Escape Tales – Children of Wyrmwood

Escape Tales – Children of
Wyrmwood

Bisher waren meine Frau und ich ziemlich begeistert von den Escape Tales Spielen. Den ersten Teil The Awakening haben wir in einem Dänemarkurlaub an einem verregneten Nachmittag komplett aufeinmal durchgespielt. Das Spiel hatte uns gepackt. Die Mischung aus Rätsel mit App und erwachsener Story hatte uns ziemlich gepackt und gefiel uns ausgesprochen gut, auch weil man das Escapethemaspielerisch mehr ausreizte als andere Vertreter. Hier ist die Idee mit den Aktionsscheiben ganz entscheidend um ein wenig mehr Druck aufzubauen. Das funktioniert für mich deutlich besser als das Zeitlimit, was aber ja keine Konsequenzen hat. Der zweite Teil Low Memory ist etwas anders gelagert, aber auch gut gelungen. Die Story ist zwar auch Erwachsen aber nicht ganz so hart wie The Awakening. Dafür wurde hier speziell an den Rätseln noch eine Schippe draufgelegt und die waren zum Teil wirklich großartig eingebaut. Das wir auch Teil drei spielen würden, war für uns gar keine Frage. Was uns im Vorfeld ein wenig skeptisch machte war die Tatsache, das KOSMOS den dritten Teil nicht auflegen wollte, weil er durch das Thema wohl nicht in ihr Programm passen würde. Nun gut, schauen wir uns Children of Wyrmwood einmal etwas genauer an. Natürlich ohne zu spoilern und wichtige Details zu verraten.

Worum geht es?

Nachdem wir in The Awakening eine Vater/Tochter Geschichte am Krankenbett miterleben durften und bei Low Memory eine seltsame Situation in einem cybergesicherten Haus miterlebten, geht es diesmal in ein Dark-Fantasy-Setting. Wir spielen Gilbert, der in einem kleinen Dorf mitten in eier düsteren Wildnis wohnt. Das Dorf ist sicher, aber der Wald draußen ist mehr als unwirtlich, denn über all wachesen die düsteren sogenannten Wyrmwurzeln. Niemand weiß genau was sie sind, ob sie planzlich oder tyrisch sind. Oder ob sogar noch ganz andere Dinge hinter ihnen stecken. Du bist auf jeden Fall ein Außenseiter ohne Familie im Dorf. Immer wieder verschwinden Menschen außerhalb des Dorfes und dein Leben ist nicht gerade ein Zuckerschlecken. Der einzige Hoffnungsschimmer ist deine große Liebe Sivilia, die mehr in dir sieht als nur den heimatlosen Herumtreiber.

Escape Tales: Children of Wyrmwood – Spielmaterial

Wie läuft das ab?

All denjenigen, die nicht genau wissen, wie die Mechanik von Escape Tales genau funktioniert, sollten sich die Review zu Escape Tales – The Awakening durchlesen, denn dort beschreibe ich es genauer. Hier möchte ich nur noch auf die Abweichungen eingehen, die es in dieser Geschichte gibt und das sind tatsächlich schon ein paar. Wissen, wie das Spiel an sich gespielt wird, sollte man aber schon. Auch in der Spielanleitung gibt es einen Abschnitt, der sich mit den Änderungen des Spiels zu seinen Vorgängern beschäftigt.

Ich fange auch hier ersteinmal mit der Spielzeit an. Im Vergleich zum ersten Teil wird nämlich auch hier wieder eine Schippe draufgepackt. Insgesamt ist die Geschichte näher an der der Dauer von Low Memory dran. 450 Minuten+ steht auf der Schachtel und hier möchte ich gleich, obwohl wir hier noch nicht beim Fazit angekommen sind, ein wenig Kritik üben. Bei beiden Vorgängern ist es den Machern gelungen je drei in etwa gleichlange Teile zu fabrizieren, so dass man schöne Speicherpunkte hatte um zu unterbrechen. So waren dann auch auf diesen Schachteln die Spielzeitangaben jeweils mit 3 x 120 Minuten bzw. 3 x 150 Minuten angegeben. Hier ist die Verteilung der Zeit bei unseren Durchläufen jeweils nicht so schön gewesen. Der zweite Teil dauert am längsten und der dritte ist viel kürzer. Das sollte man schon wissen, wenn man versucht die Zeit einzuplanen.

Escape Tales: Children of Wyrmwood – Ausruhen- und Verausgabenkarten

Die Verzweiflungs- bzw. Stresskarten, die uns mit weiteren Aktionsscheiben versorgen heißen in diesem Spiel Ausruhen- und Verausgabenkarten und funktionieren ansonsten genauso. Children of Wyrmwood mit seinem Dark-Fantasy-Setting orientiert sich eindeutig bei Rollenspielen und lässt uns in diesem Teil ein wenig mehr Identifikation mit unserem Charakter erleben. Wie in einem Fantasyabenteuer muss sich unser „Held“ von Zeit zu Zeit ausruhen oder er kann versuchen sich zu verausgaben. Das führt zu neuen Aktionsscheiben und darüber hinaus zu Modifikationen für unsere Charakterwerte. Ja, richtig gelesen, in Children of Wyrmwood hat unserer Charakter Gilbert Werte, die Einfluß auf entscheidungen haben können. Im Verlauf der Geschichte können wir Modifikationskarten finden, die wir an unsere Charakterkarte anlegen können und die unsere Werte verändern. Die Ausruhen- und Verausgabenkarten gehören ebenfalls zu diesen Modifikationskarten. Jeder Teil der Geschichte hat überdies seinen eigenen Satz dieser Karten. Die Geschichte ist ganz klar in drei Teile geteilt und jeder Teil hat genauso sein eigenes Heft mit Abschnitten. Zu jedem dieser Teile gehören die entsprechenden Ausruhen- und Verausgabenkarten und wenn wir mit einem neuen Heft anfangen legen wir alle unbenutzen Karten ab und bekommen neue. Natürlich sollten wir darauf achten, die drei Teile in der richtigen Reihenfolge zu spielen, ansonsten könnte es mit dem Verständnis der Geschichte ein wenig hapern.

Escape Tales: Children of Wyrmwood – Eines der Storybücher

Die schon erwähnte Charakterkarte ist natürlich auch neu und wird uns früh im Spiel zu Teil. Neben den Werten enthält die Charakterkarte natürlich auch einen Code wie alle Karten des Spiels der auf der Rückseite und klein auf der Vorderseite aufgedruckt ist. Mit diesem Code kommen wir zur nächsten Neuerung, denn man kann Karten miteinander kombinieren. Dafür gibt es nun innerhalb der App einen Unterpunkt bei dem man zwei Karten durch Eingabe der Codes kombinieren kann und man mehr oder weniger nützlich Informationen erhalten kann. Das erinnert stark an ein Point & Click Adventure vom Computer.

Eine neue Regel besagt, dass man immer alle Karten ohne Rätselsymbol mit ins nächste Kapitel nimmt, es sei denn das Story-Heft fordert den Spieler dazu auf, die entsprechende Karte abzulegen.

Das sind alle Unterschiede. Der Rest des Spiels läuft genauso ab, wie bei Escape Tales – The Awakening beschrieben. Children of Wyrmwood verrät einem deutlich, wann man einen Teil abgeschlossen hat und den nächsten betritt und dies sind genau die Momente um eine Pause einzulegen.

Escape Tales: Children of Wyrmwood – Raumkarte

Das Fazit

Bei den ersten beiden Teilen war ich insgesamt noch ziemlich begeistert vom System dieses Spiels. The Awakening zeigte einen Weg auf, ein Escape-Spiel mit Story und mehr Spiel zu würzen und das Tat dem Genre insgesamt gut. Auch einmal ein Spiel zu haben, indem es thematisch ein wenig düserer zuging und man nicht nur mit Familienzucker übergossen wurde war angenehm. Low-Memory führte diesen Weg storytechnisch konsequent weiter. Weniger verschroben und düster, dafür ein wenig familienfreundlicher kam es mit tollen Rätseln daher. Children of Wyrmwood geht spielerisch noch ein bißchen weiter und das rechne ich den Autoren sehr hoch an. Sie versuchen auszuloten, was mit ihrem Spielsystem alles möglich ist und spielen damit herum. Der dritte Teil zeigt einige tolle Wege auf. Die Charakterprogression und den Einfluß auf das Spiel finde ich zum Beispiel sehr gut gelöst. Auch das Spiel mit verschiedenen Gegenständen unter den Karten, die sich kombinieren lassen ist eine super Idee, auch wenn sie nicht die ersten sind, die es benutzen. Es fügt sich gut in das Konzept ein. Einige andere Dinge gefielen mir aber an diesem Teil nicht so gut. Zum einen versucht man das Spiel an vielen Stellen ein wenig zu offen zu gestalten. Zuviele Möglichkeiten, die man wahrnehmen kann und da verzettelt man sich schnell und läuft in viele „Sackgasssen“, was unnötig ist. Man kann das Spiel dadurch natürlich auch mit vielen verschiedenen Wegen gestalten. Das finde ich aber hier nicht so gut gelöst. Das Spiel beginnt sehr stark, lässt aber im Vergleich zu den beiden Vorgängern auch stark nach und dreht vor allem im Bereich der Story irgendwann total am Rad, so dass es eine Spur zu überdreht daherkommt.

Escape Tales: Children of Wyrmwoods – Spielkarte

Ein weiterer Punkt der mir nicht so gut bei diesem Teil gefallen hat sind ein Teil der Rätsel, die ein wenig unsauber gearbeitet wurden. Bei einem Rätsel mit einer Buchstabenkombination kamen wir nach allen Hinweisen auf zwei Lösungswege bei denen zwei Buchstaben austauschbar waren. Leider war nur eine der Lösungen richtig. Auch führt bei einem Rätsel eine Messung zu eher ungenauen Ergebnissen. Das sind leider nur zwei Beispiele die schon relativ weit vorne auftreten und das Spielgefühl ein wenig trüben. Ansonsten funktioniert hier aber wieder alles von der technischen Seite her super.

Wir hatten unseren Spaß und Frust mit Children of Wyrmwood. Coole Ideen und meistens schöne Rätsel mischen sich hier mit einer zu abgedrehten Story und einigen Unsauberheiten zu einer immer noch spielenswerten Erfahrung. Diesen dritten Teil würde ich in der Tat keinen Escape Tales Anfängern empfehlen. Als erstes sollte man ihn nicht spielen. Dafür sind eher die beiden ersten Teile gedacht. Children of Wyrmwood aber danach in Angriff zu nehmen ist für erfahrene Spieler immer noch eine gelungene Herausforderung. Ich erwarte auch in Zukunft noch ein paar weitere Teile, in denen sie das System ausloten und uns mit spannenden Rätseln überraschen.


  • Verlag: Grimspire
  • Autor(en): Jakub Caban, Bartosz Idzikowski
  • Illustrator(en): Aleksander Zawada, Jakub Fajtanowski
  • Erscheinungsjahr: 2021
  • Spieleranzahl: 1-4 Spieler
  • Dauer: 450+ Minuten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.