Adventure Games – Die Monochrome AG

Adventure Games – Die Monochrome AG / Foto: Spieltroll

Nach den Erfolgen der Exit Games versucht KOSMOS nun mit einer neuen Spielserie, den Adventure Games, für neue Impulse im Rätselgenre zu sorgen. Mich persönlich sprechen solche Spiele erstmal total an, da ich gerne Rätsel löse und auch Storytellingelemente sehr gerne in Spielen mag (muss an der langjährigen Rollenspieler-Vergangenheit liegen). Außerdem muss ich zugeben, dass mich der Name des Autoren Phil Walker Harding ebenfalls dazu gebracht hat mich mit den Adventure Games zu befassen. Bisher sind zwei Spiele in der Serie erschienen, zum einen „Das Verlies“, das für Spieler ab 12 Jahren gedacht ist und zum anderen „Die Monochrome AG“, die ab 16 sein soll, was für ein etwas erwachseneres Setting sprechen dürfte. Heute soll es hier um „Die Monochrome AG“ gehen. Anders als bei den Exit Games verspricht KOSMOS hier keine Zerstörung des Spielmaterials und einen Wiederspielreiz durch verschiedene Ausgänge der Geschichten.

Worum geht es ?

Generell sollen sich die Adventure Games wie ein klassisches Point and Click Adventure auf dem Computer spielen. Die Monochrome AG erinnert mich storytechnisch ein wenig an die Prämisse von Shadowrun nur ohne die Fantasywesen. Wir schlüpfen hier in die Rolle von Leuten, die im Verborgenen illegale Aufgaben übernehmen, um sich ihren Lebensunterhalt in einer nicht allzu fernen Zukunft zu finanzieren. In diesem Fall sollen wir in das gesicherte Gebäude eines Konzerns einbrechen, um eine Formel zu stehlen und Untersuchungen anzustellen. Wir wissen auch zu Beginn bereits, dass wir nicht das erste Team sind, dass in dieses Gebäude geschickt worden ist. Das Spielende ist dann erreicht, wenn uns das Spiel mitteilt, dass wir es erreicht haben und das kann auf verschiedene Weisen passieren.

Adventure Games – Die Monochrome AG / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab ?

Ich werde über den Geschichtsverlauf im oberen Teil nichts spoilern, aber ich werde einen Bereich weiter unten mit Spoilerwarnungen versehen, in dem ich ein wenig auf ein Ereignis im Spiel eingehen werde, dass zu einem Ärgernis für mich und meine Frau wurde.

Zunächst wird das Spiel über Kartenstapel gesteuert, zu Beginn legen wir diese auf dem Tisch aus und folgen den Anweisungen in der Anleitung, die ziemlich breit einen Bewegungsmechanismus erklärt, den das Spiel nicht gebraucht hätte, weil man im Endeffekt sowieso fast überall hingehen kann. Viele Worte für nicht viel Inhalt. Jeder Spieler übernimmt die Rolle über ein Mitglied des Teams mit bestimmten Fähigkeiten und einer Schwäche. Die Fähigkeiten werden uns nur verbal mitgeteilt, wir haben keine besonderen Gegenstände oder der gleichen. Ein Mitglied des Teams ist zum Beispiel ein Hacker und später im Verlauf des Spiels gibt es Situationen in denen das Spiel fragt, wer gerade eine spezielle Aktion macht und unsere Rolle Einfluss darauf hat. Die Schwäche hingegen bekommen wir zur Erinnerung als Karte mit einem Symbol mitgeteilt, was wir in den ausliegenden Karten wiederfinden werden. Wann immer wir an einem Ort eine Aktion mit einem Charakter ausführen, der die entsprechende Schwäche hat, erhöhen wir das Alarmlevel, denn wir dringen ja heimlich in ein Konzerngebäude ein. Haben wir ein bestimmtes Level erreicht, sind wir aufgfordert einen Abschnitt im entsprechenden Abenteuerbuch zu lesen.

Das Abenteuerbuch enthält sehr viele Abschnitte mit Nummern, die wir dann lesen, wenn wir dazu aufgefordert werden. Gleich mehr dazu, zunächst noch zum Spielaufbau, denn wir müssen von Anfang an ein paar großformatige Karten auslegen, die Räume auf verschiedenen Ebenen zeigen. Zu Beginn sehen wir nur die erste Ebene, die anderen liegen noch verdeckt da und werden erst aufgedeckt, wenn wir sie erreichen. Neben der untersten Ebene befindet sich eine kleinere Karte die einen Fahrstuhl darstellt mit dem wir in andere Ebenen fahren können, die auf der Karte auch benannt sind, so wissen wir zum Beispiel auf welcher Ebene sich das Labor usw. befindet. Auf den großformatigen Karten sind Räume dargestellt, in denen es Nummern mit Symbolen gibt, die uns sagen, wo wir etwas untersuchen können. Wir gehen mit unseren Spielfiguren reihum an entsprechende Orte und lesen bei den Abschnitten nach und folgen den Anweisungen. Manchmal finden wir Gegenstände, die wir uns dann in Form von Karten aus einem nummerierten Stapel raussuchen dürfen. Wir können auch Gegenstände mit Gegenständen oder Orten benutzen, indem wir die Nummern dieser beiden Dinge verbinden. In einem solchen Fall wird die niedrigere Nummer vorangestellt und dann im Abenteuerbuch nach einem Abschnitt gesucht. Ist keiner vorhanden, funktioniert das nicht. Gibt es ihn bekommen wir meistens eine neue Karte. Ein fiktives Beispiel, wir haben eine leere Flasche mit der Nummer 11 bekommen und einen Wasserspender mit der Nummer 230 entdeckt. Wir können versuchen beides zu kombinieren und suchen im Buch den Abschnitt 11230. Wir finden ihn und erfahren das wir die Karte 11 abwerfen müssen und dafür Karte 12 erhalten, die eine volle Wasserflasche zeigt. So verfährt das Spiel mit allen Kartenund Abschnitten.

Das funktioniert eigentlich sehr gut und man kann erstaunlich viele Dinge tun. Nebenbei erlebt man auch tatsächlich eine Geschichte die sich langsam zu fromen beginnt. Es wirkt tatsächlich wie ein Point and Click Adventure ohne Computer. Wer keine Lust hat sich alle Dinge selber durchzulesen und im Buch zu suchen, der kann das Spiel auch über die KOSMOS-Erklär-App steuern, die mit einer guten Stimme und genauen Anweisungen sehr einfach zu bedienen ist und zur Atmosphäre beiträgt. Absolut topp und Daumen hoch für die Erklär-App.

Orte können sich in diesem Spiel auch verändern und man tauscht dann die entsprechenden Karten aus und erhält neue Möglichkeiten oder eine Karte, die einen mit Anweisungen versorgt, was an einem Ort zu tun ist. Das kann zum Beispiel so ausssehen, dass wir solange, wie eine Karte neben dem Ort ausliegt und uns sagt, das wir zu allen Zahlen den Wert 30 addieren sollen und unter den entsprechenden Abschnitten einen Eintrag finden, der den Ort unter den neuen Bedingungen beschreibt.

Wir haben außerdem an zwei Punkten die Möglichkeit das Spiel zu speichern und alle Karten in eine Ziptüte packen und vorher ein Foto vom Spiel machen, um es hinterher genauso wieder aufzubauen. Funktionierte nach unserer Erfahrung nur bedingt, da die Geschichte und die Detailfülle zu komplex und zu groß sind, als dass man sich an jede Einzelheit noch erinnern könnte, wenn man den Zeitraum zwischen den Abschnitten zu groß werden lässt. Für einen komplette Durchgang braucht man aber auch ein wenig zu lang und muss sich schon viel Zeit nehmen.

Sollten wir im Verlauf des Spiels Alarm auslösen, so wirkt sich das auf unsere Wertung am Schluß aus, in denen wir sämtliche Alarme von unseren Punkten abziehen müssen und Bonuspunkte bekommen, wenn wir bestimmte Gegenstände am Ende besitzen usw. Aber wir entfanden die Wertung eher als nebensächlich.

Das Fazit

Insgesamt muss ich sagen, dass ich nicht restlos von dem Spiel überzeugt bin. Es hat sehr gute Ansätze und ich denke mit einigem Finetuning hier und da, hat das System auch im Brettspielbereich durchaus Zukunft und kann coole Abenteuer hervorbringen, wenn ich mir zum Beispiel vorstelle, wie Soloabenteuer aus dem Rollenspielbereich hier technisch umgesetzt werden könnten. Mit coolen Sprechern über die Erklär-App gesteuert, kann das schon ziemlich atmosphärisch sein. Da ist eine Menge Potential vorhanden. Aber für Brettspieler ist momentan glaube ich ein bißchen wenig Spiel in der Schachtel, denn eigentlich ist es nur das abhandeln der Abschnitte, die man sich vorlesen läßt. Das Bewegungssystem ist realativ überflüssig, weil man jederzeit alles erreichen kann, außer man erlebt mit seiner Figur etwas, dass sie einschränkt. Ansonsten kann man eigentlich nur Alarm auslösen und selbst dass ist nur für die Endwertung und das Ende interessant.

Was ich außerdem ein wenig unberechenbar fand ist der Umgang mit manchen Dingen die man untersuchen kann. Man hat auf den Ebenenkarten/Räumen nur Zahlen stehen, ohne zu wissen was dort passiert. Bei einigen Orten untersucht die Figur dann einen Ort oder Gegenstand und man bekommt weitere Möglichkeiten, was man tun will, so lassen sich eventuell unclevere Auswahlmöglichkeiten umgehen. Aber manchmal wird man einfach in eine Handlung gezogen, die man so nicht beabsichtigt hat. – An dieser Stelle möchte ich eine Stelle Spoilern um das näher zu berichten und um auf einen Fehler im Spiel hinzuweisen, der bei uns so aufgetreten ist. Also, wer das nicht wissen will, einfach nach unten hinter den zweiten Spoilerbalken scrollen und den Rest lesen. –

An einer Stelle im Spiel hatten wir die Möglichkeit einen „Behandlungsstuhl“ näher zu untersuchen, zumindest haben wir das gedacht, denn nahezu immer vorher, konnten wir uns Dinge anschauen, bevor wir uns entscheiden mussten, was wir tun wollen. Aber nicht so in diesem Fall, meine Frau ging zu diesem Abschnitt um zu untersuchen, aber der Abschnitt sagte plötzlich, das die Figur sich in den Stuhl setzte, etwas, was man wahrscheinlich nie gemacht hätte, wenn man den Hintergrund der Geschichte bis zu diesem Punkt kennt. Aber nun saß sie dort, gefesselt und Bewegungslos. Jede Runde wurde die Alarmstufe erhöht. Eine missliche Lage, die wir so nicht beabsichtigt haben. Nicht schön, aber nun gut, also alles daran setzen sie schnell zu befreien. Die Lösung wurde aber auch angedeutet, indem man eine Flüssigkeit in eine Öffnung des Stuhls kippt, um die Elektronik lahmzulegen. Aber wir hatten keine Flüssigkeit. Als nach unzähligen Runden später plötzlich ein Fläschchen Milch auftauchte, ging ich sofort zum Raum mit meiner gefangenen Frau zurück und wollte sie befreien. Nun muss man noch erwähnen, dass sich der Raum in dem Moment, als jemand den Stuhl „untersucht“ und gefangen wird, die Raumsituation durch eine Zusatzkarte verändert hat und man einen bestimmten Wert zu allen Aktionen, die man ab nun in diesem Raum tut hinzuaddieren muss. Gemacht, getan und die Milch in die Öffnung gekippt. Nicht möglich. Es gab keine logische Erklärung dafür, warum es nicht funktionieren sollte. Wäre aber ja egal, wenn das Spiel das halt so will, aber gibt man dann die Nummer der kombinierten Milch/Stuhlkarten ohne den Zusatz ein, so funktioniert die Aktion und meine Frau konnte entkommen. Das haben wir aber nur hinterher herausgefunden. Ich denke das muss ein Fehler sein. Da war das Spiel für unser aber schon gelaufen und wir haben uns einfach nur noch um den Fortgang der Geschichte gekümmert.

So zurück zum Fazit. Durch diese kleinen Ungereimtheiten wird der Spielspaß ein wenig gedrückt, aber ich sage es nochmal, ich glaube, dass die Technik hier Zukunft im Storytelling von Abenteuerbüchern haben könnte. Auch wenn man ein bißchen mehr Spiel drumherum entwickelt, könnte etwas Großes entstehen. So gebe ich insgesamt keine Empfehlung und sage nur, schaut es euch an, wenn es euch interessiert. Die Geschichte an sich war gut und auch dem Alter angemessen, hier ging es zum Teil doch thematisch schon ganz schön zur Sache.


  • Verlag: Kosmos
  • Autor(en): Phil Walker Harding, Matthew Dunstan
  • Illustrator(en): Maximilian Schell
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Spieleranzahl: 1 – 4
  • Dauer: 3×90 Minuten

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