Brew

Brew

Dieses Spiel kommt daher und wirkt erstmal so, als hätte es einen Versuch gegeben, ein im Westen noch völlig unbekanntes japanisches Manga durch ein Brettspiel bekannter zu machen. Das Cover sieht so wunderbar japanisch aus, dass ich es kaum glauben kann, dass der Autor Stevo Torres aus Texas kommt und die Illustratoren Jake Morrison und Andrew Thompson sich nur diesem Stil gewidmet haben ohne selbst aus Japan zu kommen. Der Titel steht dabei zunächst auch in gar keinem Zusammenhang mit dem Gezeigten. Dieser erschließt sich erst ein bißchen später, wenn der Inhalt und die Story des Spiels bekannt sind. Es geht nämlich, unter anderem, um das Brauen von Tränken aus diversen Inhaltsstoffen und spätestens wenn die Protagonisten das erstemal auf der Bildfläche erscheinen, könnten Fragen auftauchen, was da genau für Inhaltsstoffe in den bunten Fläschchen sind, denn die Mangahelden sehen dann doch ein wenig so aus, als hätten sie zuviel von bewusstseinserweiternden Substanzen konsumiert. Riesige Pupillen sind das eine, ist aber wahrscheinlich doch nur der Grafikstil, aber die Mischung, die uns Brew hier präsentiert ist dann doch eine ziemlich wilde.

Worum geht es?

In Brew ist die Zeit aus den Fugen geraten. Alle Jahreszeiten finden gleichzeitig statt und auch der Tag- und Nachtrhytmus stimmt nicht mehr. Die Aufgabe der Spieler*innen ist es natürlich diese Balance wieder herzustellen und das machen sie in den Rollen von sogenannten Waldmystikern, die Kreaturen zähmen und Tränke brauen, um alles wieder in Ordnung zu bringen. Brew bedient sich dabei einer sehr wilden Mischung aus Area Control, Dice bzw. Worker-Placement und einer Portion Ressourcen-Management. Zudem ist der Mix bereits nach vier Runden wieder vorbei.

Brew – Spielaufbau / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Aufgrund der Mischung vieler Elemente hat dieses kleine Spiel dennoch relativ viel unterschiedliches Material, das in der Mitte bereitgelegt werden muss. Zunächst hätten wir dort das kleine Spielbrett, das zweiseitig jeweils eine Tag und eine Nachtseite eines Dorfes zeigt. Das Spiel beginnt mit der Tagseite sichtbar. Auf dem Brett befinden sich fünf besuchbare Orte. Neben dem diversen Markermaterial, das als Vorrat bereitgelegt werden muss, bilden wir noch drei Auslagen rund um das Spielbrett. Zum einen wären dort die großformatigen Waldkarten, von denen je nach Spieler*innenanzahl drei bis fünf offen aufgedeckt werden. Diese zeigen verschieden viele Würfeleinsatzfelder mit unterschiedlichen Symbolen. Außerdem gehören sie immer einer oder zwei Jahreszeiten an.

Brew – Trankauslage / Foto: Spieltroll

Als zweite Kartenauslage bilden wir mit vier aufgedeckten Karten eine Trankauslage. Diese Tränke haben alle Fähigkeiten, Punktewerte und bestimmte Rohstoffkosten. Im Spielverlauf können wir Tränke aus der Auslage auf die Hand bekommen indem wir sie mit den Rohstoffen bezahlen und spielen sie später für ihre Fähigkeiten wieder aus. In der Auslage sind immer vier offene Tränke zu sehen. Die letzte Auslage betrifft die Waldkreaturen. Hier werden die Karten gemäß der Jahreszeiten sortiert und dann gemischt. Anschließend wird jeweils ein offener Stapel ausgelegt. Die Tiere zeigen ebenfalls einen Punktewert und eine Fähigkeit, die wir uns zu eigen machen können, wenn wir sie zähmen.

Die Spieler*innen erhalten dann jeweils noch einen der vier Charaktere, die wiederum über Spezialfähigkeiten verfügen, sowie die Sammelwürfel in der Charakterfarbe plus zwei neutrale Elementarwürfel. Darüber hinaus bekommt jede*r noch eine Energiebeere als Startressource. Energiebeeren sind die Jokerressource, die beliebig für jede andere eingesetzt werden kann.

Brew – Vier Waldmystiker / Foto: Spieltroll

Auch in Brew geht es natürlich um Siegpunkte und wer nach vier Runden die meisten besitzt gewinnt das Spiel. Die Spieler*innen setzten Würfel ein, um Zutaten für Tränke zu sammeln, Kontrolle über Wäler zu erlangen und um wilde Kreaturen zu zähmen und sich ihre Fähigkeiten zu Nutzen zu machen. Zu Beginn einer jeden Runde würfeln alle Spieler*innen ihre Würfel gleichzeitig und dann hat jede*r reihum einen Zug, bis irgendwann alle Würfel aufgebraucht sind.

Brew – Würfel im Wald einsetzen / Foto: Spieltroll

Ein solcher Zug besteht aus drei einfachen Schritten, die in beliebiger Reihenfolge ausgeführt werden dürfen. Es muss immer ein Würfel eingesetzt werden. Es darf ein Trank aus dem Vorrat gebraut werden und es darf ein Trank aus der Hand getrunken werden. Die komplexeste Handlung ist dabei natürlich der Würfeleinsatz, denn dieser kann auf dieverse Arten genutzt werden. Ein Würfel kann in einen ausliegenden Wald oder ins Dorf eingesetzt werden. Auf den Sammelwürfeln gibt es drei unterscheidliche Symbole (Ast, Stein, Blatt) und auch auf den Elementarwürfeln sind drei Symbole (Wasser, Wind, Feuer) vorhanden. Zeigt ein Einsatzfeld im Wald oder Dorf ein bestimmtes Symbol, so muss auch ein Würfel mit diesem Symbol dort eingesetzt werden. Elementarwürfel dürfen zusätzlich im Wald auf jedes Feld gesetzt werden. Insgesamt gilt, dass Felder nicht mehr belegt werden dürfen, wenn ein Würfel schon eingesetzt wurde. Im Dorf gibt es zwei Felder, die nie belegt sind und auf dem jeder Würfel eingesetzt werden kann.

Brew – Das Dorf bei Nacht / Foto: Spieltroll

Wird ein Würfel im Wald eingesetzt, so hat jedes Feld eine zugeordnete Ressource oder einen Zahn als Kreatursymbol abgebildet und die Spieler*innen erhalten diese Ressource einmal aus dem Vorrat. Dürfen sie eine Kreatur trainieren, so wählen sie eine aus der Auslage und legen sie neben die Trainiertseite des Charakters. Die Dorffelder erlauben verschiedene Aktionen beim Einsatz eines Würfels. Zum Beispiel werden unterschiedliche Ressourcen gesammelt und auch hier gibt es ein Feld für das Training eines Tieres. Die Nachtseite des Dorfs hat wieder andere Einsatzfelder.

Kommen wir nocheinmal auf die Elementarwürfel zu sprechen, denn diese dürfen im Wald ja überall eingesetzt werden bringen aber dafür noch jeweils eine Elementarfähigkeit entsprechend ihres Symbols mit. Wasser erlaubt es zwei zusätzliche Ressourcen des gleichen Typs zu sammeln, Feuerwürfel dürfen so eingesetzt werden, als ob das Feld leer sei und werden einfach obendrauf gesetzt. Gesammelt wird dann ganz normal, aber für die Mehrheien des Waldes am Ende der Runde zählt ein solches „verbranntes“ Feld nicht mehr mit. Das Windsymbol erlaubt es ihn gegen einen eigenen bereits eingesetzten Würfel zu tauschen und auf dem Feld erneut zu sammeln. Der andere Würfel kann später erneut genutzt werden.

Brew – Würfelsymbole / Foto: Spieltroll

Soll ein Trank gebraut werden, so werden einfach die Zutaten zurück in den Vorrat bezahlt und die entsprechende Karte gekauft. Diese wird auf die Hand genommen und die Auslage wieder aufgefüllt. Auf der Hand können beliebig viele Karten sein. Pro Zug darf dann auch einer der Tränke getrunken werden und die entsprechende Fähigkeit wird genutzt.

Am Ende einer Runde, wenn alle Würfel aller Spieler*innen eingesetzt worden sind, passieren noch ein paar Dinge. Zunächst werden Wälder beansprucht. Dafür müssen sie kontrolliert werden und das beinhaltet zwei Regeln. Zum einen muss ein*e Spieler*in mehr Sammelwürfel als jede*r andere Spieler*in in diesem Wald haben und insgesamt müssen es mehr Sammelwürfel als Elementarwürfel sein. Ist das beides der Fall erhält der – oder diejenige die Waldkarte. Wälder die von niemandem beansprucht werden können, werden abgeworfen. Dann können Kreaturenfähigkeiten genutzt werden und im Anschluß nehmen die Spieler*innen ihre Würfel zurück, der Dorfplan wird umgedreht und der Startspielermarker weitergegeben. Anschließend startet die nächste Runde. Sollte der Waldstapel irgendwann aufgebraucht sein, endet das Spiel vorher, aber in der Regel nach vier Runden.

Brew – Kreaturen / Foto: Spieltroll

Kreaturen dürfen maximal drei von den Spieler*innen trainiert werden, was bedeutet das ihre Fähigkeiten genutzt werden dürfen, aber es ist möglich weitere zu fangen und die trainierten wieder freizulassen. Kreaturen werden dann auf die andere Seite der Charakterkarte gelegt. Sollte ein*e Spieler*in bereits einen Wald mit der zur Kreatur passenden Jahreszeit kontrollieren, so kann diese in den Wald freigelassen werden, was bedeutet sie wird umgedreht und ist für die Schlußwertung merh Punkte wert.

Das Fazit

Alter Falter, hier wird ganzschön was geboten in dem kleinen Paket. Area Control, Worker Placement mit Würfeln, Ressorcen sammeln und Tränke brauen, jede Menge Spezialfähigkeiten, Pokemon und tatsächlich ganz viel Interaktion. Ich hab doch gesagt wilde Mischung. Im Moment scheinen diese Mischmaschspiele eine kleine Art von Trend zu sein. Einfach ein paar Mechaniken in einen Mixer schmeißen, gut durchrühren und fertig. Nein, so ist es nicht. Das muss auch alles passen und das tut es bei Brew zum Glück, auch wenn ich am Anfang skeptisch war. Die Erstpartie ließ mich ein wenig verwundert zurück. Meine Frau hatte mich mal wieder haushoch besiegt, denn sie hatte das alles wieder viel schneller auf der Kette als ich. Okay, sie hatte die Regeln gelesen und wahrscheinlich einen kleinen Verständnisvorteil aber während ich noch versuchte den richtigen Weg durch den Tränkenebel zu finden, steuerte sie ganz klar auf den Sieg zu. Mir wurde erst viel zu spät klar, wie gemein Brew doch tatsächlich sein kann und das ist durchaus als Warnung für diejenigen gemeint, die Probleme mit so einer Art von Interaktion haben. Hier wird sich gegenseitig nichts gegönnt. Die Wälder sind für den Sieg durchaus entscheidend, denn sie bringen sehr viele Punkte ein. In der besagten Erstpartie habe ich nur drei Wälder kontrollieren können und meine Frau hatte gefühlt zwanzig. Dafür hatte ich mehr Tränke gebraut, aber auch das half nichts.

Die Mechaniken in Brew sind äußerst clever miteinander verwoben. Die Würfelsymbole erlauben uns nur bestimmte Felder, außer die Elemente, die uns in den Wäldern kleine Gemeinheiten erlauben. Felder verbrennen so das sie nicht mehr zählen, kann die Kontrolle bringen. Auch Wälder die mit genügend Würfeln gesichert wurden, können durch einen geschickten Wind dazu führen, dass wir uns in einen weiteren Wald einschleichen können. Aber Vorsicht, nun kommen auch noch die Tränke dazu, sollten entsprechende Fähigkeiten im Umlauf sein, kann so ein sichergeglaubter Wald auch schnell futsch sein.

Bei Brew ist alles wichtig und nichsts kann vernachlässigt werden. Es ist eklatant wichtig seine Gegner immer im Auge zu behalten und auch zu Wissen, was da eventuell auf der Hand schlummert, von den noch einsatzfähigen Würfeln ganz zu schweigen. Alle Informationen waren nämlich in diesem Spiel irgendwann mal offen zugänglich und wer das alles noch weiß, hat hier einen Vorteil. Die Kreaturen habe ich ja noch nichtmal erwähnt.

Das Thema von Brew ist ziemlich verworren aber es funktioniert als Vehikel für all diese Mechaniken recht gut. Ein bißchen kommt es einem tatsächlich wie Pokemon vor. Nur die Kreaturen sind nicht so wichtig, sondern eher die Wälder in denen sie leben und wir sammeln jede Menge Pilze, Kräuter und Kristalle um uns irgendwelche Tränke reinzupfeifen mit denen wir alles besser im Griff haben.

Nee Spaß beiseite, Brew ist ein sehr gelungenes Spiel das für mich am besten mit zwei Spieler*innen funktioniert. Die Spielzeit steigt mit mehr Spieler*innen deutlich an und zu zweit ist das ganze Area Control-Gerangel um die Wälder so richtig schön taktisch, während mir das mit mehr als zwei Spieler*innen ein wenig zu unausgewogen und in die Länge gezogen erscheint. Starkes Spiel mit einem gelungenen Mix aus Area Control, Worker-Placement und Ressourcenmangement das ich für zwei Spieler*innen uneingeschränkt empfehlen kann.


  • Verlag: Skellig Games
  • Autor(en): Stevo Torres
  • Illustrator(en): Jake Morrison, Andrew Thompson
  • Erscheinungsjahr: 2022
  • Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
  • Dauer: 45 – 90 Minuten

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