Echos der Zeit – Einfach schön

Echos der Zeit

Eines kann ich Echos der Zeit definitiv nicht absprechen: es fällt auf und ist unglaublich hübsch. Allein die Schachtel ist toll gestaltet und lässt uns schon über den Inhalt und die Ausrichtung des Spiels rätseln. Als das Spiel im Vorfeld von Essen 2025 angekündigt wurde, hat allein die Optik ausgereicht es zu einem der meisterwarteten Spiele werden zu lassen. Ein perfektes Beispiel also, was eine gute Fassade ausmachen kann und ich denke allein deswegen wird es sich wohl ganz gut verkauft haben. Viele erwarteten, dank der antropomorphen Tiere, ein zweites Everdell wurden dann aber von den Early Birds schon mal enttäuscht, die es als viel zu seicht und ansahen. Aber was wissen die schon, das spielt die eigene Erwartungshaltung die größte Rolle in der Bewertung. Ich habe dem Spiel von Simone Luciani und Roberto Pellei eine Chance gegeben mich jenseits der hübschen Fassade zu überzeugen.

Worum geht es?

Echos der Zeit – verschiedene Gefolgekarten / Foto: Spieltroll

Auf der Anleitung leistet die Marketingabteilung wieder alles und versucht uns in überbordenden Worten von der Geschichte des Spiels zu überzeugen. Wir bewegen uns natürlich „In einem fantastischen, unberührten Land…“, agieren mit einer „…uralten und mächtigen Energie…“, um „…den wichtigsten Aspekt der eigenen Realität nach eigenem Willen zu formen…“, die „…bestmöglichen Kreaturen und Artefakte…“ zusammenzustellen, um „den Fluss der Zeit zu kontrollieren und zu manipulieren…“. Ja, nee, hier wird das ganz große Fass aufgemacht, was allerdings, und so viel sei vorweg gesagt, nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass wir es hier mit einem rein mechanischen Spiel zu tun haben, bei dem das Thema auch Kaffeekochen oder das Bestellwesen eines Onlinehandels sein könnte. Ach ja, wer die meisten Punkte hat gewinnt.

Wie läuft das ab?

Der Spielaufbau ist relativ schnell erledigt, denn besonders viel Material steckt gar nicht in der großen Schachtel. Ein paar Tableaus für die Spieler*innen, jede Menge Karten und ein paar Marker. Die Spieler*innen erhalten jeweils ein Tableau und sechs sogenannte Zeitkacheln. Das Tableau zeigt ein Hintergrundbild, das von den Spieler*innen mit den Kacheln erst einmal auf dem Tableau nachgebaut wird. Eine der Kacheln bleibt dabei übrig und wird neben dem Tableau bereitgelegt. Zusätzlich zum Bild zeigt jede dieser Kacheln am oberen Rand noch ein Feuersymbol in blau, gelb oder rot. Das Rote ist dabei einzigartig, die Gelben sind doppelt vorhanden und die Blauen sogar dreimal.

Echos der Zeit – Spieler*innen Tableau mit Zeitkacheln / Foto: Spieltroll

Am unteren und oberen Rand der Tableaus können die Spieler*innen weitere Symbole finden. Oben sind von links nach rechts absteigend Sanduhren mit den Werten Fünf bis Eins zu sehen und am unteren Rand sehen wir unsere Aktionsauswahl. Um diese während der Runde zu markieren erhalten die Spieler*innen je zwei kleine Holzwürfel in ihrer Spieler*innenfarbe. Siegpunkte und Aktivierungsplättchen werden als Vorrat in der Mitte platziert, wobei die Siegpunkte ebenfalls von der Spieler*innenanzahl abhängen. Pro Spieler*in gibt es 12 Siegpunkte im Vorrat.

Echos der Zeit – Siegpunkte / Foto: Spieltroll

Echos der Zeit lässt sich mit 2 bis 4 Personen spielen. Pro Person wird eine große Quellenkarte in der Mitte des Tisches platziert, um die die Spielenden konkurrieren. Das Spiel hält insgesamt sechs bereit und wir wählen sie zufällig aus. Die zahlreichen Gefolgekarten werden gemischt und dann an jeden Spielenden sieben verteilt. Der Rest wird als Zugstapel ebenfalls in die Mitte gelegt.

Echos der Zeit – Quellenkarten / Foto: Spieltroll

Dann geht es los, wobei noch nicht ganz. Es gibt noch eine vorgelagerte Phase, bei der die Spieler*innen je eine Karte aus ihrer Hand zu den regulären Kosten ausspielen dürfen. So etwas wie eine Startaufstellung. Danach startet das Spiel. Es gibt zwei Begriffe die vorerst noch geklärt werden müssen. Karten werden gespielt oder beschworen. Spielen wir eine Karte so kommt sie aus unserer Hand und wird auf das Tableau gelegt. Karten die wir beschwören werden sofort Teil unseres Gefolges. Das passiert zum einen, sobald eine Karte rechts aus unserem Tableau rutscht oder ein Spieleffekt das direkt sagt.

Der Titel und die Sanduhren deuten es ja schon an. Die Zeit spielt eine Rolle. Jede Karten verfügt über Kosten, die wir in der oberen rechten Ecke vorfinden. Die Kosten werden in Karten und Zeit angegeben. Kostet eine Karte zwei Karten, so müssen wir zwei Handkarten opfern um sie auszuspielen und kostet sie zwei Zeit, so legen wir sie auf das Feld mit der zweier Sanduhr.

Echos der Zeit – Bespieltes Tableau / Foto: Spieltroll

Der Ablauf einer Runde ist dann wie folgt: Zuerst gibt es eine Zeitphase, in der wir die freie Zeitkachel von links in unsere Tableau hineinschieben. Rechts rutscht so eines heraus und Karten die darauf liegen werden beschworen und kommen in unser Gefolge. Dadurch können Effekte auf den Karten ausgelöst werden, die wir in einer Reihenfolge unserer Wahl abhandeln dürfen. Die Spieler*innen spielen in dieser Phase alle parallel. Am Ende der Zeitphase ziehen alle im Uhrzeigersinn eine Karte vom Stapel. Dann beginnt die Aktionsphase die wir ebenfalls reihum spielen. Wir dürfen eine Aktion ausführen und haben in der gesamten Runde zwei Aktionen zur Verfügung. Es gibt vier mögliche Aktionen, die wir auch doppelt ausführen dürfen. Mit einer Aktion ziehen wir zwei Karten, mit einer anderen spielen wir eine Karte aus. Die dritte Aktion erlaubt es uns zwei Karten auf unserem Tableau zu bewegen, also die Dauer ihrer Beschwörung zu verkürzen. Mit der letzten Aktion können wir Quellen erobern oder befestigen.

Echos der Zeit – Das Beschwören eines Artefaktes / Foto: Spieltroll

Quellenkarten sind besonders, denn sie bringen Siegpunkte und lösen evtl. das Spielende aus. Quellen verfügen über zwei Werte und Belohnungen. Der erste Wert gibt an, wieviel Stärke unsere Kreaturen brauchen, um eine Quelle zu erobern. Der zweite, der höher liegt lässt uns die Quelle dann befestigen. Der Unterschied besteht darin, dass eroberte Quellen uns noch wieder abgenommen werden können, sobald jemand Kreaturen mit mehr Stärke darunter ausspielen kann. Ist eine Quelle befestigt, ist sie vor Übernahmen sicher.

Zu den vier möglichen Aktionen gesellen sich noch zwei freie Aktionen, die ich jederzeit durchführen kann, wenn ich an der Reihe bin. Zum einen kann ich damit Kreaturen unter von mir kontrollierte Quellen schieben und ich kann den Flammeneffekt einer Kreatur in meinem Gefolge benutzen. Die Gefolgekarten haben Flammeneffekte die von der Farbe der Kachel abhängig sind. Die Kachel, die gerade nicht auf dem Tableau liegt bestimmt, welche Effekte ich ausführen kann. Diese Effekte sind sehr vielfältig. An dieser Stelle möchte ich erwähnen das Echos der Zeit auch über einige negative Interaktion verfügt, bei der wir uns gegenseitig beharken. Das Spiel kommt aber mit einer Variante daher, bei der wir die Karten aus dem Spiel entfernen können, um weniger dieser Interaktion zu haben.

Nach der Aktionsphase wird die Runde noch in einer letzten Phase beendet, in der die Spielenden ihr Handkartenlimit von zehn Karten checken, ihre Aktionsmarker zurücknehmen und Aktivierungsplättchen von den Gefolgekarten entfernen.

Echos der Zeit – Eine eroberte Quellenkarte / Foto: Spieltroll

Das Spielende ist erreicht, sobald jemand 12 Karten in seinem Gefolge hat, dabei zählen Karten unter Quellen allerdings nicht mit. Die Quellen wiederum zählen für diese Wertung als je zwei Karten. Sollten alle Siegpunkte aus dem Vorrat aufgebraucht sein, ist das ebenfalls das Spielende und die dritte Möglichkeit tritt ein, wenn alle Quellen befestigt wurden.

Das Fazit

Okay, ich hoffe da konnte euch das Spiel ein wenig näher bringen. Echos der Zeit ist kein Spiel von hoher Komplexität. Das will es auch gar nicht sein. Es greift eine Zeitmechanik auf, die man so ähnlich ja auch schon in Ancient Knowledge erleben konnte, nur anders herum. Auch A Thief´s Fortune spielt auf diese Weise mit Zeitebenen. Was ich ganz gelungen finde ist die Mechanik mit den Feuerfähigkeiten, die wir nur zu bestimmten Zeiten auslösen können. Durch die verschiedenen Farben und Häufigkeiten, wie sie ausgelöst werden, entsteht zusätzlicher Tiefgang, den wir in unsere Planungen mitaufnehmen sollten, denn die Fähigkeiten unterscheiden sich schon ziemlich in ihrem Nutzen.

Auch sind die Plätze auf unserem Tableau begrenzt. Auf einer Zeitkachel dürfen maximal zwei Karten liegen. Das bringt zusätzliches Kalkül ins Spiel und belohnt diejenigen die bereit sind weit vorauszuplanen. Hierdurch erfährt die Verschiebe-Aktion auch einen nicht zu unterschätzenden Nutzen.

Woran sich viele Spieler*innen stören dürften ist meiner Meinung nach die überall vorhandene negative Interaktivität. Wir können unseren Gegner*innen schon ziemlich Schaden zufügen und uns dann darüber freuen. Das gefällt nicht jedem und die Autoren haben das wohl schon geahnt und die Hintertür mit der Variante ohne diese Karten eingebaut. Was dann nur doof ist, ist die Tatsache das Echos der Zeit dann darunter leidet ein wenig zu berechenbar zu werden. Weniger Karten und vor allem immer die gleichen paar Quellen. Es gibt ja nur sechs.

Echos der Zeit – Diverse Gefolgekarten / Foto: Spieltroll

Was die Skalierbarkeit angeht bin ich übrigens noch immer unentschlossen. Wie fast immer gilt, das ein solches Spiel zu zweit taktischer wird aber auch noch leichter ausrechenbar und nicht von der Hand zu weisen sind Taktiken, die auf das schnelle befestigen der Quellen setzen zu durchaus sehr kurzen Spielverläufen führen können. Mit mehr Spieler*innen habe ich den Eindruck, dass es fast noch schneller geht, wenn mehr Auswahl bei den Quellen herrscht. Auf keinen Fall solltet ihr den Fehler machen und das hier als einen veritablen Engine Builder betrachten, denn das ist Echos der Zeit einfach nicht. Hier haben wir es meiner Meinung nach mit einem Rennspiel zu tun, bei dem du so schnell wie möglich viele Punkte erreichen willst, auch wenn es keine feste Zielgröße gibt, bei der du einfach gewinnst. Der Siegpunktevorrat ist durchaus schnell aufgebraucht und dann ist es vorbei und die meisten Punkte gewinnen. In dieser Beziehung kann man es ganz gut mit Res Arcana vergleichen, ohne aber dessen Klasse zu erreichen.

Echos der Zeit ist für mich deshalb leider, trotz seiner überragenden Schauwerte leider nur ein mittelprächtiges Spiel, dass ich zwar mitspielen würde, wenn es auf den Tisch kommt, ich aber nicht in meiner Sammlung haben will, denn alle oben genannten Spiele kämen bei mir eher auf den Tisch.


  • Verlag: Feuerland
  • Autor(en): Simone Luciani, Roberto Pellei
  • Illustrator(en): Giovanni Calore
  • Erscheinungsjahr: 2026
  • Spieleranzahl: 2-4 Spieler*innen
  • Dauer: 30-60 Minuten

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