
Morty Sorty Magic Shop hat mich tatsächlich in diesem Jahrgang richtig überrascht. Die Cover Illustration hat mich dabei zunächst eher abgeschreckt und auch sämtliche Beschreibungen, die ich im Vorfeld las, klangen nicht nach etwas Außergewöhnlichem. Die Nominierung zum Spiel des Jahres lies mich dann aber doch aufhorchen, auch weil ich zwischenzeitlich nur Gutes über das Spiel gehört hatte. Ich kaufte also ein Exemplar und seitdem kommt es ständig auf den Tisch. Inzwischen gehe ich sogar so weit, zu sagen, dass Morty Sorty Magic Shop für mich der Favorit auf den roten Pöppel ist. Das Spiel ist zwar nicht besonders innovativ, erfüllt seinen Zweck als Familienspiel in nahezu allen Belangen perfekt. Die Regeln sind überschaubar, es macht Spaß und ist einfach zu erlernen und hat somit das Potential Jung und Alt an einen Tisch zu bringen und die ein oder andere Partie zu absolvieren. Wer mehr möchte bekommt sogar mehr, denn in der Box finden sich Möglichkeiten das Spiel noch ein wenig kniffliger zu gestalten.
Worum geht es?
Morty Sorty ist anscheinend ein Meister seines Fachs und sucht einen neuen Lehrling im Bereich des Einzelhandels mit Schwerpunkt auf Zauberutensilien. So stolpern die Spieler*innen zumindest in die Situation des Spielsettings. Ihre Aufgabe ist das Einräumen der Regale und da versteht der gute Herr Sorty keinen Spaß, denn hier muss alles seine Ordnung haben. Die Spieler*innen müssen im Spielverlauf die Regale mit Zutatenfläschchen in drei Reihen befüllen und zwar aufsteigend von links nach rechts mit immer wertigeren Fläschchen. Da auch die Deckel farblich passen müssen und wir für besondere Dinge auch noch Boni erhalten ist das gar kein so einfaches Unterfangen.

Wie läuft das ab?
Es gibt insgesamt vier Zutaten in Morty Sorty Magic Shop (Alraunen, Gewitterwölkchen, Pilz und Augäpfel) die in Fläschchen mit vier verschiedenen Deckelfarben vorhanden sind. Die Deckelfarben sind dabei jeweils in verschiedenen Werten vorhanden. Die meisten Deckel gibt es in der Farbe Schwarz mit den Werten 1 bis 16. Die anderen Farben spielen sich dazwischen ab. Die Spieler*innen müssen diese auf ihren Tableaus im Verlauf des Spiels einordnen. Jedes Tableau zeigt drei Regalbretter auf die wir jeweils acht Fläschchen platzieren können. Der Clou ist aber, dass die schwarzen Deckel nur im unteren Regal platziert werden dürfen, die silbernen in den zwei unteren und die goldenen überall. Außerdem müssen die Werte von links nach rechts aufsteigend platziert werden. In jeder Reihe darf jede Zahl nur einmal vorkommen.

In der Mitte gibt es noch eine weitere Leiste für alle Spieler*innen. An diese werden die Flaschen mit den blauen Deckeln angelegt, die die Werte 4 bis 13 aufweisen. Diese Flaschen sind Joker die wir uns verdienen können und die überall platziert werden dürfen, nur eben ihrer Nummer entsprechend. Es gibt noch ein paar Katzenmarker, von denen wir zu Beginn welche bekommen, die wir dafür einsetzen können, bestimmte Regeln zu brechen. Auch zwei Ziele werden zu Spielbeginn noch für die Allgemeinheit gezogen, die wir erfüllen können. Zu diesem Zweck erhalten wir noch Markierungsmarker, denn wer das schneller schafft bekommt mehr Punkte.

Das Spiel selbst ist dann wieder einmal denkbar einfach. Alle Fläschchen befinden sich in einem Beutel. Alle stimmt natürlich nicht ganz, je nach Anzahl Spieler*innen werden Fläschchen herausgenommen. Zu Beginn des Zuges zieht jemand 5 Plättchen (4 im Spiel zu zweit) aus dem Beutel und lässt sie auf den Tisch fallen. So wie sie liegenbleiben werden sie gespielt. Blaue Deckel werden an die mittlere Leiste gelegt und dafür Ersatz gezogen. So lange bis keine blauen Deckel bei den fünf Fläschchen der Runde mehr liegen. Wer gezogen hat ist auch zuerst dran sich entweder ein Fläschchen zu wählen oder zu passen. Wer passt erhält eine Katze.

Wer ein Fläschchen wählt muss es einbauen und die schon angedeuteten Regeln beachten. Der Deckel bestimmt die Reihen die belegt werden dürfen. Der Platz muss noch frei sein. Aufsteigend von links nach rechts und natürlich darf das Plättchen nicht gedreht werden. Es gibt noch ein paar Dinge auf die die Spieler*innen achten sollten. An den Regalen sind Plaketten mit Zahlen angebracht. Werden hier die richtigen Werte platziert, gibt das Extrapunkte. Schaffen wir es drei verschiedene Zutaten in einer Spalte zu platzieren bekommen wir eine blaue Bonusflasche aus der Auslage und je mehr gleiche Zutaten wir auf unserem Tableau sammeln desto mehr Punkte bekommen wir am Ende. Schaffen wir darüber hinaus ein Brett zu vervollständigen gibt es auch dafür Bonuspunkte.
Eine Partie dauert so lang, bis der Beutel leer ist. Die Kätzchen erlauben uns ein wenig zu schummeln. Wollen wir eine einsetzen, so dürfen wir das Fläschchen drehen und die jeweils andere Zutat benutzen, oder wir dürfen die Regel „jede Zahl pro Brett nur einmal“ brechen, indem wir ein Plättchen mit der gleichen Zahl, wie eines unserer schon vorhandenen, direkt benachbart legen dürfen.

Aus diesem sehr simplen Mechanismus ergibt sich schon ein Spiel, das mit zunehmender Dauer immer mehr von uns fordert und dadurch eine schöne Spannungskurve aufbaut. Zusätzlich kann das Spiel noch schrittweise erschwert werden, denn zum einen gibt es schwierigere Ziele, unterschiedliche Wertungsfähigkeiten für die Zutaten, die nicht immer nur auf ihrer Anzahl basieren, sondern durchaus auch durch Platzierung in Reihen und Spalten. Außerdem ist auch das Tableau selbst zweiseitig und weißt eine etwas komplexere B-Seite auf, so dass der Schwierigkeitsgrad wirklich gesteigert werden kann.
Das Fazit
Morty Sorty Magic Shop tut sich mit seinem Cover tatsächlich keinen Gefallen und deshalb muss hier der alte Grundsatz „Don´t judge a book by its cover“ herhalten, denn das Spiel deswegen zu ignorieren wäre in der Tat ein fataler Fehler. Es ist simpel und wirkt in den ersten paar Zügen auch noch recht beliebig, bis das Tableau voller wird und die komplexe Aufgabe, die schon von Beginn an vor uns lag, über die wir uns aber kaum richtig Gedanken gemacht haben, sich entfaltet und dir den Mittelfinger ins Gesicht hält und sagt: „Hätteste mal von Beginn an besser geplant und mich nicht als Kinderspiel abgetan!“

Das ist auch der Moment in denen die Vielspieler*innen sich plötzlich herausgefordert fühlen und Morty Sorty Magic Shop ernstnehmen und das völlig zu Recht, denn die Aufgabe ist alles andere als banal, auch wenn sie erstmal so klingt. Die Auswahl ist sowieso beschränkt und je nach Spieler*innenanzahl muss ich eh nehmen was übrigbleibt oder passen, wobei dann fehlt mir ja schon ein Fläschchen, ob ich das durch ein Blaues wieder aufholen kann? Die Katzen sind aber auch eine wertvolle Kompensation, die, wenn sie richtig eingesetzt werden auch zu schönen Kettenzügen führen können, falls die blaue Auslage genug hergibt.
Die Punktemöglichkeiten sind zahlreich und lassen uns viel darüber nachdenken, wie wir vorgehen wollen. Sollen wir die Plaketten richtig besetzen, oder ist es wichtig die Regale zu vervollständigen, oder sammle ich von einer Zutat besonders viel, um die fetten Punkte am Ende zu bekommen. Viel ist zu überlegen und so schafft es dieses seichte Familienspiel auch die Vielspieler*innen mit ins Boot zu holen. Ein Tanz auf einem schmalen Grat, der nicht vielen Spielen gelingt, was Morty Sorty Magic Shop für mich zu einem tollen Spielerlebnis macht.
Das sonstige Artwork gefällt mir auch deutlich besser als das Cover, welches wirklich nahezu jeden, der es sieht abschreckt. Probiert es bitte trotzdem aus, sonst würde euch eines der besten Spiele entgehen, welches für mich wirklich gute Chancen hat den Titel Spiel des Jahres zu gewinnen.

- Verlag: Schmidt Spiele
- Autor(en): Markus Slawitscheck
- Illustrator(en): David Cochard
- Erscheinungsjahr: 2026
- Spieleranzahl: 2-4 Spieler*innen
- Dauer: 30 Minuten