Einspruch! – Duell der Anwälte

Einspruch! – Duell der Anwälte

Ich mag Spiele mit besonderen Themen. Spiele die nicht immer die ausgetretenen Pfade des mittelalterlichen Handels oder der Kolonialisierung einer einsamen Insel folgen. Themen die nicht auf Bäumen wachsen sind eher selten geworden. Warum gibt es kaum Spiele, die sich mit der Juristerei auseinandersetzen? Wahrscheinlich weil sie langweilig wären! Denn eigentlich ist das ziemlich langweiliger Stoff, es sei denn man bereitet ihn hollywoodmäßig auf und inszeniert einen filmreifen Schlagabtausch zwischen der Anklage und der Verteidigung. Das klingt eher nach etwas, dass Spaß machen könnte oder? Dann solltet ihr euch mal etwas näher mit Einspruch! – Duell der Anwälte aus dem Hause Giant Roc beschäftigen, denn genau dieses Tauziehen wird hier thematisiert. Einspruch ist ein Spiel für nur zwei Spieler*innen und widmet sich der Thematik mit einem interessanten Kartenspiel.

Worum geht es?

Einspruch! – Duell der Anwälte ist ein kartenbasierter Schlagabtausch zwischen der Anklage und der Verteidigung. Dabei kommt das Spiel mit verschiedenen Fällen daher, die grundverschieden sind. Darüber hinaus können die Fälle mehrmals auf verschiedene Weisen gespielt werden, so dass es sich nicht um ein rein szenariogetriebenes Spiel handelt. Die Spieler*innen draften sich zunächst ein Deck und versuchen danach mit Zeugen vor Gericht zu punkten und schließlich die Geschworenen des Schwurgerichts zu überzeugen. Wer es schafft mehr Geschworene zu überzeugen gewinnt den Schlagabtausch.

Einspruch!: Duell der Anwälte – Spielaufbau / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Einspruch! – Duell der Anwälte läuft in zwei Phasen ab. Nachdem man das Spiel aufgesetzt hat, und das geht eigentlich recht schnell, beginnt man zunächst mit einem etwas längerem Draft, bevor man dann die eigentliche Partie und den Fall mit den gedrafteten Karten spielt.

Einspruch!: Duell der Anwälte – verschiedene Strategiekarten / Foto: Spieltroll

Das Spiel ist nicht groß. Es besteht nur aus ein paar kleinen Holzmarkern und diversen Karten. Die beiden Kontrahenten erhalten jeweils ein Deck, dass aus den Karten für ihre spezielle Rolle besteht. Also Verteidiger oder Anklage. Die Karten unterscheiden sich namentlich aber vom Inhalt kaum, denn es muss ja fair bleiben. Es gibt eine spezielle Karte für jeden Fall und wie dieser aufzubauen ist. Im Spiel sind ersteinmal zwei Fälle enthalten und jeder dieser Fälle kann auf drei unterschiedliche Arten gespielt werden. Die Karten die für die jewils andere Version des Falles benötigt werden sind mit Extrasymbolen versehen, so dass man sie einfach entfernen kann. Ihr seht, so entstehen mitunter wirklich ganz andere Fälle. Auf der Fallkarte ist angegeben, welche Zeugen mitspielen. Jeder Fall verfügt über eine gewisse Menge an Zeugen. Nicht alle sind unbedingt relevant. Die wichtigsten Zeugen sind aber auf der Karte aufgedruckt und diese werden herausgenommen und neben der Karte des Richters platziert. Die Richterkarte verfügt übrigens über zwei Seiten, je eine für die Verteidigung und die Anklage. Im Laufe des Falles tendiert der Richter immer wieder zu einer der beiden Seiten. Die restlichen Zeugen werden als verdeckter Stapel bereitgelegt. Neben seinem Deck erhält jeder Spieler noch drei Einspruch- und eine Sidebarmarke.

Einspruch!: Duell der Anwälte – Richterin und Zeugen / Foto: Spieltroll

Gegenüber des Richters sollten die zwölf Geschworenen aufgebaut werden. Dies sind 12 kleinformatige Karten mit je vier Kreisen darauf und einem Punktewert von eins bis sechs. Jeden Punktewert gibt es zweimal und die Karten werden in zwei Reihen ausgelegt in der jeder Punktewert einmal vertreten sein muss. Die Kreise haben die Farben von Verteidigung und Anklage. Es gibt zwölf kleine Runde Marker und diese werden zufällig auf die Karten der Geschworenen verteilt. In einer Reihe auf den zweiten Kreis von links und in der anderen Reihe auf den zweiten Kreis von rechts. So beginnen beide Seiten mit dem gleichen Einfluss auf die Geschworenen. Nur die kleinen Runden Marker sind unterschiedlich und auch hier gibt es zwei je Sorte. Diese Marker symbolisieren Aspekte mit denen sich die Geschworenen identifizieren oder die für sie besonders wichtig sind. Emotionale Geschworene lassen sich zum Beispiel durch emotionale Aspekte des Falls mehr ansprechen. Viel mehr aufzubauen gibt es nicht, der Rest des Setups bekommt ja seine eigene Phase. Aber bevor ich den erläutere muss man die Karten des Spiels einmal etwas näher beleuchten.

Einsruch!: Duell der Anwälte – Zeugenkarten / Foto: Spieltroll

Die Karten der Spieler haben alle einen Einflußwert, der in der oberen linken Ecke der Karten in einem farbigen Banner aufgedruckt ist. Rot für die Anklage, blau für die Verteidigung und grau für neutrale Karten, die beide für sich in Einfluß umwandeln können. Dieser Einflußwert ist spielentscheidend, denn im Grunde konkurrieren die beiden Kontrahenten jeweils um einen Zeugen und wer nach Abschluß der Befragung, den meisten Einfluß geltend gemacht hat, kann den Zeugen für sich verbuchen. Darüber hinaus haben die Karten verschiedene Effekte, die zu verschiedenen Zeitpunkten ausgelöst werden. An der oberen Seite verfügen die Karten über bis zu sechs Symbole, die denen der Aspekte der Geschworenen entsprechen. Neben diesen Karten, die Beweisstücke, belastendes Material und Argumente darstellen, gibt es auch noch Methodenkarten, die eher allgemein das Handwerkszeug eines Anwalts vermitteln sollen.

Bevor nun also das eigentliche Spiel beginnt kommt ein großer Draft. Das Falldeck wird nämlich nun mittig zwischen die beiden Spieler*innen gelegt und es werden jeweils drei Karten von oben gezogen. Der Ankläger beginnt. Dann suchen die beiden Kontrahenten sich aus diesen Karten jeweils eine Karte aus, die sie für sich wollen, eine Karte, die sie der Gegenseite zugestehen und eine Karte, die sie nach Möglichkeit gar nicht mehr am Fall teilnehmen lassen wollen wird ebenfalls ausgesucht und auf einen neuen Stapel in der Mitte verdeckt gesammelt. Das machen die beiden solang, bis der Stapel aufgebraucht ist und sich ein neuer Stapel gebildet hat. Nun haben die Spielr ihre finalen Decks und mischen diese. Anschließend ziehen beide je fünf Karten auf die Hand. Das zentale Deck mit verschollenen Beweisen wird als verdeckter Stapel zur Seite gelegt und kommt nur in Ausnahmesituationen später zum Einsatz.

Einspruch!: Duell der Anwälte – Zeugenbefragung / Foto: Spieltroll

Das Spiel funktioniert nun folgendermaßen. Der Spieler*in der Anklage beginnt und dreht den Richter zunächst auf die Anklägerseite und sucht sich einen der offen ausliegenden Schlüsselzeugen aus. Die Zeugenkarten sind etwas anders aufgebaut, denn bei ihnen verläuft das, was bei den anderen Karten oben ist, an den Rändern entlang, und sieht für beide Seiten mitunter verschieden aus. Der Ankläger sucht sich nun also einen Zeugen aus, den er meint für sich gewinnen zu können. Der Einflußwert auf der linken Seite der Karte ist seiner und er dreht die Karte so, dass sie zwischen beiden Spieler*innen liegt. Beide Spieler*innen stellen auf ihren Einflußrädern den angegebenen Wert ein. Die Symbole an seiner Seite sind nun entscheidend. Ist man an der Reihe kann man fünf Dinge tun. Erstens, man spielt ein Beweisstück um den Zeugen auf seine Seite zu ziehen. Mindestens eines der Symbole muss auf der angelegten Karte mit denen des Zeugen übereinstimmen. Hat die Karte einen Effekt, der nun ausgelöst wird, handelt man ihn ab. Später werden weitere Karten immer wieder so überlappend auf die bereits liegenden Karten gelegt, dass mindestens ein Symbol übereinstimmt. Der Einflußwert der Karte wird nun dem Spieler gutgeschrieben, wenn das Banner seiner Farbe entspricht oder grau ist. Die Farbe des Gegners hat keinen Effekt. Die zweite Möglichkeit besteht darin eine Methodenkarte zu spielen. Diese können zur Beweisführung beitragen, wie die normalen Beweisstücke, oder aber als Methode in den Spielbereich einer Spieler*in. Im Spielbereich haben sie eine Fähigkeit, die man nicht sofort auslösen darf. Erst ab der nächsten Runde ist es möglich sie zu nutzen und das wäre dann auch schon die dritte Zugmöglichkeit. Als viertes darf man seinen Sidebarmarker benutzen und umdrehen, um eine Karte zu ziehen und den Richter auf seine Seite zu ziehen. Dies kann man aber nur benutzen, wenn der Marker noch nicht verdeckt wurde. Derjenige der eine Zeugenbefragung verliert darf den Marker wieder zurückdrehen. Die letzte Möglichkeit ist das Passen. Haben beide gepasst wird ein Zeuge ausgewertet.

Einspruch!: Duell der Anwälte – Einspruch und Sidebarmarken / Foto: Spieltroll

Die drei Einspruchmarken, dürfen von den Spieler*innen immer dann eingesetzt werden, wenn der Gegenspieler*in eine Karte ausspielt, die einem nicht gefällt. Dann gibt man einen der Marker ab und die Karte wird einfach abgeschmissen. Insgesamt kann man das also nur dreimal pro Fall machen.

Ist keiner mehr bereit Karten auszuspielen, so ist die Befragung beendet und die Einflußwerte auf den Rädern werden verglichen. Der höchste Wert bekommt den Zeugen und legt ihn in seinem Bereich ab. Bei Gleichstand gewinnt derjenige Spieler*in für den der Richter momentan gewogen ist. Die Differenz zwischen den beiden Einflußwerten bestimmt den Wert, um den die Spieler*in die kleinen Marker auf den Zeugen verschieben darf. Bei einer Differnz von Sieben dürfte zum Beispiel der Marker eines Zeugen mit Wert Sechs und eines Zeugen mit Wert Eins in die entsprechende Richtung verschoben werde. Man darf dabei auch Marker mehrfach verschieben und diese Differenz auftielen wie gewünscht. Das Ziel ist es möglichst viele Zeugen auf seine Seite zu ziehen.

Einspruch!: Duell der Anwälte – Fallkarten / Foto: Spieltroll

Die Spieler*innen ziehen ihre Hände wieder voll und der nächste Zeuge wird befragt. Das wird solange wiederholt, bis alle Zeugen befragt wurden und die Geschworenen die finale Entscheidung bekanntgeben. Wer mehr Geschworene überzeugt hat gewinnt.

Einspruch!: Duell der Anwälte – alternative Richterkarten / Foto: Spieltroll

Einspruch kann auf viele Arten weiter modifiziert werden. Zum einen gibt es noch eine Variante mit Geschworenen, die schwer vom Gegenteil zu überzeugen sind, wenn man sie einmal auf seine Seite gezogen hat. Auch gibt es weitere Richterkarten, die besonders einem Aspekt des Falls zugetan sind. Zu guter letzt sei nochmal die Möglichkeit erwähnt einen Fall in komplett andere Richtungen zu verhandeln, denn jede der Strategiekarten stellt eigentlich einen anderen Fall dar. So gibt es für jeden Fall diverse verschiedene Spielweisen.

Das Fazit

Was ich hier versucht habe, so lang zu beschreiben ist eigentlich ein recht einfaches Spiel für zwei, dass im Prinzip nichts anderes ist als ein Hardcore-Tauziehwettbewerb zwischen Verteidigung und Anklage. Einspruch! bemüht sich dabei um eine möglichst thematische Umsetzung des Themas und das Spiel mutet dabei auch wie eine der amerikanischen Anwaltsserien an. Zunächst werden Beweise und Fakten gesammelt, was durch den Draft zu Beginn symbolisiert wird. Dinge tauchen auf, die wir auf gar keinen Fall ans Licht kommen lassen wollen und die Sortieren wir einfach aus. Bei den anderen Dingen müssen wir abwägen was wir dem Gegenüber überlassen können. In dieser Phase müssen die Spieler*innen mitunter harte Entscheidungen fällen.

Der Rest ist dann die Verhandlung, das Kernstück einer solchen Anwaltsserie. Hier werden dann die Zeugen vernommen und die Kontrahenten spielen Beweise und Aussagen aus, die Zeugen diskreditieren oder ihren guten Eindruck noch verstärken. Dargestellt durch den Einfluß und das gipfelt schlußendlich in der Geschworenenbeeinflussung, je nachdem wie effektiv wir waren. Währenddessen kommen noch Anwaltstricks zur Anwendung und auch ein richtig gesetzter Einspruch hier und da kann Wunder wirken.

Thematisch macht das also alles Sinn und auch taktisch müssen wir hier gut planen, ja sogar strategisch vorgehen, denn wir kennen ja bereits von Anfang an unser komplettes Deck, die Zeugen und sogar einen Teil des gegnerischen Decks. Wir können also erahnen, was da alles im Verlauf eines Falles auf uns zukommt. Taktisch müssen wir nur im Moment mit dem spielen, was wir da auf der Hand haben und was von der Gegenseite kommt. Der eigentliche Mechanismus mit den Symbolen ist dabei ganz gut gewählt und erfordert natürlich Planung.

Einspruch!: Duell der Anwälte – Fallkarten / Foto: Spieltroll

Alles gut also? Ja, nicht ganz. Einspruch! hat ein paar Längen wie ich finde. Der Draft ist ziemlich gut und trotz der ganzen Karten schnell vorbei, hier muss man mitunter sehr interessante Entscheidungen treffen. Die Zeugenbefragung, also das Kernspiel, weisst aber einige Längen auf, wenn man per Zufall nicht besonders gute Karten auf der Hand hat oder den Zeugen nicht braucht, ergeben sich langweiligere Stellen, bevor bei einem wichtigen Zeugen plötzlich alle Register gezogen werden um ihn zu gewinnen. Insgesamt empfinde ich die Spielzeit als ein wenig zu lang für das, was das Spiel eigentlich ist auch wenn es das Thema gut abbildet. 60 bis 90 Minuten trägt das Spielprinzip dann halt doch nicht.

Das Material ist von sehr guter Qualität und auch die unterschiedlichen Ausrichtungen der beiden enthaltenen Fälle gefallen mir recht gut. Insgesamt kann ich mich nur zu einer Empfehlung für Freunde des Themas durchringen, die bestimmt ihren Spaß damit haben werden. Auch Spieler*innen die hauptsächlich Spiele für zwei suchen, könnten hier durchaus etwas finden, was ihnen gut gefällt, wenn sie vor längeren Spieldauern nicht zurückschrecken. Alle anderen seien gewarnt, das man hier zumindest vorher mal reinspielen sollte, bevor man zugreift.


  • Verlag: Giant Roc
  • Autor(en): Samuel Bailey, Mike Gnade
  • Illustrator(en): Vincent Christiaens, Sean Simmons, Matt Zeilinger
  • Erscheinungsjahr: 2021
  • Spieleranzahl: 1 – 2 Spieler
  • Dauer: 60 – 90 Minuten

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