
Hallo Freunde der analogen Unterhaltung, wie ein bekanntes Duo, das nun fast nur noch als Solokünstler in seinen Vlogs auftritt die Zuhörer- und Seherschaft begrüßte. Ich wähle diese Einleitung nicht ganz umsonst, denn auch um diesen jungen Herrn soll es heute in meinen Gedanken gehen. Generell würde ich gerne über den Spiel des Jahres Preis, oder viel mehr über die Bekanntgabe der Nominierten noch ein paar Dinge loswerden, denn es scheint bei verschiedenen Leuten zu verschiedenen Reaktionen geführt zu haben und damit meine ich jetzt nicht das übliche herumdiskutiere über die Spieleauswahl und ob die Spiele in den richtigen Kategorien einsortiert worden sind, oder ob es nicht auch einen Expertenpreis geben müsste, nein, ein paar andere Dinge habe ich aufgeschnappt und würde gerne kurz darüber reflektieren. Wen das nicht interessiert oder meine wirren Gedanken egal sind, kann ja einfach ein wenig weiterscrollen und eine Review lesen oder auch gerne irgendwas kommentieren.
Also kommen wir mal als erstes zu Hunter, der sich erdreistet hat in einem clickbaitigen Video von Verdummung des Kennerspiel Preises zu berichten. Immerhin meint er es nicht ganz ernst, einen Gefallen hat er sich meiner Meinung nach damit aber nicht getan, muss er aber selber wissen. Seine Theorien und Berechnungen in dem Video sind einfach bescheuert, denn er nimmt das BGG-Rating für den Schwierigkeitsgrad als Datengrundlage und checkt das ganze rückwirkend für nur fünf Jahre und ermittelt daraus einen Trend. Wissenschaftlich gesehen wäre das ziemlich haltlos, denn die Datenlage ist sehr dünn. Zum einen ist das Rating bei BGG (boardgamegeek.com) natürlich überhaupt nicht repräsentativ, denn zum einen wird die Seite hauptsächlich von Vielspielenden benutzt, die für Familienspiele meist eh viel zu seicht bewerten und zum anderen entsteht ein Rating für, zum Beispiel Moon Colony Bloodbath, gerade einmal durch 104 Leute die dafür auf der Seite abgestimmt haben (Stand: 27.5.2026), bei Rebirth waren es immerhin 191. Dennoch ist das alles viel zu wenig, um daraus Schlüsse zu ziehen. Was meiner Meinung nach aber stimmt, ist dass früher deutlich komplexere Spiele auch eine Chance hatten Spiel des Jahres zu werden, was aber natürlich auch daran lag, dass es den Kennerspielpreis gar nicht gab.
Den zweiten Aufschrei habe ich live schon vermutet als ich das Video geschaut habe. Der Teil indem Harald Schrapers davon berichtet, wie viele Spiele es in dem Jahrgang gab und wie die Jury damit umgeht. Gar nicht so sehr die Tatsache, dass ein Jurymitglied nicht alle Spiele des Jahrgangs spielen kann, wer das glaubt, hat eh ein Problem, nein der Nachsatz, dass sie manchmal ein Spiel nur einmal spielen dürfte einige Leute auf die Palme gebracht haben, denn es gibt Leute da draußen, die einem Kritiker anscheinend nur dann vertrauen, wenn er oder sie ein Spiel in jeder Konstellation gespielt und alle Feinheiten auf Herz und Nieren geprüft hat. Wer da mal schnell nachrechnet wird selbst darauf kommen, dass das schlicht unmöglich ist, denn die Leute müssen auch noch Schlafen und ihrem normalen Job nachgehen.
Ich kann aber dazu auch persönlich beitragen und sagen, dass ich mit solchen Gestalten schon zu tun gehabt habe. Natürlich sind das in den allermeisten Fällen nur Fans, die „ihr“ Spiel zu schlecht bewertet sehen und dir dann sämtliches Wissen absprechen und so weiter und so fort. Ich habe allerdings keine Ahnung, warum ich ein Spiel nicht nur nach einer Partie schon bewerten kann? Das würde für mich nur auf Expertenspiele zutreffen, weil ich bei denen, in den meisten Fällen, nach nur einer Partie nicht viel aussagen kann, denn, wenn sie gut sind, spielen sie sich oft in verschiedenen Partien anders. Es gibt oft mehrere Strategien zum Sieg. Bei diesen Spielen fände ich es durchaus berechtigt zu moppern, wenn jemand nach einer Partie, in der es vielleicht auch noch schlecht lief, ein Urteil fällt. Aber warum sollte das bei einem seichteren Familienspiel unbedingt nötig sein. Da kannst du mit weiteren Partien nur noch feststellen ob es sich vielleicht mit einer anderen Anzahl von Spieler*innen nicht so fluffig spielt oder ob der Spielreiz schnell nachlässt. Hast du aber so viele Spiele schon gespielt, fällt es dir durchaus leichter zu erkennen, ob ein Spiel Spaß macht und ob es vielleicht einen besonderen Kniff hat, so dass es in die Auswahl käme. Woher dieser Anspruch an die Kritiker*innen kommt, kann ich mir nicht richtig erklären, oder doch? Ich erinnere mich gerade, dass als ich angefangen habe über Spiele zu schreiben, ich den Blog spielerleben.de von Martin Klein sehr gerne gelesen habe und er dort auch erklärte was er für Ansprüche an Spielekritik und damit auch an sich selbst hat. Da stand auch was von jedes Spiel mit jeder Spieler*innenanzahl spielen und jede mögliche Taktik und Strategie ausloten. Fand ich damals schon seltsam. Martin Klein war übrigens Mitglied der Jury Spiel des Jahres und schreibt seit 2020 keine Kritiken mehr.
Mir ist allerdings noch etwas anderes in dem Video aufgefallen und da wird es so finde ich, für die Jury selbst interessant sich einmal zu überprüfen. Denn der Verein kämpft ja auch für die Anerkennung des Spiels als Kulturgut und leistet dort ja auch, sofern ich das beurteilen kann ganz gute Arbeit. Allerdings weisen sie sehr deutlich in dem Video darauf hin, dass es in diesem Jahr so viele Mängel an den Spielen gab, die dazu führten das durchaus aussichtsreiche Spiele eventuell nicht berücksichtigt wurden. Ich kenne das, denn ich mache das in meinen Reviews auch. Ich verstehe mich allerdings auch nicht als Kritiker, sondern nur als Spielefan mit Mitteilungsbedürfnis. Wenn andere einen ähnlichen Geschmack haben und daher finden, dass das was ich Schreibe dabei hilft für sie ein gutes Spiel zu identifizieren, dann finde ich das gut. Die Jury selbst versteht sich aber als Verein der einen Kritikerpreis verleiht und dann auch nicht nur irgendeinen, sondern den Preis, den Spiele-Oscar. Da finde ich es schon merkwürdig, wenn sie sich zu Produkttestern degradieren, die besonders darauf achten, dass alles verständlich und lesbar ist und gut produziert. Was daraus folgt ist meiner Meinung nach der Kniefall vor dem Konsum, denn wenn ein Spiel erst als Konsumprodukt überzeugen muss, bevor es als Kulturobjekt gewürdigt wird, stimmt da für mich etwas nicht. Oder vielleicht auch besser nicht mehr, denn ich vermute das es mit der schieren Zahl der Veröffentlichungen zu tun hat, die bewältigt werden wollen. Früher war es einfacher das beste Produkt zu finden und wahrscheinlich war es meist auch Deckungsgleich mit dem besten Spiel, denn es gab einfach nicht so viele gute Spiele wie heute.
Eieiei, das war schon wieder ganz schön viel, was mir da im Kopf rumschwirrte seit der letzten Woche und eigentlich könnte ich gerade noch drei Blogbücher schreiben, aber das hebe ich mir noch auf.
Ähnlicher Tenor wie der Text auf Spielbar.com
Tja der Warencharakter und Stiftung Warentest Ansatz, beißt sich schon ein bisschen mit dem Anspruch „Kulturgut“.
Ebenso kommt der Jury immer wieder ihr Anspruch zu Statements über das Spiel hinaus in den Weg. Denn beides verstellt den Blick auf das Wesentliche, solange dort nicht eine klare Richtung gefunden wird.
Gibt es technische Mindest-Anforderungen? Die haben ja Filmpreise auch.
Gibt es eine klare politische Haltung anhand derer auch Kandidaten ausgeschlossen werden können? Die haben ja Literaturpreise auch.
Bei Filmen, Büchern, Biennale-Pavillons, selbst bei Birkenstockschuhen, gibt es eine breite öffentliche Debatte darüber, was auszeichnungswürdig ist und sogar wer die Stakeholder hinter den Produkten sind etc. Von Welt bis Junge Welt rauschen dort die Blätter des Feuilletons.
Diese Debatte ist manchmal mehr, manchmal weniger hilfreich, aber es gibt dort mehr Haltung und Klarheit.
Bei Spielen gibt es ein paar Mikroblogger die einen Expertenpreis fordern und das war es.
Und dieses Defizit ist auch ein Symptom und vielleicht auch ein Stück zusammenhängend mit dem „Stiftung Warentest Charakter“ des SdJ und dem Warencharakter des Spiels als Produkt.
Überspitzt gesagt:
Wer lieber die Martindalezahl von Spielmatten bestimmt, als rauszuarbeiten warum das Medium inhaltlich für unsere Gesellschaft relevant ist, kann schwer gleichzeitig einfordern mit anderen Medien gleich behandelt zu werden.
Das Schlimme ist, dass die Jury alles gleichzeitig versucht und dadurch das Ganze aber schwammig wird.
Wäre weniger mehr? Ich weiß es nicht.
Jedenfalls Hut ab vor den ehrenamtlichen, die nicht nur den Dschungel an Spielen lichten, sondern auch das Dickicht an eigenen und fremden Anforderungen an diesen Preis. Danke Jury!
Danke für deinen schönen Kommentar und ich schließe mich deinem Dank an die Jury an! Ich bin Fan des Preises und der Jury, stelle aber in den letzten Jahren fest, dass sich der Preis schleichend verändert hat und einige Aussagen in einem Widerspruch zu stehen scheinen.