Fire & Stone

Fire & Stone

Meine Frau ist bekennender Misanthrop und von daher ist es schon schwierig ein Spiel über die Menschheitsgeschichte bzw. deren Entwicklung zu spielen, weil Menschen grundsätzlich doof sind. Ich sehe das zwar nicht ganz so schwarz, aber grundsätzlich läuft das alles nicht in die richtige Richtung. Wann es genau damit losging wird aber auch Fire & Stone von Carcassonne-Autor Klaus-Jürgen Wrede nicht beleuchten. Aber zumindest beschäftigen wir uns in diesem Spiel mit diesem Thema. Ursprünglich sollte das Spiel eigentlich wohl mal bei Feuerland herauskommen, die es aber an Pegasus abgaben. Das klingt im Vorfeld schonmal wenig vielversprechend. Das Cover und der relativ günstige Preis, sowie der Name des Autors bewegten mich dann aber doch dazu mal einen Blick zu riskieren. Ich hätte es wahrscheinlich lassen sollen.

Worum geht es?

Die oben bereits erwähnte Menschheitsentwicklungsgeschichte ist genau das, was das Spiel versucht darzustellen. Wir starten im Süden des afrikanischen Kontinents, in der Wiege der Menschheit und breiten uns von daher zunächst gen Norden und dann Richtung Osten über die gesamte Welt aus. Dabei decken wir Plättchen auf und versuchen uns weiterzuentwickeln, indem wir gleiche Teile finden und Siedlungen errichten. Mehr passiert hier gar nicht. Punkte sammeln und gewinnen.

Fire & Stone – Spielaufbau / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Das Spielbrett zeigt die Weltkarte unterteilt in kleinere Gebiete, die wiederum in farblich unterschiedliche Regionen unterteilt sind. Jede dieser Regionen ist auch noch mit einer römischen Zahl versehen. Afrika ist die Region Nummer eins und ganz unten im Süden ist die Startposition für unseren Späher. Später im Spielverlauf können wir noch einen zweiten hinzubekommen. Auf allen Gebieten werden Plättchen verdeckt ausgelegt, die wir entdecken können und das ist auch schon der Hauptanreiz des Spiels. Sind wir an der Reihe, so dürfen wir zunächst unseren Späher bis zu zwei Felder weiter ziehen und anschließend eine Aktion ausführen, die abhängig von dem ist, was wir auf dem Gebiet vorfinden.

Fire & Stone – Region I mit Startposition / Foto: Spieltroll

Befindet sich noch ein verdecktes Plättchen in dem Gebiet, so müssen wir es aufdecken und seinen Effekt abhandeln, liegt ein offenes Entdeckungsplättchen, eines mit Feuer oder einer Siedlung in dem Gebiet, so dürfen wir diese benutzen. Entdecken wir einen Wald, so muss einer der Tierstapel daneben gelegt werden und wann immer jemand das Feld betritt, darf ein Plättchen von dem Stapel ausgesucht werden. Ein Feuer bringt sofort einen Punkt und später kann auf diesem Feld Nahrung von Tierplättchen zubereitet werden. Nahrung wird in unserem Beutel gesammelt, den wir ebenfalls über Entdeckungen ausbauen können. Auch Nahrungsplättchen kommen in verschiedenen Varianten vor. Diese sammeln wir auf unserem Tableau und müssen immer drei der gleichen Art sammeln. Wir dürfen diese aber auch auf dem Spielbrett für andere Spieler*innen liegen lassen. Entdecken wir eine Hütte, so stellen wir sofort eine unserer Hütten auf das entsprechende Feld. Das Hüttenplättchen wird oben auf die Hüttenleiste gelegt, die nach einer bestimmten Anzahl Hütten bestimmte Effekte auslöst. So können wir erst nach einer bestimmten Anzahl die Gebiete zwei und drei betreten, erhalten unseren zweiten Späher oder lösen das Spielende aus.

Fire & Stone – Hütten / Foto: Spieltroll

Den Hütten kommt noch eine besondere Bedeutung zu. Sobald erstmal eine auf dem Feld steht, dürfen alle Spieler*innen weitere Hütten dort platzieren. Jede Hütte kostet Nahrung und diese Kosten steigen mit jeder Hütte. Das macht natürlich nur Sinn, wenn diese auch mit Punkten belohnt werden. Am Spielende ist jede Hütte einen Punkt wert und es gibt einen Bonuspunkt, wenn ich mehr in einer solchen Siedlung als jede*r andere*r Spieler*in dort stehen habe.

Fire & Stone – Entdeckung einer Hütte / Foto: Spieltroll

Ein besonders Entdeckungsplättchen ist die Höhle, durch die wir eine Höhlenkarte aufdecken, die die Partie mit Sonderregeln ausstattet. Ein recht gutes Element, dass das Spiel aber zu wenig nutzt.

Fire & Stone – Hüttenleiste / Foto: Spieltroll

Auf unseren Tableaus sammeln wir nicht nur Nahrung und Tierplättchen, sondern auch schon die erwähnten Sammelplättchen. Sollten wir jeweils das zweite und dritte Feld mit den gleichen Plättchen abdecken. So dürfen wir uns entweder eine Erfindungskarte aus einer Dreierauslage aussuchen oder eine Punktekarte nehmen. Erfindungskarten statten uns mit zusätzlichen Fähigkeiten aus. So erhalten wir zum Beispiel für die Töpferei immer wenn wir eine Karte erhalten auch eine Nahrung. Punktekarten werden im Stapel immer weniger Wert und um sie zu aktivieren müssen wir damit eine Erfindung abdecken, so das sie nicht mehr nutzbar ist.

Fire & Stone – Erfindungskarten / Foto: Spieltroll

Das Spielende kann auf zwei Arten eintreten. Entweder ganz normal über die Hüttenleiste, dann wird aber noch die Runde beendet und eine weitere komplett gespielt. Die zweite Möglichkeit besteht darin, das jemand alle Hütten auf den Spielplan bringen konnte. Die meisten Punkte gewinnen wir gewöhnlich.

Das Fazit

Wo fange ich da an? Fire & Stone wirkt auf mich wie ein Relikt oder ein Artefakt aus einer lange vergangenen Zeit. Vielleicht wäre auch antiquiert der richtige Ausdruck oder aber etwas böser gesprochen: altbacken. Optisch macht das Cover einiges her und auch den Rest finde ich trotz der vorherrschenden Braun- und Grüntöne sogar gelungen. Das Cover verspricht aber definitiv mehr als ich hier bekomme. Fire & Stone bemüht sich redlich sein Thema zu verkaufen und alle Elemente ergeben dabei auch Sinn. Die langsame Ausbreitung der einzelnen Stämme über den Erdball durch stetige Entdeckung, Nahrungsmittel als begrenzenden Faktor, das Entstehen von Siedlungen die anwachsen können und das Entwickeln von Erfindungen. All das macht Sinn und ist auf dem Niveau eines Familienspiels umgesetzt worden. Aber Spaß macht das leider alles nicht, denn es mangelt dem Spiel an jeglicher Spannung. Das Spiel entwickelt sich selbst leider gar nicht. Die Spieler*innen spielen einfach nebeneinander her und lediglich beim Plättchenumdrehen kommt soetwas wie freudige Erwartung auf. Spannung ist das nicht, da alle Effekte mehr oder weniger gut sind. Ui, ein Wald, da nehm ich mir halt ein Tierplättchen, früher oder später ist das schon nützlich. Eine Hütte. Super, stell ich eine Hütte auf. Sammelplättchen… auch gut, gibt ja nur vier Sorten und maximal zwei kann ich sammeln. Das ist für meinen Geschmack einfach zu spannungsarm.

Fire & Stone – Höhlenkarten / Foto: Spieltroll

Die Hütten sind auch zu wenig belohnend. Natürlich stell ich eine hin, wenn ich eine entdecke, aber eine dazuzustellen lohnt sich nur, wenn ich es schaffe, weitere hizuzustellen. Das lohnt aber wiederum nur wenn ich nichts besseres zu tun habe, weil zum Beispiel noch keine neue Region freigespielt wurde und wenn ich mir das überhaupt leisten kann. Prinzipiell kommt das in der zweiten Hälfte des Spiels häufiger vor, weil wir zwei Späher haben, für die wir Aktionen finden müssen. Da wird dann häufiger durch schon erkundetes Gebiet gelaufen oder einfach Nahrung beschafft, um weitere Hütten zu bauen, die in größeren Ansammlungen immer teurer werden. Nach hinten raus wird Fire & Stone immer zäher und langatmiger.

Die besten Elemente, die Fire & Stone bietet, zerstört es sich aber auch noch selbst. Die Erfindungen sind spannend und bereichern das Spiel ungemein, aber die Punktekarten sind zum Ende hin sehr wertvoll, so dass ich mir die Möglichkeiten selbst wieder nehmen muss. Zugegeben auch das ist eine Entscheidung, von der das Spiel will, das ich sie treffen muss, aber all das ist zu sehr vom Zufall abhängig, denn ich bin auf die verdeckten Plättchen angewiesen. Ich habe keine wirkliche Kontrolle. Auch die Höhle, für die es eine Vielzahl von Karten gibt, ist eigentlich ein schönes Element. Aber pro Partie gibt es nur eine, was sehr schade ist.

Insgesamt passt das Spiel zur Zielgruppe, da bin ich komplett dabei, aber auch diese findet hier kein spannendes Spiel vor. Mechanisch wird der Spielplan abgegrast, bis das Spielende erreicht ist und obwohl ich das Spiel thematisch gut umgesetzt finde, bleibt es langweilig bis zum Schluß. Fire & Stone wirkt, als wäre es vor zwanzig Jahren entwickelt worden und ich glaube das die Redaktion hier versuchte das Spiel noch einigermaßen gelungen auf den Markt zu bringen. Ich habe aber auf jeden Fall keine Lust Fire & Stone öfters zu spielen.


  • Verlag: Pegasus Spiele
  • Autor*in(en): Klaus-Jürgen Wrede
  • Illustrator*in(en): Hendrik Noack
  • Erscheinungsjahr: 2022
  • Spieler*innenanzahl: 2 – 4 Spieler*innen
  • Dauer: 45 – 60 Minuten

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