Baumkronen – Unter den Wipfeln des Regenwalds

Baumkronen

Baumkronen heisst der neueste Titel aus der schon fast als episch zu bezeichnenden Spiele-für-Zwei-Serie des KOSMOS-Verlags. Immer wieder haben die Redakteure den richtigen Riecher und veröffentlichen hier echte Klassiker des Zweipersonenspiels. Natürlich treffen sie nciht immer ins Schwarze aber inzwischen sind sie ehr auf Klasse als auf Masse aus. Baumkronen steht ganz in dieser Tradition und kam für mich nicht überraschend, denn vor einigen Monaten war das Spiel auf Boardgamegeek unter dem englischen Titel Canopy sehr angesagt und der Veröffentlichung wurde entgegengefiebert. Das KOSMOS sich den Titel dann aber für die deutsche Veröffentlichung gesichtert hat, war mir irgendwie durchgegangen. Um so überraschter war ich dann bei der Ankündigung und wie ihr bereits auf dem Cover sehen könnt gefiel mir das Spiel anscheinend recht gut. Warum das so ist möchte ich euch gerne verraten…

Worum geht es?

In Baumkronen stehen zwei Spieler im direkten Wettstreit um den schönsten und beeindruckensten Regenwald. Die Spieler sammeln hier Karten in einer Auslage vor sich und müssen versuchen so einen tollen Regenwald voller Symbiosen zwischen den individeullen Lebewesen dieses Lebensraums zu schaffen. Dabei gilt es sowohl positive als auch negative Effekte der Karten im Blick zu behalten und sowohl Pflanzen, als auch Tiere, das Wetter und andere Effekte spielen hier eine Rolle und erschaffen ein schönes Spielerlebnis bei dem man auch ein bißchen lernen kann wie wichtig die einzelnen Teile dieses gigantischen Lebensraums sein können. Am Ende gewinnen natürlich wiedereinmal die meisten Siegpunkte das Spiel.

Baumkronen – Spielaufbau / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Baumkronen ist die Art von Spiel, die in nichtmal fünf Minuten erklärt ist. Das Spiel zieht seine Komplexität aus den Karteneffekten und vermittelt sich dadurch im Verlauf des Spiels selbst. Die Spielmechanik ist einfach und genial, und was viel wichtiger ist, für jeden schnell nachvollziehbar. Der Spielaufbau erfordert allerdings ein bißchen Vorbereitung, denn wir müssen unseren Spielstapel erstmal zusammenstellen. Der Rest von Baumkronen ist aber schnell aufgebaut. Die Siegpunktemarker werden bereitgelegt und eine kleine Pappleiste unter die wir später vier Stapel zwischen die Spieler*innen platzieren wird zwischen die beiden Kontrahent*innen gelegt. Es gibt noch eine sogenannte Stapelkarte, die wir seitlich daneben positionieren und an die wir nach Vorbereitung des Decks einige Stapel platzieren. Jede*r Spieler*in bekommt zum Spielstart erstmal eine Startkarte, die einen Baumstamm zeigt und legt diesen vor sich aus.

Baumkronen – Spielaufbau / Foto: Spieltroll

Kommen wir nun zu den Spielkarten. Neben den bereits erwähnten Startkarten enthält Baumkronen jede Menge weitere Karten. Zunächst wären da 140 Regenwald-Karten, von denen wir in der Startversion nur 112 benötigen, da die weiteren Spezialkarten sind, mit denen wir später das Spiel ein wenig variieren können. Zum Spielstart lassen wir sie aber erstmal weg. Dann gibt es noch 21 Sprösslingskarten, die eine andere Rückseite aufweisen. Dies legen wir neben die Stapelkarte an ihre Position. Diese kommen erst in den Wertungsphasen zum tragen. Als letzte Kartenart haben wir noch vollflächige Bewohnerkarten, die wir nur zur Markierung bereits gewerteter Bäume in der Wertungsphase benötigen.

Baumkronen – Startkarte / Foto: Spieltroll

Die Sprösslingskarten und die Regenwaldkarten werden gemischt. Von den Regenwaldkarten nehmen wir hinterher zehn Karten und legen sie unbesehen in die Schachtel zurück. Anschließend teilen wir die restlichen Karten in drei ungefähr gleichgroße Stapel und platzieren einen unter der Leiste bei „Aktuelle Jahreszeit“. Die beiden anderen Stapel legen wir an die Platzierungskarte an die beiden Seiten für die zweite und dritte Jahreszeit an. Zu guter letzt ziehen wir Karten vom aktuellen Stapel und platzieren sie unter die Positionen der Leiste. Unter Wachtumsstapel eins legen wir eine Karte, unter Stapel zwei zwei Karten und unter drei drei Karten. Nun kann es losgehen.

Wer zuletzt eine Pflanze gegossen hat beginnt und schaut sich die Karte des ersten Wachstumsstapels an. Nun stehen zwei Möglichkeiten zur Auswahl. Entweder die Karte wird für die eigene Auslage genommen, oder aber sie wird zurückgelegt. Kommt sie zurück, wird der Stapel durch eine weitere Karte vom Zugstapel verdeckt ergänzt. Anschließend ist Stapel zwei an der Reihe und auch hier kann gewählt werden, ob die Karten in die Auslage wandern oder sie zurückgelegt werden. Auch hier wird gegebenenfalls durch eine neue Karte ergänzt. Danach gehts zum nächsten Stapel und auch dort werden die Karten angeschaut. Hier kann nun erneut gewählt werden. Die Karten werden genommen und es wird eine neue ausgelegt, oder auch diese werden verschmäht und zurückgelegt, sowie durch eine weitere verdeckte Karte vom Stapel ergänzt. Beim dritten Stapel dasselbe. Aber hier ist nun die letzte Chance Karten zu bekommen die eingeschätzt werden können. Werden auch diese nicht gewollt, so wird verfahren wie zuvor. Als letzter Akt wird nun eine Karte verdeckt vom aktuellen Stapel gezogen und fügt sie dem eigenen Regenwald hinzu. Hier darf jetzt aber nicht mehr verzichtet werden. Danach ist der Gegenspieler an der Reihe und sieht sich nun mit den zurückgelassenen Wachstumsstapeln konfrontiert.

Baumkronen – Spielsituation / Foto: Spieltroll

In dieser Art und Weise spielen sich die beiden Kontrahenten durch den gesamten ersten Stapel hindurch, bis alle Karten verteilt worden sind. Die Stapel werden also mitunter immer schlimmer oder verwandeln sich trotz einiger negativer Karten irgendwann in tolle Stapel. Kommt halt immer darauf an, was schon in der Auslage liegt und hier kommen wir nun zu den unterschiedlichen Karten im Regenwaldstapel. Im Grunde ist Baumkronen also nichts anderes als ein Draftingspiel bei dem wir Sets von Karten sammeln müssen. Im Regenwaldstapel befinden sich in der Version ohne Spezialkarten Baumstämme und Baumkronen, sowie Pflanzen, Tiere, Samen, Wetter und Gefahren.

Baumkronen – Ein fertiger Baum / Foto: Spieltroll

Baumstämme und Baumkronen

Von Beginn an haben wir einen Baum in unserem Wald. Bekommen wir eine weitere Stammkarte, so dürfen wir sie unter unseren Baum schieben, so dass er nach oben hin länger wird, oder wir legen die Karte neben den bisherigen Baum und beginnen mit einem neuen. Diese Wahl ist uns überlassen. Baumstämme haben Punktewerte auf sich stehen und wenn es zu einer Wertung kommt, sind diese Punktewerte wichtig. Bei einer Wertung werden nur fertige Bäume gewertet und dazu benötigen wir eine Baumkrone als Abschluß. Diese bringen gleichzeitig einen Punktemultiplikator mit und bringen extra Punkte. Ein Beispiel. Sollte der gesammte Baumstamm drei Punkte wert sein und unsere Baumkrone hat einen x2 Multiplikator für den Baum, so bringt uns der gesamte Baum neun Punkte (drei für den Stamm und sechs für die Krone).

Pflanzen

Baumkronen – Pflanzen / Foto: Spieltroll

Im Grundspiel gibt es drei Pflanzen, die uns unter kommen können. Jede von ihnen bringt uns auf andere Art und Weise Punkte. Diese stehen auf jeder Karte. Bromelien zum Beispiel sind für den Lebensraum Regenwald nur in geringer Anzahl gut. Eine alleine bringt uns nur wenig Punkte, zwei richtig viele, aber sollten wir mehr haben, kostet uns diese Gattung sogar Punkte. Farne bringen uns bei ungerader Anzahl aufstigend immer mehr Punkte und bei gerader Anzahl gar nichts und von den Monsterapflanzen wollen wir mindestens drei Stück haben um überhaupt Punkte zu bekommen.

Baumkronen – Tiere / Foto: Spieltroll

Tiere

Gibt es nur wenige und immer Pärchen. Eine Karte eines jeweiligen Tiers bringt uns einfach nur Punkte und die andere Variante eine Sonderfähigkeit. Sollten wir es schaffen beide Karten einer Tierart zu bekommen, so bringt die Punkteversion mehr Punkte. Bei den Sonderfähigkeiten werden wir immer die Regeln leicht außer Kraft gesetzt und erlauben uns coole Dinge.

Gefahren

Gibt es ebenfalls nur drei Stück im Gundspiel mit verschiedenen Wirkweisen. Dürren lasssen uns Karten abwerfen, Krankheiten sind dann gefährlich, wenn mehrere gesammelt werden, was vermieden werden sollte und Feuer sind einzeln nützlich, aber werden gefährlicher je mehr wir von ihnen haben.

Wetter und Samen

Regen und Sonne bringen nur Punkte, wenn man sie im Pärchen sammeln konnte und Samen sind für die Wertungsphase interessant, da sie uns mit einer Sprösslingskarte versorgt, die alles mögliche sein kann.

Baumkronen – Samen und Sprösslingskarten / Foto: Spieltroll

Nachdem alle Karten einer Jahreszeit verteilt worden sind, kommt es zur Wertungund hier wird in einer bestimmten Reihenfolge verfahren. Zunächst können wir noch Tierfertigkeiten benutzen. Tiere bringen uns ansonsten nur einmalig Punkte bei der letzten Wertung. Dann sind die Samenkarten an der reihe und wir ziehen drei Karten vom Sprösslingsstapel, es sei denn andere Effekte erlauben uns mehr und suchen uns eine von den Karten aus. Dabei können weitere Pflanzen, Wetter oder auch Stämme und Kronen dabei sein. Die so erhaltene neue Karte wandert sogelich in unsere Auslage. Dann sind die Gefahren an der Reihe und müssen ebenfalls abgehandelt werden. Im Anschluß werten wir dann die Bäume. Jeder Baum der fertig ist wird gewertet und um uns für spätere Runden anzuzeigen, dass er schon gewertet wurde erhält er eine der Bewohnerkarten. Der höchste vollständige Baum in dieser Phase wird mit Extrapunkten belohnt. Drei Punkte am ende der ersten Jahreszeit und dann in den folgenden immer einen Punkt mehr. Zum Schluß gibt es noch Punkte für unsere Pflanzen und das Wetter.

Haben wir alles abgehandelt wird aufgeräumt und wir legen bis auf die Bäume und Tiere alles ab. Der zweite Stapel wird an die Mittelleiste gelegt und die drei Wachstumsstapel werden erneut gebildet. Dann spielen wir die zweite und anschließend die dritte Jahreszeit genauso. Bei der letzten Wertung erhalten wir dann noch zusätzliche Punkte für die Tiere und der größte Wald wird ebenfalls mit zehn Punkten belohnt. Wer dann die meisten Punkte hat gewinnt Baumkronen.

Baumkronen – Punkte / Foto: Spieltroll

Wenn dann ein noch intensiveres Erlebnis gewünscht ist, können die Spezialkarten noch mit in das Deck gemischt werden. Wobei hier darauf geachtet werden soll, dass insgesamt nur sieben Tierarten mitspielen. Diese können aber individuell zusammengestellet werden.

Das Fazit

Ich habe ein bißchen mit mir gerungen, um den Orden an die Schachtel zu heften, denn eigentlich ist das Spiel rein spielerisch schon ein Leichtgewicht, aber, was soll ich sagen, dass ist Fantastische Reiche auch und wie kompliziert ein Spiel ist, sollte nicht Kriterium dieser Auszeichnung sein. Nachdem ich das gedanklich aus dem Weg hatte blieb mir in meinen Gedanken kaum eine andere Möglichkeit übrig. Baumkronen hat es wirklich verdient. Das Spiel ist eingängig, spielt sich gut und lässt ein positives Gefühl zurück. Ein sehr guter Indikator über die Qualität eines Spiels für mich als Vielspieler ist das Bedürfnis geworden, ein Spiel direkt nach der Erstpartie erneut spielen zu wollen und das war hier definitv der Fall.

Baumkronen kam gleich umgehend noch zweimal auf den Tisch und auch am nächsten Tag und dem darauffolgenden. Es ist so simpel und man fühlt sich so gut, wenn man die richtige Entscheidung getroffen hat und einen Stapel verschmäht, nur um danach etwas besseres vorzufinden. Oder aber wenn man nach Runden des Wartens einen zu Beginn schlechten Stapel dann doch nimmt, weil plötzlich die negativen Karten von den positiven mehr als aufgewogen werden. Einfach Klasse!

Baumkronen hat so bereits in der Grundform alle Anlagen ein Klassiker zu werden, denn auch wenn das Spielprinzip nicht neu ist, so finde ich, nutzt sich das hier auch nicht ab, denn der Stapel hat mit seinen ausgeklügelten Kartenanzahlen genug Potenzial für diverse Partien ohne Langeweile. Wurde es öfter gespielt, wissen die Spieler*innen natürlich auf was es zu achten gilt, aber es liegt ja immer noch in den Händen der Spieler*innen , was aus den Karten, die just in dem Moment in den Stapeln liegen, gemacht werden kann. Für mich ist dieses simple, kleine Draftingspiel eines der bisher besten Spiele, die ich in in diesem Jahr gespielt habe. Gerade weil es sich gegen all die komplizierteren Spiele so durchgesetzt hat und immer wieder auf unserem Tisch landet.

Dazu passt hier auch das Thema und die Optik, denn die Bilder auf den hübschen Karten stammen allesamt von Vincent Dutrait. Lediglich das Material könnte besser sein und ich empfehle für die schwarzrandigen Karten ein paar Sleeves, denn da hier viel gemischt und angegrabbelt wird, werden diese schnell unansehnlich.

Also, wer ein hübsches, simples und schnell zu verstehendes Draftingspiel sucht, das sich zu zweit immer wieder spielen lässt, sollte hier unbedingt zugreifen. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass Baumkronen eines der wenigen Spiele in dieser Serie sein wird, dass eine Erweiterung bekommen könnte, denn der Kartenstapel lässt sich hier natürlich ohne weiteres noch durch weitere thematisch passende Karten erweitern.


  • Verlag: KOSMOS
  • Autor(en): Tim Eisner
  • Illustrator(en): Vincent Dutrait
  • Erscheinungsjahr: 2021
  • Spieleranzahl: 2 Spieler
  • Dauer: 30 Minuten

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