Moon Colony Bloodbath – Rebellion der Maschinen

Moon Colony Bloodbath

Donald X. Vaccarino ist anscheinend ein Phänomen – zumindest wenn es um ihn und seine Beziehung zum Spiel des Jahres geht. Er verschwindet immer wieder von der Bildfläche und veröffentlicht nur recht selten Spiele, aber wenn, dann kommen sie anscheinend bei der Jury für das Spiel des Jahres sehr gut an. So geschehen 2009 mit dem Klassiker Dominion, 2012 mit Kingdom Builder und nun mit Moon Colony Bloodbath. Auch bei diesem Spiel muss ich ähnlich wie bei Morty Sorty Magic Shop zugeben, dass ich es zunächst aufgrund des Covers ignoriert habe. Wer will es einem denn verübeln, Rio Grande Games sind berühmt und berüchtigt für ihre wahnsinnig schlechten Spielcover und deshalb habe ich dieses zunächst auch nicht als das wahrgenommen, was es eigentlich sein sollte, eine Hommage an die Pulp Science Fiction Heftchen aus den 20er bis 50er Jahren. Als das Spiel dann bei Alea erschien wurde ich hellhörig und spielte schon mit dem Gedanken es doch auszuprobieren. Als es dann aber auf der Kennerspiel Nominierungsliste auftauchte, war mir klar dass ich nicht drum herum kommen würde. Allein schon wegen dem Titel hätte ich nie gedacht, dass es dort landen könnte, also hier nun meine Review.

Worum geht es?

Moon Colony Bloodbath ist eine Art Tableau-Builder, bei dem wir unser Tableau zunächst aufbauen, um es durch die unausweichlichen Ereignisse des Spiels hinterher wieder einzureißen. Der Titel verrät dabei schon das Setting des Spiels. Wir befinden uns auf dem Mond und bauen unsere Mondbasen aus, bis irgendwann die Maschinen durchdrehen und zusätzlich zu dem ohnehin gefährlichen Unterfangen ihre Opfer fordern. Unweigerlich wird alles immer hoffnungsloser und wer von den Mitspielenden am längsten durchhält und am Ende die meiste überlebende Bevölkerung aufweisen kann gewinnt das Spiel, welches natürlich mit einer ziemlichen Prise schwarzen Humors angereichert ist.

Moon Colony Bloodbath – Spieler*innentableau zu Spielbeginn / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Vaccarino begründete mit Dominion und seinem Deck Building quasi ein gesamtes neues Genre und auch in diesem Spiel bauen wir ein Deck, allerdings nicht jeder für sich, sondern alle gemeinsam und auch ist „bauen“ wahrscheinlich der falsche Begriff, denn er impliziert ja schon einen gewissen Plan, das ist allerdings nicht immer der Fall und das Deck entwickelt sich immer in dieselbe Richtung. Die der Vernichtung der Spieler*innen aber fangen wir beim Spielaufbau an, der das auseinandersortieren diverser Kartentypen erfordert.

Die Spieler*innen selbst starten die Partie mit einem Tableau, vier Aktionsmarken, 30 Bevölkerung und je vier Geld- und Nahrungsressourcen. Hinzu gesellen sich noch fünf Vorteilskarten, die den Spieler*innen Boni versprechen, wenn sie diese in den Spielstapel bekommen sollten. Der Spielstapel muss ebenfalls zu Spielbeginn vorbereitet werden und enthält erst einmal eine überschaubare Anzahl von Karten. Es sind nur acht Stück und sechs davon sind in jeder Partie identisch: vier Arbeitskarten, die für die Spieler*innen Aktionen auslösen, sowie zwei Problemkarten, die, nun ja der Name spricht für sich selbst… Die restlichen beiden Karten stammen aus dem zuvor gemischten Twist-Stapel und werden zufällig gezogen. Dieses Deck wird in die Mitte gelegt und im Laufe der Partie immer wieder durchgespielt. Sollte eine neue Karte in das Deck gelegt werden, so kommt sie oben auf den verdeckten Stapel und nicht auf den Abwurfstapel. Das bedeutet sie wird immer als nächstes gezogen.

Moon Colony Bloodbath – Verschiedene Kartenstapel in der Mitte / Foto: Spieltroll

Neben den Twist-Karten gibt es auch noch Roboterkarten, die ebenfalls gemischt werden. Beide Stapel werden verdeckt mit einem Erkennungsmarker in die Mitte des Tisches gelegt. Zwei weitere Stapel werden dort ebenfalls bereitgelegt, nur werden diese nicht gemischt. Die Entwicklungs- und Ereigniskarten kommen nach und nach so in den Spielstapel. Die Ereignisse sind nummeriert und kommen immer in derselben Reihenfolge ins Spiel. Die letzte Karte „Bedienungsanleitung“ beendet das Spiel automatisch. Die Entwicklungskarten kommen durch andere Karten in den Stapel und werden dann einfach herausgesucht.

Moon Colony Bloodbath – Verschiedene Twist-Karten / Foto: Spieltroll

Neben all diesen Stapeln gibt es noch einen weiteren und das ist fast der wichtigste, denn das sind die Gebäude, die wir in unseren Mondkolonien errichten können. Auch diese Karten mischen wir zum Start, geben den Mitspieler*innen jeweils vier Karten auf die Hand und legen den Stapel als Nachzugstapel in die Mitte.

Genug der Vorbereitung das Spiel kann beginnen. Es endet, ganz simpel, wenn irgendwer der Mitspielenden keine Bevölkerung mehr hat. Wir haben es also mit einem Rennen zu tun. Zum Zeitpunkt des Spielendes gewinnt, wer die meiste Bevölkerung in seiner Kolonie hat. Der Spielablauf ist dabei auch maximal simpel. In jedem Spielzug wird die oberste Karte des Spielstapels aufgedeckt und auf den Ablagestapel gelegt. Die Karte wird ausgeführt und fertig. Das wiederholt sich so lange, bis der Spielstapel leer ist und der Ablagestapel neu gemischt wird und dann geht es genauso weiter. Klingt erstmal nicht nach viel und das ist es auch nicht.

Moon Colony Bloodbath – Der Spielstapel zu Spioelbeginn / Foto: Spieltroll

Die Zusammensetzung des Stapels zu Beginn erwähnte ich ja schon und dabei können ein paar unterschiedliche Dinge passieren. Wir drehen zum Beispiel eine der „Arbeit“-Karten um. Dann dürfen die Spielenden eine Aktion ausführen. Ihr Tableau zeigt ihnen fünf verschiedene an: Mit Schürfen, Ernten, Forschen und Aufstocken kommen wir an Ressourcen. Geld, Nahrung, Karten und Warenkisten, die wir auf Gebäuden platzieren und für gewisse Karteneffekte gebrauchen können. Die Bauen Aktion weicht als einzige ab, denn mit ihr können wir eine unserer Handkarten in unsere Mondkolonie bauen. Gebäude verfügen neben etwaiger Fähigkeiten und einer Kartenfarbe über zwei Werte: Ihre Kosten in Geld geben an, was wir bezahlen müssen, um die Karte zu bauen und einen Bewohnerwert. Dies sind Bewohner die tatsächlich in unserer Kolonie leben. Dazu gleich mehr.

Gebäudekarten und unsere Aktionen sind Farbkodiert. Das heißt jede Aktion hat eine andere Farbe und auch die Gebäude haben entweder eine dieser Farben oder sind weiß. Sobald wir eine der Aktionen ausführen, werden auch die Fähigkeiten der farblich passenden Gebäude ausgeführt. Wollen wir als zum Beispiel ernten um Nahrung zu erhalten, würde auch eine Kartoffelfarm ausgelöst werden und uns weitere Nahrung bringen. Manche Gebäude führen dazu, dass wir eine unserer Vorteilskarten auf den Stapel legen dürfen, der mir, und nur mir einen Bonus einbringt, sobald er aufgedeckt wird. Wieder andere Karten verlangen von mir eine bestimmte Entwicklungskarte auf den Stapel zu legen, was den Fortschritt der Kolonie symbolisiert.

Moon Colony Bloodbath – Verschiedene Gebäude-Karten / Foto: Spieltroll

Aber es gibt ja nicht nur „Arbeit“-Karten im Stapel, sondern auch „Problem“-Karten, welche durch das Hinzufügen von Ereigniskarten für den negativen Fortschritt in den Kolonien sorgen. Mit der dritten Ereigniskarte werden dann nach und nach auch die Roboter mit ihren Fehlfunktionen in das Spieldeck integriert, sorgen sie doch hauptsächlich für einen Bevölkerungsverlust.

Die Spieler*innen müssen also dafür sorgen ihre Kolonie aufzubauen, denn dadurch erhalten sie weitere Bevölkerung. Wann immer sie nämlich Bevölkerung verlieren entfernen sie zunächst ihre Marker. Sollten keine mehr vorhanden sein, so müssen sie Gebäude wieder aufgeben und mit ihrer Bevölkerung den weiteren Schwund bezahlen. Sollte da noch Bevölkerung übrigbleiben wandern diese zunächst wieder in den eigenen Vorrat und werden alsbald, so viel ist sicher, auch verschwinden. Damit wäre zum Spielverlauf auch schon alles gesagt.

Das Fazit

Moon Colony Bloodbath ist ein durchaus interessantes Spiel, wenngleich es auch mitunter ein wenig stumpf wirken kann. Oft höre ich den Kritikpunkt, dass Spieler*innen sich ein wenig vom Spiel gespielt fühlen und da werde ich hellhörig, denn das war auch schon bei Kingdom Builder der Fall. Während ich bei Kingdom Builder den Verdacht hatte, das der Hauptteil des Spiels abgeschnitten wurde und nur die Hauptmechanik übriggeblieben war, ist das hier meiner Meinung nach nicht der Fall. Am Ende des Spiels, wenn die Kolonien dekonstruiert werden kann dieser Eindruck definitiv entstehen. Der Einfluss in dieser Phase des Spiels ist nicht mehr besonders groß und die Spieler*innen machen nur noch Verzweiflungsaktionen, um die Bewohnerzahlen oben zu halten. In der ersten Hälfte des Spiels kann ich diesen Eindruck aber nicht gelten lassen. Hier kann agiert werden und die Spieler*innen sollten sich schnell einen Weg überlegen das Beste aus ihren vorhandenen Ressourcen herauszuholen, denn das Ende kommt früher als sie denken.

Moon Colony Bloodbath – Vorteilskarten mit Boni / Foto: Spieltroll

Hier setzt einer meiner Kritikpunkte an und den finde ich schon relativ gewichtig, denn einige Karten sind eindeutig besser als andere und welche wir erhalten ist rein vom Zufall bestimmt. Das Hacker-Versteck ist zum Beispiel eine solche Karte. Mit ihr können wir das lästige Ereignis Papierkram ignorieren. Welches uns zwar immer eine Karte ziehen lässt, aber wir müssen danach auch zwei abschmeißen. Das sorgt recht schnell dafür keine Handkarten mehr zu haben, vor allem weil es bereits das zweite Ereignis ist, das ins Spiel kommt, also bereits nach dem ersten Umlauf des Spieldecks im Spiel ist. Gut für diejenigen, die eine Kopie davon finden. Auch die Vorteilskarten sind ein nicht zu unterschätzender Faktor, sie ins Spiel zu bekommen ist aber nur über ein paar Karten möglich. Gelingt mir das früh habe ich tatsächlich einen Vorteil und die anderen gucken in die Röhre, wenn ihnen Gleiches nicht auch gelingt.

Die Bewohner der Kolonie sind also faktisch nichts anderes als Lebenspunkte und die Gebäude verlängern unseren Überlebenskampf. Auch das Spielverhalten verändert sich in der Dekonstruktionsphase deutlich. Zu Beginn achtest du noch auf eventuelle Synergien, aber später geht es nur noch um die Lebenspunkte und dann baust du, sofern du es noch kannst auch einfach bestimmte Gebäude nur, weil sie dir mehr Bewohner bringen als andere Karten. Moon Colony Bloodbath verfährt nach dem Motto: „Du musst nicht schneller sein als der Löwe, nur schneller als die andere Beute!“ Auch wenn Paleo völlig anders gelagert ist, weil es ja kooperativ ist, ist das Spielgefühl durchaus ähnlich, denn auch hier ist die Umgebung meist nicht gut zu uns und wir versuchen uns am Überleben zu halten. Wir spielen auch hier mit einem gemeinsamen Deck erleiden nur jeder für sich immer eine Karte und nicht alle die gleiche.

Moon Colony Bloodbath – Verschiedene Roboter / Foto: Spieltroll

Mir macht Moon Colony Bloodbath trotz all der negativen Punkte, die ich auch nicht ausräumen kann und Verständnis für ihre Nennung habe, dennoch Spaß und ich spiele es gerne. Es ist ein Überlebenskampf und die laufen halt nicht immer fair ab und deshalb müssen wir mit dem klarkommen, was wir vorfinden. Das Setting bleibt dennoch auch hier schwach und lässt mich erstaunlich kalt. Letztlich ist Moon Colony Bloodbath ein sehr mechanisches Spiel mit einigen Glücks- und Zufallsmomenten. Die Nominierung kann ich allerdings nur bedingt nachvollziehen. Moon Colony Bloodbath hat im Nachhinein in der zweiten Hälfte mehr gemeinsam mit Spielen wie Challangers oder Tag Team, bei denen gewisse Spielteile ja auch automatisch ablaufen.


  • Verlag: Alea, Ravensburger
  • Autor(en): Donald X. Vaccarino
  • Illustrator(en): Franz Vohwinkel
  • Erscheinungsjahr: 2026
  • Spieleranzahl: 1-5 Spieler*innen
  • Dauer: 45-90 Minuten

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