Rebirth – Aufbruch in eine neue Zeit

Rebirth: Aufbruch in eine neue Zeit

Ich glaube jede*r, der sich Brettspieler*in nennt, weiß was Reiner Knizia kann und das ist Spiele am Fließband veröffentlichen und seine Ideen immer wieder aufgreifen und Verbesserungen einbauen. Darüber hinaus verfügen viele seiner Spiele über eine Art Eleganz was die Mechaniken betrifft. Sie brauchen selten viele Regeln und lassen sich dadurch schnell verinnerlichen. An dieser Stelle wird es Zeit davon zu sprechen, dass Rebirth das Zeug zu einem modernen Klassiker hat, auch wenn diese Floskel nicht überstrapaziert werden sollte. Die Nominierung zum Kennerspiel des Jahres 2026 kommt in diesem Fall auch nicht von ungefähr und ich sehe diesen Titel auch nicht in Gefahr, diese Auszeichnung auch nicht zu erhalten. Reiner Knizia war schon oft nominiert, hat den Preis aber nur einmal für Wer war’s? (Kinderspielpreis) und Keltis (Familie) erhalten. Diesmal also der Kennerpreis. Was ist an diesem Spiel so gut? Oder ist es überhaupt nicht so gut wie alle immer behaupten?

Worum geht es?

Rebirth – Schottland Spielfeld / Foto: Spieltroll

Nun ja, ich sag es mal so, dass ist tatsächlich völlig egal. Das Thema spielt hier einfach gar keine Rolle und das Setting macht auch nicht so richtig Sinn. Anscheinend haben wir alles zerstört und bauen es nun grüner wieder auf. Zumindest tun wir das in Schottland oder Irland, je nachdem welche Seite des Spielbretts wir benutzen. Wir tun das in der Tat alle auf dem gleichen Spielbrett indem wir Plättchen platzieren und Punkte generieren. So funktioniert der Wiederaufbau. Schon mal merken, wenn wir es wirklich verkacken.

Wie läuft das ab?

Das Spiel ist ratzfatz aufgebaut, denn es gibt nur wenige Komponenten. Das Spielbrett liegt in der Mitte. Wir starten am besten mit Schottland, die Seite ist etwas zugänglicher. Ja jedes Spielbrett hat ein paar andere Bedingungen, aber nur marginal. Dazu später noch mehr. Die Spieler*innen haben alle einen Satz von Spielplättchen, Burgen und Klöstern in ihrer Farbe. Die Anzahl der Plättchen hängt von der Mitspieler*innenanzahl ab und werden verdeckt gemischt und bereitgelegt. Bin ich an der Reihe, ziehe ich eines und lege es auf ein leeres Feld des Spielplans. Drei Arten von Plättchen habe ich in meinem Vorrat. Blitze muss ich auf Felder mit Blitzen oder auf leere Felder legen. Genau gleich läuft es mit Pflanzensymbolen. Entweder auf ein Pflanzsymbol oder auf ein leeres Feld. Häuser muss ich auf ein Siedlungsfeld legen.

Rebirth – Spielplättchen einer Farbe / Foto: Spieltroll

All das hat natürlich einen Sinn. Ich möchte möglichst viele Punkte machen. Siedlungsfelder werden erst gewertet wenn auf allen Feldern Häuserplättchen liegen. Dann wird geschaut wer die meisten Häusersymbole in der Siedlung hat und dafür Punkte vergeben. Die Häuserplättchen gibt es nämlich in verschiedenen Ausprägungen mit unterschiedlich vielen Häusern. Mit den Blitzen und Pflanzen möchte ich möglichst große Gruppen auf dem Spielfeld erzielen. Jedes Plättchen bringt dabei Punkte. Das erste Plättchen nur einen und dann immer einen mehr für jedes weitere Plättchen in der Gruppe. Das kann sich nach hinten raus richtig auszahlen.

Rebirth – Unterschiedliche Felder auf dem Spielplan / Foto: Spieltroll

Auf dem Spielplan gibt es auch noch weitere Felder. Zum Beispiel Burgen. Wer neben einer Burg das erste Feld besetzt, stellt eine der eigenen Burgen auf das Burg Feld. Sobald jemand mehr Felder neben der Burg kontrolliert wird die Burg ausgetauscht. Burgen sind am Spielende jeweils fünf Punkte Wert auch das kann sich lohnen. Kathedralfelder sind auf der Schottlandseite des Spielplans dafür da, um weitere Punktemöglichkeiten für das Spielende zu generieren. Wer ein Plättchen neben einem Kathedralfeld besetzt, zieht eine Karte vom Stapel und erhält so eine Möglichkeit Punkte zu generieren. Zum Signal, dass das Feld schon für eine Karte gesorgt hat, platzieren wir eine unserer Kathedralen darauf. Die Karten können einfach Punktelieferanten sein oder haben bestimmte Bedingungen, wie zum Beispiel bestimmte Felder die besetzt werden müssen oder Ähnliches.

Rebirth – Siegpunktkarten für das Spielende / Foto: Spieltroll

Das sind auch schon alle Regeln. Auf der Irland Seite läuft das Spiel identisch ab. Es gibt nur offene Siegbedingungen, die verschiedene Punkte einbringen, je nachdem wie schnell wir sie erledigen können. Die Kathedralen fallen auf der Seite weg und werden durch spezielle Türme ersetzt, die mit Bonusplättchen bestückt werden und verschiedenen Belohnungen einbringen, wenn wir uns neben sie platzieren. Mehr gibt es an dieser Stelle nicht zu erwähnen, der Rest folgt im Fazit.

Rebirth – Teile der Irlandkarte / Foto: Spieltroll

Das Fazit

Die Regeln sind wirklich sehr zugänglich und überschaubar. Allerdings entwickelt Rebirth eine nicht zu unterschätzende Tiefe und durch die zu treffenden Entscheidungen auch Spannung und fordert von mir Entscheidungen. Lege ich ein Plättchen, um eine Gruppe zu vergrößern, oder versuche ich mir z. B. eine Burg zu sichern. Durch die Burgen lohnen sich dann vielleicht mehrere Gruppen aus Blitzen oder Pflanzen auf dem Spielfeld und dann kommen auch schon die Mitspieler*innen in die Rechnung mit hinein, die alle auf dem gleichen Brett agieren und mir zusätzlich den Platz klauen und mich eventuell abschneiden von guten Möglichkeiten. Hier erinnert Rebirth mich fast schon an Go.

Zusätzlich muss bedacht werden, dass Rebirth es schafft diese spannenden Entscheidungen mit der Auswahl von nur einem Plättchen zu erzeugen. Denn ich habe ja keinerlei Auswahl auf meiner Hand. Das finde ich schon ziemlich bemerkenswert.

Rebirth – Burg und Plättchen / Foto: Spieltroll

Generell habe ich alle Freiheiten, kann mal hier und mal dort ein Plättchen setzen und das gefällt mir ziemlich gut. Vielleicht gebe ich dann einfach auch mal einen Plan auf und starte woanders neu. Die Wertungskarten habe ich in diese Überlegung noch gar nicht miteinbezogen. Vielleicht lohnt es sich eine zu erfüllen, vielleicht aber auch eben gerade nicht, weil mir eine Gruppe von Plättchen deutlich mehr Punkte einbringen wird. Das fordert schon spannende Entscheidungen von mir und das in einem permanenten Rhythmus, bis das Spiel zu Ende ist. Denn ein Zug dauert ja nie lang. Das gezogene Plättchen legen, Punkte kassieren und neues ziehen. Während die anderen legen kann ich schon mal überlegen, was ich mit dem neuen Plättchen machen werde. Natürlich können immer Situationen entstehen, bei denen ich neu nachdenken und nachjustieren muss. Aber in der Regel ist der Spielfluss einfach toll.

Rebirth ist tatsächlich ein richtig tolles Spiel, weil es von vorne bis hinten spannend bleibt und aus sehr wenigen Regeln und Möglichkeiten dennoch so viel macht. Das Spiel ist von der Komplexität eigentlich ein Familienspiel, das aber durch seine taktische Tiefe auch den vielen Vielspieler*innen Freude machen wird. Der Spielplan eines jeden einzelnen entsteht erst im Verlauf der Partie und während ich am Anfang ein ganzes Spielfeld zur Verfügung habe, werden die Entscheidungen immer einengender und damit vielleicht sogar manchmal eher leichter, weil selbstverständlicher. Du lernst in jeder Partie ein bisschen mehr dazu, was du machen solltest und was nicht, welche Eventualitäten entstehen könnte durch den Zufall der gezogenen Karten oder der Plättchen Reihenfolge.

Timing ist ein weiteres wichtiges Stichwort. Es spielt durchaus eine große Rolle sich Burgen früh zu sichern, oder neben vielen Kathedralen früh Plättchen zu setzen, denn dann habe ich ja umso länger Zeit mich den Aufgaben zu widmen. Im Gegenzug zerfasern sich meine Plättchen aber vielleicht auch zu stark. Wieder eine dieser Abwägungen.

Rebirth ist elegant und hat etwas Klassisches, um nicht oldschoolig zu sagen. Das Material gefällt mir ganz gut auch wenn du bei Plättchen nicht viel falsch machen kannst. Das Thema ist hier wohl der leidigste Punkt. Thematisch macht das hier kaum Sinn und das Thema hat nichts mit dem Spiel zu tun, aber das ist ja bei so vielen Spielen der Fall, dass ich das kaum mehr als negativen Punkt anführen kann. Das Spiel bietet, und das merkt ihr sofort, viel Platz für Erweiterungen und weitere Karten auf denen das Spielprinzip bestehen bleibt aber immer neue Möglichkeiten zum Punkten der Plättchen gefunden werden könnten. Würde mich sehr wundern wenn wir nicht bald wie bei Zug um Zug weitere Karten erhalten werden. Ich sehe schon ein Rebirth Deutschland und Frankreich…

Auch bei diesem Spiel kann ich nicht anders und muss meinen Orden anheften. Für mich eines der besten Spiele der letzten Jahre.


  • Verlag: Frosted Games
  • Autor(en): Reiner Knizia
  • Illustrator(en): Anna Przybylska, Vesna Redesiuk
  • Erscheinungsjahr: 2025
  • Spieleranzahl: 2-4 Spieler*innen
  • Dauer: 45-60 Minuten

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