Kinfire Delve: Callous‘ Lab – Alleine in den Keller

Kinfire Delve: Callous‘ Lab

Ich möchte in den nächsten Wochen schwerpunktmäßig ein paar Solo-Spielerfahrungen hier besprechen. Das Thema wird immer wichtiger und ist längst aus seiner Nische gekrochen. In den nächsten Wochen wird es deshalb einige Reviews zu Spielen geben, die ihr alleine spielen könnt, bzw. solltet, weil sie so meiner Meinung nach am besten funktionieren. Den Anfang mache ich heute mit Kinfire Delve. Dazu sei gesagt, dass es drei verschiedene Versionen von dem Spiel gibt. Callous‘ Lab, welches mir vorliegt, sowie den beiden anderen Titeln Scorn’s Stockade und Vainglory’s Grotto. Auch wenn die Titel Englisch sind, das Spiel gibt es auch komplett in deutscher Sprache. Alle drei Spiele funktionieren nach dem gleichen Prinzip, beinhalten aber unterschiedliche Charaktere und ein komplett anderes Deck, welches es zu bezwingen gilt. Angesiedelt ist alles im Kinfire Universum von Kevin Wilson, welches auch in weiteren Spielen, allen voran Kinfire Chronicles: Night’s Fall, welches ich auch schon auf dem Tisch hatte, aber mich bisher nur kurz dazu äußerte, als Hintergrund dient. Aber auch dazu werde ich hier gleich ein paar Worte verlieren. Also, es gibt viel zu erzählen, fangen wir an.

Worum geht es?

Soweit ich mich an die Hintergrundgeschichte von Kinfire noch erinnern kann, geht es um eine Welt die in Dunkelheit liegt und es gibt nur wenige auserkorene Helden, die sich hinaus wagen und die Leute beschützen. Diese tragen alle spezielle, mächtige magische Laternen mit sich herum. Das war in Kinfire Chronicles so, und so ist es auch hier. Die Helden sind in beiden spielen übrigens identisch. Sie tauchen hier wieder auf, sind nur auf die drei Delve Spiele aufgeteilt worden. In Kinfire Delve spielen wir einen oder zu zweit auch zwei der Helden, die in die Unterwelt hinabsteigen um einen besonderen Bösewicht den Garaus zu machen. In diesem Fall dem mächtigen Callous. Dazu müssen wir zunächst sein komplettes Deck besiegen, bevor wir Zugang zu ihm bekommen. Anschließend, in einem noch viel forderdem Kampf, muss der Boss auch noch selbst getötet werden.

Kinfire Delve: Callous‘ Lab – Spielaufbau / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

In der kleinen Schachtel finden wir fünf Würfel und zwei Stapel mit Karten, sowie ein kleines Regelheft und ein paar Zahlenmarker. Die Karten spalten sich in einige Unterkategorien auf: da wären zum Beispiel zwei Heldendecks mit jeweils eigenen Fähigkeitskarten, einer Karte für den Charakter und einer für die Laterne. Der Boss besteht aus mehreren Karten. Zum einen gibt es drei unterschiedliche Boss Karten mit unterschiedlichen Fähigkeiten. Pro Partie spielt nur eine zufällig gewählte mit. Vier weitere Boss Karten werden orthogonal um ihn herum angeordnet, sobald das Dungeondeck besiegt wurde und stellen ebenfalls verschiedene Fähigkeiten und Schwierigkeiten dar, die wir besiegen müssen, um ihn verwundbarer zu machen, um ihn schlussendlich zu töten. Zu guter Letzt gibt es auch noch einen kleinen Stapel mit Erschöpfungskarten, die uns ereilen, sobald wir unseren Heldenstapel durchgespielt haben.

Kinfire Delve: Callous‘ Lab – Aufbau um den Boss herum / Foto: Spieltroll

Der Spielaufbau sieht ganz einfach aus. Die Boss Karte wird in die Mitte gelegt, das Dungeondeck gemischt und vier Karten orthogonal um ihn herum offen ausgelegt. Der Rest wird als Zugstapel zur Seite gelegt. Wir Mischen das Heldendeck und ziehen acht Karten auf die Hand. Unsere Heldenkarte wird offen ausgelegt und die Laterne verdeckt daneben. Sie dürfen wir erst benutzen, wenn wir sie aufdecken. Den zehnseitigen Würfel stellen wir auf die Zehn und zeigen somit unsere Lebenspunkte an. Auch im Spiel zu zweit verfügen wir über diese Punkte. Wir spielen zusammen und es gibt im Spiel zu zweit nur einen Unterschied, wir können uns gegenseitig bei den Aktionen unterstützen. Das Spiel funktioniert aber genauso gut auch im Solomodus.

Kinfire Delve: Callous‘ Lab – Valora Helmsman – Bogenschützin / Foto: Spieltroll

Der Ablauf ist nun folgender. Das Dungeondeck besteht aus Ereigniskarten und Hindernissen. Das können Fallen, Räume oder auch Gegner sein. Ereigniskarten werden sofort abgehandelt, wenn sie aufgedeckt werden und in den meisten Fällen auch sofort abgeschmissen. Die anderen Karten werden ausgelegt und wann immer eine besiegt wurde, wird eine neue aufgedeckt. Solange bis das Deck leer ist. Wir können uns dazu entscheiden eine der vier Karten anzugehen die neben dem Boss liegen. Diese haben in der oberen linken Ecke einen Wert, den wir erreichen müssen. Das müssen wir nicht mit einer Aktion schaffen, wir legen Marken auf sie ab, je nachdem wie erfolgreich wir sind. Die Karten haben auch eine von drei Farben, was gleich noch wichtig wird. Wir versuchen also den Kartenwert zu besiegen. Dazu spielen wir Angriffe oder andere Fähigkeiten aus, die uns ebenfalls einen bestimmten Wert zur Verfügung stellen. Zusätzlich würfeln wir noch mit allen sechsseitigen Würfeln und addieren je einen Punkt für jede Farbe die mit der Karte übereinstimmt. Weiße Seiten zählen als Joker für alle Farben. Spielen wir zu zweit ist das auch der Moment, wo unser*e Partner*in mich mit seinen oder ihren Karten unterstützen kann und durch die Unterstützungsfähigkeit der gespielten Karte den Wert weiter erhöht. Den Wert den wir erreichen legen wir in Marken auf der Karte ab. Es sei denn der Wert reicht um die Karte zu besiegen, dann werfen wir sie gleich ab und erhalten eine Belohnung. Im besten Fall dürfen wir eine bestimmte Anzahl von Karten vom Dungeondeck auf den Ablagestapel legen. Schaffen wir es aber nicht, so tut uns die Karte meistens etwas Negatives an. Wir verlieren Lebenspunkte, müssen Karten abwerfen oder etwas Ähnliches.

Kinfire Delve: Callous‘ Lab – Verschiedene Fähigkeitskarten / Foto: Spieltroll
Kinfire Delve: Callous‘ Lab – Eine der vier Boss Karten / Foto: Spieltroll

Zusätzlich haben alle Karten natürlich auch noch ihnen eigene Fähigkeiten, die uns das Leben schwieriger oder einfacher machen. Alles was da aufgedeckt liegt zählt. So müssen wir zum Beispiel manchmal bestimmte Karten zuerst angreifen, manche lassen sich nicht durch die Wertemechanik töten, sondern wollen anders abgeworfen werden usw. Dagegen steuern im gleichen Maß natürlich auch unsere Fähigkeiten, die uns bei so etwas helfen.

Im Grunde ist das auch schon das gesamte Spiel. Wir versuchen uns so schnell wie möglich durch das Dungeondeck zu spielen, denn wenn wir keine Karten mehr nachlegen können, ist der Weg zum Boss frei und wir legen seine Karten um ihn herum und müssen bei ihm fortsetzen, bis wir ihn besiegt haben.

Wenn wir keine Handkarten mehr haben oder nur noch welche die wir gerade nicht ausspielen können, dürfen wir Karten auch so ablegen und ziehen dann unsere Hand nach. Ist unser Deck irgendwann leer, mischen wir unseren Ablagestapel neu und ziehen eine Erschöpfungskarte, die uns von nun an behindert. Sollten unsere Lebenspunkte irgendwann auf null sinken, haben wir verloren. Mehr gibt es hier gar nicht zu tun.

Kinfire Delve: Callous‘ Lab – Schachteldeckel als Würfelschale / Foto: Spieltroll

Das Fazit

Ich versprach noch etwas zu Kinfire Chronicles zu sagen, welches wir, so wunderschön es auch war, nach nur zwei gespielten Szenarien schnell wieder verpackten und verkauften. Dazu muss aber noch gesagt werden, dass wir jedes Szenario so ungefähr fünf Mal gespielt haben und für uns feststellten, dass es uns zu glückslastig und unausgewogen erschien. Warum das? Zum einen hing der Erfolg einer Mission schon sehr davon ab welche Heldenkombination gespielt wurde. Keinen der beiden größeren Charaktere in der eigenen Gruppe oder jemanden der ein wenig Heilungspotential mitbrachte und das Unterfangen war um Längen schwieriger. Die Beutelmechanik, bei der Marken für die Aktionsreihenfolge aus dem Beutel gezogen wurden, tat ihr Übriges. Die Bosse machten mit ihren Angriffen jeweils so viel Schaden, das ein Charakter nur zwei Angriffe brauchte um tot zu sein. Nichts aber hinderte einen daran zunächst sechs, sieben oder acht Angriffe des Bosses nacheinander aus dem Beutel zu ziehen, ohne etwas tun zu können, als einfach zu sterben. Wir schafften es nur einmal im ersten Szenario durch Zufall zu gewinnen. Du musst also jeden deiner Züge so spielen, dass du durch jede Aktion des Bosses verlieren könntest und das fanden wir einfach mechanisch nicht ausgewogen. Andere Spieler*innen nennen das Spiel auch durchaus zu einfach, weil sie genau gegenteilige Erfahrungen gemacht haben, weil sie wahrscheinlich Bosse töten konnten ohne dass diese nennenswert agierten. Aber im Grunde bleibt es einfach Zufall und du spielst so gut du kannst, bis das Spiel dir einfach den Mittelfinger zeigt.

Aber um dieses Spiel soll es hier ja nicht gehen, ich wollte dennoch kurz den Eindruck vermitteln, mit dem ich an dieses kleine Spiel heranging. Ich erwartete einfach nichts Gutes und wurde komplett überrascht. Kinfire Delve bietet mir Möglichkeiten, auch wenn Würfel eine Rolle spielen. Ich kann taktieren und fühle mich dem Spiel eben nicht ausgeliefert. Das Spiel bleibt dennoch nicht leicht und je nachdem welche Kartenkombination ausliegt, kann es schon auch eine harte Nuss sein, aber ich habe einfach immer irgendwelche Möglichkeiten. Es ist eine schöne taktische Aufgabe die das Spiel mir hier stellt und ich finde es auch absolut cool hier alleine gegen den Boss vorzugehen. Okay die Unterstützung durch den Partner fehlt, aber ich finde das ist ein zu verschmerzenden Mehrwert. Das Spiel ist zu zweit jetzt nicht so viel spannender oder bietet eine bessere Spielerfahrung. Nee, ich finde es sogar besser als Solospiel.

Kinfire Delve: Callous‘ Lab – Rückseite des zweiten Heldendecks / Foto: Spieltroll

Ich habe also die Möglichkeit den Boss mit zwei unterschiedlichen Helden zu besiegen, die sich tatsächlich auch anders spielen. Und wenn ich mir die anderen Delve Spiele ebenfalls zulege, kann ich auch mit weiteren Charakteren die unterschiedlichen Bosse ausprobieren. Alles lässt sich mischen.

Kinfire Delve funktioniert also im Vergleich zum großen Bruder sehr gut und macht mir tatsächlich als Solospiel auch richtig Spaß. Natürlich ist es ein Spiel in der amerikanischen Tradition mit einer größeren Glückskomponente, aber das gehört natürlich auch schon zu einem Dungeoncrawl-Erlebnis. Daumen hoch für das Solospiel. Als Spiel für zwei finde ich es tatsächlich wenig spannend und würde andere Spiele vorziehen.


  • Verlag: Incredible Dream Studios
  • Autor(en): Kevin Wilson
  • Illustrator(en): Katarzyna Bekus, Sandra Chlewińska, Wiktor Kozyra, Vesna Redesiuk
  • Erscheinungsjahr: 2025
  • Spieleranzahl: 1-2 Spieler*innen
  • Dauer: 60 Minuten

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