Spieltrolls Top 100 – Edition 2026

Wie ihr unter dem permanenten Link oben im Menü schon lesen konntet, ist meine Top 100 Liste immer nur eine Momentaufnahme zum Oktober eines jeden Jahres. Ich nehme die SPIEL in Essen jedes Jahr als Ausgangspunkt für ein neues Spielejahr, weshalb ich kurz vor der Messe diese Liste veröffentliche. Dieses Jahr bin voll im Zeitplan, aber es stanf eine ganze Zeit auf der Kippe wegen einiger technischer Schwierigkeiten im Hintergrund. Kurzfristig sah es so aus, als das ich diesen Beitrag hätte aufteilen müssen. Das hätte ich zwar nicht gut gefunden aber was solls. Nun hat es ja doch noch geklappt. Diese Listen können sich von Jahr zu Jahr mitunter stark unterscheiden. Spiele schwanken in ihren Positionen vielleicht einfach nur weil ich sie nicht mehr so oft spiele, oder sie sinken in meiner Gunst, weil ich das Interesse an ihnen verloren habe, oder ich sie nach mehreren Monaten und Jahren des Spielens einfach nicht mehr so gut finde wie andere, neuere Titel. Irgendwann kommt halt immer ein neues Spiel um die Ecke, dass ich viel besser als X oder Y finde, die für mich vorher nahezu unschlagbar waren. Ich kenne natürlich weitaus mehr Spiele als diese hundert, immerhin spiele ich inzwischen schon seit ca. 40 Jahren Brettspiele und habe mich sogar zeitweise beruflich damit beschäftigt. Im nächsten Monat zieht diese Liste von 2026 dann oben mit ins Menü ein und ihr könnt sie, sowie auch alle Toplisten der vergangenen Jahre dort einsehen und miteinander vergleichen. Viel Spaß beim Lesen, Stöbern und Kommentieren. Ach ja, wie ihr euch sicher denken könnt, sind die Zahlen in Klammern die Platzierungen des Vorjahres und RE steht dafür, dass ein Spiel früher schon mal Teil der Liste war und nun wieder eingestiegen ist.

Moon Colony Bloodbath

100 – Moon Colony Bloodbath (NEU)

Ich starte in diese neue Ausgabe der Top 100 mit einem neuen Spiel. Moon Colony Bloodbath ist in diesem Jahr in aller Munde, denn es wurde, einigermaßen überraschend, auf die Nominierungsliste zum Kennerspiel des Jahres gesetzt. An diesem Spiel ist Vieles ungewöhnlich. Ein Spiel mit einem solchen Thema und Look wird von Alea verlegt. Die Schachtelgröße, die wir Alea ebenfalls völlig neu ist und die Tatsache das ein Spiel mit dem Setting von amoklaufenden Robotern von der Jury nominiert wird, sind allesamt sehr ungewöhnlich. Weniger ungewöhnlich ist der Autor Donald X. Vaccarino, der schon zwei Spiel des Jahres Preise hat. Mir gefällt dieses Spiel, welches sich einfach schön runterspielen lässt, recht gut. Wir bauen zunächst eine Mondbasis auf, sorgen für Rohstoffe und bauen unsere Bevölkerung auf. Die Ereignisse laufen allerdings automatisch voran und irgendwann kippt die Situation und alles geht den Bach runter. Nun heißt es nur noch überleben und das am besten länger als alle anderen am Tisch, um zu gewinnen. Das Spiel ist überhaupt nicht ernst gemeint und hat ein deutlich satirischen Ansatz und ide Optik basiert auf alten Schundheftchen.


Rajas of the Ganges: The Dice Charmers

99 – Rajas of the Ganges: The Dice Charmers (98)

Inzwischen gibt es schon zwei Nachfolger für Rajas of the Ganges und ich finde sie sogar beide besser, obwohl ich auch das Grundspiel absolut toll finde. Eine zeitlang war dieses hier auch mein liebstes Roll & Write. Die Brands haben, wie gefühlt wirklich jeder Autor, ein Roll & Write ihres erfolgreichen Kennerspiels auf den Markt gebracht. Für mich sind beide Nachfolger echte Alternativen zum großen Spiel. Vor allem zu zweit spiele ich diese Version viel lieber. Das zugrundeliegende Spiel ist natürlich schonmal hervorragend, aber nur die Brands schaffen es, aus einer quasi Zweitverwertung das noch viel bessere Spiel zu machen. Denn genau das ist hier passiert. The Dice Charmers macht für mich den großen Bruder so gut wie überflüssig. Das Spielprinzip mit all seinen Facetten und Möglichkeiten ist so gut umgesetzt und an die Bedürfnisse eines Roll & Writes angepasst, dass es eine wahre Pracht ist. Wenn ihr den Block für das Spiel seht, seid ihr wohl erstmal ein wenig abgeschreckt. Insgesamt ist dann aber alles mehr als logisch und ihr erlebt hier innerhalb einer halben Stunde eine komplette Partie Rajas of the Ganges auf dem Papier. Wirklich Hut ab für diese Umsetzung und für eines der stärksten Roll & Writes der letzten Jahre. Das Spiel kann sich erfolgreich am unteren Ende der Liste halten.


Beer & Bread

98 – Beer & Bread (85)

Leider findet dieses Spiel, so glaube ich zumindest, nicht überall so großen Anklang, wie bei uns zu Hause, was ich nicht ganz verstehen kann, denn trotz des biederen Looks ist Beer & Bread ein sehr guter Beitrag zur Mechanik der Multi-Used-Cards. Jede Karte in diesem kleinen Spiel für zwei Personen kann auf verschiedenste Arten benutzt werden und daraus zieht es für uns seinen ganz eigenen Reiz. Über mehrere Jahrgänge müssen wir in unserem Dorf Brot und Bier herstellen. Die Karten zeigen jeweils Rezepte für entweder das eine oder das andere. Aber mit ihnen können wir auch noch unser Dorf ausbauen und erhalten spezielle Fähigkeiten für die unterschiedlichen Phasen des Spiels. Karten die wir zum Ressourcengewinn benutzt haben, stellen im nächsten Jahr unsere Handkarten und so ist hier alles irgendwie miteinander verwoben zu einem sehr guten Spiel für zwei. Kurzweilig und recht knackig, kann ich Beer & Bread nur empfehlen. Für uns gehört Beer & Bread zur Créme dé la Créme.


Fliptown

97 – Fliptown (74)

Bekanntermaßen mag ich das Genre der Roll/Flip & Writes ja sehr gern, da sie für mich beliebte Zwischendurchspiele sind, bei denen eine Partie einfach immer geht. Fliptown ist zumindest vom Setting her auf nicht besonders ausgetretenen Pfaden unterwegs, denn im Wilden Westen finden nicht so viele Spiele statt wie man denken könnte. Hier wird ordentlich mit den Klischees herumgewedelt. Zum Beispiel spielen wir mit Pokerkarten, die unsere Entscheidungen beeinflussen. Wir spielen in drei Runden je fünf Züge und benutzen in jeder Runde drei Karten. Eine wird zu unserem Pokerblatt, das wir am Ende einer Runde auswerten. Eins bestimmt die Region in der wir eine Aktion machen dürfen. In der Wildnis reisen, im Ödland Verbrechen begehen, in der Mine durch Arbeit Geld verdienen oder in der Stadt unser Glück versuchen. Überall warten aber illegale Optionen auf uns und wir sollten den Colt nicht überspannen, sonst verhaftet uns der Sheriff. Fliptown wirkt nur auf den ersten Blick unübersichtlich und kleinteilig, entpuppt sich aber als sehr gutes und schönes Flip & Write das Freunde des Genres unbedingt ausprobieren sollten.


Zombicide: Black Plague

96 – Zombicide: Black Plague (RE)

Dieses Spiel verwandelte sich in den letzten Jahren in eine Randerscheinung in diesen Top 100. Rein raus rein raus. Ich stelle immer wieder fest wieviel Spaß ich doch mit diesem NoBrainer habe. Wenn schon Zombies in einem Brettspiel, dann bitte so. Das Ur-Zombicide war mir ein bißchen zu normal, um zuzuschlagen, aber das Szenario in eine mittelalterliche Fantasywelt zu verlegen gibt dem Ganzen für mich den besonderen Kick. Wer noch nie ein Zombicide-Spiel erlebt hat sollte das unbedingt nachholen. Sechs geschundene Charaktere in der Mitte eines Spielfelds sehen sich Horden und noch mehr Horden von Plasikzombieminiaturen der Extraklasse gegenüber. Eine Augenweide, die das Bedrohungsgefühl aber auch wirklich rüberbringt, denn die Gefahr lauert immer und überall. Gerade wiegt man sich in Sicherheit, da brechen wieder die Horden über uns herein und wenn es einfach zuviele werden, können wir kaum noch etwas ausrichten. Ein toller Spaß mit tollen Miniaturen und schön ausgedachten Szenarien, in denen wir zwar meistens davonlaufen, aber auch noch ein paar Aufgaben erfüllen müssen. Alle Zombiefilmregister werden gezogen und das in einem Mittelalterszenario mit Ritter, Schankmagd und Mönch. Herrlich! Etliche Erweiterungen bauen Zombicide: Black Plague weiter aus und ich kann sie alle empfehlen. Wie gesagt, wenn schon Zombies dann bitte so!


Gloomhaven: Die Pranken des Löwen

95 – Gloomhaven: Die Pranken des Löwen (RE)

Ja, wo kommt das denn plötzlich her? Eine richtige Ahnung habe ich tatsächlich nicht. Ich habe immer noch keine große Lust mich mit Gloom- oder Frosthaven zu beschäftigen. Sie sind mir zu groß, haben mir ein zu großes Zeitinvestment, dass ich nicht bereit bin einzugehen und sind auch optisch nicht wirklich ein Highlight. Dann kam Die Pranken des Löwen, ein eigenständig spielbares, kleines Gloomhaven, mit kampagnenhafter Einführung in das Spielsystem und einem einfachen Aufbau. Wir waren auf Wochen verloren. Gloomhaven schafft einen Dungeon Crawler als Eurogame mit spannendem Kartenmechanismus und angenehmem Schwierigkeitsgrad in ein und dem selben Spiel zu kombinieren. Die Pranken des Löwen erleichtert, durch seine Buchform der einzelnen Szenarien, den Aufbau ganz erheblich. Auch die Einführung über fünf Szenarien in fast alle Regeln des Spiels ist so bärenstark gelöst, dass man jedem wohl empfehlen muss, so in Gloomhaven einzusteigen. Das Zeitproblem bleibt aber auch hier für mich der größte Faktor. Dennoch habe ich in der letzten Zeit immer mal wieder Lust dieses System zu spielen, denn die Kartenmechanik ist wirklich so toll und fordernd.


Wine & Cheese

94 – Wine & Cheese (NEU)

Vier Jahre nach Beer & Bread kam in diesem Jahr der Nachfolger Wine & Cheese und schlägt in die gleiche Kerbe und während das erste Spiel sich noch immer in dieser Liste aufhält ist nun auch Wine & Cheese schon angekommen. Beide Spiele sind komplett unterschiedlich bis auf die Siegbedingungen und ihre zugrundeliegende Multi-Use-Card Mechanik. Hinzu gesellt sich bei Wine & Cheese noch eine Worker-Placement-Mechanik, die auf einem gemeinsam genutzen Raster um die jeweilige Positionierung dreht. Besonderes Element dabei sind die Meeple, die durch ein weiteres Holzteil entweder auf einer Bank stehen, wenn sie sich ausruhen oder einen Hit aufhaben, wenn sie zur Feldarbeit genutzt werden. Nettes Gimmick, welches aber nicht über die spielerische Qualität dieses tollen 2-Personen-Spiels hinwegtäuscht. Wer auf gute Eurogames steht und spezielle Versionen für zwei Spielende sucht sollte an diesem Spiel nicht vorbeigehen.


Distilled

93 – Distilled (44)

Distilled ist alles andere als eine Eintagsfliege. Es bewegte sich in den vergangenen Jahren immer hoch und runter, aber es ist immer noch drin. Das bedeutet schon eine ganze Menge. Distilled ist einfach toll und setzt sein Thema so schön um. Es ist bei uns total durch die Decke gegangen und eine Zeit lang konnten wir gar nichts anderes auf den tisch bekommen, als immer wieder neue Voraussetzungen zu schaffen und eine weitere Partie zu spielen. Distilled punktet sowohl durch Ausstattung, als auch durch das exklusive Spielgefühl. Hier wurde viel Arbeit und Mühe hineingesteckt, um etwas völlig Einzigartiges zu erschaffen und das ist gelungen. Vom Anspruch her im Kennerbereich angesiedelt, spielen wir Schnapsbrenner, die versuchen die feinsten Schnapssorten herzustellen. Dabei ist der Vorgang des Brennens sogar spielerisch gut umgesetzt worden. Das Spiel bietet eine Fülle von Wiederspielreiz durch diverse Alkoholika, die hergestellt werden können und eine Vielzahl von Zutaten, Ausbauten und Herausforderungen. Hier stimmt das Gesamtpaket und ich kann nur jedem die Empfehlung geben, hier mal eine Partie auszuprobieren, ihr werdet überrascht sein mit welcher Liebe zum Detail hier herangegangen wurde.


Der Herr der Ringe: Das Stichspiel – Die Gefährten

92 – Der Herr der Ringe: Die Gefährten – Das Stichspiel (NEU)

Die nächste Neuheit beschäftigt sich mit einem sehr alten Thema. Zum seinen dem Herrn der Ringe, der schon oft in Spielen aufbereitet wurde und zum anderen haben wir es hier mit einem Stichspiel zu tun. Auch nicht gerade das neueste Genre. Dieses Spiel wirkt trotzdem total frisch. Das liegt zum einen daran, dass es kooperativ ist und die Geschichte des Herrn der Ringe in seinen einzelnen Kapiteln/Partien versucht zu erzählen. Dabei wird jede Partie leicht abgewandelt, führt neue Regeln oder Karten ein, so dass es sich nie gleich anfühlt und immer wieder leicht anders spielt. Das funktioniert nicht nur kooperativ sehr schön, sondern auch, und das ist so finde ich fast noch faszinierender, als Solospiel mit sehr guten Regeln. Hinzu kommt eine tolle Optik die genauso ihresgleichen sucht. Inzwischen ist auch der zweite Teil erschienen und führt das Konzept genau so fort. Faszinierend das Stichspiele so viele Veränderungen in ihrer Spielweise mit sich bringen. Tolles Spiel auch für Stichspielmuffel.


Arkham Horror: Das Kartenspiel

91 – Arkham Horror: Das Kartenspiel (77)

Der Verfall von Arkham Horror in dieser Liste ist nicht mehr aufzuhalten. In letzter Zeit spiele ich es eigentlich gar nicht mehr, was wirklich schade ist, wenn ich mir die Qualität dieses Spiels so anschaue. Ich komme leider zeitlich kaum noch dazu. Als ehemaliger Sammelkartenspieler solcher Spiele wie Magic, WOW oder Middle-Earth waren mir die LCGs von Fantasy Flight anfangs ein bisschen suspekt, aber ich bin selbst zum Opfer geworden. Ich bin mir nicht sicher, ob die Einführung des neuen Boxsystems für die Kunden fairer ist. Natürlich kaufe ich hier auch immer neue Packs, um mehr und neue Geschichten spielen zu können. Aber was will ich machen, wenn das Spiel tatsächlich total toll ist. Seit sie umgestellt haben, bin ich irgendwie nicht mehr dabei, gar nicht weil ich es nicht mag, das kann ich gar nicht beurteilen, denn ich habe noch nie eine der neuen Boxen in den Händen gehalten, nein, ich habe irgendwie das Interesse verloren. Arkham Horror – Das Kartenspiel kann sowohl alleine und zu zweit gespielt werden, was ich beides schon getan habe. Mittlerweile mit den neuen Hauptsets ist auch das Spiel zu viert möglich, wofür früher noch mehrere Sets benötigt wurden. Ob das aber praktikabel ist und gut funktioniert, weiss ich nicht und es interessiert mich auch gar nicht, denn ich bevorzuge bei Arkham Horror das gepflegte Solospiel. Dazu ist es nämlich, meiner Meinung nach, am besten geeignet. Im Prinzip erzählt es nämlich eine Geschichte, bei der ich immer wieder in andere Charaktere schlüpfen kann, je nachdem, welches Deck ich mir gerade zusammengebaut habe. Das Spiel erfordert zwar viel Einsatz an der Regelfront, aber wenn erstmal alles durchdrungen wurde, so wird man mit einem faszinierenden Spiel belohnt indem die fantastischen Geschichten Lovecrafts erlebt werden können und das klappt in meinen Augen solo immer noch am besten. Ich lese ja auch nicht zu dritt ein Buch. Sehr schöne Illustrationen, gut geschrieben und sau schwer. Es lohnt sich! Auch nach all den Jahren und all den Erweiterungen noch… Das hier kommt einem Solo-Rollenspiel für meinen Geschmack am nächsten.


Carcassonne

90 – Carcassonne (76)

Carcassonne, als einer der größten Klassiker der Spielegeschichte, darf in meinen Top 100 natürlich nicht fehlen. Dabei sind die Platzierungssprünge relativ drastisch und das liegt einfach daran, dass ich es phasenweise länger nicht spiele und dann aufeinmal wieder feststelle, wie toll Carcassonne doch ist und mehrere Wochen davon nicht los komme. Etwas das Carcassonne sich bei mir mit Azul teilt. In diesem Jahr habe ich es weniger gespielt, so dass sich die Platzierung nach unten verändert. Vor ein paar Jahren ist die Jubiläumsausgabe erschienen und bringt mich seitdem wieder öfter dazu das Spiel zu spielen. Carcassonne hält den inoffiziellen Rekord für die meisten Erweiterungen. Mir gefällt es aber am besten mit nur ganz wenigen Erweiterungen. Ich habe die Version in der schon der dicke Meeple mit im Spiel ist und auch den Fluß nennen wir unser eigen, aber die Jubiläumsausgabe vereint das alles in einer schönen neuen Schachtel. Ich habe viele der Erweiterungen ausprobiert, aber hier bin ich der Überzeugung, dass Carcassonne so wie es ist, in seiner fast Urform, am besten funktioniert. Ein Klassiker der viele andere Spieleerfinder*innen inspiriert haben dürfte und die Spielewelt auf immer nachhaltig verändert hat. Ein Spiel das es auch in Nichtspieler*innenhaushalten gibt und das eigentlich immer funktioniert. Carcassone gehört für mich zu der Art von Spiel, bei der ich so gut wie nie eine Partie ausschlagen würde, denn es ist schnell erklärt und gespielt und lässt sich gut mit netten Gesprächen ergänzen, ohne zu überfordern, obwohl es im Kern auch ein recht gemeines Spiel ist. Dem solltet ihr euch bewusst sein.


Arche Nova

89 – Arche Nova (RE)

Leider ist Arche Nova nicht höher in meinen Charts, denn ich spiele es wirklich gerne, habe aber kaum Gelegenheiten dazu. Würde es präsenter sein, sehe das sicherlich anders aus. Das Spiel hat international ziemlich viel abgeräumt. Das ist für einen absoluten Neuling als Spieleautoren auch nicht so super gewöhnlich. Feuerland hat ein gutes Näschen bewiesen und sich mit diesem tollen Mechanikmix aus bekannten Spielen das nächste Meisterwerk ins Portfolio geholt. Ich finde auch das es mutig ist sich einem so umstrittenen Thema wie Zootierhaltung zu nähern, finde aber gleichzeitig, dass sie thematisch einen ganz guten Job machen. Sie können aber auch nicht jedem gefallen. Arche Nova ist ein tolles Spiel für Experten, die versuchen möchten einen Zoo zu errichten, der gleichsam unterhält und den Artenschutz beachtet. Das Spiel ist groß und dauert auch eine ganze Weile, so dass es insgesamt ein kleiner Zeitfresser ist. Ein wenig Abhilfe bietet da der sehr gelungene Solomodus. Mir gefällt Arche Nova so gut, dass ich es gerne öfter spielen möchte, aber leider zu wenig Zeit dafür finde, weswegen es sich am unteren Ende meiner Top 100 wiederfindet.


Roam

88 – Roam (73)

Roam war für meine Frau und mich eine der Entdeckungen der Spiel 2019. Kurz danach haben wir es nahezu jedes Wochenende gespielt und es gefällt uns noch immer richtig gut. Inzwischen spielen wir es leider nicht mehr so oft, aber vergessen ist es für uns nicht. Für diejenigen die Roam nicht kennen, sei gesagt, dass es ein ziemlich abstraktes Spiel ist, indem die wunderbare Welt von Ryan Laukat nur eine Nebenrolle spielt. Sie dient zur Untermalung des abstrakten Spielgeschehens und gibt dem Spiel sein Gesicht. Die Spieler*innen platzieren ihre Steine auf dem Spielfeld, das aus umgedrehten Charakterkarten besteht. Ist eine der Karten voll besetzt mit Spielsteinen, so werden die Mehrheiten verglichen. Wer die meisten Felder besetzt hält gewinnt diese Karte. Wie die Steine genau eingesetzt werden dürfen, bestimmen die Charakterkarten mit ihren Fähigkeiten. Auf ihnen sind Formen abgebildet, wie Steine eingesetzt werden dürfen. Das Spiel endet sobald jemand zehn Charaktere vor sich liegen hat. Ganz simpel, aber auch ein sehr schönes Spielprinzip. Roam verfügt dazu über wunderbares Spielmaterial und ist auch optisch ein echtes Highlight. Durch Artefaktkarten und die Verdoppelung der Steine auf den Feldern lässt sich der Schwierigkeitsgrad noch ein wenig erhöhen. Von mir gibt es eine ganz klare Empfehlung für dieses unterschätzte Kleinod, welches sich seitdem ununterbrochen in dieser Liste befindet.


Eine Stadt für Amytis

87 – Eine Stadt für Amytis (NEU)

Im vergangenen Jahr war dieses Spiel eine kleine Überraschung für mich, denn ich hatte es überhaupt nicht auf dem Schirm und das, obwohl es ein Spiel für 2 Personen ist, die ich hier ja mit besonderer Aufmerksamkeit bedenke. Eine Stadt für Amytis bemüht ein sehr altbekanntes Spielprinzip und eckt wahrscheinlich schon deswegen an: Tic Tac Toe. Nicht gerade eine besonders gute Referenz. Aber das Tic Tac Toe Element ist hier tatsächlich nur eine Randerscheinung. Ansonsten setzen wir Arbeiter auf ein zentrales Tableau ein, um uns Plättchen zu sichern. Mit diesen wiederum bauen wir uns auf unserem eigenen Tableau eine kleine Stadt. Die Plättchen an sich zeigen Gebäude und je nachdem was wir von oben sehen, wenn wir auf unser Tableau schauen, erhalten wir Punkte. Wir müssen in Eine Stadt für Amytis nämlich auch Plättchen stapeln. Nicht nur weil der Platz begrenzt ist, nein manche Gebäude bringen uns auch dafür noch Punkte. Zusätzliche Aufgabenkarten verlangen uns zusätzlich auch noch farbliche Muster in unserer Auslage ab, denn die Gebäude haben auch noch unterschiedliche Farben. Es gibt also genügend Möglichkeiten Punkte zu erzielen. Das Tic Tac Toe-Element ist wirklich nur ein Bonus. Das Spiel ist für ein zwei Personen Titel recht abwechslungsreich und hat mir nachhaltig sehr gefallen.


Hitster

86 – Hitster (95)

Hitster ist seit seinem Erscheinen ein Dauerbrenner in dieser Top 100 und auf unserem Tisch. Hitster ist ein Partyspiel und eigentlich mag ich ja keine Partyspiele. Bei Hitster sieht das aber anders aus, denn neben meiner Leidenschaft des Spielens, liebe ich Musik. Spiele die sich mit Musik beschäftigen gibt es nicht so wahnsinnig viele, von daher trifft Hitster einen Nerv. Im Prinzip spielen wir hier Anno Domini mit Musiktiteln. Bei beiden Spielen müssen die Spieler*innen kleine Kärtchen in die richtige zeitliche Reihenfolge bringen. Bei Anno Domini sind das historische Ereignisse aus verschiedensten Bereichen, je nachdem welches Set gespielt wird und hier sind es eben angespielte Musiktitel. Niemand braucht hier Fachwissen. Es geht lediglich um die bloße Einschätzung, ob vor oder nach einem anderen Titel eingeordnet werden muss. Natürlich gibt es Vorteile, wenn jemand sich besser auskennt, aber das lässt sich über unterschiedliche Schwierigkeitsgrade regeln. Hitster funktioniert sofort und sorgt für gute Laune am Tisch. Es wird gemeinsam Musik gehört und gefachsimpelt. Tolles Spiel dvon dem wir nie genug bekommen können und uns über neue Erweiterungen freuen.


Jaipur

85 – Jaipur (66)

Jaipur hat schon einige Jahre auf dem Buckel und es könnte schon fast Klassiker genannt werden. Für meinen Geschmack ist Jaipur aber einfach eines der besten reinen Zweipersonenspiele, die je erfunden wurden. Im Kern ist es ein Handelsspiel mit nur ganz wenigen Handlungsmöglichkeiten. Trotz der Begrenzung auf sehr wenige Aktionen, oder wahrscheinlich gerade deswegen, ist Jaipur so gut. Die Spieler*innen sammeln hier unterschiedliche Arten von Waren in Kartenform. Sie können in jedem Zug aber immer nur eines tun: entweder nehmen sie eine Karte vom Markt, sie tauschen Karten einer Sorte mit einer anderen Sorte in entsprechender Anzahl mit dem Markt oder nehmen alle ausliegenden Kamele, welches eine weitere Kartensorte neben den Waren darstellt. Diese werden in der eigenen Koppel platziert. Zusätzlich liegen offen Münzen aus, die den einzelnen Warensorten zugeordnet sind und die Nachfrage symbolisieren. Es gibt immer weniger Münzen als Karten und die ersten Münzen eines Stapels sind immer wertvoller als die letzten. Wer zuerst kommt, verkauft also teurer. Das ganze Thema von Angebot und Nachfrage in einem kleinen Spiel so gut und schnell verpackt sucht seines Gleichen. Macht wirklich Spaß, auch wenn es sich in der Theorie relativ trocken anhört. Manchmal aber sind diese Spiele die besten, die sich kleine Ausschnitte aus einem komplexen Themas annehmen und diesen Bereich in Perfektion abbilden. Sehr cooles, kleines Spiel für Zwischendurch, dass sich seit Jahren hier in den Top 100 behaupten kann.


E-Mission

84 – e-Mission (80)

Das Spiel zur Krise könnte ich sagen und liege damit gar nicht so falsch. Das Kennerspiel des Jahres beschäftigt sich nicht nur thematisch mit der Klimakrise, nein es ist auf mehrere Arten lehrreich. Zum einen vermittelt es wissen durch die Zusammenhänge der einzelnen am Klima beteiligten Komponenten und lässt uns durch QR-Codes auf den einzelnen Projektkarten erfahren, dass es genau diese Projekte auch nicht nur im Spiel gibt und versorgt uns mit Wissen dazu. Das ist vorbildlich. Zum anderen ist das, was da am Spieltisch entsteht noch viel lehrreicher dafür, wie Krisenbewältigung gelingen kann. Alle müssen an einem Strang ziehen um zu gewinnen, insofern die Klimaziele erreicht werden wollen. Da wird sich gegenseitig ausgeholfen und uneigennützig auch mal auf den eigenen Vorteil verzichtet. Denn am Ende ist es egal, von wo die Einsparung vom CO2 herkommt, Hauptsache sie kommt. e-Mission ist mal wieder eines dieser Spiele, die durchaus auch an Schulen eingesetzt werden dürften, um spielerisch Wissen zu vermitteln, welches auch verfängt. Ein toller Titel, der mehr Verbreitung finden sollte.


Ohanami

83 – Ohanami (67)

Es gibt eigentlich keinen wirklichen Grund, warum man Ohanami auf den ersten Blick so toll finden sollte, ist es doch ein simples Draftingspiel, welches man jedem in nur fünf Minuten erklären kann. Ich selbst kann auch nicht genau sagen was es ist, aber Ohanami hat irgendwas, irgendwas nicht so richtig Greifbares. Das was es tut, macht es ziemlich gut. Die Spieler*innen haben zehn Karten auf der Hand, die Pflanzen (grün), Wasser (blau), Steine (grau) und Kirschbäume (pink) representieren. Die Karten haben Zahlen von 1 bis 120 und jede Zahl ist nur einmal im Kartenstapel vertreten. Die Farben sind dabei auch nicht gleich aufgeteilt. Es dürfen bis zu drei Reihen, die entweder in auf- oder absteigender Reihenfolge ausliegen, gelegt werden. Neue Karten dürfen wir dabei immer nur vorne oder hinten anlegen. Wir müssen also sinnvoll draften, um keine der Karten zu verschwenden, denn wir sind nicht gezwungen die gewählten Karten auch wirklich anzulegen, sollten sie unsere Reihen zu schnell abschließen. Insgesamt werden so drei Durchgänge gespielt und der Clou ist, das nach jeder Runde eine der Farben mehr gewertet wird. Es bleibt selten bei nur einer Partie und Ohanami ist für mich einer der besten Füllertitel oder Absacker die es überhaupt gibt.


Hadrianswall

82 – Hadrianswall (58)

Hadrianswall stürzt weiter ab, weil ich auf seinen Nachfolger warte und es in letzter Zeit kaum noch gespielt habe. Ich habe im letzten Jahr relativ wenig alleine gespielt, wenn ich von meinem Solo-Schwerpunkt im Sommer einmal absehe. Hadrianswall ist eines meiner Lieblings-Solospiele. Dieses Spiel kostete mich zunächst ein wenig Überwindung. Der Kaufentscheid war nicht leicht gefällt. Ich wusste bereits vorher, dass ich es nur für mich alleine kaufen würde. Die Tatsache, dass es mit bis zu sechs Personen spielbar ist, ist reine Augenwischerei, denn hier wird kaum miteinander gespielt, sondern du grübelst alleine vor dich hin. Im Endeffekt muss ich sagen, war es jeden teuren Cent wert, denn es gibt kein anderes Roll & Write (mit Ausnahme von Next Station: London), dass ich öfters auf dem Tisch hatte als dieses. Macht euch nichts vor, es steht zwar auf der Schachtel, dass bis zu sechs Leute dieses Spiel spielen können, es bleibt aber selbst dann eine reine Solonummer und so sollte Hadrianswall auch gespielt werden. Das Grundspiel habe ich velleicht vier bis fünf Partien gespielt, bis ich alles gesehen hatte und meine Punkte nicht mehr richtig verbessern konnte. Da war die Luft dann erstmal raus, aber dann gab es eine Solokampagne zum Download, mit der ich mich intensiv beschäftigte. Ich habe die gestellten Aufgaben noch immer nicht komplett erfüllen können. Allein diese Aufgaben reichen aus, dass Spiel für mich so spannend zu gestalten, dass ich es immer und immer wieder probiere, um diese Kampagne zu einem erfolgreichen Ende zu bringen. So müssen solche Spiele aufbereitet werden, um den Spaß lange zu erhalten. Hadrianswall ist dabei nichts anderes als ein besonders komplexes Roll & Write, bei dem wir Ressourcen in Form von Arbeitern und Baumaterial verwalten müssen und damit auf diversen Leisten immer wieder Belohnungen freischalten um weiter voranzukommen.


The Bad Karmas and the Curse of the Zodiac

81 – The Bad Karmas and the Curse of the Zodiac (NEU)

Ich hätte im Vorfeld niemals gedacht das mich diese digitale Spielerei so sehr begeistern könnte. Okay für eine Spielerei ist das definitv zu teuer und ich glaube wenn du bock auf dieses Spiel hast, dann investierst du dich richtig. The Bad Karmas ist eines der bisher erhältlichen Spiele für das Teburu-System. Wem das nichts sagt, dem sei kurz erklärt, dass es sich dabei um ein elektronisches Spielbrett handelt auf dem wir mit diversem Spielmaterial spielen. Teile des Materials, wie Würfel und Spielfiguen sind ebenfalls digital. Zum Spielen benöigen wir zusätzlich mindestens ein Endgerät aber besser ist noch das die Spieler*innen über Smartphones verfügen. Mir ist bewusst das ich an dieser Stelle bereits viele verloren haben werde. Dennoch macht mir The Bad Karams richtig Spaß. Wir haben es hier mit einem Boss-Battler zu tun und dieser Boss wird vom Spiel gesteuert. Die Spieler*innen übernehmen die Rollen von Held*innen und spelen über digitale Karten Fähigkeiten aus. Ihre Figuren bewegen sich über das Spielfeld, so dass alles immer schön visualisiert wird und da das Spiel an sich die gesamte Verwaltung übernimmt, hast du keinen stressigen Aufwand und spielst einfach nur, wählst deine Züge aus und handelst sie ab. Daadurch ändert sich natürlich die situation auf dem Brett welches erkennt wo die Figuren stehen und wer z.B. auf welche Seite schlagen kann. The Bad Karmas machte uns in allen Partien einen Heidenspaß und wir haben die vier Bosse des Grundspiels, die sich alle komplett anders darstellen und an die Tierkreiszeichen der Astrologie angelegt sind, verschlungen. So sehr das wir, obwohl das Spiel nicht billig ist, uns auch die Erweiterungen zugelegt haben. Wer die Chance hat sollte The Bad Karmas unbedingt mal ausprobieren.


7 Wonders

80 – 7 Wonders (70)

Nach all den Jahren in denen ich dieses Spiel nun schon spiele, es hat immerhin bereits 2011 den Kennerspielpreis gewonnen, habe ich noch immer keine eigene Kopie davon und dennoch treibt es sich in dieser Liste herum. Drafting ist nach wie vor eine meiner Lieblingsmechaniken, schon als Magicspieler mochte ich Booster-Drafts am liebsten, weil man da aus einem beschränkten Spielrahmen, das bestmögliche herausholen musste. Hier konnten immer auch mal ungewöhnlichere Taktiken funktionieren. Und wenn es um Draftingspiele geht, dann darf 7 Wonders auf gar keinen Fall fehlen, ist es doch für mich, eines der besten Drafting-Spiele überhaupt. Es kam vom kleinen Verlag Repos Production, um die Welt im Sturm zu erobern und ich glaube, es ist nach wie vor, eines der am meisten mit Preisen ausgezeichnete Spiel der Welt und das absolut zu recht. So simpel in seiner Mechanik, muss jede*r hier eigentlich nur den Überblick über die eigene Auslage bewahren und beim Draften versuchen die meisten Punkte für sich herauszuholen. Durch die Vielzahl an verschiedenen Kartentypen, speziell durch die beiden inzwischen fast essentiellen Erweiterungen, Cities und Leaders, gewinnt 7 Wonders seinen Reiz und kann auch in großen Runden sehr schnell gespielt werden. Eine Partie mit geübten Spieler*innen ist in 20 Minuten erledigt und ich habe sofort Lust eine weitere Partie zu spielen, weil es eben so wahnsinnig schnell geht und ich immer denke, dass bekomme ich diesmal noch besser hin. Für größere Spielrunden ein Muss!


Pandemic Legacy – Season 1

79 – Pandemic Legacy: Season 1 (64)

Die Tatsache das Pandemic Legacy nach all den Jahren auf dem Markt als Legacy-Spiel, die normalerweise eigentlich nach einiger Zeit verblassen und aus dem Gedächtnis verschwinden, immer noch hier vertreten ist, zeigt mir wie sehr mich die Spielerfahrung nachhaltig beeindruckt hat. Legacyspiele sind toll, wenn sie gut funktionieren und eine stimmige Erfahrung bieten. Das tun sie aber in ihrer Gesamtheit in der Regel nur ein einziges mal. Danach zehren die Spieler*innen von ihren Erinnerungen und Erfahrungen, die natürlich mit der Zeit langsam verblassen, oder aber ab und zu wieder zum Vorschein kommen können, wenn sie so positiver Natur wie hier sind. Das ist und bleibt aber das pure Schwelgen in Erinnerungen. Das Spiel an sich ist natürlich weder schlechter noch besser geworden. Pandemic Legacy muss als Erinnerung herhalten und die ist eben nach wie vor sehr positiv. Es ist eben nicht Pandemie, auch wenn das gleiche Spiel zu Grunde liegt. Klingt seltsam, ist aber tatsächlich so. Ich habe schon oft irgendwo darüber geschwafelt und werde auch nicht müde das hier auch zu tun. Pandemie als Spiel funktioniert für mich nur ab und zu. Das Design hat in sofern Fehler, dass es die Möglichkeit des Scheiterns miteingebaut hat, was ja nicht schlimm wäre, könnte ich etwas dagegen tun, aber egal wie gut ich spiele, es besteht die Möglichkeit Pandemie einfach so zu verlieren. Wenn eine Partie so verläuft, dann ist das sehr frustrierend. Warum ist Pandemic Legacy dann aber anders und soviel besser? Tja, zu allererst würde ich sagen, dass die Gesamterfahrung hier im Vordergrund steht und auch wenn mal ein paar Spiele doof verlaufen, kann es irgendwie durch die nachfolgenden Partien noch gerettet werden. Außerdem ist das Spiel insgesamt spannend inszeniert und spielt sich fast wie eine spannende Fernsehserie, was es um ein Vielfaches besser werden lässt. Pandemic Legacy Season 1 gehört ohne Übertreibungen, zu den besten Brettspielerfahrungen, die ich je machen durfte, ist aber nun schon eine ganze Weile her und verschwindet dennoch nicht aus meinen Top 100. Im Ernst, Pandemic Legacy Season 1 solltet ihr gespielt haben.


Der Herr der Ringe: Das Schicksal der Gemeinschaft

78 – Der Herr der Ringe: Das Schicksal der Gemeinschaft (NEU)

Das dieses Spiel direkt benachbart zu Pandemic Legacy in der Top 100 auftaucht ist reiner Zufall. Wer nur die Titel liest wird sich fragen wovon ich rede, aber Das Schicksal der Gemeinschaft ist nichts anderes als die neueste Pandemic-Version. Eine die du auf den ersten Blick gar nicht erkennst, weil das Herr der Ringe Thema überall präsent ist. Dennoch ist es ein Derivat des weltweit beliebten Spielprinzips. Eigentlich mag ich das Urspiel Pandemie auch nicht besonders, aber diese Version hier hat es mir angetan. Das liegt vor allem daran, dass sie das Spielprinzip tatsächlich ein wenig verwässert und mir mehr Möglichkeiten gibt in diesem Spiel gegen die unausweichliche Abwärtsspirale zu agieren. Deshalb, und natürlich wegen des Herr der Ringe-Settings, ist mir diese Version die liebste von allen. darüber hinaus hat es noch einen weiteren Vorteil und der liegt in seiner Variabilität, denn durch die Vielzahl an Charakteren und Aufgaben, spielt sich nicht jede Partie gleich. Ganz hervorragend ist auch der Solomodus der erwähnt werden muss, da er dieses Spiel auch alleine zu einem Meisterwerk macht. Wer Pandemie schon immer einmal ausprobieren wollte, sollte mit diesem Spiel starten.


77 – Toy Battle (NEU)

Dieses Spiel hat eigeschlagen wie die sprichwörtliche Bombe. Passend zum Thema bekriegen sich hier die Spielzeuge im Kinderzimmer, aber keine Angst, trotz der kriegerischen Thematik geht es hier dennoch niedlich und ziemlich abstrakt zu Werke. Wir besetzen nur Stationen auf dem Spielfeld und streiten uns mit dem Gegenüber um die Vorherrschaft auf dem jeweiligen Spielfeld. Zur Verfügung stehen beiden spieler*innen die gleichen Spielzeuge mit unterschiedlichen Fähigkeiten: unter anderem ein kleines Spielzeugskelett, ein Piratenaffe, ein T-Rex und auch ein Quietsche Entchen. Die Einheiten haben verschiedene Stärken und Fähigkeiten und so ergibt sich eine Mischung aus Stratego und einem Area Control- Spiel, das ihr so noch nicht gespielt habt. Großes Kino und das Spiel bietet in seiner Schachtel gleich mal wahnsinnige Vielfalt mit acht unterschiedlichen Spielfeldern, die sich gleich in der Startbox befinden. Das Spiel ist sehr simpel dank des schmalen Regelumfangs und eignet sich genauso gut für Familien, wie auch erfahrene Vielspieler*innen, die sich mal kurz auf lustige Weise duellieren wollen. Toy Battle ist definitiv gekommen um zu bleiben und könnte sich zu einem 2-Personen-Dauerbrenner entwickeln.


Rajas of the Ganges: Cards & Karma

76 – Rajas of the Ganges: Cards & Karma (51)

Ein total unterbewertetes Spiel der letzten Jahre ist dieses Kleinod. Inka und Markus Brand schaffen es auch mit der dritten Version von Rajas of the Ganges das hervorragende Spielprinzip des großen Brettspiels in ein kleineres Gewand zu transferieren. Hier nun nach dem Roll & Write ein Kartenspiel. Zum Spielen werden zusätzlich nur noch ein paar Marken benötigt, ansonsten funktioniert das Spiel nur mit quadratischen Karten, ohne weiteres Spielmaterial. Alle Spielerischen Komponenten des Originals finden wir hier trotzdem wieder, nur eben auf Karten. Die beiden Siegpunkteleisten, die sich entgegenlaufen, bilden auch hier den Rahmen für die Partie. Die doppelseitigen Karten fungieren zum einen als Würfelkarten, die uns die farbigen Würfelwerte liefern und auf der anderen Seite zeigen sie uns die Gebäude des Palastes, deren Bewohner*innen und auch Handelsgüter und die aus dem Brettspiel bekannte Flussfahrt. Wir sammeln hier reihum immer dreier Kombinationen und tauschen diese dann gegen Ruhmpunkte oder Geld ein. Alles ist da. Die Umsetzung ist eine kleine Meisterleistung und ersetzt eigentlich das Brettspiel komplett. Wirklich gutes Spiel das an den meisten leider vorbeigerutscht sein dürfte.


Abroad

75 – Abroad (NEU)

Ebenfalls neu in der Liste ist Abroad, welches ich wieder einmal von den meisten unterschätzt finde. Seine zeitlich nahe Veröffentlichung zu Auf nach Japan! auf dem deutschen Markt könnte dazu beigetragen haben, denn thematisch liegen sie nah bei einander und Auf nach Japan! kam mit einem gewissen Hype bei uns an. Abroad ist aber das meiner Meinung nach deutlich bessere Spiel, bei dem wir unsere Zeit für eine Rundreise quer durch Europa planen müssen. Dabei besuchen wir möglichst viele punktebringende Orte je nach den Zielvorgaben und unseren persönlichen Präferenzen. Abroad hat dabei mehrere Ebenen der Planung und ist trotz der übersichtlichen Regeln ein durchaus komplexes Unterfangen. Es wirkt ein wenig nüchtern aber das Spiel hinter der Fassade ist ein echt sehr Gelungenes. Leider scheinen das nicht so wahnsinniig viele Spieler*innen mitbekommen zu haben, denn sonst müsste es viel beliebter sein.


Le Havre

74 – Le Havre (53)

Dieses Spiel macht mir einen Riesenspaß. Ich werde natürlich ordnungsgemäß in jeder Partie von meiner Frau vernichtet, aber Uwe Rosenberg hatte und hat es einfach drauf solch tolle Spiele zu machen. Jahrelang hatten wir nur die 2-Spieler*innen-Version Der Binnenhafen zu hause, aber die beiden Spiele unterscheiden sich schon ganz erheblich. Le Havre hat wie jedes Rosenberg-Spiel einen enormen Wiederspielreiz, da nie alle Gebäude mitspielen und die Spieler*innen sich immer wieder auf nur ein paar Gebäude, die in einer Partie auftauchen, einstellen müssen. Auch sehr genial finde ich, dass alle Gebäude in der Stadt für alle Spieler*innen zugänglich sind, auch wenn andere diese gebaut haben. So entsteht eine besondere Form der Interaktion. Le Havre hat zwar schon ein paar Jahre auf dem Buckel, wirkt auf mich aber absolut nicht antiquiert, wenn ich von der Optik einmal absehe, die inzwischen natürlich schon in die Jahre gekommen ist. Le Havre hat sich im Nu in meine Rosenberg Hitliste gespielt. Für einen größeren Rosenbergtitel ist Le Havre dabei erstaunlich zugänglich und hat eine moderate Spieldauer, die allerdings stark von der Spieler*innenzahl abhängig ist. Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Le Havre dann doch recht viel von den Spieler*innen fordert, denn die Spieltiefe ist hier ganz enorm. Definitv ein Rosenberg den ihr gespielt haben solltet.


Café Barista

73 – Café Barista (87)

Ihr kennt sie sicher. Diese Handyspiele bei denen ihr in einem Restaurant arbeitet und Leute bedienen müsst. Ihr schraubt Burger zusammen oder müsst die richtigen Dinge auf die Tabletts stellen und wenn ihr das schafft bevor der Gast ausflippt gibt es Punkte usw. Recht simple aber durchaus fordernde kleine Spielereihen, die einen am Handy fesseln, wenn mal wieder Langeweile herrscht. Es gab auch schon Versuche das in einem Brettspiel darzustellen nur so richtig gelungen ist das bisher kaum jemandem. Café Barista ist nun aber der erste Vertreter, dem ich zugestehen würde, genau dieses Gefühl zu erzeugen, ohne ein Echtzeitspiel zu sein. Die Runden sind bei diesem Spiel entscheidend und wir müssen versuchen alles so schnell zu erledigen wie es geht, denn sobald unsere Gegenspieler*innen eine Bestellung abgeschlossen haben, erhalten wir eine neue und das erhöht den Druck ungemein. Das ist fast schon genial und funktioniert wirklich sehr gut. Hinzu gesellt sich ein hervorragendes Material das durch Haptik und Optik zum Spielen einlädt. Kommt bei uns immer gern auf den Tisch.


Fields of Green

72 – Fields of Green (100)

Dieses Spiel ist nun schon seit geraumer Zeit ein Dauerbrenner in unserem Haushalt. Wer Fields of Green nicht kennt, sollte diese Mischung aus Drafting- und Legespiel mal ausprobieren, denn es liegt etwas sehr schönes in diesem Spiel. Immer wenn es denn auf den Tisch kommt, fragen wir uns, warum wir es solange nicht gespielt haben, denn es macht wirklich Laune. Wir draften uns hier einen Bauernhof aus Karten zusammen und müssen versuchen die Gebäude in einem funktionierenden Maß zusammenfügen. Dabei müssen wir auf die Nahrungsmittel und Wasserversorgung für unsere Feldfrüchte und unser Vieh acht geben. Die Karten werden dazu einfach nebeneinander platziert. So wächst Runde für Runde unsere Auslage und wird komplexer, ganz ähnlich wie bei einem Städtebauspiel, nur das wir hier einen Bauernhof errichten. Einziger Nachteil von Fields of Green, und den solltet ihr wirklich nicht außer Acht lassen, ihr braucht, wenn ihr mit mehr als zwei Personen spielen möchtet, einen Tisch von extremen Dimensionen, da die Bauernhöfe im Verlauf des Spiels schon recht groß werden können und hier große quadratische Karten zum Einsatz kommen.


Der Kartograph

71 – Der Kartograph (57)

Ob der Kartograph oder die Kartographin, das ist völlig egal. Ich bleibe hier aber mal bei der ersten Veröffentlichung, obwohl die neuen Blöcke und auch die Erweiterungsblöcke, die einzeln verkauft werden, dem Spiel neue Impulse gebracht haben, die es für mehr Abwechslung dringend gebraucht hat. Bereits kurz nach der Messe 2019 stellte sich heraus, das dieses Flip ´n Write zu einem Dauerbrenner im Hause Spieltroll werden würde. Zu jedem Spieleabend wurde es mitgeschleppt und jede*r neue Spieler*in lernte es sofort kennen. Aber warum ist Der Kartograph eigentlich so toll? Das hat meiner Meinung nach ein paar mehr Gründe. Zum einen ist es ein durchaus forderndes Kennerspiel, da einfach viel im Blick behalten werden muss und sämtliche Siegbedingungen von Anfang an auf dem Tisch liegen. Wer sie am besten zu nutzen weiss gewinnt. Das Spiel enthält so viele gelungene kleine Details, wie zum Beispiel die Münzen, die von den Spieler*innen gesammelt werden können. Ein konstanter Punktelieferant, aber wir dürfen bei dieser Option weniger Kästchen auf unserer Karte anmalen. Die Entscheidung Tempel eventuell zuzumalen und sich der Gefahr auszusetzen, mal eine Karte nicht vernünftig einzeichnen zu können, oder auch unser Verfahren mit den Monstern, die plötzlich auftauchen und von unseren Gegner*innen auf unserem Zettel gemalt werden sind solche fordernden kleinen Details. Die Monster bringen jede Runde erneut Minuspunkte, wenn wir sie nicht von allen Seiten zumalen können. Ein weiterer Punkt, warum mir das Spiel so gut gefällt ist in meinen Augen, dass es sehr thematisch ist, denn hier machen die Spieler*innen tatsächlich mal genau das, was das Spiel auch thematisiert. Wir malen eine Karte. Wir tun das zwar nach Regeln und uns wird durch Karten vorgegeben, was wir einzeichnen müssen, aber wir malen eine Karte. Immer noch eines der besten Spiele des Genres und eine feste Konstante in dieser Liste.


Nidavellir

70 – Nidavellir (RE)

Nidavellir ist nach zwei Jahren Abstinenz in den Top 100 zurückgekehrt. Warum? Weil ich es einfach mag. Dieses Spiel kam für mich seinerzeit aus dem Nichts und hat mich total überrascht. Leider stehe ich auch hier recht alleine mit der Meinung dar, denn es schien keinen überragenden Erfolg in Deutschland zu haben. Kann ich wirklich nicht nachvollziehen, denn Nidavellir bringt eine überraschende neue Münzmechanik mit, bei der wir verdeckt auf Zwerge bieten müssen, die wir in unsere kleine Privatarmee aufnehmen. Zwerge heuert der geneigte Abenteuerer natürlich ganz klischeehaft in einer Taverne an, oder wie in diesem Fall, in drei Tavernen. Die Münzen die wir nicht nur benutzen, um Zwerge zu kaufen, müssen wir ebenfalls zu wertvolleren Münzen aufwerten. So entscheiden wir uns in jeder Runde neu für die Zwerge, die am besten in unsere Armee passen. Die Zwerge erfüllen dabei verschiedene Zwecke und bringen uns am Ende der Partie Punkte. Sollten wir es schaffen genügend Zwerge in jeder Kategorie anzuheuern, so schließen sich auch mächtige Zwergenhelden unserer Armee an, die wir gegen den großen bösen Drachen ins Feld führen. Nidavellir ist ungewöhnlich und irgendwie vertraut zu gleich. Der Mechanismus ist interessant und dennoch einfach. Nidavellir ist kein schwieriges Spiel, aber eines bei dem die Spieler*innen schon den richtigen Riecher brauchen.


Aquaria

69 – Aquaria (NEU)

Eine weitere Neuheit in dieser Liste ist Aquaria von Skellig Games, welches in der deutschen Version mit einem ansprechenderem Coverartwork versehen wurde. Aquaria würde ich als gehobenes Kennerspiel bezeichnen wollen. Eines das mich thematisch abholt und vom Schwierigkeitsgrad genau an meinem Sweetspot operiert. Hier gibt es viele Dinge zu beachten und der Aktionsauswahlmechanismus über ein paar Aktionsräder in der Spielfeldmitte ist schon recht speziell. Das Aquarium bauen wir in einem Raster vor uns durch Fisch- und Pflanzenkarten aus. Ganz speziell ist die Mechanik mit den Microflorareglern, die uns über bestimtme Farben im Raster mit Boni versorgen. Das erfordert mal wieder Aorausschau und Planung. Verflochten mit der eingeschränkten Aktionsauswahl entfaltet Aquaria schon eine schöne Spieltiefe. Dennoch stellt sich das Spiel als nicht überkomplex dar und erlaubt auch ambitionierten Kennerspieler*innen einen Zugang.


Wettlauf nach El Dorado

68 – Wettlauf nach El Dorado (49)

Der Wettlauf nach El Dorado ist eines dieser Spiele, die leider erst sehr spät ihren Weg zu mir gefunden haben. Reiner Knizia hat lange Zeit für mich keine Spiele mehr entworfen, die mir so richtig gut gefielen. Also habe ich ihn über viele Jahre einfach links liegen gelassen und Wettlauf nach El Dorado fiel so meiner spielerischen Arroganz zum Opfer. Es ist nämlich völlig falsch dieses Spiel zu ignorieren, weil es ein so wahnsinnig Gutes ist. Knizias Ansatz ans Deckbuilding in Verbindung mit einem Rennspiel ist nahezu wegweisend und sollte von mehr Spielen aufgegriffen werden. Die Spieler*innen bewegen ihre Spielfiguren durch eine Wildnis und benötigen Karten mit entsprechenden Symbolen, bis eine*r das Ziel, El Dorado, erreicht. Für mich ist Der Wettlauf nach El Dorado trotz seiner Schlichtheit, oder gerade deswegen, einer der besten Deckbuilder überhaupt. Es tut mir fast schon leid, dass ich dieses Spiel erst so spät entdeckt habe. Mit diesem Spiel hat Reiner Knizia einen weiteren modernen Klassiker geschaffen den möglichst viele Spieler*innen kennen sollten.


Splendor Duel

67 – Splendor Duel (65)

Kaum verändert zum Vorjahr zeigt sich Splendor Duel. Noch vor ein paar Jahren hätte ich auf die Frage, ob es eine zwei Spieler*innen Variante von Splendor geben muss, herzhaft gelacht, denn das Grundspiel funktioniert auch zu zweit richtig gut. Dann war ich so sehr von Splendor Duel überzeugt, dass es deutlich höher in den Top 100 platziert war. Nun würde ich sagen, beide Varianten haben etwas für sich und sind so eigenständig wie auch schon 7 Wonders und 7 Wonders Duel es sind. Splendor ist ein gutes Spiel mit tollem Material, ohne richtiges Thema zwar und in einer viel zu großen Schachtel. Das Spiel an sich ist aber top. Nun kam der Meister der Zweispieler*innenspiele Bruno Cathala aber mit dieser Version um die Ecke und strickt hier eine fantastische Version aus allen Elementen Splendors zusammen und ergänzt sie so dermaßen sinnvoll, dass hier ein völlig neues, tolles Spiel entsteht, das an jeder Ecke zwar „Splendor“ schreit, aber dennoch eine neue Erfahrung darstellt. Ich hätte es wirklich nicht geglaubt und wurde eines Besseren belehrt. Splendor Duel ist fantastisch und gehört für Spieler*innen die gerne zu zweit spielen auf jeden Fall auf den Tisch. Die Chips liegen hier auf einem kleinen Spielfeld aus und wir dürfen sie nach bestimmten Regeln einsammeln. Es gibt ein paar spezielle Regeln und Fähigkeiten, aber der Rest ist ganz und gar Splendor. Allerdings muss ich sagen, dass ich die Urvariante auch nach wie vor gerne zu zweit spiele und sogar einen Ticken lieber mag.


Alhambra

66 – Alhambra (46)

Alhambra ist genau wie Carcassonne eines dieser Spiele, die ich immer mal wieder hervorhole. Habe ich es länger nicht gespielt, dann folgt wieder eine längere Serie von Partien, bevor es wieder für einige Zeit verschwindet. In der letzten Zeit kommt es wieder regelmäßiger hervorgekrochen und fordert Spielzeit von mir ein. Dirk Henn hat hier einen wirklich zeitlosen Klassiker geschaffen. Alhambra funktioniert heute genauso, wie vor fünfzehn Jahren. Der Mechanismus des Spiels ist so simpel und schnell erklärt, das ich die Anleitung bald gar nicht mehr brauche. Ihr baut Plättchen verschiedener Sorten in eure Paläste ein. Diese Plättchen zeigen auch Teile einer Mauer die euch Punkte bringt, je länger sie um euren Palast gebaut wird. Über einen offenen Markt können wir die Plättchen erwerben. Diese liegen hier in vier verschiedenen Bereichen aus, die den vier verschiedenen Währungen des Spiels zugeordnet sind. Diese Währungen sammeln wir als Geldkarten auf die Hand. Alhambra ist ein sehr schnelles Spiel, denn wir können in jedem Zug immer nur genau eine Sache tun, Geld nehmen, ein Plättchen erwerben und es anschließend einbauen/lagern oder ein Plättchen aus unserem Lager bauen/tauschen. Der Clou, zahlen wir mit einem passende Geldbetrag für ein Plättchen, so dürfen wir eine weitere Aktion ausführen. Ich liebe es! Ein wahrer Dauerbrenner.


Frosted Blooms

65 – Frosted Blooms (NEU)

Noch sehr neu und gerade erst in diese Liste gerutscht ist Frosted Blooms von Bruno Cathala und Ludovic Maublanc. Bis zu den Spiel des Jahres Listen war mir das Spiel komplett unbekannt und das habe ich schnell behoben. Nach nur einer Partie war mir völlig klar, warum es auf der Liste gelandet war. Die beiden Autoren schafften hier in einem an sich schon sehr ausgelutschten Bereich dennoch einen neuen Ansatz in ein Spiel einzubringen. Frosted Blooms ist ein Legespiel, welches aus zwei Gründen interessant ist. Wir legen Polyominos vor uns aus mit verschiedenen Tulpen und Gewässern darauf, welche wir über unsere Handkarten werten. Jede Runde müssen wir eine von unseren drei Handkarten werten, welche bestimmen aber wir und haben so das Spiel in der Hand. Wir wissen natürlich was auch noch in späteren Runden kommt, denn im Verluf der Partie werten wir alle Karten aus unserem Stapel (Genau 10). Beim Legespiel kommt es aber nicht nur auf möglichst großflächige gleiche Blumen- und Wasserareale an, sondern auch auf die Lücken die wir lassen, denn hierdurch platzieren wir Gebäude und Arbeiter, die uns am Spieldende usätzlich viele Punkte einbringen. Frosted Blooms fühlt sich irgendwie frisch und anders an und ist mit erstaunlich viel Tiefe ausgestattet.


Tipperary

64 – Tipperary (NEU)

Oh was war das für ein Fehler!? Ich habe dieses Spiel sträflicher Weise bei seinem Erscheinen an mir vorüberziehen lassen und ich muss sagen das das alleine ziemlich oberflächliche Gründe hatte. Die Optik gefiel mir überhaupt nicht. Asche auf mein Haupt, denn ich muss sagen Tipperary ist total toll und ich besitze leider bis heute keine eigene Kopie. Tipperary macht es aber nicht nur durch seine Optik, sondern auch durch sein Genre des Legespiels schwer es zu lieben. Wie schon einen Platz weiter oben erwähnt sind diese Pfade sehr ausgetreten und hier etwas Neues zu finden das einem dennoch gefällt, empfinde ich inzwischen als schwierig. Ich kann es auch überhaupt nicht genau festmachen, was mich an diesem Spiel so reizt, aber der direkte Wettbewerb mit meinen Mitspielenden, obwohl es keinerlei Interaktion gibt gefällt mir dennoch irgendwie. Wir bekommen alle parallel ein Teil und müssen es einabauen. Die verschiedenen dinge darauf stellen uns vor Aufgaben. Schafe wollen eine möglichst große zusammenhängende Herde, ein Bauernhof braucht ein Feld, drei Ruinen wollen in einer Reihe stehen usw. Die meisten Punke gibt es am Ende aber für ein komplettes Rechteck. Ich zähle inzwischen weit über 200 Partien und werde nicht müde es immer mal wieder zu spielen.


Architekten des Westfrankenreichs

63 – Architekten des Westfrankenreichs (45)

So ganz langsam und klamheimlich verabschieden sich die Architekten des Westfrankenreichs aus dieser Liste. Dennoch sind die Architekten über jeden Zweifel erhaben, sind sie doch eines der besten Worker-Placement-Spiele, die es überhaupt gibt. Innovativ und sehr elegant gleichermaßen, haben Shem Philips und S J Macdonald ein tolles Spiel geschaffen und inzwischen wissen wir ja auch, das der hervorragende Start der Westfrankenserie keine Eintagsfliege war. Auch die Südtigrisreihe macht uns inzwischen schon Freude und kommt im nächsten Jahr ebenfalls zu ihrem Abschluß. Sie haben sich die Latte selbst schon sehr hoch gelegt. Wer die Westfrankenreihe nicht kennt sollte sie unbedingt kennenlernen. In dieser Reihe versuchen wir im Westfrankenreich im weltlichen und religiösen Bereich die Machtverhältnisse zwischen einzelnen Fürsten darzustellen. Hier bauen wir eine Kathedrale und unser Fürstentum durch Gebäude mit unseren Arbeitern aus. Der spezielle Einsatzmechanismus und die Möglichkeit die Abeiter der Gegner*innen ins Gefängnis werfen zu können machen den Reiz des Spiels aus. Toller Auftakt einer absolut tollen Reihe.


Splendor

62 – Splendor (56)

Splendor Duel hat neue Impulse gesetzt und für mich nicht nur eine fantastische neue Variante für zwei Spieler*innen gebracht, sondern auch Splendor, zumindest für mich, wieder etwas mehr zurück in meinen Fokus geholt. Splendor gilt gemeinhin als ein Spiel ohne Thema und ich muss sagen: das stimmt auch! Es wäre total egal, für was die Farben in Splendor stehen würden, ob nun Soldaten, Autos, Raumschiffe oder Edelsteine. Völlig Wurscht. Die Mechanik ist hier entscheidend und die ist so gut und aufs wesentliche heruntergebrochen, dass sie Ihresgleichen sucht. Inzwischen gibt es natürlich viele Spiele, die sich ähnlich spielen und einige versuchen sich sogar daran ein Thema zu etablieren, aber Splendor spielt sich so schön einfach und schnell ohne Schnörkel, dass ich es nach wie vor am liebsten Spiele. Es geht hier nur darum bestimmte Edelsteine in Form von Pokerchips zu sammeln und diese gegen Karten zu tauschen, die mir Vergünstigungen auf spätere Karten geben und mit denen ich mir als erster die erforderliche Punktzahl von 15 Punkten erspielen kann. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wenn du das Spielmaterial aus der Schachtel nehmen würdest, kannst du das Spiel auch in deiner Hosentasche überall mit hinnehmen. Perfekt in seiner Gradlinigkeit und Spiellänge und genau diese beiden Punkte sind es, die mich nach wie vor öfter zu Splendor zurückkehren lassen als zu seinem kleinen Bruder für Zwei, so genial ich die Duellversion auch finde.


Flügelschlag

61 – Flügelschlag (16)

Ich möchte hier nicht von Müdigkeit sprechen, denn das würde nicht stimmen, denn ich würde jederzeit eine Partie mitspielen, aber nach so langer Zeit in den Spitzenrängen dieser Liste räumt Flügelschlag jetzt doch ziemlich rasant seinen Platz. Nach unzähligen Partien, die mich über Jahre gefesselt haben ist es vielleicht auch Zeit für etwas Neues. Flügelschlag hat Seinerzeit alles abgeräumt, was es abzuräumen gab und das in den meisten Fällen, wie ich finde, auch völlig zurecht. Elizabeth Hargrave hat ein Meisterwerk geschaffen, dass für viele Autoren und Verlage zu einem Vorbild geworden ist. Wer wäre denn schon auf die Idee gekommen ein Spiel über Vögel zu machen? Flügelschlag zeigt eindrucksvoll das der Brettspielwelt kein Thema fremd ist. Aber nicht nur das Thema war zu Erscheinen ein besonderes, denn auch das Spielprinzip eines Engine Builders wurde hier in Form eines seichteren Kenner*innenspiels aufbereitet. Wir spielen Vögel mit unterschiedlichen Fähigkeiten in drei Habitate und wann immer wir eine Fähigkeit in einem Habitat auslösen, werden alle Vögel in diesem Habitat der Reihe nach abgearbeitet und wir werden hoffentlich gut belohnt, wenn wir gute Kombinationen von Vögeln ausgespielt haben. Das Spiel hat einen nicht zu leugnenden Glücksfaktor, der einigen Spieler*innen sauer aufstößt. Ich finde hingegen, das es genau diese Prise ist, die das Spiel braucht. Darüber hinaus verfügt Flügelschlag über eine unglaubliche Produktion, die durch fantastisches Material bis hin zur Anleitung und wunderschöne Illustrationen besticht, die wirken als kämen sie direkt aus einem Naturkundebuch. Jamey Stegmaier hatte mit diesem Spiel genau den richtigen Riecher und hat das Potential dieses Spiels erkannt. Ein Spiel das selbst mit seinem Kennerspielschwierigkeitsgrad auch die Massen der Wenig- und Familienspieler*innen begeistert hat.


Targi

60 – Targi (71)

Eine weitere Konstante in meinen Top 100 ist Targi, das tolle Spiel für Zwei aus der gleichnamigen KOSMOS-Reihe. Ein komplettes Brettspiel nur mit ein paar Karten und Markern in einer kleinen Box. Targi ist ein einzigartiges Spiel, denn ich kenne bisher wirklich nichts Vergleichbares, dass soviel Spieltiefe und Spaß aus so wenig Spielmaterial herausholt. Außerdem ist es mir bis heute auch ein Rätsel, warum der hier benutzte Triangulations-Mechanismus von Andreas Steiger nicht in weiteren Spielen auftaucht. Targi ist mit Abstand das beste Spiel aus der KOSMOS-Zweispielerserie und verteidigt den Titel standhaft seit Jahren. Andreas Steiger ist soetwas wie das One-Hit-Wonder der Brettspielszene. Wer von Targi nicht genug bekommt, kann es mit seiner Erweiterung „erneuern“. Diese Erweiterung ist nämlich eine ganz spezielle, denn eigentlich verwandelt sie das Spiel in eine neue Version von sich selbst. Targi 2.0 sozusagen. Das Spiel ist ohne Erweiterung schon ein kleines Meisterwerk für sich mit seinem Koordinatenmechanismus. Niemand würde bei dem Spiel eine Erweiterung vermissen, bis sie dann doch zum ersten mal gespielt wird. Ich behaupte: Danach spielt ihr es nie wieder ohne, weil diese das Spiel noch einen kleinen Ticken besser macht. Spitze!


Valeria

59 – Valeria: Königreich der Karten (26)

Kennst du die Spielmechanik von Machi Koro und findest sie toll? Ja, dann kauf dir Valeria, denn es ist Machi Koro mit Fantasythema und viel mehr Inhalt und Tiefe. Wenn nein, dann kauf dir Valeria und lerne es einfach kennen! Valeria ist in meinen Augen viel zu gut, um es nicht zu kennen. Leider kennen es viel zu wenige Leute. Seit vielen Jahren ist dieses Spiel nun schon ein fester Bestandteil unserer Spielesammlung und wir lieben es nach wie vor. Das Spielprinzip, nur kurz angerissen, funktioniert wie folgt: Dorfbewohner*innen mit verschiedenen Zahlen und Fähigkeiten bevölkern unser Dorf. Am Anfang eines jeden Spielzugs wird gewürfelt und dann werden, entsprechend des Wurfs, die Dorfbewohner*innen mit den entsprechenden Zahlen, aktiviert. Das führt dazu, dass Rohstoffe generiert werden oder bestimmte Aktionen ausgeführt werden dürfen. Der Clou ist das die Dorfbewohner*innen immer zwei unterschiedliche Aktivierungen haben, eine für die eigene Runde, also wenn selbst gewürfelt wird und eine für die Runde, wenn die anderen Mitspieler*innen würfeln. Die Rohstoffe werden benötigt, um sein Dorf durch weitere Bewohner*innen wachsen zu lassen. Außerdem können, wenn genug Rohstoffe gesammelt wurden, in der Gegend herumstreifende Monster besiegt und seltene Orte ins Reich einverleibt werden. Das alles bringt natürlich Siegpunkte, denn jeder von uns verkörpert einen Herzog, den wir zu Beginn geheim ziehen und der uns für jeweils andere Dinge am Spielende mit Punkten belohnt. So bauen sich die Spieler*innen solange ein Königreich auf, bis das Spielende naht. Eben ein Königreich der Karten, wie der Untertitel so treffend sagt. Valeria ist dabei allerdings viel mehr als nur Machi Koro mit Fantasythema, auch wenn es sich den Mechanismus von ihm geliehen hat. Da, wo Machi Koro aufhört, nämlich einfach nur Gebäude sammeln, die uns Punkte und Geld bringen sollen, fängt Valeria erst an. Die Dorfbewohner*innen sind unsere Gebäude und liefern uns verschiedenste Ressourcen, mit denen wir nicht nur weitere Dorfbewohner*innen kaufen können. Mit den inzwischen zahlreichen Erweiterungen kommt immer mehr Komplexität und Variantenreichtum ins Spiel. Ihr solltet es ausprobieren. Das Feuer für Valeria brennt schon eine ganze Weile, aber es lodert immer noch und kommt mehr oder weniger regelmäßig auf den Spieltisch.


Unangenehme Gäste

58 – Unangenehme Gäste (41)

Es ist schon eine ganze Weile her, dass Unangenehme Gäste oder Akward Guests erschienen ist und ich bin nach wie vor sehr froh, dass es dieses Spiel auf den deutschen Markt geschafft hat. Wenn ich Leuten Unangenehme Gäste erklären möchte, dann fange ich eigentlich immer damit an zu sagen, dass es thematisch wie Cluedo ist, nur in gut. Das fasst es ersteinmal ausreichend zusammen. Natürlich stolpern wir hier nicht mit unserer Spielfigur durch eine Villa und stellen ein paar Fragen, um aus ein paar Gästen, einigen Mordwaffen und ein paar Räumen herauszufinden, was passiert ist, aber wir versuchen hier schon als Detektiv herauszufinden wer das Opfer Mr. Walton mit welcher Waffe und warum umgebracht hat. Das Ganze erledigen wir hier aber durch ein Kartendeck und einen erstaunlich gut funktonierenden Kartenmechanismus, bei dem wir nach bestimmten Personen und Räumen Fragen stellen und mit Karten unserer Mitspielenden belohnt werden, die uns neue Informationen liefern. Das machen wir solange, bis wir einen Lösungsversuch wagen können. Unangenehme Gäste wartet mit verschiedensten Schwierigkeitsgraden auf, bei denen später auch noch ein Komplize hinzukommen kann. Einfach und genial gelöst macht Unangenehme Gäste einfach nur Spaß und ist ein Fest für Deduktionsfans. Es wird uns einfach nicht langweilig und wenn mal eine Stunde Zeit ist wird schnell das Deck zusammengestellt und eine Runde kombiniert. Funktioniert zu zweit trotz besonderer Regeln genauso gut und inzwischen sind wir beim höchsten Schwierigkeitsgrad angekommen und lieben es heiß und innig. Wenn gar nichts geht, dann geht eine Partie Unangenehme Gäste.


Media Aetas

57 – Media Aetas (48)

Media Aetas gelang 2024 etwas, das ich nicht ganz nachvollziehen kann. Sieben Jahre zuvor veröffentlichte der Verlag Hans im Glück das Spiel Majesty: Für die Krone und das Spiel kam eigentlich ganz gut an, wobei ich selbst es nur so mittelprächtig fand. Irgendwie fehlte mir an dem Spiel irgendwas und das, was da fehlte, fehlte mir plötzlich mit Veröffentlichung von Media Aetas nicht mehr. Media Aetas ist nämlich das gleiche Spiel in einem optisch viel ansprechenderem Gewand. Hier werden keine Karten, sondern wunderhübsche Plättchen ausgelegt. In dieser Version gefiel mir das Spiel sogar ziemlich gut. So gut sogar, dass es nun hier in der Liste meiner Lieblingsspiele auftaucht. Media Aetas hat einen sehr schönen Auswahlmechanismus für die Plättchen und fordert von uns ein wenig Weitsicht für unsere Handlungen. Ein Spiel das nie zu kompliziert wird und sich gut runterspielt, weil es genau meinen Sweetspot zwischen Anspruch und Spielbarkeit trifft.


Faraway

56 – Faraway (32)

Faraway ist wieder eines dieser genialen Spiele, bei denen ich mich frage, wieso das noch niemand vorher gemacht hat? Wahrscheinlich hat es schon mal jemand gemacht, aber ich habe keine Notiz davon genommen. Die Idee hinter Faraway ist nämlich wirklich einfach und wurde hier schön umgesetzt. Wir reisen hier durch ein fremdes Land. Das wird repräsentiert durch Karten mit Bewohner*innen. Diese Karten haben Werte, Farben, Fähigkeiten und Aufgaben, sowie ein paar Symbole. Wir spielen nun acht Runden lang je eine Karte als Reiseroute in einer Linie vor uns aus. Dann drehen wir alle Karten um und decken sie in umgekehrter Reihenfolge wieder auf. Wir werten immer alles was wir sehen können. Also was aufgedeckt ist. Fertig. Das ist die ganze Idee und das klingt auch gar nicht so schwierig. Ich kann euch aber sagen das löst schon manchmal einen richtigen Knoten im Hirn aus, wenn du versuchst vorauszuplanen und das nicht hinbekommst. Du hoffst natürlich auch immer, dass du die richtigen Karten bekommst, aber da reden deine Mitspieler*innen auch noch ein Wörtchen mit. Die Karten werden nämlich gedraftet und wer in der laufenden Runde die niedrigste Karte ausgespielt hat, wählt zuerst. Sehr kurzweilig und schnell gespielt. Faraway ist eines dieser Spiele, bei dem es selten bei nur einer Partie bleibt.


Bunny Kingdom

55 – Bunny Kingdom (18)

Ich mag Drafting-Spiele und Bunny Kingdom ist so etwas wie ein Dauerbrenner bei uns zu hause. Allerdings verliert es ganz schön an Boden in den Top 100, war es zu letzt doch lang in meinen Top 20 anzuztreffen. In Bunny Kingdom versuchen wir uns gegen unsere Mitspieler*innen in einem Wettstreit um neue Ländereien im Hasenkönigreich durchzusetzen. Wir haben eine kleine Armee von Hasenfiguren, die wir auf das hundert Felder umfassende Spielbrett bringen müssen. Am besten erobern wir zusammenhängende Gebiete mit möglichst vielen verschiedenen Rohstoffen darin. Damit uns das richtig viele Punkte bringt, müssen wir auch Städte in diese Gebiete bauen. All das wird über einen Berg von Karten gesteuert, die uns all diese Sachen in nur vier Runden errichten lassen. Diese Karten werden von uns einfach verdraftet und nach ein paar Runden gewinnt der- oder diejenige mit den meisten Punkten. Bunny Kingdom ist in ein paar Minuten erklärt und macht tatsächlich richtig Spaß. Die lustigen Hasenillustrationen tragen natürlich zum gelungenen Spiel bei. Drafting zu zweit ist immer so eine Sache, aber hier wurde eine Besonderheit von Richard Garfield, der das Spiel erfunden hat, herausgearbeitet, die das Spiel auch zu zweit sehr gut spielbar macht: eine Memorykomponente in der ein paar Karten pro Runde ausgelagert werden können, was die Taktik des Spiels gleich noch ein bißchen erhöht. Aber auch zu viert ein, wenn auch unübersichtlicher, Hasenspaß.


Istanbul

54 – Istanbul (63)

Ebenfalls eine Konstante in dieser Liste ist das Kennerspiel des Jahres von 2014: Istanbul. Seit Jahren hält es sich in meinen Top 100 und wabert in der zweiten Hälfte umher. Rüdiger Dorn ist für mich ein eher zwiespältiger Autor, denn er schafft es immer mal wieder mich komplett zu überraschen und fantastische Spiele zu erfinden, aber, er schafft es auch, dass, sagen wir es mal schmeichelhaft, immer wieder Spiele von ihm veröffentlicht werden, die meiner Meinung nach nicht ganz so gelungen sind. Mag sich für manche jetzt ketzerisch anhören, aber so sehe ich das nun mal. Istanbul ist aber für mich sein Magnum Opus und verfügt über einen dermaßen genialen Zugmechanismus, dass es mich bei meiner Erstpartie fast umgehauen hat. Dabei gehört es zu der Art von Spiel, die am besten gemeinsam erforscht werden will oder die durch eine*n erfahrene*n Spieler*in erklärt wird. Spielst du unbedarft einfach mal in einer Runde mit, in der erfahrene Spieler*innen dabei sind, so wirst du mit hoher Wahrscheinlichkeit verlieren, da diese schon wissen was sie tun und wie am schnellsten die begehrten Rubine verdient werden können. Istanbul sollte jeder Brettspielfan, der etwas auf sich hält definitiv mal gespielt haben. Immer noch ein tolles Spiel und eines das sich auch in vielen Jahren noch gut spielen wird.


Kilia

53 – Kilia (NEU)

Seinen Einstand in die Top 100 nimmt in diesem Jahr auch Kilia. Ein Debüt welches bei uns am Spieltisch für Verwunderung und Erstaunen gesorgt hat. Rein optisch wirkt es, obwohl ich es hübsch finde zunächst eher altbacken. Seine moderne Finesse breitet sich aber recht schnell nach ein paar Runden aus. Kilia ist ein Spiel das sich mit Karten steuert, die auf verschiedenste Weisen benutzt werden können. Bei mir kamen immer wieder Martin Wallace Vibes auf, weil Kilia so elegant in seiner Art zu spielen ist. Hier ist nichts überflüssig. Das Spiel wurde bis auf das Notwendigste gestreamlined und das macht mir richtig Freude. Die Spieler*innen werden immer wieder vor fordernde Aufgaben gestellt und trotz den engen Bahnen in denen wir uns hier bewegen um unser Handelskontor auszubauen, erlauben uns dennoch unterschiedliche Spielverläufe. Für mich eines der besten Debüts des letzten Jahrgangs und ein Spiel das ich nicht missen möchte.


Great Western Trail: Neuseeland

52 – Great Western Trail: Neuseeland (47)

Lange ging der Kelch von Great Western Trail an mir vorrüber. Ich bin kein ausgesprochener Fan von den Spielen des Alexander Pfisters. Ich kann das nicht genau festmachen, aber viele seiner Spiele gefallen mir meist überhaupt nicht. Aus diesem Grund habe ich Jahre lang einen großen Bogen um sein angeblich bestes Spiel Great Western Trail gemacht. Das war, wie ich heute weiss allerdings ein Fehler, denn das Spiel ist großartig und stellt somit eine Ausnahme der oben aufgestellten Behauptung dar. Wir lernten es allerdings erst mit der Neuveröffentlichung kennen und haben uns dann gleich den komplexen Klopper in der Neuseeland Version vorgenommen, die genau unseren Nerv getroffen hat. Meine Frau ist auch großer Fan des Spiels und wir holen es regelmäßig auf unseren viel zu kleinen Tisch, denn auch Great Western Trail: Neuseelnad ist ein Gigant auf dem Spieltisch und braucht jede Menge Platz. Aber es lohnt sich. Hier wird Expertenkost geliefert, der seinesgleichen sucht. Schöner Rondell Mechanismus mit vielen Tücken und Heruasforderungen.


The Loop

51 – The Loop (27)

Und auch bei The Loop bin ich ein Spätentdecker. Das Spiel geisterte schon ein wenig umher und ich hatte eigentlich überhaupt kein Interesse daran. Doch dann war es um mich geschehen. Das knallbunte und total verrückte Zeitreisespiel mit seinen extravaganten Charakteren wusste mich bereits nach der ersten Partie voll zu überzeugen. Nun musste meine bessere Hälfte noch davon überzeugt werden und das sah ich eher kritisch. Doch auch bei ihr kam das kooperative Spiel sehr gut an. So gut, dass sie es wahrscheinlich als eines ihrer Lieblingsspiele benennen würde. Das Spielprinzip ist sehr einfach, klingt nur so unfassbar durchgeknallt. Der zeitreisende Bösewicht Dr. Foo versucht die Welt zu zerstören indem er in verschiedenen Zeiten zu viele Kopien seiner Selbst entstehen lässt. Wir als Zeitagenten mit speziellen Fähigkeiten versuchen ihn daran zu hindern indem wir in den verschiedenen Zeiten wieder aufräumen und gegen Dr. Foo und seine verrückte Zeitmaschine antreten. Ein kooperativer Spaß in der besten Tradition von Pandemie und Co. nur eben viel besser und lustiger. Leute die gerne kooperativ spielen und sich von schrägen Themen nicht ablenken lassen, sollten The Loop unbedingt mal ausprobieren.


Nova Luna

50 – Nova Luna (72)

Uwe Rosenberg hatte zwischenzeitlich wohl mal Langeweile und hat den Mechanismus eines Spiels von Corné van Moorsel genommen (Habitats) und ein neues Spiel daraus entwickelt. Das war dann sogar so gut, dass es für den Spiel des Jahres Preis nominiert wurde. Völlig zurecht wie ich finde, denn das Spiel ist richtig gut. Bei uns wird Nova Luna seit dem noch immer gespielt, wenn auch inzwischen seltener als früher und da wir wirklich selten abstrakte Spiele auf dem Tisch haben, ist das schon eine riesige Ausnahme, denn Nova Luna ist ein wirklich komplett abstraktes Spiel. Nach seiner Veröffentlichung spielten wir es sehr regelmäßig, was sich auch in der Platzierung in den Top 100 wiederspiegelte. Inzwischen ist es eine Konstante in meiner Top 100. Ich bin da auch ganz ehrlich, ich spiele Nova Luna sehr häufig auch Online. Warum? Da kann ich auch mal gegen jemanden spielen, der mit mir nicht den Boden aufwischt. Meine Frau ist einfach zu gut in Nova Luna. Wer hier zuerst durch cleveres Erfüllen der selbstgewählten Aufgaben all seine Holzscheiben loswerden kann ist der Gewinner und häufig verlangt das sofort nach einer Revanche. Nova Luna ist bei uns ein Dauerbrenner und wird das wohl auch noch ein Weilchen sein.


Draft & Write Records

49 – Draft & Write Records (NEU)

Bei Draft & Write Records kommt bei mir Einiges zusammen. Ich mag Musik als Thema für ein Spiel und ich mag Flip & Writes! Doppelcheck! Ich finde es sehr gut, dass es dieses Spiel zu uns auf den deutschen Markt geschafft hat, denn es ist ein wirklich guter Vertreter seines Genres. Draft & Write Records ist das Kennerspiel in diesem Sektor. Wem Hadrianswall zu komplex und die gängigen Standard Flip & Writes zu seicht sind, der fährt mit diesem Spiel genau richtig. Hier ist nicht alles so trivial, aber es ist auch einfach nichts zu komplex. Wir kümmern und um eine Band, müssen rundherum für alles sorgen. Sänger, Musiker, Techniker und auch auf der Management-Ebene muss es passen. Nebenbei gehen wir auf Tour, machen Albenaufnahmen und kümmern uns um Fans und das ganze Leben einer Band. Das Spiel ist ein Bonusfest mit jeder Menge Mikrobelohnungen und macht einfach einen Heidenspaß. Ketten von Belohungen reihen sich aneinander und du fühlst dich gut dabei, bis am Ende irgendwer besser abgeschnitten hat als du und du willst es sofort nochmal spielen, weil es gefühlt sehr viele Stellschrauben gibt es besser zu machen. Ich liebe es sehr.


Next Station: London

48 – Next Station: London (79)

Hier geht es explizit nicht um die gesamte Next Station Reihe sondern wirklich nur um den London-Teil. Es kämpft sich langsam wieder nach oben. Der erste Teil ist für mich auch der beste. Es ist eines der von mir am meisten gespielten Spiele der letzten Jahre. Ich bin generell Fan von Flip & Writes, weil sie meist unkompliziert und schnell gespielt sind. Du holst die Schachtel aus dem Schrank, nimmst dir ein Blatt vom Block und mischt die Karten. Los gehts! Next Station: London macht da keine Ausnahme und ich liebe es. Die Bunstifte und die Optik sorgen am Ende sogar dafür, dass der Zettel aussieht wie ein Streckenplan einer U-Bahn-Linie. Der Plan zeigt bereits verschiedene Stationen mit vier Symbolen und dazwischen sehr feine Verbindungslinien. Alles angeordnet in dreizehn Bezirke. Alle spielen parallel aber mit einer anderen U-Bahn-Farbe und zeichnen Linien von den Startpunkten zur jeweils aufgedeckten Stationsform. Die Linien dürfen dabei nur über die vorhergezeichneten Linien gehen und sich natürlich nicht kreuzen. Macht wirklich Laune und ist auch Online ein großer Spaß. Inzwischen gibt es drei Nachfolger, die nicht ganz das Niveau von London erreichen aber auch durchaus gute Spiele sind. Fast 400 Partien habe ich inzwischen gespielt und durch die Veröffentlichung des neuesten Teils wurden es auch hier wieder mehr, was die Platzierung erklären dürfte.


Morty Sorty Magic Shop

47 – Morty Sorty Magic Shop (NEU)

Wenn ich mir das Echo auf dieses Spiel so anschaue, dürften diese Platzierung jetzt nicht so wahnsinnig viele Leute verstehen. Das wiederum kann ich nicht verstehen, denn in meinen Augen ist Morty Sorty Magic Shop ein fast perfektes Familienspiel und hat die Nominierung zum Spiel des Jahres definitv verdient. Ich habe ihm sogar meinen Orden angeheftet, weil ich es so gut finde. Ich kann es mir nur so erklären, dass hier wieder die Vielspieler*innen am Werk sind, die das Spiel wahrscheinlich nicht einmal gespielt haben und denken das der Spielemarkt eben nur aus solchen Helden besteht. Das tut er aber überhaupt nicht und da sind wahnsinnig viele Gelegenheitsspieler*innen unterwegs die an diesem Spiel ihre Freude haben dürften. Die Menschen wollen Ordnung und die bekommen sie hier ein System was sie kontrollieren können. Einfach zu verstehen und zu absolvieren. Während des Spiels merken sie dann das die Aufgabe doch nicht ganz so trivial ist, wie sie sich das am Anfang vorgestellt haben und dann tritt der Ehrgeiz ein und das Spiel gewinnt mehr an Reiz. Ich bin zwar Vielspieler aber mir gefällt Morty Sorty richtig gut.


Arten Garten

46 – Arten Garten (NEU)

Arten Garten teilt das Schicksal vieler Spiele, die immer wieder mit einem anderen Spiel verglichen werden. Arche Nova ist ein tolles Spiel und das Werk von Mathias Wigge, der nach diesem Debüt mit Arten Garten ein weiteres Spiel in gleicher Optik und mit gleichen Thema nachschiebt um den Hype um seinen Erstling mitzunehmen. Arten Garten ist aber mehr als nur eine abgespeckte Version des Originals. eigentlich ist es ein gänzlich neues Spiel, dass sich eben nur des Themas und der Optik bedient. Okay na gut, der Hauptmechanismus ist dem von arche Nova nachempfunden und verschlankt worden. Mit eben diesem Mechanismus bauen wir auch hier wieder einen Zoo auf und müssen dafür sechseckige Kacheln auf unser Spielbrett legen. Während das in Arche Nova nur ein Teil von vielen ist, ist es hier exakt die Aufgabe die wir bewerkstelligen müssen. Die Kacheln stehen dabei in Abhängigkeiten und so hat Arten Garten mehr mit einem Stadtbauspiel gemein als mit Arche Nova. Arten Garten ist auch alles andere als seicht oder simpel, ist aber dennoch viel zugänglicher als der große Bruder und ich mag es inzwischen auch viel lieber .


Dorfromantik: Das Brettspiel

45 – Dorfromantik: Das Brettspiel (34)

Dorfromantik wurde völlig zu Recht mit mit dem Spiel des Jahres Preis ausgestattet, entschleunigt es auch in seiner Brettspiel-Variante den Alltag ganz erheblich. Als Computerspiel entstanden, war es während der Pandemie angetreten und eroberte die Herzen der Gamer*innen im Sturm. Das dieses Konzept auch analog funktioniert ist der beste Beweis. Ohne Wettbewerb wird hier zusammen eine Welt gebaut, die sehr idyllisch wirkt. Wälder, Felder, Wiesen und Dörfer, nur unterbrochen von Bahnstrecken und Flüssen finden wir da als Hexfelder verdeckt vor uns liegend. Wer an der Reihe ist deckt einen Auftrag auf, bis drei ausliegen und gibt uns vor, was wir versuchen müssen zu bauen. Zum Beispiel ein Wald aus vier Plättchen. Haben wir das erreicht, wird der Auftrag entfernt und wandert auf unser Punktekonto. Danach wird ein neuer gezogen. So spielen wir uns durch die Stapel aus Hexplättchen bis wir am Ende angekommen sind und die Punkte zählen. Wir versuchen uns dabei immer weiter zu steigern und tragen unsere Ergebnisse auf einem Kamapgnenblatt ein. Bei gewissen Fortschritten erhalten wir neues Spielmaterial und neue Aufgaben. So wird das Spiel immer umfangreicher und auch immer besser und fordernder. Eine ziemlich runde Sache, wenngleich auch nicht für jeden, denn das friedliche miteinander und „vorsichhinspielen“ ist nicht die Erfüllung für alle Spieler*innen. Bei uns hat Dorfromantik aber eingeschlagen wie die sprichwörtliche Bombe! Auch die Sakura-Variante ist ähnlich gut und könnte somit genauso hier in der Liste stehen. Ich unterscheide da nicht groß, so sollte es eher als Eintrag für das Franchise verstanden werden. Lasst aber bitte die Finger von der Duell-Variante.


Fantastische Reiche

44 – Fantastische Reiche (94)

Auch wenn es bei der Wahl zum Kennerspiel des Jahres 2021 chancenlos war, bei uns haben die Fantastischen Reiche einen dicken Stein im Brett. Das Spiel besteht nur aus einem Satz Karten, einer dünnen Anleitung und einem Punkteblock. Zum Glück haben wir die Frequenz etwas zurückgeschraubt, sonst wäre der Block inzwischen aufgebraucht. Das sagt schon einiges über dieses kleine Meisterwerk aus. Okay die Grafik ist nicht schön, häßlich gerade zu (da laß ich mich auch nicht von abbringen auch wenn es nach Fantasy aus den 80ern aussehen soll…), aber spielerisch ist hier alles auf einem tollen Niveau und dafür braucht es so wenig. Inzwischen gibt es sogar eine aufgehübschte Version, die ich selbst aber noch nicht in den Fingern hatte. Hauptächlich geht es hier um Karten die in irgendwelchen Abhängigkeiten zueinander stehen. Manche profitieren von anderen, wieder andere machen andere Karten schlechter und einige wollen wieder etwas ganz anderes. Alle Karten sind Punkte wert und bringen uns eventuell durch andere Karten weitere Punkte. Jeder zählt am Ende seine Punkte zusammen und wer die meisten hat gewinnt. Davor wird immer eine Karte gezogen und eine wieder abgelegt. Das Spiel ist beendet, wenn eine bestimmte Anzahl Karten in der Mitte ausliegt. Ende Gelände! Mehr ist nicht los in den fantastischen Reichen und der Absturz ist für mich nur damit zu erklären, dass es von ein paar anderen Spielen, die wir als kurze Füller benutzen, abgelöst wurde. Mittlerweile schwankt es stark hin und her in meinen Top 100.


Sherlock Holmes Beratender Detektiv

43 – Sherlock Holmes Beratender Detektiv (37)

Das Spiel hat einen neuen Namen erhalten. Früher hieß es Sherlock Holmes Criminal Cabinet. Als Kind und Jugendlicher habe ich dieses Spiel geliebt und mache das auch noch heute. Allerdings fühlt sich das Spiel nicht alt an und kann auch heute noch locker mit den Deduktionsspielen da draußen mithalten. Der Urvater dieses Genres steht nach wie vor hoch in meiner Gunst und ab und zu hole ich die alte Version aus dem Schrank, erfreue mich an dem Material, entfalte die Karte von London und versuche mich an die Fälle zu erinnern. Nach nun mehr so vielen Jahren kann man die Fälle ruhig mal wieder spielen haben wir uns gedacht und uns extra die aktuelle Version zugelegt. Ich bin Asmodee auch so dankbar dafür, das nun endlich der vierte Teil auf deutsch erschienen ist und hoffe weiterhin darauf, dass auch die Teile zwei und drei in der neueren Version für die Fans erscheinen werden. Pure Deduktion, ohne Schnörkel und Mechanik. Die braucht ein solches Spiel auch gar nicht wenn man es solo oder zu zweit spielt, was ich dringend empfehlen würde. Alles andere führt zu zuviel Verwirrung und zuviel Langeweile. Man bekommt Informationen über einen Kriminalfall und muss sich dann über diverse Hilfsmittel wie Zeitung, Karte, Telefonbuch und etliche neutrale Quellen die nächsten Anhaltspunkte suchen und besucht unterschiedlichste Orte, an denen dann neue Informationen erlangt werden können. So erschließt sich nach und nach der Fall, wenn denn die richtigen Schlüsse gezogen werden. Am Ende sollen Fragen beantwortet werden und ein Vergleich mit Sherlock Holmes ist vorgesehen, bei dem einfach immer der Kürzere gezogen wird… garantiert! Inzwischen gibt es auf deutsch auch eine weitere Box mit neuen Fällen und ich hoffe doch sehr, dass auch die anderen Boxen ihren Weg noch zu uns finden werden. Die alten Versionen sind einfach unbezahlbar geworden.


Patchwork

42 – Patchwork (50)

Uwe Rosenberg ist unbestritten ein Meister seines Fachs und vor allem auch ein Meister der verschrobenen, total normalen Themen. Wer würde denn schon auf die Idee kommen ein Spiel über Patchworkdecken zu machen? Klingt nicht so spannend? Ist es aber, denn Herr Rosenberg weiss ja meistens was er tut und verpackt diesen Wettbewerb zweier Spieler*innen, die beste Patchworkdecke herzustellen, in einen total faszinierenden Mechanismus der nur auf zwei Ressourcen beruht: Zeit und Knöpfen. Die Spieler*innen puzzeln sich hier eine Decke aus tetrisartigen, aber zum Teil viel größeren und unförmigeren Flicken zusammen, die alle sowohl Zeit, als auch Knöpfe kosten. Knöpfe bekommen die Spieler*innen an bestimmten Grenzen auf der Zeitleiste, auf der die Spieler*innen mit ihren Spielfiguren unaufhörlich voranziehen, unzwar in der Anzahl, wie sie in die Decke eingearbeitet wurden. Auf der Zeitleiste wird so weit voran gezogen, wie es das gekaufte Teil zeigt und das so lang, bis der Stein des Gegners überholt wird und der oder die Gegner*in wieder an der Reihe ist und neue Flicken kaufen und verarbeiten kann. Genialer Mechanismus für ein Zweispielerspiel. Gerne mehr davon Herr Rosenberg!


Captain Flip

41 – Captain Flip (68)

Captain Flip ist ein super simples Familienspiel das nur aus einer einzigen Handlung besteht, die wir jede Runde ausführen müssen. Wir ziehen ein Plättchen aus einem Beutel und müssen uns für die Seite entscheiden die wir sehen können oder dafür, ob wir es umdrehen wollen. Wir müssen dann aber nehmen was auf der anderen Seite zum Vorschein kommt. Dieses Plättchen bauen wir auf unserem Tableau ein, wo wir eine Piratencrew auf unser Schiff in fünf Reihen setzen. Jede Sorte von Pirat hat eine einzigartige Fähigkeit, die uns Punkte bringt, andere Plättchen beeinflusst oder uns sogar weitere Plättchen ziehen lässt. Wer am Ende die meisten Punkte hat gewinnt. Die Spielpläne haben dabei auch noch unterschiedliche Formate und Spaltenbelohnungen. So, fertig! Die Fähigkeiten sind alle auf einer Tafel zu sehen und mehr braucht es auch gar nicht um loszulegen. Dieses Familienspiel ist der absolute Wahnsinn. Schnell, witzig und spanned mit einer so kleinen Spielidee. Bei einer Partei bleibt es selten und für Abwechslung sorgen gleich vier unterschiedliche Tableaus mit ebenso unterschiedlichen Voraussetzungen. Die Nominierung zum Spiel des Jahres 2024 ist ein Beweis für die Zugänglichkeit und Qualität dieses Spiels.


Boss Fighters QR

40 – Boss Fighters QR (NEU)

Boss Fighters QR ist ein kleines Meisterwerk der hybriden Spielkunst. Ja, ich weiß an so etwas scheiden sich bekanntlich die Geister und ich kann nur jedem empfehlen sich von dieser rückwärtsgewandten Sturheit und Ablehnung zu entfernen und einem solchen Spiel mal eine Chance zu geben. Die App, die wir für Boss Fighters QR zwingend brauchen, ist top in das Spiel integriert und verwaltet die Bosse für uns, aber sie ist dennoch nicht mehr als ein Werkzeug, denn was wir machen und in welcher Reihenfolge wir spielen wollen, das bestimmen die Spieler*innen über ihre Fähigkeiten und Karten selbst, denn sie scannen QR-Codes dieser ein, um Dinge auszulösen. Das klappt so butterweich, das Boss Fighters QR schon bald einen Flow erreicht, in dem wir uns absprechen, taktieren und dann durch Fähigkeiten den Boss bekämpfen. Dabei ist es wie früher in WOW wenn du vor einem neuen Boss stehst. Du kennst seine Fähigkeiten noch nicht und musst sie dir durch Beobachtung erschließen. Das ist ganz großes Kino und ich kann es kaum erwarten weitere Bosse und neue Charaktere ins Feld zu führen gegen dieses coole System. Boss Fighters QR ist einfach nur gut und macht jede Menge Spaß und ist seit diesem Jahrgang ein Teil diser Topliste.


Azul

39 – Azul (38)

Azul ist für mich ein Phänomen. Ein Spiel das es seit Jahren schafft immer noch relevant zu sein. Ich habe das damals bei Erscheinen so nicht kommen sehen. Ich meine, es war in meinen Augen ein sehr gutes abstraktes Spiel, aber ich habe mir nicht ausgemalt welchen Status es einmal haben würde. Das Spiel des Jahres 2018 ist eines dieser Familienspiele, die sich ohne Weiteres mit fast jedem spielen lassen und reiht sich hier im oberen Mittelfeld ein. Hier haben sowohl Vielspieler*innen Bock drauf, als auch die Familie mit Kindern können jede Menge Spaß haben. Azul bleibt dabei thematisch zwar sehr abstrakt, macht aber allein wegen seiner schönen und wertigen Fliesen-Spielsteine optisch eine Menge her und weiß zu überzeugen. Die Spieler*innen versuchen ein Fliesenmuster an ihrer Wand anzubringen und draften mit einem ausgefeilten, und noch immer nicht langweiligen Mechanismus Fliesen von Manufakturen. Hierbei können wir uns verzocken und müssen aufpassen, dass wir möglichst alles, was wir ziehen auch an unsere Wände bringen müssen, denn der Ausschuss kostet uns eventuell wertvolle Punkte. Inzwischen gibt es weitere, leicht abgewandelte Versionen und jedes Jahr kommen neue hinzu. Ich aber bleibe beim Original.


Ein Fest für Odin

38 – Ein Fest für Odin (42)

Uwe Rosenberg hat hier wahrlich ein Meisterwerk geschaffen, das als komplexes Spiel wohl seine beiden berühmtesten Schaffensperioden miteinander verbindet. Zum einen mischt es seine leichten Puzzlespiele, die auch im Familienbereich für Furore sorgten, mit seinen anderen monströsen Worker-Placement-Titeln, zu einer sehr exklusiven Mischung, die ihres Gleichen sucht. Ein Spiel das trotz all seiner Komplexität und überfordernden Optik durch eine Eleganz im Spieldesign glänzt, die wirklich kaum erreicht wird. Uwe Rosenberg hat viele Spiele geschaffen, die von vielen Menschen als Meisterwerke bezeichnet werden, aber Ein Fest für Odin ist definitv die Krone. Uwe Rosenberg ist ein Meister seines Fachs und ich bin ein großer Fan. Ich spiele eigentlich alles von ihm, bin aber inzwischen nicht mehr ganz so oft mit sehr komplexen Titeln unterwegs. Deswegen tauchen inzwischen fast nur noch etwas seichtere Titel von ihm weiter oben auf. Ein Fest für Odin ist für mich dennoch eines seiner besten Spiele, weil es so toll seine beiden Schaffensperioden miteinander verbindet. Ich bin auch immer noch sehr gespannt, ob er sich bald ein weiteres Feld erschließt, das er mit älteren Elementen verheiratet. Dieses Spiel ist ganz großes Kino.


Klong! Legacy

37 – Klong! Legacy (23)

Klong! Legacy hat uns vor nun schon über vier Jahren so unfassbar gut gefallen, dass ich es jederzeit glatt nochmal spielen würde. Meine Frau und ich sind wirklich große Klong!-Fans. Wir lieben es und haben viel Extrazeug für das Spiel, aber Klong! Legacy hebt das Spiel nochmal auf ein völlig neues Level. Wir haben es sehr schnell durchgespielt und hatten soviel Spaß dabei. Der Humor ist gelungen und auch spielerisch setzt es dem „normalen“ Klong! noch einen drauf. Legacyspiele sind immer so eine Sache, aber hier wurde alles richtig gemacht. Klong! Legacy lässt sich ganz normal weiter benutzen, wenn du denn Lust hast mit all dem Extrazeug zu spielen, aber warum nicht? Ich habe nun schon einige Legacyspiele absolviert und durchaus auch schon welche abgebrochen, weil sie schlichtweg langweilig wurden. Hier kann ich behaupten, dass es das mit Abstand beste Legacy Erlebnis war, das ich bisher erleben durfte. Bei keinem anderen Spiel würde ich zudem sagen, ich würde es nochmal spielen wollen. Das spricht für die Qualität. Natürlich ist mir auch klar, dass es den Gang eines jeden Legacy-Spiels gehen wird, sobald die Erinnerungen verblassen. Es wird langsam aus den Top 100 ausschleichen aber wir hoffen schon lang auf die Fortsetzung, die wahrscheinlich nächstes Jahr kommen könnte.


Wonderlands War

36 – Wonderlands War (22)

Wonderlands War kann sich nun auch schon seit geraumer Zeit hier halten. Nicht weil wir es besonders oft spielen würden, was ich sogar Schade finde, denn ich würde es liebend gern viel öfter spielen, nein weil es, wenn es auf den Tisch kommt immer erinnernswerte Momente schafft. Das Spiel war schon vor Jahren in unseren Fokus gerutscht. Zum einen wegen der unfassbaren Optik und zum anderen wegen dem doch recht besonderen Spielprinzip. Das Spiel wurde hervorragend auf deutsch umgesetzt und ich kenne kaum ein Spiel bei dem die Fassade so unglaublich gut aussieht, dass du nach all dem Kickstarter-Blödsinn echt denken könntest, das hier wäre auch nur so ein typischer Blender. Aber weit gefehlt! Wonderlands War ist ein überraschend zugänglicher Mix aus diversen Mechaniken, der uns thematisch ganz tief in den Kaninchenbau zieht. Alice im Wunderland wird hier durch jedes Atom erzeugt. Alles ist knallbunt und kaugummisüß. Spielerisch versuchen wir die Länder des Wunderlands zu kontrollieren und uns gegen die anderen Spieler*innen durchzusetzen. Wir sitzen bei der Teeparty und versorgen uns mit Ressourcen, bevor wir unsere Truppen in den Ländern in Stellung bringen und durch einen Push Your Luck Mechanismus wie bei den Quacksalbern die Kämpfe zu gewinnen. Ein riesengroßer Spaß und ein wirklich gelungenes Spiel.


Die verlorenen Ruinen von Arnak

35 – Die verlorenen Ruinen von Arnak (RE)

Einer der größten Hypetitel der letzten Jahre neben Dune: Imperium und Arche Nova, kam natürlich auch bei uns auf den Tisch. Wenn auch, wie man sagen muss, erst recht spät. Meiner Meinung nach war der Hype zwar nur bedingt gerechtfertigt, weil Arnak für mich auf gar keinen Fall ein Überspiel ist, das mit allen anderen den Boden aufwischt. Das ist es sicherlich nicht, aber es macht eben auch eine ganze Menge so richtig und vermischt gekonnt ein paar Mechaniken, die gut zusammen funktionieren und zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, noch nie kombiniert wurden. Die Verlorenen Ruinen von Arnak löst bei mir eine seltsame Faszination aus und lässt ein Gefühl der Vertrautheit zurück, dem ich immer wieder gerne nachgebe. Es macht einfach Spaß und fühlt sich ein wenig wie nach Hause kommen an. Ich kann es nicht anders beschreiben. Ein Kennerspiel mit vielen kleinen Details und einem moderaten Schwierigkeitsgrad, das mich oft ratlos aber immer glücklich zurücklässt. Inzwischen ist auch die Expeditionsleiter-Erweiterung erschienen und macht das Spiel tatsächlich nocheinmal besser. Ohne diese Erweiterung würde ich Arnak heute gar nicht mehr spielen wollen. Tolles Spiel mit toller Optik, tollem Material und fantastischer Anleitung, welches sich in diesem Jahr fulminant in den Top 100 zurückmeldet.


Dune: Imperium

34 – Dune: Imperium (43)

Es ist tatsächlich reiner Zufall, dass Dune: Imperium in der Top 100 direkt benachbart zu Die verlorenen Ruinen von Arnak ruht. So eng beieinander waren die beiden Spiele hier noch nie. Was ja interessant ist, da sie immer wieder verglichen werden. Lange habe ich gebraucht, bis ich Dune: Imperium überhaupt ausprobieren konnte und seitdem verstehe ich den Rest der Welt, die dieses Spiel so doll abghefeiert haben, sehr viel besser. Paul Dennen ist ein Meister des innovativen Deckbaus und der daraus resultierenden anderen Mechaniken. Meine Frau würde das Spiel vom Prinzip her total lieben, nur das Thema stößt sie ab. Die Kartenmechanik mit den verschiedenen Erträgen beim Kaufen und Ausspielen und den Symbolen, die bestimmen auf welchen Feldern ich meine Worker einsetzen darf, ist einfach nur großartig. Auf lange Sicht wird dieses Spiel wohl noch weiter nach oben klettern, da bin ich mir heute schon ganz sicher und ich habe gerade erst an der Oberfläche gekratzt, wenn ich mir die ganzen Erweiterungen anschaue. So wie es ist, ein Topspiel mit Science Fiction IP. Das gleiche Spiel mit einem anderen Thema versehen und wir würden zu hause erst mal nichts anderes mehr spielen, da bin ich mir sicher.


Baumkronen

33 – Baumkronen (24)

Baumkronen von Tim Eisner und KOSMOS ist für viele nach wie vor eine Überraschung. Viele haben das Spiel nicht auf der Rechnung und es nur für ein weiteres 2 Personenspiel gehalten. Für eifrige Leser*innen dieses Blogs ist es aber anders, denn ich habe Baumkronen bereits mit einem Prädikat geehrt und halte es nach wie vor für ein bärenstarkes Spiel für zwei Personen. Das kam zwar auch für mich überraschend, denn ich hatte nicht erwartet ein so gutes Spiel vorzufinden, aber es ist eine völlig verdiente Auszeichnung. Auch Baumkronen macht aus sehr wenigen Mitteln sehr viel Spiel. Set Collection und Kartendrafting sind keine besonders neuen und innovativen Mechanismen und doch funktionieren sie hier so wunderbar zusammen. Die beiden Spieler*innen versuchen einen Regenwald aus Pflanzen und Tieren zusammenzudraften. Beide starten mit jeweils einem Baumstamm und versuchen über drei Durchgänge hinweg weitere Karten zu finden aus denen sie etwas machen können. Da kommt das Set-Collection-Element ins Spiel. Manche Karten funktionieren als Pärchen, andere müssen in gerader oder ungerader Zahl vorhanden sein. Alle Register werden hier gezogen. Tiere bringen Spezialfähigkeiten mit und große, aus mehreren Karten bestehende, Bäume können massive Punktelieferanten sein. Der Clou ist hier aber das Drafting. Zu Beginn einer Runde liegen drei Stapel verdeckt in der Mitte. Der erste besteht aus einer Karte, der zweite aus zwei und der dritte aus drei. Wer an der Reihe ist, sieht sich den ersten an und nimmt ihn oder geht weiter zum nächsten. Anschleißend wir einer Karte auf den verschmähten Stapel verdeckt gelegt. Das ist auch schon alles. So draften sich die Kontrahenten durch die drei Stapel und versuchen zu Punkten. Simpel aber effektiv und für mich definitv eines meiner liebsten Spiele für Zwei.


Dungeon Designer

32 – Dungeon Designer (39)

Ähnlich wie mit Baumkronen, ist es auch mit Dungeon Designer, welches für viele eine Überraschung darstellt. Dieses Spiel ist viel zu gut als das es so sehr unter dem Radar fliegen dürfte. Ich vermute es könnte am äußeren Erscheinungsbild liegen, denn das Cover sieht einfach nicht ansprechend aus und auch die Optik des Spiels wirkt ein wenig altbacken. Aber hier gilt definitv nicht das Buch nach seinem Umschlag bewerten, sondern mal etwas tiefer damit beschäftigen. Wer die anderen Spiele des Role Player Universums kennt, wird sich hier optisch durchaus wohlfühlen. Bei uns kam es immer sehr gut an und wurde in den Spielrunden immer nur gelobt. Die vielen kleinen Möglichkeiten um Punkte zu machen und die ganzen Dinge auf die du achten musst, um möglichst erfolgreich aus einer Partie hervorzugehen, sind einfach wunderbar. Dungeon Designer agiert auf seichtem Kennerniveau, ist aber nie zu fordernd, so dass auch Spieler*innen, die sonst eher auf Familienspiele stehen hier ihren Spaß haben. Thematisch bauen wir hier einen Dungeon und stehen mit unseren Mitspieler*innen in Konkurrenz. Die hohe Platzierung ist verdient und könnte in Zukunft noch ausgebaut werden. Allerdings, wie gesagt, hat dieses Spiel bisher keinen großen Anklang bei einer breiteren Masse gefunden, so dass es vielleicht schneller als gedacht wieder die Regale verlässt.


Zug num Zug Legacy: Legenden des Westens

31 – Zug um Zug Legacy: Legenden des Westens (33)

Kaum verändert in dieser Liste zeigen sich die Legenden des Westens, über die ich natürlich nicht sonderlich viel preisgeben kann und will, außer das ich es großartig finde. Ein Legacyspiel von Zug um Zug traf mich gänzlich unerwartet, denn obwohl ich ein riesiger Zug um Zug Fan bin, ist es nicht das erste Spiel das mir einfallen würde, um davon eine Legacy-Version zu basteln. Außerdem überraschte mich dann aber die exorbitante Qualität des Spiels, dass uns auf ganzer Linie überzeugen konnte. Natürlich wird hier nichts gespoilert, aber von Beginn an war schon klar, dass hier einiges ein wenig anders läuft als bei Zug um Zug üblich und dennoch ist das Spielprinzips des Originals mehr als deutlich zu erkennen. Ich kann und will hier natürlich nicht deutlicher werden, aber das müsst ihr euch, wie bei vielen Legacy-Games, selber anschauen und ich kann nur sagen, dass sich die Erfahrung für meinen Geschmack, als langjähriger Fan des Originals, sehr gelohnt hat. Auch trotz des Preises, eines der besten Legacyspiele die ihr finden könnt. Vielleicht nicht das innovativste, aber eines mit ganz viel Liebe für die Fans. Legacyspiele sorgen, wenn ihr sie durchhaltet, immer für tolle Momente.


Bomb Busters

30 – Bomb Busters (25)

Bomb Busters ist eine Wucht. Ich mag selten Spiele mit eingeschränkter Kommunikation, weil sie mir oft den Spielspaß am Tisch zu sehr einschränken. Spiele, die wie Bomb Busters diese Mechanik aber gekonnt und wohldosiert einsetzen sind herrlich. Wieder einmal ein kooperatives Spiel, bei dem wir allerdings diesmal zusammen Bomben in Form von kleinen Kabelplättchen entschärfen müssen. Diese stehen aufgeteilt vor den Spieler*innen auf einem Bänkchen, so dass niemand sonst sie sehen kann. Es müssen Paare mit gleichen Werten gefunden werden. Das lässt sich durch ein paar Hinweise und einige spielerische Mittel der Spieler*innen deduzieren. Für die Spannung sorgen rote und gelbe Kabel, die wir nicht durchschneiden dürfen, sonst haben wir verloren. In insgesamt 66 Missionen, die aufeinander aufbauen können wir uns versuchen. Schachteln mit weiterem geheimem Spielmaterial sorgen für den gewissen Reiz vorankommen zu wollen. Die Spannung ist groß wenn alle am Tisch sitzen und Bangen und Hoffen das nicht das falsche Kabel genannt wird. Ein wirklich großer Spaß für die ganze Familie und ein tolles Spiel das auch bei uns gerne auf den Tisch kommt.


Die Gilde der fahrenden Händler

29 – Die Gilde der fahrenden Händler (28)

Ebenfalls kaum bewegt hat sich Die Gilde der fahrenden Händler. Das Spiel hat zwar einen bescheuerten Titel und wirkt auf den ersten Blick auch ein wenig umständlich, ist aber dennoch ein sehr gelungenes Spiel und hat sich seinen Platz hier hart erarbeitet. Wir haben es in jeder Konstellation gespielt und es kam immer gut an, trotz der kleinen Umständlichkeiten. Seit den ersten Bildern war ich fasziniert von diesem Spiel. Im Grunde ist Die Gilde der fahrenden Händler ein Flip & Write, nur dass wir hier nichts notieren sondern auf unserem Tableau kleine Würfelchen und Plättchen auslegen. Das macht insofern Sinn, dass wir dieses Spiel über mehrere Runden spielen und Zwischendurch immer wieder fast alles von unserem Tableau abräumen. Wir können aber in späteren Runden von neuen Handelspunkten aus weitermachen. Dabei entdecken wir die Welt und versuchen alte lang vergessene Handelspunkte und Routen wieder zu errichten. Das ganze Spiel wird über einen kleinen Satz Karten gesteuert, der durch individuelle Fähigkeiten der Spieler*innen ergänzt wird. Diese Karten mit ihren Fähigkeiten machen das Spiel zu dem was es ist und zurecht auch zu einem Kandidaten für das Kennerspiel des Jahres.


Die Quacksalber von Quedlinburg

28 – Die Quacksalber von Quedlinburg (35)

Die Quacksalber von Quedlinburg gehören zu den besten Werken des Wolfgang Warsch, der inzwischen seit Jahren in der Spieleszene für Furore gesorgt hat. Dieses Spiel hat gerade international sehr viele Anhänger gefunden. Ich persönlich mag es ebenfalls sehr gerne, auch wenn ich ständig gegen meine Frau verliere. Das Spiel setzt auf einen Backbuilding-Mechanismus, bei dem es im Endeffekt nur darum geht sein Glück herauszufordern. Leider gibt es viele Spieler, die bei dem Wort Glückselement gleich abdrehen und sich solchen Spielen spontan verschließen, was ich nicht immer nachvollziehen kann. Denn sich dem Glück zu stellen kann mitunter auch sehr taktisch sein. Ähnlich dem Pokerspiel geht es bei den Quacksalbern von Quedlinburg letztlich um die Berechnung von Wahrscheinlichkeiten und wie damit umgegangen wird. Natürlich kann am Ende trotzdem Pech im Spiel sein, aber das gehört dazu. Ich finde es macht Spaß zu versuchen sich eine Strategie zurechtzulegen, welche der im Spiel befindlichen Zutaten am besten miteinander harmonieren, um so die besten Synergien zu erhalten. Und genau hier bietet das Spiel eine Menge an Wiederspielreiz, denn es kommt für viele der Zutaten mit mehreren Varianten daher, wie sie sich im Spiel verhalten. Manche bringen uns Bonusbewegungen, andere lassen uns weitere Zutaten ziehen und wieder andere ermöglichen es uns Zutaten in den Beutel zurückzuschmeißen. Auf der Hut sein heisst die Devise, denn wenn Knallerbsen mit einem Wert von insgesamt sieben gezogen werden, explodiert der Kessel und wir bekommen nur Zutaten oder Siegpunkte, aber nicht beides. Mit den beiden Erweiterung wird das Spiel sogar noch ein wenig besser, aber auch komplexer und sogar ein wenig interaktiver. Insgesamt gibt es zwar viel zu überblicken und viele verscheidene Möglichkeiten, aber das Spiel ist auch für ambitionierte Familienspieler gut geeignet.


Flossenschlag

27 – Flossenschlag (NEU)

Da hat eine Wachablösung stattgefunden. Flossenschlag ist der nächste Versuch von Stonemaier Games das Flügelschlag-Franchise zu erweitern und nach dem meiner Meinung nach enttäuschenden Schwingenschlag haben sie mit Flossenschlag genau in die richtige Kerbe geschlagen. Fische sind ebenfalls sehr vielfältig und geben eine Menge Stoff für Erweiterungen und passende Spielmechaniken her. Darüber hinaus ist ihnen mit diesem Spiel ein Kunststück gelungen, was nur selten gelingt. Sie haben das Spielprinzip abgewandelt, so dass es einfacher zu erlernen und verstehen ist, sich flotter und etwas knackiger spielen lässt und dennoch absolut nichts von der Komplexität und Spieltiefe verliert. Hier wurde das geschafft, was sie bei Flügelschlag im nachhinein versuchten zu erreichen. Flossenschlag ist toll und so zugänglich, dass es mich Flügelschlag eigentlich komplett vergessen lässt. Nur die Vielfalt der Fischkarten ist bisher noch überschaubar und das ist schade, denn hier pflügen sich die Spieler*innen mal so richtig durch den Kartenstapel. Mal schauen was da noch kommt aber bisher bin ich total begeistert.


Black Rose Wars

26 – Black Rose Wars (31)

Schade das Black Rose Wars so selten auf den tisch kommt, denn du musst dir wirklich ein wenig Zeit dafür nehmen. Black Rose Wars hat meine Frau und mich total von den Socken gehauen. Ich habe eigentlich gar nichts von dem Spiel erwartet, denn um ehrlich zu sein, habe ich eine überproduzierte Kickstarter Arie erwartet, bei der das Material über das viel zu seichte Gameplay hinwegtäuscht. Denn Black Rose Wars ist im Grunde ein Duellspiel, bei dem wir uns gegenseitig bekämpfen. Aber hier ist alles anders als gedacht. Das tolle Material ist nur die Garnitur für diesen spielerischen Leckerbissen. Ja wir beulen uns als versierte Magiere in dieser Keilerei durch die Räume unserer Akademie (der Black Rose), deren neuer Dekan wir werden wollen. Dabei lernen wir Zaubersprüche aus verschiedenen Schulen erst während der Partie und bauen uns ein Kartendeck zusammen. Die Karten die wir ziehen, müssen wir dann quasi programmieren und Aktionen unserer Gegenspieler*innen erahnen. Besiegen wir einen gegnerischen Magier, so wird dieser in seine Kammer zurückgeschickt und startet dort von neuem. Wir erhalten Punkte dafür, genauso wie für das Zerstören der Räume der Akadaemie. So ist es möglich in diesem Spiel zu gewinnen ohne einen gegnerischen Magier auszuschalten, sondern nur möglichst viel Schaden anzurichten. Das Konzept funktioniert wunderbar und macht unheimlich viel Spaß. Ein tolles Spiel mit vielen tollen Erweiterungen, die ebenfalls sehr gelungen sind. Wir können uns hier natürlich nicht nur zu zweit auf die Nuss geben, denn dieser Kampf funktioniert auch für mehr Spieler*innen. Leider schaffen wir es zeitlich seltener Black Rose Wars auf den Tisch zu bekommen, denn Aufbau und Spiel an sich brauchen wie eingangs erwähnt schon etwas Zeit.


Eine Wundervolle Welt

25 – Eine Wundervolle Welt (15)

Inzwischen hat sich eine Eine Wundervolle Welt als feste Bank installiert und muss sich eigentlich glücklich schätzen überhaupt hier gelandet zu sein, denn normalerweise wäre ich glatt an ihm vorbeigelaufen. Optisch ist Eine Wundervolle Welt zum abgewöhnen und stößt mich sogar eher ab. Es wirkt wie ein zynisch, dystopisches Spiel, in dem es um Fortschritt oder militärische Zerstörung der Welt geht und lässt mich daher tatsächlich thematisch völlig kalt. Lassen wir allerdings die Artworks der Karten und das Szenario außen vor, so erwartet uns hier rein mechanisch eines der besten Drafting und Engine-Building-Spiele auf Kennerniveau die es überhaupt gibt. Die Karten stellen Projekte dar, die wir erst bauen müssen. Wir draften diese Karten zu Beginn einer Runde und müssen uns dort schon entscheiden, welche Projekte wir in Zukunft eventuell bauen wollen und welche Karten wir eher als Bezahlung ausgeben möchten, denn Karten geben uns einmalig Rohstoffe in Form von farbigen Würfeln die wir für den Bau ausgeben müssen. Die gebauten Projekte produzieren dann ihrerseits wieder Rohstoffe, die wir ebenfalls ausgeben können. Soweit so gewöhnlich, aber der Clou ist, das die Rohstoffe in einer festgelegten Reihenfolge produziert werden und wir damit in Zwischenschritten weitere Projekte innerhalb einer Runde fertigstellen können, die dann sofort in die Produktionskette einsteigen. Das ganze Spiel geht nämlich nur vier Runden lang. Eine wundervolle Welt ist ein faszinierend tolles Spiel, bei dem in jeder Partie aufs neue harte Entscheidungen getroffen werden müssen. Dabei bleibt es immer verständlich und gut spielbar. Es wird gar nicht soviel gemacht, aber das was gemacht wird, will gut überlegt sein, um viel aus der Mechanik herauszuholen. Auch im Solomodus ein Kleinod mit tollem Mechanismus und in den Erweiterungen sogar mit jeweils kleiner Storykampagne. Eine wundervolle Welt sollte jede*r mal gespielt haben.


Reisende des Südtigris

24 – Reisende des Südtigris (20)

Die aus meiner Sicht zunächst recht maue Nordsee-Reihe, konnt noch nicht Vollends überzeugen, setzte jedoch mit Räuber der Nordsee ein ganz dickes Ausrufezeichen in der Spielelandschaft. Mit der Westfranken-Reihe beseitigten die beiden Autoren dann aber jegliche Zweifel und wischten mit der Konkurrenz den Boden auf. Sie überzeugten durch innovative Ideen und durch tolle Optik und vor allem eingängige Symbolsprache, die sich sogar spielübergreifend verstehen lies. Die Rede ist von Shem Phillips und S J Macdonald oder auch Garphil Games. Die dritte Serie, die Südtigris-Trilogie ist aus meiner Sicht wieder deutlich differenzierter zu betrachten. Reisende des Südtigris ist das erste Spiel dieser Reihe und ist aus meiner Sicht das beste dieser Reihe, die sich ansonsten in Komplexität zu überbieten versucht , was ihr leider nicht so gut steht. Die Reisenden erreicht nahezu das Niveau eines Paladine des Westfrankenreichs, auch wenn es natürlich mal wieder völlig anders ist und trotzdem in eine ähnliche Kerbe schlägt. Hier bauen wir uns ein massives Tableau aus Karten zusammen, dass unsere Reisen und Entdeckungen repräsentiert. Der Clou an diesem Spiel sind die Arbeiter, die es in drei verschiedenen Farben gibt und mit denen wir Aktionen am Spielbrett auslösen, indem wir sie auf die dazugehörigen Karten ablegen. Sobald wir eine Karte erwerben, erhalten wir auch die Arbeiter. So kommt es vor, dass wir zeitweise gar keine Arbeiter mehr haben, wenn wir uns nicht die entsprechenden Karten kaufen. Die Arbeiter werden also zum Allgemeingut. Richtig gut und für mich der beste Teil der Südtigris-Reihe.


Castle Combo

23 – Castle Combo (10)

Für mich ist Castle Combo das Spiel des Jahres 2024 und ist fulminant in meine Top 10 eingestiegen. In diesem Jahr fliegt es da direkt wieder raus, aber das liegt nicht daran, dass ich mich in dem Spiel getäuscht hätte, nein, Castle Combo ist toll, aber ich habe es fast schon zu oft gespielt. Die Liebe für dieses Spiel begann auf der Boardgamearena, wo das Spiel bereits auf deutsch verfügbar war, lange bevor es im Frühjahr des letzten Jahres auf deutsch bei KOSMOS für den Tisch erschien. Bis dahin hatte ich schon so viele Partien gespielt und empfand das kleine, aber sehr feine Spiel als das beste des Jahres 2024 ansah. Seit dem spielte ich es auch analog rauf und runter und bin immer wieder fasziniert, wie viel sich aus den limitierten Möglichkeiten von zwei kleinen Kartenstapeln herausholen lässt. Wir bauen uns in diesem Spiel ein kleines Königreich aus 9 Karten auf. Vielmehr aus Personen die zu bestimmten Bevölkerungsgruppen gehören. Darüber hinaus leben sie entweder im Dorf oder der Burg. Das wird durch zwei Kartenstpael und Auslagen repräsentiert. Der Herold, eine Spielfigur zeigt uns die Auslage an, die wir in unserem Zug benutzen müssen. Wir können ihn auch umsetzen, aber das kostet punktebringende Ressourcen. Die Karten der Bewohner ordnen wir in unserer Auslage in einem 3 mal 3 Raster an und müssen duch Positionierung die meisten Punkte herausholden. Die Fähigkeiten der Karten sind so ausgerichtet, das es verschiedenste Möglichkeiten gibt Punkte zu machen und so bleibt das Spiel von Partie zu Partie spannend, weil die Auslagen begrenzt sind, meine Möglichkeiten begrenzt, aber die Tiefe meiner Entscheidungen doch sehr weitreichend. Ich mag das. Nur nicht mehr ganz so dolle wie im letzten Jahr.


Cascadia

22 – Cascadia (52)

Cascadia ist zurück! Für mich hat es nichts von seiner Faszination verloren und doch überrascht der neuerliche massive Anstieg in dieser Liste. Das liegt vor allem daran, dass ich das Spiel auch inzwischen Solo ausprobiert habe und auch an dieser Stelle total begeistert von ihm bin. Es wird zu einem Dauerbrenner, der inzwischen auch mit einer Erweiterung bedacht wurde, die es meiner Meinung nach aber gar nicht braucht. Es gehört immer noch zu den meistgespielten Spielen der letzten Jahre und wurde völlig zu Recht als Spiel des Jahres ausgezeichnet. Vor einigen Jahren habe ich es als das neue Azul bezeichnet, aber diesen Beweis muss es erst noch erbringen. Cascadia ist ein Legespiel mit Pfiff, dass auf zwei Ebenen agiert und daraus seinen eigenen Reiz zieht. Wir müssen jede Runde sowohl ein Tier- als auch ein Landschaftsplättchen in unsere Auslage einbauen. Beides belohnt uns am Spielende mit Punkten. Während die Landschaften einfach nur in möglichst große zusammenhängende Gebiete ausgelegt werden müssen, wollen die Tiere in bestimmten Kombinationen ausliegen und bringen nur dann Punkte, wenn wir die Voraussetzungen erfüllen. Sehr einfach, familienfreundlich und doch mit Tiefgang ist Cascadia der neue Superstar am Familienspiel Himmel. Ich spiele es ausgesprochen gern und so ist es für mich zu einem Wohlfühlspiel geworden. Eine Partie Cascadia geht einfach immer.


Königreich Legacy: Feudale Welt

21 – Königreich Legacy: Feudale Welt (21)

Dieses Spiel hat mich zeimlich erwischt und bei mir alle Kästchen mit Haken versehen. Ich mag Legacy-Spiele. Check! Ich stehe auf Kartenspiele. Check! Ich mag Solospiele. Check! Und ich mag Spiele bei denen ich im Kern etwas entwickle, etwas Aufbaue und da bin ich bei diesem Spiel einfach goldrichtig. Königreich Legacy lässt dich ein Königreich mit Karten in einem Deck errichten. Du baust Gebäude, entdeckst Landschaften und siedelst Personen an und dann versuchst du diese immer besser werden zu lassen. Alles passiert virtuell und du gibst deine Rohstoffe sofort wieder aus, wenn du sie erhältst. Am Ende der Runde sind sie sonst weg. Ein Zug endet immer, wenn ich aktiv etwas verbessere. Zum Verbessern werden die Karten im Deck rotiert oder gedreht. Ein Prinzip das mir schon in Palm Island gut gefiel. Königreich Legacy ist nur viel epischer angelegt. Ich entdecke von Partie zu Partie immer neue Karten, die meinen Kartenstapel erweitern. Dieses Spiel ist toll und für 15 Euro bekommst du hier echt etwas geboten. Ich Spiele es gerade zum dritten Mal mit allen bisher erschienenen Erweiterungen. Lasst euch nicht täuschen. Die Schachtel ist klein, unauffällig und bieder. Gibts auch Nachteile? Ja, die KI-Artworks sollten nicht unterstützt werden und ich wäre glücklicher wenn das Spiel gezeichnete Illustrationen aufweisen würde und nicht von einem Verlag kommen würde indem sich fragwürdige Menschen aufhalten würden. Das Spiel aber ist großartig.


Slay the Spire: Das Brettspiel

20 – Slay the Spire: Das Brettspiel (29)

Wer das Computerspiel kennt auf dem dieses Meisterwerk basiert, weiß das auch dieses ein Meisterwerk ist. Nun sind gemeinhin Umsetzungen von Video- und Computerspielen selten von hoher spielerischer Qualität geprägt. Die Vorzeichen hier sind aber ein wenig anders, denn das Computerspiel behandelt bereits einen Deckbuilder. Ein Genre also das ursprünglich aus unserer analogen Spielwelt stammt und hier digital eine äußerst gute Figur abgibt. Natürlich wird hier auf Dinge zurückgegriffen, die nur an einem Computer möglich sind. Wie zum Beispiel zufällige Effekte, die sich auf bestimmte Karten im Deck beziehen, die analog einfach zu aufwendig wären. All das wurde hier aber sehr gut abgebildet, sehr detailgetreu und vor allem intelligent umgesetzt. Wo Elemente nicht gehen wurden sie entweder konsequent weggelassen und wo sie angepasst werden mussten, wurden sie dem spielerischen konzepten unterworfen und vor allem extrem sinnig skaliert, so dass hier kein ausuferndes Werk sondern eine Umsetzung für den heimischen Spieltisch gemacht wurde, die mehr auf den Punkt nicht sein könnte. Um dem ganzen aber die Krone zum Meisterwerk aufzusetzen, wurde das Brettspiel sogar noch sinnvoll erweitert. Während der Computerspiel-Klassiker nur für eine*n Spieler*in allein zu spielen ist, wurde hier ein fantastischer kooperativer Modus entwickelt, der das Spiel für bis zu vier Spieler*innen gleichzeitig zu einer super Erfahrung macht. Hut ab vor diesem Spiel.


Mischwald

19 – Mischwald (6)

Ich habe wirklich keine Ahnung, woran es ganz genau liegt, aber mir scheinen Spiele, in denen ich mich auf bestimmte Situationen erst im Verlauf des Spiels einstellen muss immer sehr gut zu gefallen. Wahrscheinlich mochte ich deshalb früher beim Magic auch immer die Booster Drafts am liebsten und stehe heute auf Deckbuilder. In den letzten Jahren gab es aber auch immer wieder Brettspiele, die durch einen großen Kartenpool zu begeistern wussten und bei denen ich am Anfang noch nicht genau weiß, wo ich am Ende landen werde. Diese Spiele fordern mich ähnlich und ich habe eigentlich immer Bock drauf. Kosch hat mit Mischwald einen weiteren dieser Kandidaten geschaffen. Das Spiel liefert zwar, wenn du es viel gespielt hast ein paar Taktiken, die erfolgversprechender sind als andere, dass heißt aber ja immer noch nicht, das du die entsprechenden Karten bekommst und wenn dem nicht so sein sollte musst du umdisponieren, um nicht chancenlos zu sein. Es kommt also auf deine Mitspieler*innen an und wie die Karten zu Vorschein kommen. Aber Mischwald bietet da tatsächlich noch ein wenig mehr, denn hier ist sogar die Spieler*innenzahl entscheidend. Spielst du zu zweit ist es am ausgewogensten und du kannst tatsächlich versuchen eine Taktik durchzuziehen, die du dir zuvor zurecht gelegt hast. Zu dritt musst du situativ spielen und zu viert herrscht ein wenig mehr Chaos und du solltest zusehen einfach so viele Punkte zu erspielen wie möglich bevor das Spiel einfach zu Ende ist. Ich liebe dieses Spiel und finde jede neue Erweiterung spannend. Leider muss ich sagen, dass mit jeder eigenständigen neuen Version von Mischwald die erscheint mein Interesse immer weiter abnimmt, was den kleinen Fall aus den Top 10 erklären könnte.


Kavango

18 – Kavango (NEU)

Und wieder eines dieser Spiele mit massivem Karteneinsatz. Kavango ist nur der zweithöchste Neueinsteiger in dieser Topliste. Schmidt Spiele brachte im letzten Jahr dieses von mir lang erwartete Spiel auf den deutschen Markt. Kavango war mir vor geraumer Zeit bereits ins Auge gesprungen. Ich bin ja generell ein Fan von Drafting-Spielen und je größer und umfangreicher, desto besser für mich. Bei Kavango haben wir es mit jede Menge Tierkarten zu tun die im natürlichen Umfeld im Kavango miteinander in Beziehung stehen. Über drei Runden draften wir Tiere für unser eigenes Tableau, unterstützen Projekte und versuchen Ziele zu erreichen. Die Karten verfügen dabei über bestimmte Merkmale, die vor allem über ihre Art und ihr Ernährungsverhalten bestimmt werden. Die Karten haben gar keine aktivierbaren Effekte sondern bringen uns einfach „nur“ Punkte und dienen eventuell als Voraussetzung für weitere Karten. Mehr ist Kavango eigentlich nicht. Ein Drafting-Spiel für Familien auf einem Niveau, das auch Vielspieler*innen Spaß bringt. Kam bei uns sehr gut an und wurde gleich wiederholt gespielt. Auch wenn hier keine verzahnten Mechaniken am Start sind, das was Kavango will macht es richtig gut und sorgt für diese durchaus hohe Platzierung.


Tapestry

17 – Tapestry (8)

Auch Tapestry fällt in diesem Jahr aus den Top 10 raus. Hätte mir vor Jahren allerdings jemand gesagt, dass sich Tapestry solange in meinem Fokus befinden würde, hätte ich es gar nicht geglaubt, denn ich habe Tapestry zunächst erstmal ganz bewusst Links liegen gelasssen, denn wer die Geschichte um dieses Spiel kennt, weiss das ersteinmal viel heiße Luft produziert worden ist. Stonemeier-Jünger, die seit Scythe jedes seiner Spiele über den grünen Klee loben und auch nur mittelmäßige Spiele zu etwas ganz besonderem hochstilisieren, gerieten hier ersteinmal mit den Hatern in Konflikt, die sofort auf den Zug aufgesprungen sind, als sich herausgestellt hat, das die Jünger den Hypetrain in die falsche Richtung umgeleitet haben. Als all dieser Quatsch vorüber war, habe ich mir das Spiel dann auch mal angeschaut, denn es sah schon so aus, als ob es Spaß machen würde und oh Wunder, das tut es. Unzwar ganz erheblich! Und immer wieder aufs neue! Tapestry ist ein Eurogame mit dem Thema Zivilisationen. Enthält die Stonemeier-typischen Mikrobelohnungen und ist dabei so wunderbar einfach und doch verzahnt, dank der vielen Möglichkeiten die sich einem bieten. Der Wiederspielreiz ist ganz enorm, weil sich jede Zivilisation in Tapestry anders spielt und andere Dinge beherrscht. Fantastisch ausgestattet und illustriert ist es außerdem. Auch Tapestry hat wie Anno 1800, ein anderes meiner Lieblinge, einige Fehler, die ich gar nicht wegreden will, aber am Ende des Tages ist das für mich alles egal, wenn mir das Spiel erheblichen Spaß bereitet und das tut es immer noch. Ein Bombenspiel!


Zenith

16 – Zenith (36)

Zenith hatte ich bis zur Verleihung des Spiel des Jahres Preises im vorigen Jahr gar nicht auf der Rechnung. Es tauchte auf der Empfehlungsliste für das Kennerspiel des Jahres auf und war zu diesem Zeitpunkt das zweite Spiel vom neuen Verlag PlayPunk, der mit seinem ersten Spiel Captain Flip auch schon für Furore bei diesem Preis sorgte. Zenith ist ein Spiel für zwei Personen, die sich um die Vorherrschaft auf fünf Planeten streiten. Es ist ein Tauziehwettbewerb im klassischen Sinn. Jede Runde spielen wir Karten aus, die wir entweder für Einfluß auf den Planeten direkt benutzen und ihn somit ein Feld näher an uns heranziehen. Darüber hinaus hat jede Karte auch noch spezielle Fähigkeiten, die wir ausführen dürfen. Wir können die Karten aber auch auf dem Techpfad benutzen, um uns Vorteile zu erspielen. Zu guter Letzt können wir auch die Diplomatie bei den drei Völkern (Menschen, Tieren und Robotern) benutzen um uns Vorteile zu erspielen. Zenith ist ein unglaublich spannender Wettstreit zwischen den Parteien und bleibt sehr lange offen. Für mich ist Zenith ein neuer Stern am Himmel der Zweipersonenspiele.


Anno 1800: Das Brettspiel

15 – Anno 1800: Das Brettspiel (17)

Anno 1800 ist jetzt kein Neuling mehr und mittlerweile hat es sich hoffentlich herumgesprochen, dass dieses Spiel ein ganz hervorragendes ist. Ein Spiel das so wahnsinnig viel richtig macht und trotzdem nicht ganz fehlerfrei ist. Das macht es aber für mich zu einem faszinierenden und absolut charmanten Spiel. Im Vorfeld hätte ich nicht gedacht, dass eine Brettspielumsetzung eines Computerspiels so gut funktionieren kann. Aber das tut es, weil Martin Wallace ein so guter Autor ist, der es versteht sich auf einen Kern zu reduzieren und das Spiel an ihm auszurichten. Hier wählt er die Bedürfnisse der verschiedenen Arbeiterklassen aus Anno 1800 und strickt darum ein Ressourcenmanagement Spiel ohne das die Spieler jemals Ressourcen in der Hand haben. Genial und einfach elegant gelöst, so wie es Martin Wallace in seinen Spielen gerne löst. Anno schüchtert einen zunächst auch durch seinen Spielaufbau ein, denn hier werden erstmal alle möglichen Technologien in einer riesigen Plättchenauslage vor den Spieler*innen ausgebreitet. Das Spiel an sich ist dann im Kern aber ein Rennen zwischen den Spieler*innen darum, wer als erstes seine Hand von allen Karten befreien kann. Auch das ist genial gelöst und mit den anderen Mechaniken verwoben, denn unsere Handkarten sind einzelne Bürger und ihre Bedürfnisse. Um diese zu erfüllen, benötigen wir Technologien und um Waren herzustellen benötigen wir Arbeiter. Bekommen wir einen Arbeiter neu hinzu haben wir wieder eine neue Karte mit neuen Bedürfnissen auf der Hand. Hier muss ein kluger Weg durch den Dschungel der Technologien und Rohstoffe gefunden werden. Anno 1800 macht sowohl zu zweit als taktisches Rennen, als auch mit mehr Spieler*innen Spaß, wo es aber zu einem interessanten Handelsrennen wird, denn nicht jede Technologie ist für alle Spieler*innen verfügbar. Absolute Empfehlung von meiner Seite für dieses Spiel. Seit Jahren ein Dauerbrenner.


Atiwa

14 – Atiwa (19)

Ich liebe ja Uwe Rosenberg und seine Herangehensweise an Spiele. In den meisten Fällen kommen hervorragende Werke dabei heraus. In dieser Liste sind meist recht viele davon vertreten. Atiwa konnte mich wirklich überraschen. Dabei handelt es sich um keines seiner Expertenspiele, sondern ist im Kennerbereich angesiedelt und damit doch recht zugänglich. Atiwa gelingt etwas ganz Seltenes. Es fühlt sich ein bisschen wie nach Hause kommen an. Das Spiel wirkt zunächst irgendwie bekannt. Fast schon Old School. Aber es befasst sich mit einem topaktuellen Thema. Ökologie ist schon immer eines der Themen die Rosenberg bewegen, nun kommen auch Spiele dazu heraus. Atiwa ist ganz großartig und super für zwei Spielende geeignet. Schnörkellos einfache Mechaniken die sehr schön miteinander verwoben wurden und das ökologische Thema transportieren. Unsere Aufgabe ist es, unser Tableau leerzuspielen und möglichst viele der Spielsteine in unserer Auslage zu haben. Aufs Thema übersetzt, haben wir dann den Wald mit Hilfe unserer Flughunde am besten wieder aufgeforstet und unsere Bevölkerung profitiert davon. Ich finde Atiwa ganz großartig und für zwei Spieler*innen war es fast schon unser Lieblingsspiel der letzten Jahre und eine Konstante in dieser Hitliste. Der Aufbau ist trotz des vielen Materials schnell erledigt und zu zweit dauert eine Partie, kaum 45 Minuten. Ich ziehe meinen Hut erneut Herr Rosenberg und warte begierig auf neuen Stoff.


Everdell

13 – Everdell (12)

Hier gilt absoluter Niedlichkeitsalarm! Als ich die Kampagne von Everdell das erste mal bei Kickstarter sah, da wusste ich sofort, dass ich das besser meiner Frau nicht zeige, denn sonst muss ich alle Hebel in Bewegung setzen, um das Spiel aufzutreiben, die Kampagne war nämlich gerade vorbei. Wir haben es dann auf Umwegen doch irgendwann bekommen und wir waren sofort im Bann der kleinen Everdell-Welt gefangen. Hinter der niedlichen Fassade versteckt sich aber auch ein knallhartes Engine-Building-Spiel, was ich zunächst gar nicht so vermutet hätte. Das Worker Placement mit den süßen Meeplen dient nämlich nur dem Zweck der Rohstoffgewinnung, um die aus Karteneffekten bestehende Maschine, die wir unser Dorf nennen, zum Laufen zu bringen. Zu Beginn fühlt sich das komisch an, denn niemals stehen genug Aktionen zur Verfügung, um auch nur ansatzweise irgendwas zum Laufen zu bringen, aber das Spiel rollt wie ein Schneeball den Berg runter und wird zu einer mächtigen Lawine, wenn endlich verstanden wird, wie Karten benutzt werden, um erfogreich zu sein, ist es kurz vor Spielende einfach total befriedigend mitanzusehen, wieviel plötzlich doch getan werden kann und was für interessante Bandwurmrunden sich ergeben. Everdell ist eines der optisch schönsten Spiele überhaupt und hat extrem tolles Spielmaterial, mit dem ich immer wieder Lust hab gerne zu spielen. Everdell ist in mancher Hinsicht der Prototyp für ein Spiel aus der neuen Zeit. So müssen gute Spiele heutzutage einfach aussehen und produziert werden und da hat sich glücklicherweise auch viel getan. Der ganze zusätzliche Kram ist überhaupt nicht notwendig. Everdell ist auch in seiner Basisversion ein richtig gutes Brettspiel, dass allerdings am Ende die Spreu vom Weizen trennt und für Frustmomente sorgen kann.


Furnace

12 – Furnace (13)

Dieses Spiel ist so großartig, dass es mich sogar das Kapitalismus- und Industrialisierungthema vergessen lässt. Spielerisch ist es einfach brilliant, wäre da nur nicht dieses Thema, welches aber eigentlich in den Hintergrund rückt, denn hier geht es nur um Ressourcenmanagement und das gepaart mit dem wohl besten Auktionsmechanismus, den ich bisher gespielt habe. Ich stehe überhaupt nicht auf Auktionsmechaniken aber was Ivan Lashin sich hier mit seinen vier Auktionsscheiben überlegt hat ist einfach genial. Die Spieler*innen bieten in diesem Spiel auf Fabriken, die in irgendeiner Form die drei Ressourcen des Spiels produzieren oder umwandeln. Das geniale an dieser Mechanik ist, dass die Fabriken in einer Auktionsreihe ausliegen und der Reihe nach von links nach rechts abgehandelt werden. Die Spieler*innen, die nicht das höchste Gebot abgegeben haben, erhalten eine Förderung, die ebenfalls auf den Karten angegeben ist. Sie erhalten diese Förderung, aber multipliziert mit dem Wert ihrer Auktionsscheibe (1-4). Das führt dazu, dass oftmals gar nicht gewonnen werden soll und zusätzlich die Reihenfolge der Abhandlung der Auktionen eine Rolle spielt. Absolut großartiger Mechanismus der echt schnell erlernt ist und Furnace zu einem Spiel für jeden macht. Für die fortgeschrittenen Spieler*innen bietet es dann aber auch noch einen schwierigeren Modus, der aus dem netten Familienspiel ein um einiges schwieriger zu meisterndes Kennerspiel macht. Furnace macht aus ganz wenig ein total faszinierendes Spielerlebnis, dass in fünf Minuten erlernt ist. Ich war und bin seit Erscheinen von Furnace absolut begeistert von diesem Spiel!


Harmonies

11 – Harmonies (14)

Harmonies klettert immer weiter nach oben in dieser Liste. Das Spiel hat definitiv Eindruck hinterlassen. Für mich war das hier der Favorit auf den Titel Spiel des Jahres 2024 und es wurde von der Jury auch zumindest empfohlen. Es wurde viel gemutmaßt, ob es vielleicht vorherigen Preisträgern zu ähnlich sei. Das finde ich in der Tat nicht, auch wenn ich die Vergleiche mit Azul und Cascadia nachvollziehen kann. Tut auch alles nichts zur Sache, denn Harmonies ist ein fantastisches Familienspiel, bei dem wir uns durch einen Auswahlmechanismus Spielsteine nehmen, die wir auf unserem Tableau in eine abstrahierte Landschaft verwandeln. In dieser wollen dann eventuell Tiere einziehen, die eine sehr genau Vorstellung davon haben, wie ihr Lebensraum auszusehen hat. Wenn wir das geschickt anstellen und die Spielsteine in unserer Landschaft so anordnen, dass evtl. sogar mehrere Tiersorten bei uns einziehen wollen, so können wir hier richtig Punkte abräumen und Harmonies für uns entscheiden. Das Spiel ist spielerisch toll und optisch eine Augenweide. Hier passt das Gesamtpaket, denn ich persönlich finde es stärker als die beiden oben genannten Preisträger.


10 – Endeavor: Die Tiefsee (11)

Neu reingesneaked in die Top 10 hat sich Endeavor: Die Tiefsee. Das Kennerspiel des letzten Jahres hat sich in mein Herz gespielt. Natürlich nicht nur in meins, denn das Spiel ist immer noch in aller Munde und momentan wird die erste Erweiterung erwartet. Endeavor: Die Tiefsee hat ein paar wirklich tolle Eigenschaften, die es so gut und zu dem machen was es ist. Es ist simpel zu erlernen und dennoch komplex in seinen Möglichkeiten. Es verfügt gleich aus der Grundbox heraus über eine wahnsinnig große Variabilität. Das Spiel findet auf Unterwasserkacheln statt, die abgesehen von den jeweiligen Startkacheln des Szenarios zufällig aufgedeckt werden. Das führt zu immer wieder neuen Spielverläufen. Zehn total unterschiedliche Szenarios tun ihr Übriges, um dem Spiel Variabilität zu geben. Der größte Vorteil jedoch ist die Möglichkeit Endeavor: Die Tiefsee sowohl gegeneinander, als auch kooperativ spielen zu können. Beide Spielmodi haben etwas für sich. Darüberhinaus ist das Spiel auch ein hervorragendes Solospiel mit einem wieder ein klein bisschen anderen Modus. Endeavor: Die Tiefsee ist hervorragend und macht mir nach wie vor jede Menge Laune.


9 – Paladine des Westfrankenreichs (30)

Keine Ahnung was da letztes Jahr los war, aber inzwischen haben sie ihren Platz in den Top 10 zurückerobert. Nicht ganz so innovativ und elegant wie die Architekten, verfügen die Paladine nicht über einen krassen Mechanismus, wie z.B. die Burggrafen, aber dafür sind sie verzahnt und fordernd. Das Spiel verlangt den Spieler*innen jede Menge Überlegung ab und beginnt damit schon in der ersten Sekunde. Als allererstes suchen die Spieler*innen sich einen von drei Paladinen aus die sie von ihren Decks ziehen und muss eine Richtungsentscheidung festlegen. Welchen Paladin spiele ich in dieser Runde, welchen lege ich oben auf meinen Stapel zurück und sehe ihn zu Beginn der nächsten Runde wieder und welchen lege ich ans Ende meines Stapels und werde ihn erst in vielen Runden erneut sehen. Fantastische, strategische Momente, die trotz all der Komplexität nach nur wenigen Runden recht schnell sitzen. Ich sollte zwar immer ein bisschen darüber nachdenken, was ich als nächstes tue, weil nahezu alle Aktionen bei den Paladinen irgendwie miteinander verzahnt sind, aber nach nur wenigen Runden, weiss ich, was ich im Spiel so alles tun kann. Ich muss mich nur noch für das sinnvollste entscheiden und wenn ich nicht einen dieser Zeitgenossen mit Analyse Paralyse ist, dann ist die Downtime für ein Spiel dieser Komplexität wirklich erstaunlich gering. Thematisch geht es in dem Spiel um Religion und die Festigung unserer Region, indem wir eine Stadtmauer errichten, unsere Mönche pilgern lassen und Andersgläubige konvertieren oder besiegen müssen. Das Thema verschwimmt aber ein bisschen hinter dem mechanischen Überbau. Die Wege nach Rom sind vielfältig, ich kann verschiedene Sachen ausprobieren und es wird viele Partien brauchen das Spiel zu durchdringen. In jeder meiner Partien von Paladine des Westfrankenreichs habe ich bisher versucht durch etwas anderes massiv zu Punkten. Ein toller mechanischer Mix aus Drafting, Worker-Placement und Engine-Building, der bei mir hoch im Kurs steht und das seit seiner Veröffentlichung.


8 – 7 Wonders Duel (7)

7 Wonders Duel ist für mich die beste Version von 7 Wonders. Warum? Weil hier bei bestimmten Dingen sehr viel direkter zu Werke gegangen wird, als beim großen Bruder. Ein gutes Beispiel ist das Militär, welches hier einfach, genial durch eine Leiste gelöst wurde, auf der ein Marker zwischen den Spieler*innen hin- und herbewegt wird, je nachdem wer wieviele Militärsymbole ergattern konnte. Das ist viel direkter und zeigt dem jeweils Bedrohtem, viel schneller wann zu handeln ist. Ähnliches gilt auch für den Wissenschaftlichen Bereich, wo Marken zu bekommen sind. Das Thema ist natürlich identisch mit den anderen Spielen dieser Reihe und auch viele Sachen wurden dem großen Bruder entliehen, was aber in 7 Wonders Duel grundsätzlich anders ist, ist die Tatsache, dass wir uns durch eine Auslage draften, in der die Karten halb übereinander liegen und zuerst Karten, die auf anderen liegen genommen werden müssen, um so die Karten darunter erstmal freizuspielen. Einige Karten werden dabei bereits offen ausgelegt, so dass gesehen werden kann, welche Karten an den gebotenen Stellen bekommen werden können. Das macht den kleinen Bruder natürlich viel taktischer, weil überlegt werden kann, welche Karte gedraftet und welche dem Gegner eventuell etwas bringt oder überlassen werden kann. Klasse Spiel mit einfacher Mechanik, aber enormer Tiefe und wahnsinnig vielen Möglichkeiten Punkte zu machen. Für diejenigen die sich fragen, warum Der Herr der Ringe: Duell um Mittelerde nicht hier steht, es ist eigentlich ganz egal und für mich nur eine Frage der persönlichen Präferenz. Mir gefallen beide Spiele gut, ich neige nur dennoch eher dazu dieses aus dem Regal zu nehmen. Aber auch die neue Variante könnte ohne Probleme auf dieser Position stehen.


7 – Five Tribes (9)

Eines meiner absoluten Lieblingsspiele auf das ich eigentlich immer Lust habe, es aber leider in den vergangenen Jahren immer viel zu selten gespielt habe. Jedes Mal, wenn es aus dem Regal geholt und aufgebaut wird, fragen sich alle Spielenden, warum es so lange schon wieder im Regal verstaubt. Five Tribes sieht gut aus und ist fabelhaft ausgestattet. Der Spielmechanismus, der nur schwer in wenigen Worten beschrieben werden kann ist an Mancala angelegt und das Herzstück des Spiels. Der Mechanismus klingt zunächst, bei all den verschiedenen Meeplen und ihren Möglichkeiten, total kompliziert. Es stellt sich aber recht schnell heraus, das er das gar nicht ist. Days Of Wonder achten wirklich darauf, ihre Spiele niemals zu komplex zu gestalten und das ist auch hier der Fall. Bruno Cathalas Mancala-Mechanismus (wer etwas mehr wissen will sollte sich die Review durchlesen, dort versuche ich es zu erklären) ist vielschichtig und variantenreich, aber durchaus schnell gelernt. Für mich ist Five Tribes bis heute eines der besten mittelanspruchsvollen Spiele überhaupt. Ich habe immer wieder Spaß es zu spielen, denn es gibt so viele Möglichkeiten, wie die Spieler*innen versuchen können zum Sieg zu kommen. Egal, ob sich auf die Rohstoffe fokusiert und versucht wird möglichst große Sets zu sammeln, oder ob auf die Orstaktionen und die Dschinn mit ihren mächtigen Fähigkeiten gesetzt wird. Baumeister sinnvoll einzusetzen und richtig viel Gold zu scheffeln ist dabei eine genauso mögliche Taktik. In jeder Partie kann etwas Neues ausprobiert werden und alles wird von diesem superinteressanten Mechanismus getragen. Bruno Cathala ist und bleibt ein Meister darin, alte Spielmechanismen in interessante neue und moderne Spiele zu verwandeln. Viele finden Five Tribes inzwischen altmodisch und liegen damit falsch, denn zeitlos ist das Wort das sie benutzen sollten.


6 – Rebirth (NEU)

Kommen wir zum höchsten Neueinstieg in meine Top 100 und es dürfte nicht ganz überraschend sein das es sich dabei um Reiner Knizias Rebirth handelt, welches erst in diesem Jahr mit dem Kennerspiel Preis des Jahres ausgezeichnet wurde. Ich mache schon seitdem ich es zum ersten Mal gespielt habe keinen Hehl daraus, dass ich Rebirth für eines der besten Spiele der letzten 10 Jahre halte. Ähnlich stark und zugänglich wie ein Azul. Rebirth verbindet dabei auf wunderbare Weise die Einfachheit eines Spielsystems mit enormer Spieltiefe, die alleine daraus entsteht, dass durch den simplen Spielzug und die einfachen Teilkomponenten des Spiels Dilemmata und Chancen entstehen, die von uns abgewogen werden wollen. Ich liebe das. Rebirth lässt sich in fünf Minuten eigentlich jedem erklären. Dreh einen Chip um, schua was darauf abgebildet ist und entscheide dich wo erhingelegt wird. Dann nur noch Punkte kassieren und weiter. Eine Partie dauert nie lang, verwandelt unglaublich viele Möglichkeiten im Spielverlauf in ein einengendes Gefängnis und erhöht in gleichem Maße den Spannungsgehalt. So gut war Knizia schon lange nicht mehr und ich ziehe auch vor diesem Meisterwerk meinen virtuellen Hut. Rebirth ist gekommen um zu bleiben!


5 – Klong! Katakomben (4)

Wie schon bei Klong! Legacy erwähnt, wird es eine Top 100 ohne Klong! im Hause Spieltroll wohl nicht geben. Solange die Legacy-Variante noch in der Liste herumwabert, wird es wohl bei zwei Versionen dieses Spiels bleiben. Klong! Katakomben ist natürlich das Klong! meiner Wahl, welches den Urvater natürlich vollständig ersetzt. Ein wenig komplexer aber auch deutlich spannender, weil wir hier das Spielbrett in jeder Partie von Neuem im Spielverlauf durch Kacheln erst bilden. Wer Klong! nicht kennt sollte es kennenlernen, denn das Spielsystem, welches sich hier verbigt ist einfach nur toll. Paul Dennen hat ihr ein sehr kreatives Spiel mit einem Deckbau-Mechanismus erfunden, in welchem wir möglichst vermeiden sollten das namensgebende Geräusch Klong! zu machen. dieses erzeugen wir durch bestimmte geräuschvolle Karten. Für jedes Klong! wandert ein farbiger Würfel in den Drachenbeutel. Diesen Drachen gilt es nämlich nicht zu wecken. Tauchen bestimmte Karten im Markt auf, so erwacht dieser dennoch und es werden Würfel aus dem Beutel gezogen. Diese wandern direkt als Schadenspunkte an die Spieler*innen zurück und wer zehn kassiert stirbt und kommt nicht mehr aus den Katakomben heruas in denen unser Abenteurer herumschleicht, um die Schätze zu klauen. Wir lieben es, weil es so schön spannend ist.


4 – Zug um Zug (5)

Was soll zu Zug um Zug denn noch gesagt werden, denn eigentlich ist bereits Alles gesagt. Einzementiert in den Top 10 liegt es hier von Jahr zu Jahr herum. Zug um Zug ist eines dieser Spiele für das ihr mich nachts wecken könnt und ich würde immer eine Partie mitspielen. Dabei ist es mir tatsächlich fast egal welche Version oder Karte. Sie haben alle etwas für sich, aber das Grundspiel ist, so wie es ist, ein vom Kern her perfektes Spiel. Ich glaube es gibt nicht viele Brettspieler*innen, die nicht zumindest eine der Varianten von Zug um Zug schon einmal gespielt haben. Was ich schon immer ganz besonders an Zug um Zug mochte ist die rasende Geschwindigkeit mit der es sich spielen lässt. Ich muss eigentlich nie lange auf meine Mitspieler*innen warten und kann immer etwas tun, denn ich darf ja immer nur eine Aktion pro Zug machen, entweder nehme ich Waggonkarten zum späteren Streckenbau, ich baue eine Strecke und stelle meine Spielsteine aufs Brett oder ich löse neue Tickets, um diese später in Punkte umzuwandeln, wenn ich die entsprechenden Strecken auch gebaut habe. Mehr steckt gar nicht hinter Zug um Zug, aber das, was es tut, macht es hervorragend und sehr kompetent. Eine Spielerklärung dauert vielleicht fünf Minuten und ich habe für eine Dreiviertelstunde Spaß. Ich weiss das der Begriff oft überstrapaziert wird, aber Zug um Zug ist zu einem modernen Klassiker geworden und wird wohl auch in zwanzig Jahren noch gespielt werden. Am liebsten bleibe ich aber nach wie vor bei der Urversion, die ich deutlich am meisten Spiele. Auch Zug um Zug Europa ist super und wenn ich es etwas komplexer mag, spiele ich gerne die Pennsylvania Karte mit den Aktien. Wer es etwas breiter angelegt mag, der sollte die Zug um Zug Legacy-Kampagne spielen, die etwas weiter unten platziert ist.


3 – Spirit Island (2)

Die ehemalige Nummer eins hält sich auch immer noch in dieser Top 10 und schafft es sogar erneut auf das Treppchen. Spirit Island ist absolut nichts für Familienspieler*innen und auch nur bedingt für Leute des Kennerspielbereichs geeignet. Hier musst du schon etwas mehr investieren. Aber es lohnt sich. Mein Spiel des Jahres 2020 bis 2023 ist ein Spiel dessen Regelkunde und Erklärung allein 45 Minuten dauert, also so lang wie manch komplettes Spiel. Ganz einfach gesagt ist es in allen Belangen so gut, dass es dieses Zeitinvestment aber wett macht. Ok, die Regeln sind komplex, aber das liegt nur daran, dass es hier soviele kleine Systeme im Spiel gibt, die berücksichtigt werden wollen. Das eigentliche Spiel, wenn man erstmal weiss was möglich ist und wie es funktioniert ist spielerisch gar nicht mehr so schwierig. Wobei es bleibt ein Spiel für Experten, denn es bietet soviel tollen Spielreiz und es muss auf soviele Dinge geachtet werden. Wem mache ich was vor, das Spiel zu gewinnen ist auch nicht gerade leicht, aber genau das macht es so spannend. Wir haben schon oft gedacht die Partie verloren zu haben, bevor wir den Eindringlingen einen fatalen Schlag versetzen konnten, um uns wieder Luft zu machen. Spirit Island ist in jeder Beziehung eine absolut tolle Erfahrung. Genreuntypisch wechseln wir hier mal die Seiten und spielen nicht in der Rolle der Entdecker, die neues Land erkunden. Normalerweise sind wir es ja gewohnt als Eroberer und Entdecker neue Länder und Inseln zu bereisen und sie uns einzuverleiben. Hier schlägt die Natur einfach mal zurück. In der Form von Naturgeistern müssen wir mit einheimischen Inselbewohnern versuchen, die schon fast virusartigen Eroberer von unserer Insel zu vertreiben. Dazu haben wir ein ganzes Arsenal von Geistern und Fähigkeiten, in einem tollen Spiel verpackt, zur Verfügung. Soetwas habe ich vorher noch nicht gesehen und gespielt. Ein kleines bißchen Deck-Builder mit einer Prise Area-Control, verpackt in einem kooperativen Meisterwerk von einem Spiel, bei dem alle Spieler*innen an einem Strang ziehen. Wer bereit ist sich auf Spirit Island einzulassen, wird mit einem richtig guten Spiel belohnt werden. Aber Vorsicht, Spirit Island ist wirklich nichts für Spieler*innen, die eine seichtere Erfahrung suchen.


2 – Die Burgen von Burgund (3)

Der muntere Plätzetausch auf dem Treppchen geht weiter. Die Burgen von Burgund ist für mich und viele andere bis zu diesem Zeitpunkt Stefan Felds Meisterwerk und es sollte meiner Meinung nach auf jeden Fall von allen Brettspielfans einmal gespielt werden. Für Fans des Eurogame-Genres ist das Spiel sogar ein absolutes Muss. Alea-Spiele stehen ja in dem Ruf ein wenig altbacken zu sein und nicht gerade die beste Materialqualität und Optik zu haben. Antiquiert könnte man sagen. Die Jubiläumsedition sieht allerdings schon um Längen besser aus als die alte, auch wenn die Materialqualität immer noch nicht berauschend ist. Wer natürlich richtig viel Geld übrig hat, kann inzwischen auch eine Deluxe-Version kaufen. Spielerisch gibt es hier aber überhaupt nichts auszusetzen, denn das Spiel ist total toll verzahnt. Am Anfang einer jeden Runde würfelt ein*e Spieler*in zwei Würfel und jeder muss damit seinen Zug gestalten, denn die Augenzahlen geben bestimmte Möglichkeiten vor. Zum Beispiel dürfen wir uns Gebäudeplättchen aus verschiedenen Depots aussuchen, die diesen Würfelzahlen zugordnet sind. Oder wir dürfen ein Plättchen in unser Fürstentum einbauen und auch hier sind die Plätze mit den entsprechenden Würfelzahlen gekennzeichnet. Nahezu alles in dem Spiel bringt Punkte, so dass wir immer irgendwie Punkte machen. Allerdings ist bei unserem Fürstentum der Zeitpunkt entscheidend, wann wir zusammenhängende Gebiete mit gleichen Gebäudetypen fertiggestellt haben. Je größer das Gebiet und je früher fertiggestellt, desto mehr Punkte gibt es. Meine Frau liebt das Spiel genauso wie ich und wir spielen es oft, weswegen es zurecht seit Jahren so weit oben platziert ist.


1 – Earth (1)

Jetzt werden einige sicherlich entsetzt sein, wie solch ein Spiel die Spitze der Top 100 darstellen kann und das nun schon im dritten Jahr. Ich habe es bei Mischwald schon versucht zu erklären. Erde oder Dreck, wie es meine Frau liebevoll nennt, konnte mich in den letzten Jahren fesseln wie kaum ein anderes Spiel. Dreck natürlich nicht, weil sie es schlecht finden würde, sondern weil es, wie Titel und Titelbild suggerieren, nicht um den Planeten Erde im speziellen geht, sondern tatsächlich um Erde als Stoff in dem Pflanzen gedeihen. Erde ist in diesem Spiel die Währung mit der wir Karten bezahlen, um sie auf unserer Insel, in unserem Biom einpflanzen zu können. Die Flora ist letztlich das Thema. In einem sechzehn Felder großen Gitter bauen wir Karten ein, die in verschiedensten Abhängigkeiten zueinander stehen. Unsere Aufgabe besteh darin möglichst viele Punkte aus diesen herauszuholen und das ist einerseits einfach, denn in Erde bringt so gut wie alles Punkte. Wir legen Wachstumsringe auf die Karten, erhalten Sporen und auch unser Ablagestapel bringt Punkte. Die Pflanzen an sich natürlich auch. Die Fauna kommt aber in Erde auch vor und stellt uns Aufgaben, die wir mit unserem Kartengitter ebenfalls für Punkte erfüllen können. Das tolle an Erde ist aber die Aktionsauswahl. Wer an der Reihe ist wählt eine von vier Aktionen und führt sie aus. Diese sind farbkodiert und nicht nur der oder die aktive Spieler*in kann etwas tun, denn alle andern führen eine abgeschwächte Version der Aktion aus. Im Anschluß werden die Fähigkeiten der ausliegenden Karten bei jedem abgehandelt. Von links oben nach rechts unten und so spielt die Reihenfolge im Gitter auch für die Aktionen eine wichtige Rolle. Erde hat so wahnsinnig viel zu bieten, auch wenn das Spiel recht simpel funktioniert, so gibt es so viele Möglichkeiten und Abhängigkeiten um Punkte zu machen, dass mich das Spiel nun schon seit über einem Jahr beschäftigt und ich nicht müde werde es weiter zu spielen. Für viele ist dieses Spiel zu kalt und schematisch und sogar zu leicht, wie ich gelegentlich höre. Ist mir aber egal, mich hat Erde ganz eindeutig in seinen Bann gezogen und stellt die Spitze dar.

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