Klassiker – Dominion

Dominion / Foto: Spieltroll

In meiner kleinen Reihe der Klassiker der Spielegeschichte soll es heute um einen noch recht neuen Vertreter gehen. Dominion ist sozusagen ein moderner Klassiker, denn die Originalausgabe auf Englisch ist erst im Jahr 2008 erschienen und die deutsche Version feiert in diesem Jahr ihren 10-jährigen Geburtstag. In dieser Kategorie stelle ich Spiele vor, beziehungsweise schreibe meine Meinung zu Spielen auf, von denen ich denke, dass sie ein jeder einmal ausprobiert haben sollte, oder solche, die für bestimmte Genres etwas ganz besonderes darstellen. Dominion punktet hier gleich in beiden Kategorien, denn ich bin der Meinung, wer dieses Meisterwerk von Donald X. Vaccarino noch nie gespielt hat, sollte definitiv etwas nachholen und Dominion brachte eine neue Spielmechnik, das Deck-Building, massentauglich auf den Spielemarkt, die heute gar nicht mehr wegzudenken ist. Es hat also auch Spielhistorisch eine gewisse Relevanz.

Zunächst wieder ein kleiner Überblick über das Spiel für die wenigen, die noch nie etwas von Dominion gehört haben. In Dominion geht es den Spielern darum, ihren eigenen Herrschaftsbereich auszubauen und gegen die anderen Spieler zu siegen, indem sie das größte Herrschaftsgebiet ihr eigen nennen. Zu Beginn des Spiels, stehen den Spielern nur begrenzte Geldressourcen und kleinere Ländereien zur Verfügung. Durch den Bau von Märkten, Dörfern oder zahlreichen anderen Gebäuden, wächst ihr Einfluss, Reichtum und Punktekonto an, so dass am Ende der mächtigste gewinnt.

Diese Prämisse klingt zunächst einmal nach einen Worker-Placement-Spiel oder einem strategischen Area-Control-Titel, aber weit gefehlt, bei Dominion handelt es sich um ein reines Kartenspiel ohne Brett und Spielsteine. Zumindest in der Urversion, später werden mit Erweiterungen Spielertableaus, Münzen und Marker folgen. Dabei ist das gesamte Spiel so einnfach, das eine Kurzspielregel auf einen Bierdeckel passt, was aber nicht heißt, dass Dominion ein simples Spiel ist.

Bei Spielbeginn erhält jeder Spieler einen Satz von zehn Karten, drei davon sind sogenannte grüne Punktekarten, die nichts anderes tun, als für das Spielende jeweils einen Siegpunkt wert zu sein. Die anderen sieben Karten sind Geldkarten, in diesem Fall Kupfer, das jeweils ein Geldeinheit darstellt. Die Spieler mischen diese Karten und ziehen jeder die obersten fünf davon. Den Rest legen sie verdeckt als Nachziehstapel vor sich. Diese Karten bilden das Deck eines jeden Spielers. In der Mitte wird eine Auslage bereitgelegt. Sie enthält diverse Kartenstapel. Zum einen wären dort weitere Punktekarten, die es in drei Varianten gibt. Anwesen sind einen Punkt wert und gleichen den Startkarten der Spieler. Herzogtümer und Provinzen sind jeweils drei, beziehungsweise sechs Punkte wert. Von ihnen gibt es jeweils acht Stück in einem Stapel im Spiel zu zweit, bei mehr Spielern sind es zwölf. Hinzu kommen die Geldstapel, die mit ausreichend großen Mengen Kupfer, Silber und Gold aufwarten. Ihre Gegenwerte in der Geldeinheit entsprichen eins, zwei und drei. Das Herzstück der Auslage bilden aber in jeder Partie von Dominion zehn Stapel mit sogenannten Königreichkarten. Diese sind alle unterschiedlich und im Grundspiel sind 22 verschiedene vorhanden. Sie splitten sich in Aktions-, Reaktions-, Punkte- und Geldkarten. Mit Ausnahme der Punktekarten ist jede Karte zehn Mal in ihrem Stapel vorhanden. Die Punktekarten sind auch hier wieder von der Spielerzahl abhängig. Diese Karten erlauben es den Spielern bestimmte Dinge in ihrem Zug zu tun, dabei gilt es die Kartentexte genau zu befolgen. Einige Texte sind sogenannte Schlüsselwörter, die auch fett gedruckt sind und den Spielern bestimmte Aktionen erlauben.

Die Königreichkarten können beliebig und für jede Partie neu zusammengestellt werden und mit Erscheinen der zahlreichen Erweiterungen entsteht so ein extrem wandelbares Spielerlebnis, bei dem sich keine Partie identisch Spielen würde. Bis zum August 2018 sind auf deutsch 14 Erweiterungen für Dominion erschienen und insgesamt gibt es 309 verschiedene Königreichkartenstapel, was es erlaubt insgesamt über 7 Trillionen verschiedene Startkombinationen auszulegen.

Der Spielablauf ist dann denkbar einfach und gewinnt erst durch die Aktionen der Königreichkarten an Tiefe und Komplexität. Der Spielablauf sieht dabei drei Phasen vor, die in der Reihenfolge Aktions-, Kauf- und Aufräumphase absolviert werden. In der Aktionsphase darf der Spieler von seiner Hand eine Aktionskarte als freie Aktion spielen und führt ihre Anweisungen aus, erlaubt ihm die Karte eine oder mehrere weitere Aktionen, so darf er weitere Aktionen von seiner Hand ausspielen. So entstehen interessante Kettenreaktionen, die faszinierende Züge ermöglichen. In der Kaufphase darf der Spieler nun seine Geldkarten ausspielen und für den Gegenwert eine Karte, oder auch mehr, wenn er entsprechende Aktionskarten gespielt hat, die ihm einen weiteren Kauf ermöglichen, von den ausliegenden Stapeln kaufen und in der Aufräumphase legt er alle gespielten Karten und den Rest seiner Hand auf den Ablagestapel und zieht fünf neue Karten von seinem Deck. Ist sein Deck aufgebraucht, mischt er seinen Ablagestapel als neuen Nachzugstapel.

Dieses sehr einfach zu erlernende Spielprinzip ist zu einer Kernmechanik in vielen weiteren Spielen geworden und hat einen enormen Einfluß auf die Spieleszene gehabt. Ich kann mir heutzutage gar nicht mehr vorstellen, dass es diese Mechanik davor nicht gegeben haben soll, aber ich kann mich an kein Spiel davor erinnern. Wahrscheinlich wird es aber ein paar gegeben haben, die aber nur wenigen Spielern bekannt sind. Weitläufig gilt Dominion als das Spiel, dass diesen Mechanismus publik gemacht hat.

Für Donald X. Vaccarino ist es das erste selbstentwickelte Spiel, dass veröffentlicht wird. Bis dato war er an der Entwicklung von Karten für Magic – The Gathering beteiligt und konnte mit Dominion einen Megaseller in der Spielebranche veröffentlichen. Leider konnte ich nicht in Erfahrung bringen, wie oft Dominion und seine Erweiterungen bis heute verkauft worden sind, aber es müssen mehrere Millionen Kopien sein. Im Jahr 2009 gelang Vaccarino dann auch noch das Kunststück mit Dominion den Deutschen Spielepreis und den Titel für das Spiel des Jahres 2009 zu gewinnen.

Bis heute musste Dominion von einem Teil der Community aber auch viel Kritik einstecken und das liegt an seinem nicht besonders interaktiven Charakter. Die Spieler planen ja meist nur ihren eigenen Zug und haben wenig Berührungspunkte mit den Gegnern und wenn, dann passiert das durch die wenigen Angriffskarten und eventuelle Reaktionen auf diese, ansonsten spielen die Spieler an den anderen quasi vorbei, um für sich gesehen den bestmöglichen Zug zu machen, um sich am Ende des Spiels miteinander zu vergleichen. Diese Kritik ist nicht neu und ich kann sie nur zum Teil verstehen. Bei Imperial Settlers habe ich schon einmal von ähnlicher Kritik gesprochen, dort war die Rede von Authistenspielen. Es scheint Menschen zu geben, die Spiele nur als ein interaktives Miteinander verstehen und für die es total absurd scheint ein spielerisches Nebeneinander zu akzeptieren. Für mich muss die Interaktion nicht durch das Spiel entstehen, wenn ich mich mit Leuten zum Spielen treffe, dann ist dort genug Interaktion am Tisch, so dass ich kein Spiel benötige, dass noch Interaktion erzeugt, aber das ist ein anderes Thema und gehört hier nicht her. Wer sich aber aufgrund von solcher Kritik von einem Spiel wie Dominion fernhält, dem wird ein fantastisches Spielerlebnis entgehen. Dominion funktioniert sowohl mit bis zu vier Spielern, wobei dort die Wartezeiten schon etwas länger ausfallen können, als auch zu zweit. Im besonderen zu zweit entfaltet es seine ganzen Stärken und gehört zu den besten Zweipersonenspielen überhaupt. Wer es Online spielen möchte, hat dazu auf dominion.games die Möglichkeit.


  • Verlag: Rio Grande Games
  • Autor(en): Donald X. Vaccarino
  • Erscheinungsjahr: 2009
  • Spieleranzahl: 2 – 4
  • Dauer: 30 Minuten

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