
Moin ihr Landradden! Kommt an Bord des kleinen Fischkutters und lasst uns auf Meer tuckern um ein bisschen Fisch und Muscheln zu fangen. Jeiks! Ich komme zwar aus dem Norden, aber mit Fisch und Meeresgetier jagst du mich von jedem Schiff. Krieg ich nicht runter, weshalb ich hier nicht der Kulinarik wegen hängengeblieben bin. Ich habe mir sagen lassen Conservas wäre eines der besseren reinen Solospiele da draußen im riesigen Ozean der Spielewelt. Ob das stimmt und hier feine Delikatessen ein gedost werden, oder ob Conservas doch nur verbuddelter Gammelfisch ist, möchte ich heute mit euch klären. Ich habe mir Conservas im Rahmen meines Solospiel-Schwerpunktes angeschaut und habe eine ziemlich klare Meinung zum Spiel von Scott Almes, den wir erst vor kurzem mit Wine & Cheese auf dem Tisch hatten (Rezension folgt).
Worum geht es?
Das ist eine sehr interessante Frage, denn vordergründig könnte man denken es geht um das Fangen und Verkaufen von Fisch für einen Profit, was sicherlich auch zutrifft, aber hier möchte ich auch auf den Namen des Spiels eingehen. Der ist nämlich ganz clever gewählt. Conservas bedeutet im spanischen genau das was wir sehen, nämlich Konserven, eingekochte Lebensmittel. Der englische Begriff Conservation aber bedeutet so viel wie Erhaltung und damit ist hier nicht nur die Haltbarmachung der Lebensmittel gemeint nämlich auch eine weitere Komponente des Spiels, bei der wir dafür sorgen müssen das Meer nicht zu überfischen und die Arten zu erhalten. Das wird nie so klar gesagt, ist aber ein deutlicher Teil des Spiels. Damit wäre das Setting erklärt. Mechanisch ziehen wir bunte Scheiben aus einem Beutel und versuchen die richtigen Entscheidungen zu treffen um unsere Ziele zu erreichen.

Wie läuft das ab?
Ich möchte das Spiel schon an dieser Stelle loben, denn die Komponenten sind eigentlich großartig und ermöglichen einen schnellen Spielaufbau. Es könnte noch schneller gehen, wenn jemand für dieses Spiel eine Insert-Lösung erfinden würde, bei der die unterschiedlichen Fischmarker schon in einem Lager bereit liegen würden und nur aus der Schachtel genommen werden müssten. Das wäre perfekt und wir könnten in kürzester Zeit loslegen.

Aber auch so haben wir nicht sonderlich viel aufzubauen. Wir wählen eines der Szenarien aus dem Ringbuch, die uns je nach Jahreszeit, mit monatlichen Herausforderungen beauftragt. Das Ringbuch ist dabei gleich Teil unseres Tableaus, auf dem wir die Verkäufe markieren. Daneben gibt es zwei unterschiedliche Kartenarten, die wir getrennt voneinander mischen. Das eine sind Upgrades, die wir verdeckt neben das Ringbuch legen und eine Auslage von drei Karten ziehen. Darunter machen wir das gleiche mit den Bootskarten. Von denen ziehen wir allerdings vorher noch zwei und suchen uns unser Startboot aus, welches wir gemeinsam mit der Karte Offenes Meer vor uns auslegen. Das ist unsere Kutterflotte. Alle anderen Marker legen wir irgendwo bereit.

Das Szenario gibt uns einige Dinge vor. Den Spielbeutel müssen wir mit bestimmten Spielmarken befüllen. Im ersten Szenario sollen je fünf Sardinen und Muscheln in den Beutel, sowie 10 Wassermarken. Zusätzlich nehmen wir uns noch zehn Geld aus dem Vorrat. Das Szenario verrät uns auch, wie viele Runden wir spielen, in diesem Fall sieben und welche Verkäufe in welchen Mengen wir wann tätigen können und für welches Geld. Die Verkäufe sind in Reihen angeordnet und wir müssen in jeder Reihe links beginnen und uns nach rechts vorarbeiten. Als letztes finden wir auch noch die Siegbedingungen des jeweiligen Szenarios in zwei Schwierigkeitsgraden auf der Seite. Beim ersten Szenario müssen wir am Ende des Spiels 40 Geld vor uns liegen haben und es müssen noch je vier Muscheln und Sardinen im Meer (Beutel) vorhanden sein.

Das klingt vielleicht einfach, aber ihr werdet merken dass es doch nicht ganz so leicht ist, wenn ihr das Timing nicht im Blick habt. Das Spiel ist jetzt eigentlich sehr simpel. Drei Phasen bestimmen euren Tag, bevor ihr den Rundenmarker einen Tag weiterschiebt. Ihr fahrt auf See und fischt. Das macht ihr indem ihr fünf Marken aus dem Beutel zieht und euch dann entscheidet, ob ihr sie auf eines eurer Boote oder auf das Offene Meer legt. Ihr dürft aber jede Karte nur einmal befüllen. Auf den Booten müsst ihr euch zusätzlich entscheiden, was ihr gefangen habt und was ins Meer zurückgeht. Die unterschiedlichen Boote haben unterschiedlich viel Lagerraum und Möglichkeiten Fisch zu transportieren. Alles was an Deck liegt kann später verkauft werden.

In der zweiten Phase an Land müsst ihr euch nun entscheiden was ihr mit eurem Fang machen wollt. Ihr könnt ihn verkaufen, wobei ihr Kombinationen von all euren Booten machen könnt, um die Vorgaben zu erfüllen und erhaltet dann dafür das entsprechende Geld. Ihr könnt allerdings auch Fisch eintauschen, um Upgrades für eure Flotte zu erhalten. Diese können sich mitunter sehr lohnen. Fakt ist, die Fische sind aus dem Meer und kommen nicht wieder in den Beutel zurück. Verkauft ihr wird einer immer umgedreht und zum Markieren im Szenario verwendet. Tauscht ihr sind die Fisch auch wieder im allgemeinen Vorrat. Ihr könnt an Land auch zusätzliche Boote kaufen. Boote haben immer zwei Kosten einen Kaufpreis, den ihr einmalig abdrückt und einen Unterhaltspreis, den ihr am Ende jeder Runde für jedes eurer Boote abdrücken müsst. Ausnahme ist nur die Runde in der ihr ein neues Boot kauft. Für dieses Boot müsst ihr keinen Unterhalt an diesem Tag bezahlen.

Am Ende des Tages werden die Auslagen wieder aufgefüllt und alle Marken auf eurer Offenem Meer Karte, sowie auf euren Bootskarten, die ihr nicht verarbeitet habt, werden begutachtet. Solltet ihr zwei oder mehr Marker einer Sorte ausliegen haben, so vermehrt sich der Fisch im Meer. Pro Sorte schaut ihr und legt Anzahl minus eins Marken in den Beutel. So stellt ihr sicher, dass der Bestand bleibt. Das Wasser fungiert also quasi als Niete, sowohl für den Fang, als auch für die Arterhaltung. Solltet ihr je gezwungen sein Marken zu ziehen und es befinden sich keine mehr im Beutel, so müsst ihr die fehlenden Marken durch Wasser vom Vorrat ergänzen. Sollte irgendwann kein Wasser im Vorrat mehr sein, so habt ihr wegen Überfischung sofort verloren.
Dieses Spiel wiederholt ihr nun für jeden Tag und versucht die Vorgaben am Ende zu erreichen. Schafft ihr es weiter zum nächsten Szenario, schafft ihr es nicht probiert es nochmal.
Das Fazit
Okay, ich finde Conservas fantastisch, so viel sage ich schon mal im Voraus, aber und das wird ein etwas Ausgedehnteres aber. Das Spiel hat ein paar Schwächen und eine wird mit Sicherheit von einigen Spieler*innen so ausgenutzt, weil sie einfach nicht anders können. Was ich damit meine ist, dass verschiedene Spieler*innen verschiedene Herangehensweisen an solche Aufgaben haben und wenn es eure Art ist den Vorrat der unterschiedlichen Marken im Blick zu haben und ständig alles mitzuzählen, dann werdet ihr keine Freude an Conservas haben, denn es wird für euch zu simpel sein. Das ist aber kein Problem des Spiels sondern eines eurer Spielweise. Das gleiche gilt für das Ausnutzen von bestimmten Strategien. Ich werde da jetzt nicht näher drauf eingehen, aber nur so viel, wenn ihr jedes Szenario nach dem gleichen Schema spielt habt ihr in den leichteren bestimmt Erfolg und auch die späteren sind machbar, erfordern aber eigentlich weniger Glück als viel mehr Überlegung. Wer aber die gleiche Strategie immer und immer wieder anwendet nur weil sie immer Erfolg verspricht… tut mir Leid, da bin ich raus. Ich spiele hier ja kein Turnier um Erfolg zu haben sondern zum Spaß, um mich zu beschäftigen. In einem Solospiel so zu spielen finde ich irgendwie traurig.

Natürlich will ich auch hier die Szenarien gewinnen und das schaffe ich auch anders und das macht dann auch viel mehr Spaß. Ich werfe keinen Blick auf den Vorrat, mit Ausnahme des Wassers, denn das wird ja von mir sogar erwartet. Ich versuche mich zu erinnern, was da noch in meinem Meer ist und zähle nicht die Marken. In späteren Szenarien ist es auch wichtig in einem bestimmten Bereich zu liegen und nicht einfach eine Sorte so massiv im Meer zu haben. Dahinter steckt auch ein ökologischer Gedanke und so sind auch die härtesten Ökonomen, die Geld verdienen wollen hier immer auch gezwungen auf die Natur zu achten und das finde ich mehr als lobenswert.
Conservas hat aber auch noch eine weitere Macke und das sind die Upgrades, die sehr situativ sind. Ich kann sie zwar abwerfen und neue in die Auslage bringen, aber viele der Upgrades sind in bestimmten Situationen zu schwach, während sie in bestimmten Szenarios richtig geil sein können. Das fühlt sich meist zu zufällig an und so ignoriere ich sie meistens eher als das ich sie wertschätze. Sollte aber zufällig was dabei sein, was richtig nützt, dann benutze ich sie auf jeden Fall.
Das Material und die Aufmachung des Spiels sind aber wirklich sehr gut gelungen und für mich gehört das Spiel eindeutig in die selbe Güteklasse wie ein Coffee Roaster, welches ich ebenfalls als Solospiel sehr schätze. Wer also gerne ein wenig puzzelt und versuchen möchte verschiedene Szenarios spielerisch zu bewältigen wird hier seinen Spaß haben. Wer aber nicht aus seiner Haut kann, alles kontrollieren muss und bei allem mitzählt wird schon bald keine Herausforderung mehr in diesem Spiel haben und sich lieber nach etwas anderem umschauen.
- Verlag: Frosted Games
- Autor(en): Scott Almes
- Illustrator(en): Jorge Tabanera Redondo
- Erscheinungsjahr: 2025
- Spieleranzahl: 1 Spieler*in
- Dauer: 25-40 Minuten