Spiele des Jahres 2022

Gefühlt ging dieses Jahr noch viel schneller vorbei als das letzte. Wir sind angekommen in der neuen Wohnung, fühlen uns hier richtig wohl und die Spiele rotieren nur so durch das Regal. Leider haben wir, auch hier gefühlt, immer noch zu wenig Zeit alles auszuprobieren, was wir gerne ausprobieren wollen, aber man kann ja auch nicht alles spielen. Es ist mal wieder viel passiert in diesem Jahr und nicht nur Gutes. Die Pandemie läuft, so wie es derzeit aussieht, einem Ende entgegen und die Freiheiten kommen allmählig zurück. Natürlich nicht für alle, denn Putin hält die Welt in Atem mit seinem sinnlosen Krieg. Unsere neuen Nachbarn, ein Flüchtlingspärchen aus Cherson sehen das mit der Freiheit wahrscheinlich auch ein bißchen anders. Meine Arbeit, ganz speziell zum Ende des Jahres, hat mich ebenfalls viel grübeln lassen, da ich mich auch hier auf dem Papier mit vielen geflüchteten Jugendlichen auseinandersetzen musste. Aber ich möchte nicht zu nachdenklich erscheinen, denn das hier ist mein kleiner Hort, in dem ich das alles vergessen kann, denn ich schreibe gerne über Spiele und Dinge die mich währenddessen beschäftigen. Das werde ich auch im nächsten Jahr fortsetzen. Spielen ist mir das wichtigste, weswegen ich den Anteil der Reviews auch weiter hoch halten möchte. Ich habe allerdings auch viele Themen in der Pipeline über die ich gerne etwas schreiben möchte, aber leider macht das doch auch imemr viel Arbeit. Ich möchte ja auch nicht nur Blödsinn ins Internet blasen, dass tun schon genug andere. Deshalb seht es mir nach, dass dort nur ab und zu mal etwas kommt, denn Spielen ist für mich das wichtigste, auch als Ausgleich und da sind Rezensionen von Dingen die ich gespielt habe halt am häufigsten. Nun aber genug geschwafelt, hier sind meine bisherigen Top 10 des Jahres. Wie immer sei angemerkt, dass dies meinem Kenntnisstand entspricht und wenn sich zeitnah noch Änderungen ergeben sollten, werde ich das in den Kommentaren erwähnen.


Get on Board: New York & London

10 – Get on Board: New York & London

Mitte des Jahres hätte ich noch nicht gedacht, dass Get on Board hier stehen könnte. Ich war zugegeben erstmal enttäuscht, als ich hörte das Let´s make a bus route, so der Originaltitel, endlich hierzulande erscheint, aber der abwischbare Spielplan, auf dem alle Mitspieler*innen ihre Route mit bunten Markern einzeichnen, durch einen konventionellen Plan mit Holzstöckchen ersetzt wird. Das fand ich zunächst nicht cool. Inzwischen muss ich aber sagen, dass ich mich damit angefreundet habe und das mir diese Version sehr gut gefällt. Get on Board kam bei uns wirklich sehr häufig auf den Tisch und avancierte zu einem richtigen Hit. Zusätzlich habe ich recht viele Partien Online in der Boardgamearena gespielt. Wer das Spiel noch nicht kennt sollte es nachholen. Es gehört für mich zu den besten Gateway Games, die dieses Jahr erschienen sind und hat bei allen neuen Mitspieler*innen gezündet. Ein Ticket umdrehen und dann auf dem Plan das gedrehte Ticket suchen, markieren und im Anschluß der Reihe nach mit kleinen Holzstöckchen die Linie auf dem Plan bauen und Passagiere und Orte auf dem eigenen Zettel ankreuzen. Fertig. Ein Spiel das Planer und Roll & Write-Fans gleichermaßen befriedigen dürfte. Für mich ein Hit in diesem Jahr und die Optik ist ebenfalls wirklich großartig.


Beer & Bread

9 – Beer & Bread

Auf den neunten Platz schafft es in diesem Jahr das einzige reine Spiel für Zwei Personen. Kein anderes gefiel mir in diesem Jahr besser, als dieses, von Michael Menzel, schön gestaltete Paradebeispiel für die Mechanik der vielfach verwendbaren Karten. Scott Almes schafft aus diesem Prinzip ein kleines Eurogame für zwei Personen, dass sich deutlich größer anfühlt als es ist. Das erreicht er durch einen Stapel Karten und ein paar Ressourcenmarker aus Holz. Die Spieler*innen müssen sich in Jahren mit guter Ernte aus ihren Handkarten eine aussuchen, die sie entweder als Ausbau für ihr Dorf, als Rezept für ihr Gut oder als Ressourcenkarte für die Ernte spielen möchten. Die Karten werden daanch weitergegeben. In Jahren mit schlechter Ernte bekommen sie die Karten aus dem Jahr davor, die sie für die Ernte benutzt haben und können so nachfolgende Jahre mit beeinflussen. Die Mechaniken sind überschaubar, aber fühlen sich gut und wichitg an. Wie gesagt, das Spiel ist nicht groß und eigentlich gar nicht so kompliziert, fühlt sich aber viel komplexer und größer an. Spiele die zu zweit gut gespielt werden können gab es viele, aber unter denen, die nur für zwei Spieler*innen konzipiert wurden, sticht dieses hier deutlich hervor.


Atiwa

8 – Atiwa

Uwe Rosenberg hat es in diesem Jahr mal wieder geschafft mich zu überraschen. Ich bin bekennender Fan von Rosenberg und spiele fast alle seiner Spiele sehr gerne. Ich mag sowohl seine großen, komplexen Spiele als auch seine etwaqs seichteren für die Masse. Aber mein Sweet Spot sind die irgendwo dazwischen und Atiwa gehört da auf jeden Fall zu. Das Thema ist schön und gut aufbereitet, aber in Rosenbergspielen dreht sich alles um die Mechanik, das Füttern der Arbeiter und die Tiervermehrung. Atiwa bietet uns genau das und kommt dabei fast schon wie ein Spiel von vor zwanzig Jahren daher. Es ist ein Oldschool-Eurogame im besten Sinn. Wenige, schnörkellose Mechaniken, die gut miteinander harmonieren und uns je nachdem, was die Auslagen uns bieten in jedem Spiel vor andere Herausforderungen stellen. Unsere Aufgabe ist es unser Tableau leerzuspielen und möglichst viele der Spielsteine in unserer Auslage zu haben. Aufs Thema übersetzt, haben wir dann den Wald mit Hilfe unserer Flughunde am besten wieder aufgeforstet und unsere Bevölkerung profitiert davon. Ich finde Atiwa ganz großartig und für zwei Spieler*innen war es fast schon unser Lieblingsspiel. Der Aufbau ist trotz des viele Materials schnell erledigt und zu zweit dauert eine Partie, kaum 45 Minuten. Ich ziehe meinen Hut erneut Herr Rosenberg.


Wilde Serengeti

7 – Wilde Serengeti

Da wir gerade von Spielen für zwei Spieler*innen sprechen, darf Wilde Serengeti nicht unerwähnt bleiben. Das Spiel hatte eine zeitlang für viel Wirbel gesorgt, wurde dann aber für meinen Geschmack zu oft zu schlecht geredet. Es stimmt, dass es mit drei oder vier Spieler*innen vielleicht eine Runde zu lang dauert und zu wenig planbar wird, aber zu zweit ist Wilde Serengeti eine wahre Pracht. Ein wenig überproduziert und zu groß zwar, aber rein spielerisch ein richtig schönes Spiel bei dem wir interessante Entscheidungen zu treffen haben. Wir drehen einen Tierfilm über die Serengeti und als Regisseure schweben uns bestimmte Tierszenen vor. Diese haben wir in Form von Karten auf der Hand. Aufgaben, welche Tiere wie auf dem Spielbrett angeordnet sein müssen. Durch das setzten unseres Arbeiters können wir für Geld, Tiere aufs Brett setzen, Tiere verschieben oder austauschen. Das machen unsere Mitspieler*innen allerdings auch. Manchmal zerstört das unsere Pläne aber manchmal spielt uns das auch in die Karten. Wilde Serengeti gefiel uns in diesem Jahr, trotz der kleinen Schwächen so gut, dass es unsere Sammlung auf absehbare Zeit nicht verlassen wird.


Living Forest

6 – Living Forest

Auf dem sechsten Platz findet sich wohl eins der kontrovers diskutiertesten des Jahres wieder. Noch immer gibt es Leute, die die Ernennung zum Kennerspiel des Jahres nicht verstehen und die auch Living Forest nicht richtig zu verstehen scheinen. Immer wieder höre ich die Feuerstrategie ist zu stark, das Spiel ist nicht ausgewogen oder das dümmste: „Alle kaufen jede Runde ein paar Karten und dann hat plötzlich einer gewonnen!“. Hier ist vielen einfach nicht zu helfen. Die Feuerstrategie wird von allen am Anfang als zu starkt empfunden, weil alle zu Beginn dem Drang aus anderen Spielen folgen und sich neue Karten kaufen, wodurch Feuer entstehen, die gelöscht werden wollen und wer zwölf Feuer löscht gewinnt. Diese Strategie ist mit nichten zu stark, sie tritt nur so häufig auf, weil viele die Verzahnung der Mechanismen nicht wahrnehmen. Living Forest reguliert sich und seine Mechanismen nämlich selbst und wenn die Teilnehmenden ernsthaft versuchen zu gewinnen, sollten sie solchen Strategien aktiv entgegenwirken. Kauft keine Karten, löscht die Feuer selbst, auch die Spielreihenfolge ist offen und gehört hier als Faktor zur Entscheidungsfindung. Living Forest ist in meinen Augen ein ziemlich starker Vertreter dieses Preises udn ich spiele es immer noch gern.


Black Rose Wars

5 – Black Rose Wars

Hier möchte ich eine Ergänzung machen, indem ich zu Platz fünf nur sagen kann: bisher Platz 5. Ich sehe dieses Spiel in Zukunft weiter steigen. Denn sowohl meine Frau als auch ich sind absolut fasziniert von dieser Abrissbirne. Mein Gott, was wird hier aufgeboten und abgefeuert. Black Rose Wars ist der absolute Wahnsinn und dürfte eigentlich nicht funktionieren. Hier gebt ihr euch gegenseitig volles Rohr ins Gesicht und lacht noch dabei. Black Rose Wars versteht es, dieses Spielprinzip zu einer Kunstform zu erheben. Normalerweise reagieren Spieler*innen beleidigt und schmallippig, wenn sie gerade mal wieder von zwei Spieler*innen hintereinander gegrillt und verprügelt worden wären. Hier ist es ihnen aber realtiv egal oder kann ihnen egal sein, denn sie verfolgen eventuell einen anderen Plan oder verfügen gar über gänzlich andere Fähigkeiten. Ach ja, die Spieler*innen verkörpern Zauberer die in ihrer Akademie um die neue Vorherschaft kämpfen, falls ich das noch nicht gesagt habe. Für die besondere Würze spielt die Akademie höchst selbst auch noch mit. Die Spieler*innen bekämpfen sich gegenseitig und auch die Räume der Akademie und das alles mit hervorragendem Spielmaterial. Black Rose Wars ist komplex, macht aber unglaublich viel Spaß. Schon beim Lesen der Anleitung dachte ich immer wieder nur: „Wie geil ist das denn!“ Das Spiel braucht ein paar Durchläufe, aber es wächst und wächst mit jeder Partie. Kein preiswertes Spiel, aber eines das sich für euch lohnen könnte.


Endless Winter

4 – Endless Winter

Kurz vor dem Treppchen kommen wir zum neuesten Vertreter der, wie ich sie nenne, Mischmaschspiele. Bei diesen Spielen habe ich immer wieder das Gefühl, es werden ein paar Spielmechaniken zusammen in einen Mixer geworfen, einmal kräftig umgerührt und dann schauen wir mal was wir da für eine Suppe bekommen. Manchmal schmeckt sie und manchmal nicht. Die Endless Winter-Suppe ist aber eine die zumindest mir sehr mundet. Geradezu lecker werden hier Worker Placement, Deck Building, Area Control, Legespiel und Set Collection-Elemente miteinander verbunden. Das Spiel sieht zwar wunderhübsch aus, wirkt durch seine vielen kleinen Bretter und Schauplätze zunächst wahnsinnig fragmentiert und auch überfrachtet. Lässt du dich darauf ein, merkst du aber recht schnell, dass Endless Winter kein superkomplexes Spiel ist. Nein, alles ergibt Sinn und greift erstaunlich gut ineinander. In Endless Winter gibt es viele Wege die zum Sieg führen und das entdecken macht jede Menge Spaß. Das unglaublich tolle Spielmaterial hilft dabei nur noch mehr das spiel zu mögen. Hier stimmt einfach alles. Von der Verpackung bis zum letzten bedruckten Holzstein. Eine tolle Produktion für ein tolles Spiel.


Cascadia

3 – Cascadia

Auf dem Treppchen sind wir angekommen und es dürfte nicht verwundern, dass die drei Prädikatsträger des Jahres (The Loop gehört ja nicht zu diesem Jahrgang) diese Plätze unter sich ausmachen. Den Anfang macht Cascadia, dass völlig zu Recht zum Spiel des Jahres ausgezeichnet wurde. Das Spiel ist so simpel, schön, zugänglich und verzwickt zugleich, dass es einfach jedem gefiel mit dem wir es in diesem Jahr ausprobiert haben. Im Grunde ist Cascadia ein Legespiel, wie es sie schon zu Hauf gegeben hat. Der einzige Clou ist die Tatsache, dass hier zwei Ebenen über einander gelegt werden müssen. jede Runde erhält man eine Kombination aus Landschaftsplättchen und Tier, die beide sinnvoll in die eigene Auslage eingearbeitet werden wollen. Am Ende bekommen wir Punkte für die umfangreichsten Landschaftsgebiete als auch für die speziellen Punktevorgaben der einzelnen Tierarten. Ein ganz hervorragendes Puzzle für die ganze Familie und eines das das Zeug zu einem Klassiker hat. Mehr brauche ich hier gar nicht sagen.


Dorfromantik: Das Brettspiel

2 – Dorfromantik: Das Brettspiel

Ganz frisch vom Tisch in die Top 10. Drofromantik hat uns den gesamten letzen Monat in Atem gehalten. Es ist nie bei einer einzigen Partie geblieben. Meine Frau war total verrückt nach dem Spiel. Bis auf einen Erfolg haben wir alles aus dem Spiel herausgeholt und spielen nun immer noch um zu sehen wieviele Punkte wir schaffen können unser aktueller Bestwert liegt bei 405 Punkten, Tendenz steigend. Dorfromantik hat sich völlig zu Recht kurz vorm Jahresende noch einen Orden abgeholt. Das Spiel ist ein ziemlich perfektes Familienspiel das alle Voraussetzungen mitbringt auch mal Spielemuffel öfter an den Tisch zu holen, falls die Erfolgsspirale einsetzt und der Ergeiz geweckt wird, sich weitere Teile zu erspielen. Dorfromantik zu erlernen ist grundsätzlich simpel, fast schon zu simpel, aber es bringt jede Menge Spaß mit sich. Eine äußerst gelungene kampagnenhafte, kooperative Umsetzung eines ebenfalls sehr gelungenen Computerspiels. Ein heißer Kandidat für das Spiel des kommenden Jahres.


1 – Klong! Legacy: Acquisitions Incorporated

Über meinen ersten Platz in diesem Jahr gab es von Anfang an keinen Zweifel und leider kann ich euch gar nicht soviel darüber erzählen, denn ihr sollt es selber spielen. Klong! Legacy ist ein tolles, abgefahrenes und mehr als kurzweiliges Spielerlebnis, dass ich allen nur empfehlen kann. Besonders natürlich den Fans von Klong! Aber auch all denen, die bisher nicht geglaubt haben, dass das Legacysystem etwas für sie sein kann. Ihr zerstört hier kein Spiel im eigentlichen Sinn, ihr modifiziert eins und habt am Ende eine eigene Kopie, die ihr nicht nur weiter benutzen könnt, nein, ich gehe soweit zu behaupten, dass ihr sie gar nicht mehr gegen das Original Klong! eintauschen wollt, weil sie viel fantastischer und ausgeklügelter ist, als das was ihr bisher gewohnt wart. Wer Klong! nicht mochte wird wahrscheinlich auch hier nicht richtig gkücklich werden, wer aber mal ein fantastisches Legacyspiel erleben möchte das frische Ideen am Start hat und dich immer wieder kurz überrascht und zum schmunzeln bringt, der ist hier genau richtig. Es gibt kein besseres Legacyspiel auf dem Markt und ich würde es jeder Zeit nocheinmal spielen und hätte Spaß dabei.


So, dass waren meine bisherigen Spiele des Jahres. Ein Jahrgang der mich rein spielerisch positiv und negativ überrscht hat. Positiv insofern, dass viele Spiele erschienen sind, mit denen ich vorher nicht gerechnet hätte und negativ, weil soviele Spiele, von denen ich mir einiges erhofft hatte mich dann doch ziemlich enttäuscht haben. Wie immer kann diese Liste nur ein momentaner Abriss des Jahrgangs sein, denn es gibt noch viele Spiele, die hier darauf warten ausprobiert zu werden. Drei Spiele die es nicht ganz geschafft haben möchte ich aber noch nennen, denn sie haben mir ebenfalls sehr gut gefallen. Da wäre zum einen Akropolis, das einfache Plättchenlegespiel von Gigamic, Applejack von Uwe Rosenberg, ein weiteres sehr gutes Legespiel, zu dem schon bald eine Review erscheinen wird, als auch das sehr gute Next Station London, dass mich auch total überzeugen konnte. Schlafende Götter sei ebenfalls noch genannt, denn da machten die ersten Partien schon einen sehr guten Eindruck und ich könnte mir vorstellen, dass ich diese Liste zu seinen Gunsten noch werde ändern müssen, aber die Spielzeit reicht einfach noch nicht aus um mir ein fundiertes Urteil erlauben zu können.

So, nun seit ihr an der Reihe. Was waren eure besten Spiele des Jahres? Rein damit in die Kommentare…

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