Flügelschlag

Flügelschlag / Foto: Spieltroll

Was lange währt… Man, man, habe ich lange auf dieses Spiel gewartet! Anscheinend ging das nicht nur mir so, denn zwischenzeitlich wurde ziemlich viel Kritik an Stonemaier Games und auch an Feuerland geübt, weil es über einen langen Zeitraum zu Lieferengpässen kam. Ach, was sag ich da, Lieferengpässe wäre ja noch schöngeredet, es gab schlicht keine Exemplare mehr. Daraus zogen natürlich einige Händler ihren Vorteil und verkauften Restexemplare von Flügelschlag zu Fantasiepreisen. Flügelschlag verkaufte sich anscheinend so gut, das selbst die nachbestellten Auflagen bereits vor erscheinen wieder ausverkauft waren. Manchmal kann man villeicht einfach nicht vorrausahnen was man da in seinem Verlagsprogramm hat. Ich habe mein Exemplar erst erhalten, als es den Kennerspielpreis des Jahres 2019 erst erhalten hatte. Deshalb gibt es erst jetzt ein Review von mir dazu.

Worum geht es ?

In Flügelschlag geht es um das Thema Ornithologie, also um Vögel. Klingt erstmal nicht besonders spannend, aber die Spieler sind dazu angehalten in ihrem Vogelreservat durch das ansiedeln von Vögeln innerhalb von nur vier Runden die meisten Punkte zu erzielen. Dabei müssen sie versuchen die Fähigkeiten der Vögel optimal zu nutzen, um den größten Ertrag daraus zu ziehen. Futter, Eier, ihre Nester sowie das erreichen geheimer Ziele spielen ebenfalls eine Rolle. Flügelschlag ist ein klassischer Enginebilder und setzt dieses meist für erfahrenere Spieler gedachte Konzept in einem fordernden Familienspiel mit faszinierendem Material in die Tat um.

Flügelschlag Spielertableau / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab ?

Das Spiel ist trotz seiner vielfältigen Komponenten ein sehr eingängiges und leicht zu erlernendes Spiel. Der Spielaufbau geht recht schnell von statten, denn jeder Spieler bekommt sein eigenes Spielertableau das einige Symbole und Aktionen zeigt aber vornehmlich in drei Habitate (Wald, Wiese, See) eingeteilt ist. Jeder Spieler bekommt außerdem einen Satz von acht Holzwürfeln in seiner gewählten Spielerfarbe. Für alle zugänglich in der Mitte des Tisches aufbewahrt werden das restliche Spielmaterial bestehend aus der Vogeltränke und dem Vogelkartenstapel, die Eier, sowie die Futtermarker. Der Würfelturm in Form eines Vogelhäuschens mitsamt der fünf Futterwürfel wird ebenfalls bereitgelegt. Die sogannte Zieltafel wird ebenfalls in der Mitte für alle sichtbar ausgelegt.

Flügelschlag Vogeltränke mit Auslage / Foto: Spieltroll

Zu den Spielvorbereitungen gehören noch ein paar durchzuführende Schritte. Auf die Zieltafel werden zufällig vier der acht Zielplättchen verteilt und geben so an, für welche Ziele wir in welcher Runde Punkte bekommen können. Auf die Vogeltränke werden drei Vögel vom Stapel gelegt und bilden die Auslage. Die Futterwürfel werden durch das Vogelhäuschen gewürfelt und geben so die erste Futterauswahl wieder. Anschließend wird ein Startspieler ermittelt und jeder Spieler erhält einen Futtermarker von jeder Futterart (insgesamt fünf: Kleintiere, Fisch, Samen, Wirbellose und Früchte). Außerdem bekommt jeder fünf Karten vom Vogelstapel auf die Hand. Die Bonuskarten werden ebenfalls gemischt und zwei Stück an jeden Spieler ausgeteilt. Für sich müssen die Spieler sich nun für eine von den Bonuskarten entscheiden, für die sie am Ende des Spiels Punkte bekommen wollen. Hier gibt es viele Möglichkeiten Vögel zu sammeln, die bestimmte Worte in ihrem Namen aufweisen, bestimmte Nestertypen bewohnen und so weiter und so fort. Außerdem müssen die Spieler sich von insgesamt fünf Komponenten befreien. Sie haben je fünf Futtermarker und Handkarten erhalten, die sie nun auf eine Kombination von insgesamt fünf kürzen müssen. Die Vogelkarten die sie nicht behalten wollen gehen auf den Ablagestapel und das Futter wieder in den Vorrat. Danach kann das Spiel beginnen.

Flügelschlag Futtermarker / Foto: Spieltroll

Jeder Spieler macht reihum einen Zug, bis alle Aktionswürfel aufgebraucht sind. Danach ist eine Runde beendet und die Ziele werden bewertet, sowie der Startspielermarker weiter gereicht. Danach wird eine neue Runde gestartet. In einem Spielzug muss der Spieler eine seiner Aktionen, die auf dem Spielertableau aufgeführt sind, ausführen. Grundsätzlich gibt es vier verschiedene Aktionen, von denen drei an die Habitate gebunden sind. Der Spieler setzt einen seiner Aktionswürfel in der Reihe ein in der er gerne die Aktion machen möchte. Dabei muss er den Würfel soweit links wie möglich einsetzen. Später werden einige Plätze von Vogelkarten belegt sein, so dass der Würfel immer weiter nach rechts in einer Reihe rutschen wird. Die Aktionen werden dabei besser je weiter sie nach rechts rutschen. Ausnahme ist die Aktion „Vogel spielen“ diese wird ein wenig teurer je weiter sie nach rechts rutscht. Hier bezahlt man immer für die Spalte, in die man den Vogel in den unteren drei Reihen auch legen würde. Die anderen Aktionen sind „Futter erhalten“, „Eier legen“ und „Vogelkarten ziehen“.

Flügelschlag Vogelkarten / Foto: Spieltroll

Die Vogelkarten sind das zentrale Element von Flügelschlag, sie sind wunderschön illustriert und weisen einige Informationen auf. Alle Vögel sind den Habitaten zugeordnet. Sie kommen also entweder im Wald, auf der Wiese oder an der See vor, oder in irgendeiner Kombination dieser Habitate. Außerdem hat jeder Vogel bestimmte Futtervorlieben, die auch seine Ausspielkosten darstellen. Des weiteren hat jeder Vogel noch einen Siegpunktewert, einen Nesttyp und eine bestimmte Menge von Eiern, die er auf seiner Karte lagern kann. Die Flügelspannweite ist ebenfalls angegebn und zu guter letzt verfügt der Vogel noch über eine Fähigkeit, die entweder in einer braunen, weißen oder pinken Banderole angegben ist.

Flügelschlag Spielsituation / Foto: Spieltroll

Wenn ein Spieler am Zug ist kann er also einen Vogel von seiner Hand ausspielen, wenn er die Futterkosten bezahlen kann und noch ein Platz in dem entsprechenden Habitat frei ist. Er legt zunächst seinen Aktionswürfel zum Zeichen seines Zuges an die entsprechende Stelle seines Tableaus und legt die Vogelkarte auf den freien Platz in einer der Habitatreihen. Hat der Vogel dabei eine weiße Banderole mit einer Fähigkeit, so wird sie nun beim Ausspielen aktiviert. Danach bewegt man den Aktionswürfel nach links auf seinem Tableau und der nächste Spieler führt ebenfalls eine Aktion durch. Entscheide ich mich für „Futter erhalten“, so lege ich meinen Aktionswürfel auf den freien Platz am weitesten links in dieser Reihe auf meinem Tableau und darf mir je nach Position einen bis drei Würfel aus dem Futterhäuschen nehmen und erhalte einen entsprechenden Marker dafür. Danach bewege ich meinen Aktionsmarker über sämtliche Vogelkarten nach links und führe auf jedem Vogel mit brauner Banderole siene Fähigkeit aus, wenn ich möchte. Dabei können viele Sachen passieren, wie zum Beispiel das ein Vogel andere Vögel jagt und ich die nächste Karte des Kartenstapels umdrehen darf und dieser bei einer bestimmten Spannweite unter meinen Vogel legen darf und er Beute gemacht hat. Jede so erbeutete Karte zählt am Ende einen Punkt. Oder das ich ein Ei abgeben darf um etwas bestimmtes zu tun. Es gibt viele verschiedene Fähigkeiten. Wenn ich ganz links angekommen bin ist mein Zug beendet.

Bei den beiden anderen Aktionen wird genauso verfahren. Beim Eierlegen bekommt man je nach Position zwei bis vier Eier, die man dann auf seinen Vöglen „lagern“ muss. Jeder Vogel kann dabei nur eine bestimmte Anzahl Eier aufbewahren und jedes Ei bringt am Ende der Partie einen Siegpunkt. Bei der Aktion „Ziehe Vogelkarten“ bekomme ich ein bis drei Karten die ich entweder aus der Vogeltränke nehmen oder vom Stapel ziehen darf.

Flügelschlag Zieltableau / Foto: Spieltroll

Grob gesagt, ist das auch schon das ganze Spiel. Ein paar kleine Details hab ich jetzt mal weggelassen, die sind aber auch nciht so entscheidend. Wichtig ist noch zu erwähnen, wie das Punkten funktioniert und dort wird am Ende jeder kompletten Runde geschaut, wer in der Bonusoption, die auf dem Zieltableau liegt am besten platziert ist. Hier gibt es auch noch zwei verschiedene Seiten, die man spielen kann. Die Spieler geben zum markieren auf diesem Tableau am Ende jeder Runde einen ihrer Aktionswürfel ab, so dass sie die nächste Runde jeweils mit einem weniger spielen. Zum Ende der Partie werden dann sämtliche Punkte ausgezählt und man erhält zunächst Punkte für seine Vögel, die ja alle einen Punktewert haben. Eier und Karten unter Vögeln bringen jeweils einen Punkt. Die Bonuskarten auf der Hand werden überprüft und ausgewertet. Im Verlauf des Spiels ist es durchaus möglich durch bestimmte Vögel weitere Bonuskarten zu erhalten. Als letztes kommen dann noch die Punkte des Zieltableuas dazu und der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Flügelschlag Bonuskarten / Foto: Spieltroll

Noch ein paar Worte zum Solomodus. Hier wurde sich richtig viel Mühe gegeben einen schönen Solomodus zu implementieren und der macht bei Flügelschlag tatsächlich Spaß, so daß man ihn mal antesten sollte. Es gibt extra ein kleines Kartendeck mit dem man einen Kontrahenten simuliert, der unentwegt punktet und uns das Leben wirklich schwer macht.

Das Fazit

Flügelschlag hat für einen Riesenhype gesorgt. Es passiert nicht oft, dass zum Beispiel von einem Brettspiel in der New York Times berichtet wird, aber Flügelschlag von einer bis dato völlig unbekannten Autorin hat es geschafft. Elizabeth Hargrave hat nach eigener Aussage dabei nur ein Spiel entworfen, weil es kein Spiel mit einem Thema gab, was sie wirklich interessierte und ihr Interesse gilt nun einmal der Ornithologie. Stonemaier Games verwandeln das Spielkonzept dabei wiedereinmal in ein Gesamtkunstwerk, dass zum State of the Art für die Brettspielzunft wird. Das Spielmaterial ist nicht nur wunderschön illustriert, es passt auch wieder alles wie angegossen in die Spielschachtel, obwohl es diesmal überhaupt kein Inlay gibt. Dafür gibt es aber kleine Aufbewahrungsboxen für das Spielmaterial und auch die Vogeltränke wird hier zur Aufbewahrungsmöglichkeit für die Karten des Spiels und dient im Spiel als Auslage. Der Würfelturm rundet das ganze nur ab, ist er eigentlich total überflüssig, passt aber optisch schön zum Thema und sieht auf dem Spieltisch fantastisch aus. Karten und Anleitung machen ein hochwertigen Eindruck und die kleinen Plastikeier vermitteln einen das Gefühl von Ostern. Besser kann man ein Spiel von der Produktion fast nicht machen, wenn es preislich noch im Rahmen bleiben soll.

Flügelschlag Würfelturm / Foto: Spieltroll

Spielerisch denke ich scheiden sich die Geister ein wenig an Flügelschlag, denn es wird viele Spieler da draußen geben, die anerkennen das Flügelschlag ein gutes Spiel ist, aber für einen Enginebuilder mit dem Hype wahrscheinlich doch nur so mittelprächtig ist. Dem muß ich aber wiedersprechen, indem ich sage, dass sie nicht das Klientel für dieses Spiel sind. Flügelschlag ist ein Familienspiel mit höherem Anspruch, denn man muss die Fähigkeiten der Vögel verstehen und in möglichst effektive Reihenfolgen umsetzen können. Nichts, was so einen mit allen Wassern gewaschenen Vielspieler aus der Deckung hervorlocken könnte, aber für Familien die gerne Spielen eine schöne Herausforderung darstellt. Einige wenige für die Interaktion das Maß aller Dinge beim Spielen ist, werden Flügelschlag wegen seiner solitären Spielweise allein schon nicht mögen, wobei ich bis heute noch nicht verstanden habe, warum mangelnde Interaktion an einem Spieltisch zu weniger Spaß führen sollte. Aber gut, jedem das seine. Die dritte Fraktion wird sich an den Glückselementen stören, die in Flügelschlag definitiv enthalten sind. Es ist schon vom Glück abhängig, welche Karten ich bekomme und ob die Futterwürfel das Futter zeigen, was ich gerade für meine Vögel benötige. Aber Möglichkeiten zu spielen habe ich immer, ich muss dann vielleicht mal eine nicht so gute Option wählen, aber ich kann mich nicht in eine Sackgasse manövrieren.

Man könnte jetzt glauben, dass ich Flügelschlag bei all der Kritik nicht mögen könnte, aber das ist nicht meine Kritik, das können andere so sehen, aber ich finde das Flügelschlag in seiner Kategorie alles richtig macht und zu den besten Spielen überhaupt gehört. Wer es mag, in einer nicht allzu langen Partie gerne mal ein paar Synergien von unterschiedlichen Maschinenteilen (Vögeln) auszuprobieren, um daraus die bestmögliche Punkteausbeute zu erreichen, der ist bei diesem Enginebuilder mit absolut neuem Thema und bestechender Optik genau richtig. Flügelschlag macht Spaß, findet genau das richtige Maß zwischen Länge und Komplexität und vermittelt den Anschein auch noch etwas über Vögel dabei zu lernen. Respekt Elizabeth Hargrave für dieses Meisterwerk!


  • Verlag: Feuerland Spiele
  • Autor(en): Elizabeth Hargrave
  • Illustrator(en): Natalia Rojas, Ana María Martínez Jaramillo, Beth Sobel
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Spieleranzahl: 1-5 Spieler
  • Dauer: 40-70 Minuten

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