Man muss auch gönnen können

Man muss auch Gönnen können /
Foto: Spieltroll

Ulrich Blum hatte sich im letzten Jahr gerade erst mit Minecraft – Biomes & Builders einen überraschenden Achtungserfolg erzielt, der erstaunlich gut funktionierte, da kommt er dieses Jahr zusammen mit Jens Merkl und dem Spiel, Man Muss Auch Gönnen Können, wieder in den Fokus. Im Vorfeld der Spiel des Jahres-Nominierungen wurde dieses, in der Klein & Fein-Reihe des Schmidt Spiele-Verlages erschienende, Roll & Write der beiden als heißer Kandidat für eine Nominierung gehandelt. Wie wir nun wissen, hat es das Spiel nicht mal auf die Empfehlungsliste geschafft. Ich finde, und muss das auch so hart sagen, völlig zu recht ist es dort nicht gelandet. Man Muss Auch Gönnen Können macht genausoviel richtig gut, wie es auch erhebliche Dinge falsch macht. Welche dabei was tun, möchte ich in folgendem Beitrag klären und ob das die Schuld der Autoren oder eher des Redakteurs sind, sei als Frage durchaus in den Raum gestellt.

Worum geht es ?

Man Muss Auch Gönnen Können hat kein Thema und versucht auch nichtmal eines zu erzeugen. Dabei reiht es sich in seine Geschwister der Klein & Fein-Reihe ein. Hier geht es nur um das Würfeln und das erzielen seiner Aufgaben. Dafür weisst es überall, wo sich in der Anleitung und auf der Schachtel Platz findet darauf hin, dass die Spieler sich hier im Verlauf des Spiels erst ihr eigene Kartenauslage zusammenbauen, die ihnen die Siegbedingungen vorgeben. klingt eigentlich ganz interessant.

Wie läuft das ab ?

In der Schachtel, die seltsamer Weise, als ich sie zugeschickt bekamm, verzogen war, weil der Deckel nicht richtig auf die Schachtel passte (dazu später mehr), findet man 4 abwichbare Stifte, fünf bunte Würfel, insgesamt 54 Karten, sowie eine Marktleiste aus Pappe. Die Karten unterteilen sich nochmal in 29 Wertungs- und 20 Bonuskarten. Hinzu kommen noch 4 Wertungskarten für die bis zu vier Spieler und eine Solokarte. Die Karten sind allesamt abwischbar und werden im Laufe der Partie auch beschrieben.

Man Muss Auch Gönnen Können – Spielsituation / Foto: Spieltroll

Die Marktleiste wird beim Spielaufbau in die Mitte des Tisches gelegt und zeigt unterschiedlich teure Bereiche. Insgesamt gibt es vier Stück, wobei die beiden linken vier Würfelsymbole zeigen und die rechten nur drei. Oberhalb der Leiste befindet sich das Wertungskartensymbol, unterhalb das B für die Bonuskarten. Die Spielkarten werden in zwei unterschiedliche Stapel sortiert und einzeln gemischt. Sie werden jeweils neben die Marktleiste gelegt und je vier Karten werden aufgedeckt, so dass jede Karte einem Würfelpreis zugeordnet werden kann. Hier fällt auf, das die Karten größer sind als die auf der Leiste angedeuteten Felder, so dass es ein wenig seltsam wirkt. Jeder Spieler bekommt eine Abrechnungskarte und einen Stift, sowie verdeckt zwei Karten von jedem Stapel. Die vier Karten schaut man sich an und entscheidet sich für insgesamt drei von ihnen. Diese drei Karten legt man vor sich aus. Die Spieler legen im Laufe des Spiels ein maximal drei mal drei großes Kartenfeld vor sich aus und deshalb ist es durchaus wichtig, wie sie diese Karten auslegen, denn die einzelnen Karten beziehen sich mitunter aufeinander. Die letzte Karte schmeißen sie ab.

Man Muss Auch Gönnen Können – Bonuskarten / Foto: Spieltroll

Die Karten verfügen jeweils über zwei Bereiche. Unten ist entweder der Bonus oder die Wertung angegeben und im oberen Bereich befindet sich die Aufgabe, die man im Verlauf des Spiels auf dieser Karte erfüllen muss, um entweder einen Bonus im Verlauf des Spiels oder Punkte für die Entwertung zu erhalten.

Man Muss Auch Gönnen Können – Spielaufbau / Foto: Spieltroll

Das Spiel läuft dann wie folgt ab, der Startspieler würfelt die fünf farbigen Würfel und darf sie entweder so verwenden, wie er sie gewürfelt hat oder bis zu zwei mal nachwürfeln. Vor jedem Nachwürfel darf er beliebig viele Würfel auf die Baustelle (ach, das ist der Bereich in der Spieleschachtel der erhöht und mit einem Baustellensymbol versehen wurde) legen, die man auch noch in der Mitte des Tisches stehen lässt. Beim zweiten Mal nachwürfeln darf man auch bereit auf der Baustelle liegende Würfel wieder mitwürfeln. Wie bei Kniffel also. Nach diesen maximal drei Würfen kann er nun bis zu alle Würfel seines Wurfes dazu benutzen Karten zu kaufen oder Karten abzuschließen. Dafür darf er jeden Würfel aber nur einmal benutzen. Ist er nach dem dritten Wurf immer noch nicht zufrieden, so darf er eine Chance benutzen. Wie bei Kniffel also. Der Clou für die Mitspieler ist jetzt aber, dass wenn nachgewürfelt wird, die Mitspieler, einen der nachgewürfelten Würfel bei sich eintragen dürfen unzwar jedesmal wenn nachgewürfelt wird. Also alle gesicherten Würfel auf der Baustelle dürfen nicht gewählt werden.

Man Muss Auch Gönnen Können – Baustelle / Foto: Spieltroll

Zurück zum aktiven Spieler, der seine Würfel am Ende des maximal dritten Wurfes ja noch benutzen kann. Er darf Aufgaben mit seinen Würfeln abschließen, dass heisst alle Felder ausfüllen. Ist ihm das nicht möglich, so darf er die Würfel nicht wählen. Sämtliche fehlenden Felder einer Aufgabe müssen mit dem Wurf ausgefüllt werden können. Hierbei gelten ein paar Regeln, steht in einem Feld zum Beispiel eine Zahl, so wird genau diese Zahl benötigt, um das Feld ankreuzen zu dürfen, steht in dem Feld keine Zahl, so muss eine eingetragen werden. Für weiße Felder darf man jeden Würfel benutzen und für die farbigen muss man den jeweils richtigen Würfel verwenden. Sämtliche mathematischen Symbole zwischen den Kästchen müssen beachtet werden.

Alternativ kann man sich neue Karten vom Markt kaufen, um seine Aufgabenvielfalt zu erhöhen und um letztlich Punkte zu machen. Das darf man aber nur wenn man entweder drei oder viermal die gleiche Zahl auf einem Würfel erwürfelt hat. Dann darf man sich eine Karte von den entsprechenden Feldern des Marktes nehmen und legt sie in sein Raster vor sich aus.

Man Muss Auch Gönnen Können – Auslage / Foto: Spieltroll

Sollte man auch das nicht machen wollen, so greift die Möglichkeit der Chance und hier darf man zwischen zwei Dingen wählen, entweder man sucht sich bis zu zwei seiner fünf Würfel aus und trägt sie irgendwo auf seinen Aufgaben ein. Dabei muss nicht abgeschlossen werden und es dürfen sogar unterschiedliche Karten genommen werden, oder aber man zieht verdeckt eine Karte von einem der beiden Stapel und entscheidet sich sie vor sich abzulegen oder abzuwerfen. Danach ist der nächste Spieler dran. Ach ja, sollten Karten gekauft worden sein, so werden die Auslagen wieder aufgefüllt und alle Karten rutschen in Pfeilrichtung auf die nächste freie Position des Marktes.

Das Spielende wird ausgelöst sobald ein Spieler die neunte Karte kauft. Die laufende Runde wird zu Ende gespielt und dann noch eine komplette Runde gespielt bevor dann unweigerlich Schluss ist. Dann rechnet jeder die Punkte seiner Wertungskarten zusammen und derjenige mit den meisten Punkten ist der Sieger.

Man Muss Auch Gönnen Können – Wertung / Foto: Spieltroll

Das A und O sind hier natürlich die Karten. Die Aufgaben unterteilen sich dabei in die vier wesentlichen: 1. Karten mit Zahlenfeldern, von denen manche auch farbig sind. Hier müssen die Exakten Würfelzahlen gewürfelt werden, um sie anzukreuzen. 2. Zahlenreihen durch Symbole verbunden. Wie zum Beispiel eine Kette mit Größerzeichen, so dass die eingetragenen Zahlen von Links nach Rechts größer werden müssen. Auch hier kann es farbige Felder geben 3. Zahlenreihen mit Gleichheitszeichen. In jedes Kästchen gehört die gleiche Zahl in den durch die Kästen vorgegebenen Farben. 4. Summenkarten mit bunten Kästchen. Hier muss eine bestimmte Summe erreicht oder überschritten werden.

Die Bonuskarten erlauben es meistens die Regeln zu brechen, so darf zum Beispiel die Würfelzahl eine bestimmte Anzahl an Malen auf- oder abgewertet werden. Oder ein Würfel als eine andere Farbe benutzt werden. Die Wertungskarten beziehen sich dann aber meistens auf die Position im Raster oder die Farbe der Karten, denn ja, auch die Karten haben verschiedene Hintergrundfarben und das ist für manche der Wertungskarten von Bedeutung. So gibt es zum Beispiel Wertungskarten die an einer bestimmten Stelle im Raster liegen müssen und einem Punkte für bestimmte abgeschlossene Aufgaben an bestimmten Positionen im Raster geben. Oder einfach welche die einem Punkte für jede grüne Karte im Raster geben usw. Hier gibt es viele Möglichkeiten.

Das Fazit

Wie immer wenn ich was zu meckern hab, wird es etwas länger und bei Man Muss Auch Gönnen Können habe ich was zu meckern. Allerdings nehm ich hier die Autoren mal aus der Kritik raus, denn das Spielprinzip an sich finde ich jetzt gar nicht mal so schlecht, wenngleich es mich auch nicht ewig bei der Stange halten würde. Grundsätzlich finde ich die Idee gut, dass man sich durch die Karten seinen eigenen „Spielzettel“ kreirt und auf das spielt wo man Lust zu hat. Allerdings wirkt das Spiel dann fast ein bißchen zu verkopft, wenn man genau das nicht tun darf, was man erwartet. Man würfelt und würfelt und dann passt das alles nicht um irgendwas vollständig anzukreuzen, also macht man es nicht und wird oft mit einer Notlösung (Chance) abgespeist, weil man sich natürlich auch keine Karte kaufen kann, denn dreimal oder gar viermal die gleiche Zahl bei fünf Würfeln zu würfeln ist ja auch nicht allzu wahrscheinlich. Außerdem ergeben sich hier Probleme mit dem Markt, denn ab und an liegen dort Karten die keiner will und dann zieht man lieber auf Verdacht etwas mit einer Chance. So besteht die Möglichkeit eines festgefahrenen Marktes speziell mit zwei oder auch nur drei Spielern.

Die Idee von Man Muss Auch Gönnen Können ist ansonsten aber wirklich gelungen, nur fühlt sie sich noch nicht super umgesetzt an. Ich könnte mir vorstellen, dass man daraus noch was machen kann. Womit ich langsam auch zur redaktionellen Kritik umschwenken möchte. Ich finde Thorsten Gimmler der Chefredakteur von Schmidt Spiele hat hier nicht gerade seinen besten Job abgeliefert und das geht schon mit dem Eingangs erwähnten schiefen Deckel los. Nochmal zu Erinnerung das Spiel war neu und eingeschweisst mit schiefem Deckel und was ja mal bei anderen Produktionen passieren kann ist hier einfach mal ein Fehler, denn die Marktleiste aus Pappe passt einfach nicht in die Schachtel, denn sie ist im gefalteten Zustand zu dick, um in die Schachtel zu passen, denn die bescheuerte Baustelle, die man eh nicht braucht und die so überflüssig ist, wie das Silbertablett bei Ganz schön clever, verhindert das der Deckel noch richtig drauf passt. Auch quer passt die Marktleiste nicht in die Schachtel, denn dafür ist sie gefaltet immer noch zu lang. Aber da hört es auch noch nicht auf, denn die Felder auf der Marktleiste sind ja nichtmal so breit, dass die Karten oben und unten passend angelegt werden können. Wenn man also schon eine Leiste macht die eh nicht quer in die Schachtel passt, warum dann nicht die Baustelle tiefer legen, so dass die Leiste noch reinpasst und die Leiste in der richtigen Größe erstellen? Will mir nicht einleuchten. Hinzu kommt noch das die Gestaltung der Karten irgendwie seltsam aussieht. Als wären sie schmutzig oder grafisch fehlerhaft. Ich denke aber das soll tatsählich so sein, damit es zu der Baustellen-Idee passt. Nee, das ist nicht gut und die Schachtel ist natürlich, weil der Deckel nicht richtig passt inzwischen aus schon leicht verbeult. Das sind Fehler die müssten doch redaktionell aufgefallen sein.

Mann Muss Auch Gönnen Können – Marktleiste / Foto: Spieltroll

Man Muss Auch Gönnen Können ist für mich insgesamt nur Mittelmaß mit guten Ansätzen, die es vielleicht Wert wären in einem besseren Spiel weider aufgegriffen zu werden. Ich sehe tatsächlich nicht, wieso das von einigen in die Nähe eines Spiel des Jahres gerückt wurde. Für mich eines der schwächeren Spiele der Reihe.


  • Verlag: Schmidt-Spiele
  • Autor(en): Ulrich Blum, Jens Merkl
  • Illustrator(en): Leon Schiffer
  • Erscheinungsjahr: 2020
  • Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
  • Dauer: 30 Minuten

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