Die Brettspielblase

Heute muss ich mal wieder etwas loswerden. Ich habe schon lange keine reinen Gedanken-Posts mehr hier abgesetzt, obwohl ich Ende letzten Jahres angekündigt habe das wieder öfters zu tun. Es brodelt seit ein paar Wochen ein wenig in mir und deshalb wollte ich euch heute mal ein wenig was vor die Füße kotzen, obwohl es mir vielleicht eigentlich egal sein sollte. Es geht um die, ich nenne es mal, Brettspielblase – unter den ganzen, neudeutsch, Content-Creators genannten Leuten, die einem da auf diversen Medienkanälen vor die Füße fallen. Auch ich informiere mich natürlich auf allen möglichen Kanälen über neue Spiele, so wie das vielleicht viele von euch tun. Meistens bewege ich mich da im englischsprachigem Raum. Aber auch unter den deutschen Youtubern und Bloggern schaue ich mich gerne mal um. Ach ja, ich werde hier keine Namen nennen, weil ich niemandem auf den Schlips treten oder besonders hervorheben möchte. Es gibt aber Dinge, die sich in mir in den letzten Jahren hochgeschaukelt haben und die ich nicht gut heißen kann.

Es geht mir um die Personality-Show, die da von einigen Leuten abgezogen wird. Gerade im deutschsprachigem Raum scheinen mir extrem viele Leute unterwegs zu sein, die einfach überhaupt nichts zu sagen haben und ihre Backpfeifengesichter in die Kamera halten, um den geneigten Konsumenten irgendeinen Scheiß zu erzählen, während sie vor ihrer Wand mit Brettspielen sitzen. Dabei geht es diesen Hanseln eigentlich überhaupt nicht um die Spiele, sondern um ihren eigenen Selbstzweck. Nabelschau, oder wie auch immer man es nennen will. Das geht mir auf den Sack. Denn im letzten Jahr, wahrscheinlich katalysiert durch die Pandemie, haben diese „Brettspieler“ einfach irgendwie zu wenig zu tun. Sie können nicht auf Conventions und Messen fahren, um zig Spiele zu kaufen und sie jedem in die Kamera zu halten und das als Loot zu feiern. Sie setzen sich kaum mit Spielen auseinander, außer um aller Welt zu sagen, dass es gerade jetzt das tollste Spiel ist, das unbedingt gebraucht wird. Sie springen auf jeden Hypetrain auf und haben immer die neuesten Spiele am Start. Meist sogar vor offizieller Veröffentlichung, weil sie von den Verlagen unterstützt werden und vielen Spielern suggerieren, dass es genauso sein soll. Sie sind Verkäufer, die Vorgeben Teil einer Community zu sein. Die Community besteht dabei eigentlich nur aus dieser Blase, die sie sich selbst geschaffen haben. Der Großteil der Leute, die dafür sorgen, dass Brettspiele aktuell durch die Decke gehen sind nämlich eigentlich nicht diese Ultrageeks, die das Wort Familienspiel fast schon als Schimpfwort betrachten. Das geht mir echt auf den Zeiger. Nur weil ein Spiel eben nicht Miniaturen für 200 Euro dabei hat und gleich mit 18 Erweiterungen auf den Markt kommt, muss es nicht schlecht sein. Spieler die nicht regelmäßig die neuesten Veröffentlichungen von Kickstarter in ihren Regalen stehen haben sind auch Spieler und werden von diesen Inhaltskreateuren irgendwie kaum für voll genommen.

Nein, lasst euch nichts erzählen! An Neuheiten interessiert zu sein ist nicht schlimm, dass bin ich selbst, aber diese Menschen leben den Leuten etwas vor, dass ihnen suggeriert, immer die neusten Sachen zu brauchen. Es ist cool so und du musst mitziehen, sonst gehörst du nicht zu unserer coolen Community. Bullshit. Ihr könnt das niemals alles spielen. Der Brettspielmarkt ist inzwischen so groß, dass er nicht mehr komplett durchdrungen werden kann. Es gibt zuviele gute Spiele und man muss sich seine Highlights heraussuchen und sich auch Zeit lassen. Ich glaube kaum das diese Leute alle davon leben können ihre Gesichter in die Kamera zu halten. Wie spielen die all diese Spiele zu denen sie so „starke“ Meinungen vertreten? Ich habe keine Ahnung wie das gehen soll. Ich habe einen Job und spiele ziemlich viel. Es war schon immer mein Hobby. Ich habe aber nebenbei ein Leben und Familie, auch diese verlangen Zeit. Ich hoffe inständig das diese Vögel das irgendwie alles auf die Reihe bekommen.

Im letzten Jahr sind trotz oder gerade wegen der Pandemie viele Kooperationen untereinander entstanden und man besucht sich gegenseitig auf den Kanälen, um die Reichweiten zu maximieren. Aber da hört es nicht auf, sie kopieren sich gegenseitig, weil sie eigentlich nichts zu sagen haben. Als Beispiel sei hier ein englischer Kanal genannt, der ziemlich bekannt ist und der ein Video ins Netz gestellt hat, bei dem man dabei zusehen kann, wie derjenige seine Spielesammlung halbiert, um Platz zu schaffen und sich auch ein wenig von zuvielen Spielen zu befreien. Denn wer viele Spiele hat, weiss genau, dass sie viel Platz brauchen und das sie nie alle gespielt werden. Also warum alles aufbewahren. Die aussortierten Spiele wurden dann an ein Brettspielcafe weitergereicht, damit sie gespielt werden. Gute Aktion! Kaum eine Woche später sieht man auf den deutschen Kanälen die Backpfeifengesichter ihre Sammlungen verkleinern, weil muss ja. Gehört jetzt zum guten Ton. Ressourcenschonung, Umwelt, weniger Konsum und so… Jaja, ihr habt doch gelitten. Nachahmer ohne Sinn und Verstand.

Es könnte mir eigentlich egal sein und ich sollte mich nicht darüber aufregen, aber mir liegt dieses Hobby wirklich am Herzen und ich sehe soviele Leute, die jetzt gerade mal auf den Zug aufspringen und vielleicht denken sie könnten damit Geld verdienen. Wahrscheinlich tun einige das sogar auch, ich habe keine Ahnung, aber im Moment habe ich das Gefühl, dass das alles überhand nimmt und sich in keine gute Richtung bewegt. Ein Schein wird erweckt, der so für die Masse der Spieler nicht stimmt. Ich kann nur hoffen, dass sich Qualität oder zumindest Originalität durchsetzt. Wie wir aber gemeinhin wissen, fliegen die meisten Fliegen immer zum größten Scheißhaufen.

Aber es ist ja auch nicht alles schlecht und wahrscheinlich musste ich mir einfach nur mal ein wenig Luft machen. Leute, denkt dran, Spiele sind dafür da gespielt zu werden und nicht um im Regal zu stehen. Kauft euch lieber nur wenige Spiele, aber dafür welche die ihr spielt. Informationen gibt es da draußen genug. Es gibt viele Youtuber und Blogger die euch gerne etwas über ein Spiel erzählen, dass auch ein wenig Gehalt hat und euch bei eurer Entscheidung für ein Spiel unterstützen kann. Ihr müsst sie nur finden. In diesem Sinne…

Ein Gedanke zu „Die Brettspielblase“

  1. Ja, kann ich ganz gut nachempfinden. Ich finde aber auch generell, das der Spielemarkt an sich viel zu groß geworden ist. Es erscheinen viel zu viele Spiele und dabei steigt der Anteil der unterdurchschnittlichen Spiele stark an. Es gibt so viele Hypes um Spiele, die eigentlich schon in ähnlicher Form immer und immer wieder auf den Markt gekommen sind. Das fand ich beim diesjährigen Jahrgang sehr auffällig, da gab es in Essen (auf der Spiel) so gut wie nichts, was ich jetzt unbedingt hätte haben müssen. Das was mich interessiert wird irgendwie immer weniger. Aber da ja alle über Essen berichten müssen/wollen, werden halt die besten der Schwachen Spiele immer mehr abgefeiert. Wie ein Klassenspiegel wird das im nachhinein entsprechend angepasst und dann bekommen z.B. 3er Spiele auch mal ne 1 verpasst, damit hinterher die Verteilung stimmt. Ich finde auch, das die Inhalte der Spielekanäle sich ja eh alle ähneln. Ruhmreiche Ausnahme sind No Pun Included. Oder überhaupt mal kritische Stimmen. Ich schaue oft als erstes bei H@LL9000 nach, ob die über ein Spiel das mich interessiert Bewertung und Test vorliegen haben. Ich finde, die haben immer sehr harte Kritiken und strafen schnell Schwachpunkte ab. Wenn ein Spiel da ganz gut wegkommt, dann lohnen sich weitere Blicke immer 😉

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