
Am meisten überrascht es mich selbst, dass ich eine Review zu diesem Spiel schreibe, denn vor einem halben Jahr hätte ich selbst niemals geglaubt, dass ich dieses Luxusprodukt mal selbst ausprobieren würde. Ich habe rein gar nichts gegen digitale Komponenten in Brettspielen und mag auch viele Brettspielumsetzungen als App auf dem Smartphone oder dem Tablet, aber das hier ist etwas völlig anderes und auch mein erster Berührungspunkt mit dem Teburu-System. Wer ein wenig mehr darüber erfahren möchte, sollte sich diesen Beitrag durchlesen, da gehe ich ein wenig genauer auf das System ein, habe aber eigentlich nicht vor nur für das System eine Review zu machen, denn das wäre irgendwie eine Hardware-Besprechung wie in einem Tech-Magazin. Im Grunde kannst du Teburu nämlich als eine Spielkonsole für Brettspiele betrachten, bei der das Spiel noch mit physischen Komponenten auf einem digitalen Brett gespielt wird. The Bad Karmas and the Curse of the Zodiac ist dabei das einzige Spiel welches ich bisher selbst ausprobiert habe und davon möchte ich euch hier berichten.
Worum geht es?
Nun ja, das ist mir selbst nach dem Spielen dieses Spiels nur rudimentär klar. Also die Spieler*innen schlüpfen in die Rolle der Bad Karmas, das ist ein ziemlich bunt zusammengewürfelter Haufen von „Helden“, die sich in vier (zwölf) Bosskämpfen den Zodiac gegenüber befinden, denn nur wenn sie diese besiegen kann ein kataklystisches Ereignis abgewendet werden, welches die Welt zerstört. Einen kleineren Maßstab kann ich leider nicht bieten. Die Story wird nur am Rande in den kleinen Zwischensequenzen der App vorangetrieben. The Bad Karmas and the Curse of the Zodiac ist also ein Boss Battler, bei dem es unsere Aufgabe ist diese in einer Kampagne zu töten.

Wie läuft das ab?
Hier wird es jetzt ein wenig schwierig das alles richtig zu vermitteln. Ich fange mal beim Spielaufbau an, ohne zu sehr ins Detail zu gehen. Ihr baut die einzelnen Komponenten auf. Ihr benötigt das separat erhältliche Teburu-Board, welches in der Mitte des Tisches platziert wird und eine konstante Stromversorgung benötigt. Darüber hinaus benötigt ihr mindestens ein Tablet oder Smartphone. Ich bevorzuge an dieser Stelle eindeutig ein Tablet, was ihr an einer Seite des Bretts aufstellen könnt. Natürlich könnt ihr das natürlich auch noch auf einen Fernseher oder Monitor übertragen, falls sowas in eurer Nähe steht. Auf dem Tablet muss die App installiert sein. Das wäre die rudimentäre Ausstattung. Bei dieser Variante würde das Tablet um den Tisch gereicht werden müssen, je nachdem wer an der Reihe ist. Die deutlich bessere Variante ist es hier noch weitere Smartphone für die Spieler*innen zu benutzen, die ebenfalls die App installiert haben. Diese fungieren dann als Steuerelement für ihren eigenen Charakter.
Die App leitet einen sehr gut durch den Spielaufbau. Zunächst wird das analoge Spielbrett auf das digitale gelegt, was nur der Optik und der Übersicht dient, wobei das ist nicht ganz richtig, da komme ich gleich noch einmal drauf zurück. Ein digitaler Würfel wird in die Ladeschale des Bretts gelegt und die Spielfiguren aus der Schachtel genommen. Zum Spielaufbau eines Szenarios gehören mitunter auch noch ein paar Pappaufsteller als Hindernisse oder Interaktionsobjekte, die wir laut App auf die richtigen Stellen aufbauen. In diesem Grundset der Kampagne, ja richtig gehört, da gibt es noch mehr, sind nur vier der zwölf Bosse der Kampagne enthalten. Die Boss Figuren sind riesig und müssen zusätzlich zum Spielstart noch auf einen sogenannten LED-Ring gesetzt werden. Dieser sollte vorher aufgeladen worden sein. Die Ladestände lassen sich aber gut in der App verfolgen. Der Boss wird auf dem Brett positioniert und dann wählen die Spieler*innen ihre Charaktere. Einzelne Spieler*innen können auch mehrere Charaktere übernehmen. Der Boss skaliert nach Spieler*innen Anzahl bzw. der Anzahl der Charaktere.

Die Spielfiguren haben elektronische Komponenten in ihren Standfüßen und müssen am Spielbrett angemeldet werden. Danach erkennt das Spielbrett ihre Position auf dem Spielbrett. Im Starterset sind fünf Figuren enthalten und die sind wild gemischt. Ein mexikanischer Wrestler mit Axt, genauso wie eine Meuchlerin mit Dolch und Maschinenpistole. Die Charaktere erfüllen eindeutig die bekannten Rollen eines jeden Rollenspiels: Tank, Heiler, Supporter und Damage Dealer.

Dann geht es los und die App gibt erstmal den Ton an, was zu tun ist, aber dann sind die Spieler*innen an der Reihe und legen los. Zunächst müssen sie eine Reihenfolge festlegen in der sie agieren wollen. Nach jedem Charakter ist der Zodiac an der Reihe. Das sind die Voraussetzungen. Natürlich wissen sie nicht, was dieser tun wird und müssen versuchen sich möglichst klug zu verhalten. Der Boss hat ein Aggro Management und zeigt den Spieler*innen immer an, wer im Fokus seiner Angriffe steht. Allerdings kann ein Boss auch über Fähigkeiten verfügen, die in den Zügen der Spieler*innen ausgelöst werden. Sowas stellt sich im Laufe einer Partie heraus. Der LED-Ring gibt uns die Vorderseite des Bosses vor und drei weitere Richtungen aus denen wir den Boss angreifen können. Der LED-Ring kann dabei Farben auf den jeweiligen Seiten anzeigen, die für bestimmte Zustände stehen. Keine Farbe heißt das die Seite stabil ist, gelb steht für unstabil, rot für freigelegt und blau für aufgeladen. Ist eine Seite stabil, so ist es schwierig Schaden zu machen, wenn sie unstabil ist, können wir normalen Schaden machen. Ist sie freigelegt, landen wir kritische Treffer mit doppeltem Schaden. Aufgeladen ist meist nicht gut für uns und bereitet starke Angriffe vor.

Sind wir an der Reihe sehen wir auf unserem Smartphone eine Auswahl an Aktionskarten. Diese haben bestimmte Effekte und Reichweiten. Einige sind für den Nahkampf, andere lassen uns aus der Ferne agieren und dann gibt es da noch Supportfähigkeiten, die vom Boss unabhängig sind. Diese Aktionen haben Abklingzeiten, die die App für uns verwaltet und in späteren Zügen wichtig werden. Mehr gibt es erstmal nicht zu erzählen, denn das Spiel läuft dann immer so weiter. Eine Runde dauert bis alle Charatere einmal an der Reihe waren, dann startet eine neue Runde mit der Auswahl der Reihenfolge. Zusätzlich können die Spieler*innen an dieser Stelle immer auch noch eine Haltung wählen, mit der sie einem negativen Effekt ausweichen können. Das Spiel geht solange so weiter, bis der Boss fällt oder alle Karmas ausgeschieden sind und am Boden liegen. Solange noch einer steht, kann dieser die anderen versuchen wiederzubeleben, solange sie schon eine Runde ausgesetzt haben. Sie kommen mit verminderten Lebenspunkten zurück und erhalten so weitere Chancen.

Ein großer Teil des Spiels besteht darin einen Boss auch zu lesen und ihn zu verstehen. Manche Dinge macht er halt immer an den gleichen Stellen oder er reagiert gleich, wenn wir bestimmte Dinge tun. Ein Boss hat immer ein bestimmtes Repertoire an Angriffen, die wir vielleicht auch bewusst triggern können und mit den entsprechenden Haltungen abschwächen können. Hinzu gesellt sich die Umgebung. Die Pappaufsteller und auch Teile des Spielbretts, denn manchmal deuten diese durch ihre Gestaltung bestimmte Dinge an. Auch die App gibt ab und zu Hinweise, wie wir ihn vielleicht besonders ärgern können. sonst gibt es hier erstmal nicht mehr viel zu sagen. Bad Karmas ist ein recht standardisierter Boss Battler.
Das Fazit
Räumen wir erstmal die Technik aus dem Weg. Natürlich dauert es erstmal, wenn das System neu ist sich mit allem vertraut zu machen und das richtige Setup zu finden. Wenn du aber alles installiert hast und es alles läuft, funktionierte die App und alles andere superstabil und machte keine Probleme. Viele berichteten von Abstürzen oder extremem Stromverbrauch. Beides kann ich nicht bestätigen. Lediglich der Würfel buggt in Verbindung mit dem weißen Charakter herum. Sobald dieser im Spiel ist, zeigt die App im Spiel immer während einer Aktion mit ihm an, dass der Ladestand des Würfels niedrig ist. Das nervt ein wenig, entsprach aber auch nicht der Wahrheit. Der Würfel ist für uns auch nur ein Gimmick, das wir irgendwann nicht mehr genutzt haben, denn du kanns auch würfeln indem du einfach auf deinen Bildschirm tapst. Insofern also alles cool an dieser Front.
Spielerisch, muss ich sagen, macht The Bad Karmas richtig bock und das hätte ich im Vorfeld nie und nimmer erwartet. Das liegt für mich eindeutig an den total unterschiedlichen Bossen und den noch viel unterschiedlicheren Charakteren, die mit einer Vielfalt an Fähigkeiten daherkommen. Das Spiel hat taktisch so einiges zu bieten und erfordert von uns ständige Anpassung an die neuen Gegebenheiten. Ähnlich einem Boss Fighters QR müssen wir erst herausfinden, wie die Bosse funktionieren und wie wir ihnen beikommen können. Während der erste Boss hier noch als normaler Trainingspartner gilt, zeigen bereits die nächsten Bosse, dass es hier viel Variantenreichtum gibt.

Das Spiel mit den Farben im LED-Ring gibt uns einen klaren Fokus und wir versuchen das Beste herauszuholen. Da werden Bosse umkurvt, um an die freigelegte Stelle heranzukommen, denn doppelter Schaden haut richtig rein. Am Anfang wird aber noch nicht alles funktionieren, denn das Aggro Management des ein oder anderen Bosses wirkt erstmal seltsam und wir müssen lernen damit umzugehen. Auch die Umgebung gilt es zu beachten, kann diese doch manchmal nerviger sein als der Boss selbst. Hinzu kommen spezielle Fertigkeiten die in unserer Kartenauswahl auftauchen, wenn es Interaktionsmöglichkeiten mit diesen gibt.

Wir hatten und haben aktuell noch immer Spaß mit dem Spiel. Der große Downer ist hier aber der Preis. Heutzutage geben Spieler*innen für Deluxe-Versionen von Brettspielen durchaus viel Geld aus, aber das hier sprengt fast jeden Rahmen. Das Teburu-Board, ist für das Spielen notwendig und schlägt mit 120 Euro zu buche. Natürlich ist es eine Konsole, von der ich Mehrwert habe, wenn ich weitere Spiele habe. Das bisher einzige andere Spiel Vampire – The Masquerade: Milan Uprising, kommt eher ein wenig schlechter weg, was ich aber nicht beurteilen kann, da ich es selbst nicht gespielt habe. The Bad Karmas schlägt nochmal mit 130 Euro in eurem Portemonnaie ein. Damit sind wir aber noch nicht am Ende, denn die zugrundeliegende Kampagne wurde in drei Teile geteilt. Mit jeder Erweiterung kommen vier weitere Bosse hinzu und es gibt nur fünf spielbare Charaktere in der Start Box. Weitere Heldenboxen mit je vier weiteren Charakteren sind ebenfalls verfügbar. Sagen wir mal du möchtest das alles haben, um die Kampagne komplett durchzuspielen und dabei auch noch viel Abwechslung mit deinen Charakteren haben, dann bist du alles in allem mit über 600 Euro dabei! Das ist ganz schön happig und macht dieses Spiel zu einem absoluten Luxusvergnügen.

Ich habe es einfach mal ausprobiert und bin nicht enttäuscht worden, soviel muss ich zugeben und eben weil wir so viel Spaß mit den Bossen hatten und ich unbedingt auch nochmal ein paar weitere Bosse ausprobieren wollte, habe ich mir beides dazu gekauft und ich sage mal so es spricht eindeutig für das Spiel, wenn du bei der Stange bleibst und dir für das horrende Geld auch noch die letzte Erweiterung kaufst, was wir getan haben. Außerdem hoffe ich mit dem Board auf die Zukunft, denn es wurden ein paar weitere Spiele angekündigt, die ich höchst interessant finde. Zusätzlich geht die Bad Karmas Reise auch inzwischen noch weiter und nimmt sich der Cthulhu-Gottheiten in einer weiteren Kampagne an. Ihr müsst hier selber wissen, ob ihr das Geld investieren wollt. Das Spiel ist es allemal wert. Ihr solltet aber schon auch eine Affinität für solch technische Spielereien haben.
- Verlag: Pegasus Spiele, Xplored
- Autor(en): Davide Garofalo, Riccardo Landi
- Illustrator(en): Andrew Baker, Hamish Fraser, Daniel J. Walsh
- Erscheinungsjahr: 2025
- Spieleranzahl: 1-5 Spieler*innen
- Dauer: 40-90 Minuten