
Mittlerweile hat das digitale Brettspielen einen nicht zu unterschätzenden Teil meines Hobbys eingenommen. Gleichzeitig habe ich aber auch festgestellt, dass meine Lust Spiele am PC oder auf der Playstation zu spielen eindeutig nachgelassen hat. Also nicht die Zeit mit den digitalen Spielen hat sich verändert, nur die Form. Mein Brettspielhobby bietet mir heutzutage aber auch sehr viele Möglichkeiten mich auch digital auszutoben. Zum einen wären da natürlich digitale Appversionen von bestehenden Brettspielen, die ich über das Netz mit andere oder auch gerne solo abends auf der Couch spielen kann. Dann gibt es da natürlich auch die Brettspielportale, wie Yucata und vor allem die Boardgamearena, wo ich gerne unterwegs bin und online gegen Fremde meine Lieblingsspiele spielen kann. Nicht zuletzt müssen aber auch die Brettspiele erwähnt werden, die digitale Komponenten besitzen, wie zum Beispiel das hervorragende Boss Fighters QR, welches gerade für den Kennerspiel Preis des Spiel des Jahres nominiert wurde. Auch solche Spiele gewinnen immer mehr an Bedeutung, ob das nun allen gefällt oder nicht. Der Unmut ist bei diesem Thema bisweilen sehr groß. Um all das soll es heute aber gar nicht gehen, denn heute möchte ich ein bisschen über eine weitere Form des digitalen Brettspielens reden, nämlich über das Teburu-System, welches sich seit kurzem in unserem Haus befindet.
Kennt ihr das System schon? Nein? Doch? Egal, ich erklär erst mal ein bisschen was dazu. Das Teburu-System ist ein vor allem durch seinen Preis auffallendes System das man am ehesten mit den gängigen Videospielkonsolen vergleichen kann, nur eben für Brettspiele auf dem Tisch und nicht vor dem Fernseher, wobei zumindest einen Bildschirm braucht es dann doch. Dieses System wird wie ein Brettspiel auf dem Tisch aufgebaut. Ein mit Sensoren gespicktes Spielfeld samt Stromversorgung liegt auf dem Tisch. Je nach Spiel werden Spielfeld und weitere Komponenten auf der Konsole aufgebaut. Spielfiguren verfügen ebenfalls über technische Komponenten, so dass sie in Echtzeit vom Spielfeld erkannt werden. Zusätzlich benötigen wir dann noch die für das jeweilige Spiel gedachte App, die wir am besten auf einem Tablet neben dem Spielbrett betreiben. Auch digitale Würfel stehen zur Verfügung, die vom System erkannt werden.
Bisher existieren zwei Spiele für das System: Vampire: The Masquerade – Milan Uprising und The Bad Karmas. Letzteres in zwei Varianten, eine mit Cthulhu-Thematik. Weitere Spiele sind in der Mache. Zum Jahresende wird Sword & Sorcery erwartet und im nächsten Jahr ein Spiel mit dem Namen Hoxfall, sowie eine Umsetzung von Black Rose Wars: Resonance. Meine Erfahrungen beziehen sich nur auf das Spiel The Bad Karmas und auf Hörensagen über das Vampire-Spiel. Da sich viele auf eine Umsetzung des beliebten Vampire: The Masquerade-Settings gefreut haben und das Spiel bei vielen so gar nicht gut ankam, war der Start für das System holprig. The Bad Karmas als IP kannte keiner und inzwischen hat sich rumgesprochen, dass dieses Spiel das deutlich bessere ist.
Generell war ich eher skeptisch bevor ich mich mit dem System auseinander gesetzt habe. Der Preis schreckt erstmal ab. Das Game-Board, welches für das Spielen ja notwendig ist, schlägt schon mal mit 120 Euro zu buche. Eines der Spiele dann nochmal mit 130 Euro. Das ist schon eine Menge Holz und dann sind beides auch noch Kampagnenspiele, die mit Erweiterungen fortgesetzt werden sollen. Hier möchte ich einmal beispielhaft The Bad Karmas beleuchten. Das Spiel ist ein Bossbattler bei dem wir uns mit einer Truppe von bis zu fünf Helden, großen, an die Sternzeichen angelehnten Bossen widmen. In der Grundbox des Spiels sind aber erst vier enthalten. Mit jeder Erweiterung kommen vier weitere hinzu und es gibt fünf spielbare Charaktere in der Startbox. Weitere Heldenboxen mit je vier weiteren Charakteren sind ebenfalls verfügbar. Sagen wir mal du möchtest das alles haben, um die Kampagne komplett durchzuspielen und dabei auch noch viel Abwechslung mit deinen Charakteren haben, dann bist du alles in allem mit über 600 Euro dabei! Das ist ganz schön happig.
Das muss aber jeder selber wissen. Ein bisher weiterer Kritikpunkt war die Technik, die verwirrend sein soll und immer wieder zu Abstürzen und Problemen führen sollte. Nun da kann ich persönlich für das Spiel Bad Karmas Entwarnung geben. Nachdem du alles erstmal verstanden hast und weißt was du wie betreiben musst, funktioniert das System reibungslos. Und sicher kommt das mit dem späten Einstieg meinerseits. Denn die Entwickler arbeiten ständig am System, immer wieder kommen Updates. Ich kann da nicht meckern, weder die Stromversorgung ist heftig, sondern eher normal für die Komponenten, noch hatte ich Abstürze des Systems oder Aufhänger. Lediglich eine nervige Fehlermeldung die mit dem Würfel und einem speziellen Charakter zusammenhängt kann ich bemängeln. Wann immer dieser Charakter würfeln soll und wohlgemerkt immer nur dieser (der mit dem weißen Ring), sagt das System auch bei einem vollaufgeladenen Würfel, dass dessen Akkustand niedrig sei. Ist nicht schlimm, nervt nur ein bisschen.
Wo ich aber dennoch Kritik üben muss ist der Start, der wird einem nämlich nicht so leicht gemacht. Ihr müsst euch vorstellen, das teure Zeug kommt zu euch und ihr macht es auf und außer einem DIN A5 Zettel zum Aufbau findet ihr keinerlei schriftliche Informationen in den Schachteln. Dieser Zettel erklärt dir dann welches Kabel wohin muss und welche App du dir runterladen musst und wie bei den Spielen die Anmeldung der Spielfiguren funktioniert, aber zumindest in meiner Version war der Zettel nicht aktuell, denn das System wurde schon viel weiter entwickelt. Es gibt eine Systemapp, mit der du die Komponenten initialisieren kannst und die dir Ladestände usw. zeigt. Diese brauchst du, soweit ich das verstanden habe inzwischen aber gar nicht mehr, denn die Bad Karma App übernimmt das alles für dich, der Zettel sagt dir aber das du sie brauchst. Die Bossfiguren müssen mit einem LED-Ring, der speziell für dieses Spiel ist gekoppelt werden und dann laut Zettel an einer bestimmten Stelle, neben der Ladeschale des Würfels initialisiert werden. Das ist aber inzwischen nicht mehr nötig, wurde anders geregelt. All das ist verwirrend. Bevor ihr Spielen könnt plant also Zeit ein.
Inzwischen klingt das ganze schon wie eine Review und dabei wollte ich eigentlich nur darüber sinnieren, wie sinnig so ein Spiel ist und ob sich der Aufwand und das Spiel überhaupt lohnen. Und um die ganzen digitalen Kritiker miteinzubeziehen, ob das überhaupt noch Brettspiel ist und ob wir nicht schon genug auf Bildschirme starren? Im Falle der Bad Karmas muss ich sagen, dass mir das Spiel tatsächlich einen Heidenspaß gemacht hat. Soviel, dass ich mir inzwischen sogar eine Erweiterung gekauft habe. Ist ein solches Spiel noch Brettspiel? Ein eindeutiges Ja. Alle sitzen am Tisch es wird besprochen wie wir vorgehen, es wird gelacht, gescherzt, gefachsimpelt und gerätselt, wie wir den Boss in seinem Gebiet am besten umlegen können. Das wir dabei nur virtuelle Karten auf einem Smartphone durchschauen und diese per Klick an die App senden ist nichts anderes als der Vorgang eine echte Karte zu spielen, nur das die App für uns Verwaltungsaufwand trackt. Wir müssen die Karten nicht mit Zeitmarkern versehen und jede Runde einen entfernen, damit wir wissen, wann wir Fähigkeiten wieder einsetzen müssen. Es sind technische Spielereien möglich, die analog viel zu Aufwendig wären, aber so einen Bosskampf einfach besser gestalten. Das ist genau der Grund weswegen mir das The Witcher Gwent im Computerspiel so gut gefällt, es aber analog für mich keinen Sinn ergibt.
The Bad Karmas erinnert mich am ehesten an das letztjährige recht populäre digitale Sunderfolk, welches Gruppen im Couch Coop mit ihren Smartphones vor dem Fernseher spielen konnten. Ein ähnliches Gefühl kommt hier auf nur an einem Tisch. Wer natürlich nicht auf Bildschirme starren möchte und das finde ich völlig in Ordnung, sollte Abstand von so einem Produkt nehmen. Aber ich finde The Bad Karmas und das System tatsächlich einigermaßen faszinierend, denn du kannst eine Partie so natürlich auch über das Internet spielen. Die Steuerung über eigene Smartphones ist übrigens nur optional. Das Tablet mit App kann auch rumgereicht werden und jeder macht seinen Zug darüber, aber das beste Erlebnis hatten wir mit Tablet neben dem Spielfeld, wo das Spiel alle ansagen getätigt hat und dann jeder seine Helden über sein Smartphone gesteuert hat.
Es ist ein teurer Spaß und erweitert für mich die Landschaft der Brettspielereien tatsächlich um eine weitere Dimension. Wenn die Umsetzungen von Dungeon Crawlern wie Sword & Sorcery gut gelingen und eines meiner Lieblingsspiele (Black Rose Wars) eine gute Umsetzung erhalten, dann sehe ich tatsächlich eine Zukunft für das System. Wenn ihr mal die Chance habt, spielt mal eine Runde The Bad Karmas es könnte euch gefallen.
Habt ihr irgendwas dazu beizutragen? Mich würden vor allem mal fundierte Meinungen zum zweiten Spiel interessieren, oder ob ihr sowas generell ablehnt und wenn ja warum?