Dreamscape

Dreamscape

Gestaltet euer Traumland steht da auf der Schachtel und trotz des abstrakten Themas, war wohl eine Aussage über ein Spiel über Träume, nie so wahr. Dreamscape wirkt in jeder Hinsicht ersteinmal sehr besonders. Als ich zum erstenmal auf das Spiel aufmerksam wurde, war das zunächst einmal wegen der Optik der Spieleschachtel. Diese ist wunderschön gestaltet und die Illustrationen wirken ein bißchen so, als ob sie aus einem Kinderbuch entsprungen sind. Schaut man sich dann das Material des Spiels und die Gestaltung des Inhalts an, wird einem schnell bewusst, das man sich hier wahnsinnig viel Mühe mit dem Thema gegeben hat. Erst dann wird einem klar, worum es tatsächlich in diesem Spiel geht und der Satz unten auf dem Cover erscheint einem wirklich ziemlich passend. Wir gestalten hier tatsächlich Träume. Wir visualisieren sie durch Landschaften. Das mag auf den einen oder anderen ersteinmal abschreckend wirken, ich aber mag Spiele die nicht immer die ausgelutschten thematischen Pfade beschreiten. All das macht Dreamscape ersteinmal zu einem wirklich interessanten Kandidaten. Seltsam nur, dass es um das Spiel relativ ruhig geblieben ist.

Worum geht es?

In Dreamscape sind die Spieler*innen in einer Nacht gefangen, in der sie nicht vernünftig schlafen können. Um dieses Ziel zu erreichen versuchen sie ihre Träume so zu formen, das sie den seeligen Schlaf erhalten. Zu diesem Zweck bauen sich die Schläfer*innen ihre eigenen Traumlandschaften und das ist quasi wörtlich zu verstehen, denn vor den Spieler*innen auf ihren Tableaus bauen sie mit kleinen „Bausteinen“ wirklich kleine Landschaftsdioramen, die denen ihrer Träume entsprechen. Wer das im Verlauf des Spiels am besten hinbekommt gewinnt.

Dreamscape – Spielbrett zum Spielaufbau / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Bei Dreamscape gibt es ein bißchen was vorzubereiten, bevor man loslegen kann. In der Mitte des Tisches liegt der Spielplan, der neben der Punkteleiste sechs kriesrunde Traumorte ziegt, die untereinander an den Berührungspunkten verbunden sind. Auf diesem Plan bewegen sich die Spieler*innen durch die Traumwelt mit ihrem Schläfer. Der Schläfer ist quasi ihre Representation auf dem Spielfeld. Die Orte haben alle unterschiedliche Fähigkeiten, die im Spiel ausgelöst werden können. An jedem Ort sind unten ein paar Runde Felder eingezeichnet, die zu Spielbeginn mit Holzscheiben gefüllt werden, die wir aus einem Beutel zufällig ziehen. Dabei werden nur Felder befüllt, die für die jeweilige Spielerzahl benötigt werden. Die Holzscheiben gibt es in fünf verschiedenen Farben, die im Spielverlauf unterschiedliche Bedeutungen haben und sie werden Splitter genannt.

Dreamscape – Kartentableau mit Rundenwecker und Zielen / Foto: Spieltroll

Es gibt noch ein weiteres Tableau, auf dem wir mit einem Wecker die Runden anzeigen können und auf dem die für die Partie geltenden Traumzielplättchen ausliegen. Vier Stück gibt es von ihnen und auch diese werden zufällig aus einem Stapel mit zwölf möglichen Zielen herausgezogen. Noch darunter liegen drei Stapel mit Traumkarten in drei Schwierigkeitsgraden, die wir im Verlauf der Partie erfüllen müssen, um Punkte zu bekommen.

Dreamscape – Spielertableau / Foto: Spieltroll

Jede Spieler*in erhält auch noch ein eigenes Tableau, auf dem Traumlandschaften gebaut werden können. Neben der Baufläche sind noch zwei Hände abgebildet auf denen die Spieler*innen ihre Splitter sammeln. Außerdem gibt es noch eine kleine Leiste, auf der die Spieler*innen ihr*e Aktionen abtragen können. Zu diessem Zweck bekommen sie einen Aktionsmarker in Form einer Kerze. Neben diesen Dingen erhält jeder Spieler*in auch noch eine weiter kleine weiße Figur, den sogenannten Träumer, der zunächst neben dem Tableau aufgestellt wird.

Dreamscape – Ortsverbindungen / Foto: Spieltroll

Der Spielablauf ist bei Dreamscape relativ einfach. Ein Spielzug besteht aus drei Teilen, die sich Erscheinen, Reisen und Gestalten nennen. Ich möchte zunächst auf das Reisen und Gestalten eingehen, auch wenn Erscheinen zuerst in einer Runde passiert, aber in der ersten Runde findet dort nichts statt und es ist einfacher zu erklären was man dort macht, wenn man die Begriffe aus den nächsten Phasen schon kennt. Also beginne ich mit der Reisenphase in der die Spieler*innen vier Aktionspunkte für Aktionen zur Verfügung haben. Es gibt fünf mögliche Aktionen, aber nur zwei von ihnen kosten Aktionspunkte. Je einen Aktionspunkt kostet es einen Traumsplitter an der aktuellen Position des Schläfers einzusammeln oder den Schläfer um ein Feld an einen anderen Ort zu bewegen. Die Traumsplitter werden am jeweiligen Ort von rechts nach links eingesammelt. Auf dem Ort ist jeweils rechts eine Hand abgebildet, die uns darauf hinweist. Splitter werden einer nach dem anderen gesammelt und wandern danach auf unser Tableau in die Hände. Die Anzahl der Splitter auf den Händen ist unbegrenzt aber sollten sich bereits zwei Splitter einer Farbe in den Händen befinden, so dürfen wir diese nicht mehr sammeln. Falls wir auf andere Art Splitter zum Beispiel aus dem Beutel ziehen können, so ist das aber egal. Die Bewegung zwischen den Orten über die Verbindungskreise kostet uns einen Aktionspunkt für jede Bewegung, es sei denn und da kommen wir zu den kostenlosen Aktionen, es hadelt sich um eine Schlüsselbewegung. Der Splitter der ganz links liegt, gekennzeichnet durch einen kleinen Schlüssel, gibt dabei die Farbe vor. Liegt hier zum Beispiel ein brauner Splitter und ich habe einen braunen Splitter in meinen Händen auf meinem Tableau, so kostet mich die Bewegung nichts. Ich muss den Splitter dafür auch nicht abgeben, ich muss ihn einfach besitzen. Gleiches gilt auch für einen Ort an dem sich keine Splitter mehr befinden.

Dreamscape – Schlüsselbewegung / Foto: Spieltroll

Ebenfalls gratis ist es einmal pro Runde die spezielle Fähigkeit eines der sechs Orte zu benutzen, auf die ich gleich noch eingehen werde. Auch können gratis Splitter benutzt werden um eine Traumkarte zu aktivieren, die dann wiederum Effekte hervorruft auf die ich ebenfalls gleich eingehe.

Dreamscape – Splitter in Händen / Foto: Spieltroll

Das Kernstück ist aber die Gestalten-Phase, in der wir auf unserem Tableau unsere Traumlandschaft gestalten. Hier bauen wir Traumsplitter aus unseren Händen in die Landschaft ein. Den ersten Traumsplitter müssen wir immer am gekennzeichneten Eintrittsfeld bauen. Jeden weiteren Splitter müssen wir entweder angrenzend an einen bereits liegenden Splitter oder auf einem Splitter der leer ist, also auf dem nicht ein besonderes Traumelement steht, anlegen. Zu einem beliebigen Zeitpunkt innerhalb dieser Phase darf unser Träumer die Traumlandschaft betreten und wird auf das Eintrittsfeld auf den dort liegenden Splitter gestellt. Am Ende dieser Phase werden alle Splitter, die sich noch auf den Händen befinden zurück in den Beutel geschmissen, weswegen es manchmal besser ist sie einfach in die Landschaft einzubauen oder auf Traumkarten zwischenzulagern, wenn das möglich sein sollte. Zusätzlich zu diesen Handlungen können wir in dieser Phase auch noch weitere Aktionen mit unseren Splittern ausführen. Wir können einen weißen Splitter in den Beutel abwerfen, um unseren Träumer einen Splitter innerhalb der Traumlandschaft weiterzubewegen. Einen grünen Splitter können wir abwerfen, um einen Baum zu pflanzen und zwei gleichfarbige Splitter können wir gegen einen anderen tauschen. Das Pflanzen eines Baumes gibt uns sofort einen Punkt pro Baum den wir gepflanzt haben.

Dreamscape – Traumkarte und Traumlandschaft / Foto: Spieltroll

Warum sollte man seinen Träumer überhaupt bewegen fragt ihr euch vielleicht und die Antwort ist ganz einfach, weil man dafür belohnt wird. Betritt man einen blauen Splitter, so erhält man sofort einen Punkt. Bei Braun darf man sofort eine weitere Bewegung ausführen. Zwei graue Splitter übereinander, egal ob darüber oder darunter noch weitere Splitter platziert wurden, zählt als Berg und der Träumer wird sofort mit zwei Punkten belohnt. Es kann also sehr lukrativ sein ein wenig durch die Traumlandschaft zu wandeln.

Dreamscape – Träumer in der Traumlandschaft / Foto: Spieltroll

Ebenso bekommen wir Punkte, wenn wir unsere Traumkarten erfüllen, wozu wir exakt die Landschaft, die abgebildet ist nachbauen müssen. Haben wir sie erfüllt, so drehen wir die Karte um und legen sie auf unseren Stapel neben dem Tableau. Die Fähigkeiten der Karten sind auch auf der Rückseite erkennbar und die oberste Karte des Ablagestapels stellt uns immer noch eine benutzbare Fähigkeit zur Verfügung die erst verschwindet, sobald wir eine neue Karte erfüllt haben. Aktive Traumkarten, die noch nicht fertig gestellt sind stellen uns genauso Fähigkeiten zur Verfügung. Bei Spielende bringt uns jede nicht erfüllte Karte aber Minuspunkte. Um Karten zu benutzen legen wir einen Splitter aus unseren Händen auf die Karte. Dieser Splitter kehrt am Anfang der nächsten Runde zurück. So ist es möglich die Karten auch als Speicher zu benutzen.

Dreamscape – Umbau der Traumlandschaft / Foto: Spieltroll

Kommen wir nun noch zur Erscheinen-Phase, die immer am Start einer jeden Runde nach der ersten eintritt. Hier handeln wir vier Phasenteile ab: Zuerst füllen wir die leeren Plätze an den Orten wieder auf. Dann schieben wir den Wecker um eine Position weiter, damit wir unsere Runden auch ordnungsgemaäß zählen. Nun wandern alle ausgelagerten Traumsplitter auf Karten wieder zurück und die Initiativmarker werden neu verteilt. Die Orte der Traumwelt sind numeriert und die Spieler*in, mit der niedrigsten Ziffer erhält den niedrigsten Initiativmarker usw. Dieser Marker bestimmt die Reihenfolge in der gezogen wird.

Dreamscape – Traumorte / Foto: Spieltroll

Den Orten kommt in Dreamscape noch eine weitere wichtige Bedeutung zu, denn sie verfügen über Fähigkeiten, die wir einmal pro Runde benutzen können. Sie versorgen uns zum Beispiel mit zusätzlichen Splittern, lassen uns Orte zwischenzeitlich mit neuen Splittern versorgen, uns zusätzliche Traumkarten ziehen, uns die Reihenfolge der Splitter manipulieren usw. Diese Fähigkeiten zur richtigen Zeit angewand, können sehr mächtig sein und sollten nicht unterschätzt werden.

Am Ende werten wir noch die Ziele aus und verteilen die Punkte, bevor die Gewinner*in feststeht.

Dreamscape – Herr der Albträume / Foto: Spieltroll

Nachdem man das Spiel so erprobt hat befindet sich noch ein weiteres Element in der Schachtel, mit der man das Spiel zusätzlich bereichern kann. Die Alptraumregeln bringen den Herrn der Albträume ins Spiel und eine gänzlich neue Splitterfarbe: rot! Im Großen und Ganzen stellt der Herr der Albträume ein Hindernis dar, der die Bewegung von Ort zu Ort erschwert und seine Splitter sind zusätzlich negative Punkte am Spielende wert, wenn wir uns nicht von ihnen befreien können.

Das Fazit

Dreamscape ist eines dieser Spiele, das ein wenig unter dem Radar herangeflogen kam und auch dort blieb. Bisher hat es einfach keiner so richtig auf dem Schirm. Das ist in der Tat recht schade, denn für mich ist Dreamscape ein kleiner Geheimtipp im gehobenen Kennerbereich. Ja richtig gelesen, obwohl das Spiel rein spielerisch nicht schierig zu verstehen ist und auch von ambitionierten Familienspielern gespielt werden kann, ist es doch nicht ganz so einfach zu beherrschen. Es greifen einige Dinge geschickt ineinander, die sich erst beim Spielen so richtig griffig darstellen. Zum Beispiel macht man sich überhaupt keine Vorstellung, wie schwierig es ist, die Traumlandschaft geschickt zu bauen und später umzubauen. Das bedarft schon einer ausgeklügelten Taktik, in der die Orts- und Kartenfähigkeiten sinnvoll genutzt und die Aktionspunkte genau eingesetzt werden wollen. Wer das gut durchschaut und sich auch noch sinnvoll durch das Ausnutzen von Schlüsselbewegungen über das Spielfeld manövriert, wird hier definitv besser abschneiden als jemand, der sich auf sein Bauchgefühl verlässt. Von daher bewegen wir uns hier wirklich im gehobenen Anforderungsbereich der Kennerspiele. Und das, so gemein ist das Spiel, verheimlicht es uns durch seine wunderschöne Kinderbuchoptik, die uns hier ein deutlich seichteres Spiel vorgaukelt.

Dreamscape – Traumkarten / Foto: Spieltroll

Die Optik ist ein weiterer Pluspunkt von Dreamscape. Kann sein das ich an Geschmacksverirrung leide, aber ich finde sowohl die Optik mit diesen Kinderbuchillustrationen, als auch das sehr schöne Material aus Holz, sehr gelungen. Die Traumthematik lässt es inhaltlich natürlich auch ein bißchen esotherisch anmuten, aber wir haben es hier definitiv mit einer nicht alltäglichen Thematik zu tun. Die Tischpräsenz ist jedenfalls sehr gelungen. Auch die Tatsche das man, zwar sehr minimalistisch und stilisiert, aber dennoch kleine Landschaftsdioramen auf seinen Tableaus nachbaut wirkt sehr cool. Spätestens wenn man mit der Ausbauregel und dem Herrn der Träume spielt gewinnt das ganze nocheinmal zusätzlich, denn er wirkt nicht nur auf dem Spielbrett als störendes Element, auch die roten Scheiben in den schönen Traumlandschaften wirken wie Fremdkörper die unbedingt weg müssen.

Mich konnte Dreamscape spielerisch und optisch sehr überzeugen. Kein Spiel, das ich jederzeit spielen kann, aber eines, dass ich gerne auf den Tisch bringe, um zu zeigen, wie Spiele heutzutage aussehen können und thematisch vielfältig sind. Solltet ihr euch dringend mal anschauen, wenn ihr es noch nicht kennt.


  • Verlag: Huch!
  • Autor(en): David Ausloos, Pierre Steenebruggen
  • Illustrator(en): David Ausloos
  • Erscheinungsjahr: 2020
  • Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
  • Dauer: 60 – 90 Minuten

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