Mille Fiori

Mille Fiori

Ich weiss nicht, ob ich schon irgendwo innerhalb des letzten Jahres ein paar Gedanken zu Reiner Knizia geäußert habe, aber ich werde das hier in der Einleitung abhandeln. Knizia war für mich lange Zeit eher weg vom Fenster, wie so schön gesagt wird. Seine Spiele haben mich lange nicht mehr interessiert, weil sie zu langweilig und mathematisch und zu wenig abwechslungsreich waren. Erst in den letzten paar Jahren und vor allem seit dem letzten Jahr, scheint der guter Doktor soetwas wie eine Renaissance zu erleben. Zumindest landen wieder einige seiner Spiele auf meinem Tisch und was noch viel besser ist, sie bringen Spaß mit sich. Natürlich veröffentlicht er immer noch wahnsinnig viele Spiele in denen er sich selbst zitiert oder die nicht richtig zünden, aber seit Wettlauf nach El Dorado kommen immer mal wieder größere und gute Spiele von ihm auf den Markt. Im letzten Jahr hatten wir unter anderem sehr viel Spaß mit Witchstone und auch My City brachte ihn in den letzten Jahren für mich wieder zurück auf die Landkarte. Nun steht das nächste Spiel auf dem Programm und das war, obwohl bereits letztes Jahr erschienen, zu Beginn des Jahres gar nicht so leicht zu bekommen, weil durch Fehler in der Anleitung erst recht spät eine Neuauflage erschien. Wir wollten es aber unbedingt spielen und haben brav gewartet. Hier also Reiner Knizias nächster Streich.

Worum geht es?

Der Name lässt ein Spiel um Blumen vermuten (Mille Fiori ist italienisch und heisst übersetzt tausend Blumen), aber wir haben es hier mit einem Spiel zu tun das vorgibt etwas mit der Glasbläserei zu tun zu haben. Aber weit gefehlt. Das Thema ist natürlich nur vorgeschoben, denn eigentlich geht es um einen reinen Punktesalat. Die Spieler*innen setzen in unterschiedlichen Spielbereichen, ihre Spielsteine ein, die alle irgendwie mit der Glasbläserei zu tun haben. Aber eigentlich versuchen sie überall nur möglichst viele Punkte zu machen und über Kombos, weitere Aktionen zu generieren, um wiederum Punkte zu verdienen. Das Ganze auf dem Niveau eines Familienspiels mit wirklich schönem Hinguckermaterial.

Mille Fiori – Spielaufbau / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Der Spielaufbau von Mille Fiori ist zunächst einmal sehr simpel. Das Spielbrett wird in der Mitte ausgelegt und jede*r Spieler*in erhält einen Beutel mit Spielmaterial. Darin findet sich ein Spielstein zum anzeigen der Punkte auf der das Spielbrett umlaufenden Punkteleiste, sowie ein Schiff und 30 transparente Rautenspielsteine. Rein optisch sieht das alles sehr hübsch aus, denn das gesamte Spielmaterial ist transparent und erinnert tatsächlich ein wenig an Glas, so das es zur thematischen Untermalung passt. Auf dem Spielbrett gibt es im unteren rechten Bereich eine Schiffahrtsleiste und somit Startfelder für die Schiffe der Spieler*innen. Die Rauten werden als Vorrat bereitgelegt und je drei Rauten werden pro Spieler*in zur Seite gelegt. Dann gibt es noch einen 110 Karten umfassenden Stapel, der gemischt wird und von dem jede*r verdeckt fünf Karten erhält. Neben das Brett wird noch eine von der Spieler*innenanzahl abhängige Menge Karten offen ausgelegt. Dann kann es auch schon mit dem Spiel losgehen.

Mille Fiori – Spielkarten / Foto: Spieltroll

Das Spielprinzip ist denkbar einfach. Alle Spieler*innen schauen sich ihre Karten an, wählen eine aus, legen sie verdeckt vor sich ab und geben den Rest weiter. Also ein klassischer Draft. Dann beginnt die Startspieler*in damit die gewählte Karte auszuspielen und die anderen Spieler*innen folgen im Uhrzeigersinn. Jede*r wird einen Spielstein einsetzen und/oder ein Schiff bewegen und dafür Punkte kassieren. In bestimmten Fällen löst das eine weitere Aktion aus und die Spieler*in wählt für diese eine offene Karte aus der Auslage und spielt auch diese. Das kann mitunter mehrmals passieren. Haben alle Spieler*innen reihum ihre Karten gespielt, so wird die nächste Karte verdraftet usw. Die letzte Karte der Runde wird nicht mehr gespielt, sondern diese Karten wandern allesamt am Ende der Runde in den offenen Bereich. Dann beginnt eine neue Runde mit neuer Startspieler*in. Das Spiel wird solange fortgesetzt, bis die Karten aufgebraucht sind.

Soweit so gut, erwähnt werden muss aber unbedingt noch, dass es genau soviele Karten wie Felder auf dem Spielfeld gibt. Die Karten zeigen uns durch ihre Farbe ersteinmal an, zu welchem der sechs Spielbereiche sie gehören. Dann haben sie auch noch Symbole abgebildet, die auf spezielle Felder im Spielbereich verweisen, sowie eine Zahl in einem Steuerrad, die für die BEwegung der Schiffe relevant ist. Darüber hinaus erklärt uns jede Karte auch noch im unteren Bereich, wie wir wieviele Punkte mit ihr verdienen können.

Mille Fiori – Werkstattbereich / Foto: Spieltroll

Gehen wir die Bereiche einmal durch. Oben links befindet sich der Werkstattbereich. In ihm finden wir Felder mit vier verschiedenen Symbolen. Platzieren wir hier eine unserer Rauten durch eine Karte, so können wir nur ein Feld belegen, das dieses Symbol ziegt. Wir erhalten einen Punkt für ein solches Feld plus einen weiteren Punkt für jedes angrenzende Feld, das wir bereits mit einer unserer Rauten besetzt haben. Handelt es sich bei dem gesetzen Symbol um das Pigmentsymbol, so erhalten wir zwei Punkte pro Feld. Große Cluster zahlen sich also mit der Zeit aus. Wer es schafft alle vier unterschiedlichen Symbole in diesem Bereich abzudecken, erhält einen Bonus und legt eine weiter Raute auf ein Feld das diesen anzeigt. Wer es zuerst schafft erhält 20 Punkte, alle Spieler*innen danach gestaffelt immer fünf Punkte weniger. Dies gilt für alle Bereiche, in denen es immer ein bestimmtes Bonusziel gibt. Des weiteren gibt es noch ein Bonussymbol, dass es der Spieler*in erlaubt eine weitere Karte zu spielen, wenn ein Ziel erreicht wurde. In diesem Bereich sind die Rauten in Dreiergrüppchen angeordent und wer in einer solchen Gruppe die letzte Raute hinzufügt, erhält einen Bonuszug.

Mille Fiori – Hausbereich / Foto: Spieltroll

Oben rechts gibt es den Hausbereich. Dieser besteht aus einer langen Kette von nebeneinander liegenden Rautenfeldern. Sie alle haben nur einen Schlüssel als Symbol. Aber unter diesen Schlüsseln steht immer ein Zahlenwert, der angibt, wieviele Punkte wir für die platzierte Raute bekommen. Zusätzlich sollten wir hier eine Reihe von unseren Rauten bilden, denn für jede Raute bekommen wir die Punkte des Feldes plus alle Punkte von allen Rauten die wir zuvor in einer zusammenhängenden Reihe dort platziert haben. Auch hier gibt es wieder einen Bonus, den wir erhalten, wenn wir vier unterschiedliche Zahlenwerte von Feldern bekommen haben. Die Bonuszüge erhält in diesem Bereich wer drei, bzw. fünf verschiedene Zahlenwerte mit Rauten abgedeckt hat.

Mille Fiori – Bürgerbereiche / Foto: Spieltroll

Der zweite und dritte Bereich befinden sich in der rechten Hälfte des Spielbretts und stehten jeweils für die Bürger. Diese teilen sich in die Reichen und die ärmeren Bürger auf. Jeder der Bereiche verfügt über drei eigene Symbole. In diesen Bereichen bauen wir kleine Pyramiden mit unseren Rauten. Wir bauen von unten nach oben in diesem Bereich und unsere Karten müssen nicht mit den Symbolen übereinstimmen, auf denen wir die rauten platzieren. Wir dürfen erst in der zweiten Reihe Rauten platzieren, wenn beide Felder in der Reihe darunter belegt sind und gleiches gilt auch für die dritte Reihe. Rauten in Reihe eins bringen uns einen Punkt. Reihe zwei bringt drei Punkte und die Spitze in der dritten Reihe sechs Punkte. Legen wir eine Raute mit einer Karte zusätzlich auch noch auf das richtige Symbol, das auf der jeweiligen Karte abgebildet ist, so verdoppeln wir die Punkte für das Feld. Außerdem erhalten alle Spieler*innen die Rauten in den jeweils unteren Reihen gelegt haben nochmals Punkte, wenn wir eine Raute in die Reihe darüber bauen. Der Bonus wird hier erreicht, wenn alle drei Symbole eines Bereichs abgedeckt wurden. Bonuszüge gibt es, wenn die obersten Felder abgedeckt werden.

Mille Fiori – Handels- und Hafenbereich / Foto: Spieltroll

Dann gibt es noch den Handelsbereich, der aber mit dem Hafenbereich verbunden ist. Im Handelsbereich gibt es vier verschiedene Symbole, die in vier Spalten angeordnet sind. Hier legen wir Symbole wieder entsprechend zu ihren Symbolen ab. Wir erhalten jeweils Punkte für die Anzahl der bereits platzierten Waren der jeweiligen Sorte. Setzen wir zum Beispiel die dritte Vase ein, so ist die Vase drei Punkte Wert. Zusätzlich erhält jede*r Spieler*in der Waren in der Spalte platziert hat ebenfalls Punkte, unzwar ebenfalls soviele, wie die Punkte der gerade eingesetzten Ware. Setzt ein Spieler also die dritte Vase ein und hat bereits zwei weitere Vasen platziert, so bekommt er zu den drei Punkten, die gerade verdient wurden noch sechs weitere Punkte für die anderen Vasen. Wer hier alle vier Symbole besetzt, erhält den Bonus in diesem Bereich. Bonusaktionen erhält, wer anderen Spieler*innen zu einem „Guten Geschäft“ verhilft. Also wer weniger Punkte durch eine Raute verdient als ein*e andere*r Spieler*in bekommt. Der Hafen schließt direkt links an und greift die Spalten und Reihen des Handelsbereichs auf. Wir können in diesem Bereich Rauten platzieren um eine Handelsflotte zu starten. Jede Flotte besteht aus drei nebeneinanderliegenden Rauten. Grundsätzlich kann überall eine Raute eingesetzt werden. Eine Flotte fährt aber erst los, wenn alle drei nebeneinander liegenden Felder besetzt sind. Dann wird geschaut, wieviele Waren im Handelsbereich in dieser Reihe besetzt sind und je nachdem kassieren die Teilnehmer der Flotte Punkte. Zusätzlich, wenn eine Karte für die Flotten gespielt wird, bewegt sich das eigene Schiff auf der Schiffsleiste um soviele Felder forwärts, wie im Steuerrad der Karte angegeben. Sämtliche Felder der Schiffsleiste zeigen einen Punktewert als Belohnung an oder erlauben es eine weitere Karte zu spielen.

Mille Fiori – Schiffe auf der Schiffsleiste / Foto: Spieltroll

Alternativ ist es den Spieler*innen bei jedem Spielen eienr Karte möglich nicht die einzelnen Bereiche des Spielbretts anzusteuern, sondern ihr Schiff auf der Schiffsleiste durch das Steuerrad der Karte zu bewegen.

Das Spiel endet, sobald die Startspieler*in die letzten Karten vom Stapel verteilt hat, oder jemand keine Rauten merh im Vorrat hat. Die Runde wird auf jeden Falll zu Ende gespielt und etwaige Rauten, die noch gelegt werden dürfen, werden aus den vorher zur Seite gelegten Rauten genommen.

Das Fazit

Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich Mille Fiori sehr gelungen finde. Genau wie in Witchstone ist Knizias neues Thema das der Microbelohnungen. Etwas, das vor allem Video- und Computerspieler kennen dürften. In Mille Fiori fühlen sich die Züge einfach gut an. In jedem Zug wirst du durch Punkte belohnt und wenn es einem gelingt, sogar mehrfach oder durch besonders hohe Punktzahlen durch Boni. Das ist sehr befriedigend und lässt sogar das Glücksmoment der Kartenhände, die durchaus schlecht sein können ein wenig vergessen. Die kleinen Gemeinheiten im Spielverlauf fallen einem auch erst auf, wenn sie passieren. Nur weil man vor hat eine bestimmte Karte in einer Runde zu spielen, heißt das nicht, das es nicht eventuell schon ein*e Spieler*in vor mir macht und ich die lukrative Stelle nicht mehr ausnutzen kann. Dann bin ich gezwungen mit wenig Punkten vorlieb zu nehmen. Es kommt sehr darauf an, wie und wo Steine platziert werden. Da es maximal 27 Steine sein können, bzw. 30, kann unmöglich in allen Bereichen ein gutes Ergebnis erzielt werden und so musst du dich auf bestimmte Bereiche konzentrieren. Dazu müssen aber auch wieder die Gegner mitspielen.

Mille Fiori – Spielsituation / Foto: Spieltroll

Mille Fiori ist sehr interessant zu spielen und macht Spaß. Es ist sehr schnell gespielt und auch die Erklärung ist nicht superkompliziert, benötigt aber aufgrund der unterschiedlichen Bereiche ein wenig Zeit. Aber selbst in unserer ansonsten sehr kritischen Kollegenrunde, kam es sehr gut an. Natürlich trägt die Optik dazu bei. Ich habe zwar schon gehört, das einigen das Cover nicht zusagt, aber ich finde es ganz gelungen und das Spielmaterial passt wirklich sehr gut zum Thema und sieht auf dem Tisch sehr gut aus.

Gibt es auch Schwächen? Ja natürlich. Zum einen ist es ein total themenloses Spiel. Da darf man sich nichts vormachen. Mille Fiori ist ein reiner Punktesalat, dafür aber auch ein recht guter. Darüber hinaus spielt sich Mille Fiori nicht in jeder Spieler*innenzahl gleich. Deutlich am besten ist das Spiel zu viert, weil die Entscheidungen sich da viel wichtiger anfühlen und ein ständiger Wettbewerb um die Positionen auf dem Brett stattfindet. Auch der Handels- und vor allem Hafenbereich werden deutlich wichtiger. Im Spiel zu zweit ist einfach zuviel Platz auf dem Brett und jede*r kann dort agieren, wo Platz ist und wird mitunter gar nicht gestört. Es wird also mit steigender Spieler*innenanzahl immer besser.

Mir gefällt Mille Fiori und Reiner Knizia hat damit erneut unter Beweis gestellt, dass ich ihn nicht abschreiben sollte. Seine Renaissance geht weiter.


  • Verlag: Schmidt Spiele
  • Autor(en): Reiner Knizia
  • Illustrator(en): Stephan Lorenz
  • Erscheinungsjahr: 2021
  • Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
  • Dauer: 60 – 90 Minuten

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