käufer anzusprechen, die Karten sind für Linkshänder ungeeignet und auch die Anleitung ist mehr Schlecht als Recht. Für ein Stichspiel bleibt es aber ein durchaus Innovatives und das einige der Jurymitglieder es schon im Vorfeld als gutes Spiel herausstellten, ließ vermuten, dass es in der Jury hoch im Kurs stehen würde. Die oben genannten Gründe und die oinktypische Optik ließen mich aber zögern es zu erwähnen. Es fühlt sich für mich nicht richtig an. Top Ten hingegen ist ein Partyspiel, wie es die Jury gern hat. Das steht außer Frage. Aber ich stehe Partyspielen immer skeptisch gegenüber und außerdem habe ich es nicht spielen können. Ein blinder Fleck also für mich und deshalb auch keine Erwähnung.

Die Empfehlungsliste überrascht mich dann sogar fast noch mehr. Das von mir als Nominierter erwartete 7 Wonders Architects findet sich hier genauso wie mein Partyspieltipp So Kleever!. Dann steht da Trek 12 auf der Liste und das habe ich in der Tat ebenfalls nicht erwähnt, weil ich es noch nicht spielen konnte. Es trifft erst diese Woche bei mir ein. Von Trek 12 erwarte ich mir tatsächlich aber einiges und könnte mir gut vorstellen, dass ich es dann ebenfalls auf die Liste gesetzt hätte. Wir werden sehen. Echoes ist allerdings für mich ein Reinfall den ich nicht nachvollziehen kann. My Gold Mine, dass unter anderem vom Sohn einer Arbeitskollegin mitentwickelt wurde, ist in meinen Augen schon fast ein Kinderspiel und ich hatte es überhaupt nicht auf der Rechnung für diesen Preis. Genauso geht es mir mit dem Echtzeitspiel Magic Rabbits, das ich ebenfalls eher als Kinderspiel abgestempelt hatte, ohne es jedoch je gespielt zu haben. Viele Überraschungen also, aber dafür ist die Jury ja auch bekannt.

Living Forest

Beim Kennerspielpreis sieht es in diesem Jahr ja in der Breite eher mau aus. Es gibt durchaus komplexere gute Spiele in diesem Jahrgang, aber die kommen hier ja eher nicht in Frage. So fiel es mir schon schwer in meinem Glaskugelbeitrag viele Spiele zu finden, die Chancen gehabt haben. Mit Dune Imperium habe ich zwar eher auf der Empfehlungsliste gerechnet, aber ich konnte mich dazu druchgerungen es auf einen der Nominiertenplätze zu setzen und so ist es dann jetzt auch passiert. Bei Living Forest war ich sehr unschlüssig, hatte es aber auf jeden Fall in einer der beiden Kategorien als Nominierten gesehen und auch das ist nun bei der Kennerspielrubrik passiert. Mit Cryptid als drittem Spiel habe ich nun aber wieder gar nicht gerechnet. Nicht das es kein preiswürdiges Spiel wäre, aber das Spiel hat schon eine eingebaute Fehlerquote und erwartet präzises Spiel von seinen Mitspieler*innen. Insofern ist es eine wirkliche Überraschung für mich. Wenig überraschend hat es Witchstone dann aber auf die Empfehlungsliste geschafft und auch Arche Nova, trotz seiner Komplexität, findet hier Erwähnung. Khôra, welches als letztes Spiel auf der Liste landete, muss ich mir nun tatsächlich mal näher anschauen. Ich habe das Spiel bisher ein wenig Links liegen gelassen, weil ich die Optik viel zu dröge finde. Spielerisch könnte es mir aber gefallen und das möchte ich demnächst gerne ausprobieren. Das Furnace keine Erwähnung findet, ist sehr schade, aber ich hatte ja schon angedeutet, dass es einfach zu weig Aufmerksamkeit bekam.

Nun heißt es warten. Warten bis zum 20. Juni für die Nominierten des Kinderspielpreises und bis zum 16. Juli, bis die beiden anderen Preise bekanntgegeben werden. Ich drücke allen Nominierten wie immer die Daumen.

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