Spielejahrgang 1984 – Kalter Krieg und sonst?

Viel weiter als in dieses Jahr brauche ich glaube ich kaum zurückgehen. Denn an wahnsinnig viel, was meine spielerische Vergangenheit vor diesem Jahr betrifft, kann ich mich glaube ich eh nicht erinnern. Außer sie hat mit Lego oder Playmobil zu tun. 1984 liegt aus meiner heutigen Sicht so weit entfernt, dass es fast aus einem anderen Leben zu stammen scheint. Allerdings kann ich mich aus viele Brettspiele dieser Zeit erinnern, die ich bereits als Kind bekam. Ich habe das ja bereits in früheren Teilen dieser Reihe erwähnt, aus irgendeinem mir unbegreiflichen Grund fanden meine Eltern es sinnig mir in diesem Alter zu meinem Geburtstag Spiele des Jahres zu schenken und ich beschäftigte mich auch viel mit Ihnen. Ich kann mich allerdings nicht daran erinnern, dass sich meine Eltern mal mit mir hingesetzt hätten, um eines der Spiele zu spielen, dass haben eher meine viel älteren Geschwister und meine Freunde übernommen. Das sind dann wohl die Anfänge meiner Brettspielleidenschaft. 1984 war ich gerade einmal neun Jahre alt und bekam natürlich nur bedingt mit, was in der Welt so alles los war. Es war aber eine ganz andere Stimmung als heutzutage und viele junge Menschen können sich das glaube ich kaum vorstellen.

Brettspiele 1984 waren noch nicht bunt und hatten wahnsinnig viele Themen. Die Zeiten waren noch grau und Spiele bestanden aus ein paar Holz- und Plastikteilen, sowie Pappplättchen und Karten. Thematisch bewegte man sich zwischen historischen und kindlichen Themen, wenn es um Familienspiele ging. Wenn es sich um Spiele für Erwachsene handelte, dann ging es um Krieg, Spionage und Konflikte. Das ist ja auch nur logisch, Brettspiele waren zwar in Deutschland verbreitet, aber dennoch eine Randerscheinung und in den 80er Jahren ging es auch in der Gesellschaft viel um Politik, den Kalten Krieg und die Gefahren die damit verbunden waren. In der nähe unseres Wohnortes waren die Briten und die Niederländer stationiert und hielten regelmäßig Manöver ab. Zu diesen Zwecken ratterten zwei-bis dreimal im Jahr ellenlange Militärkonvois durch unseren Ort. Kettenfahrzeuge und Panzer hinterließen ihre Spuren. Wer von soetwas morgens geweckt wird, der macht sich durchaus Sorgen und es könnte erklären, warum die Spielewelt zu diesser Zeit noch eine recht triste war. Wer sich Sorgen um seine Zukunft macht, der erfindet keine lustigen Spiele über fröhliche Themen. Die 80er waren aber auch eine Zeit den Aufbruchs. Vieles war stetigem Wandel ausgesetzt, dass sollte sich in den nächsten Jahren noch viel deutlicher zeigen.

Aber wir sind ja hier, um uns mit den Brettspielen des Jahres 1984 auseinanderzusetzen und deswegen fang ich gleich einmal mit den besten Spielen des Jahres laut Boardgamegeek.com an, denn hier kann man doch schon sehen, wovon ich in meiner Einführung gesprochen habe. Wenn man die Liste dort nämlich nach den zehn besten Spielen des Jahres 1984 durchforstet, stößt man auf folgende zehn Titel:

  1. Wizard
  2. Balderdash
  3. Heimlich & Co.
  4. Vietnam 1965-1975
  5. The Third World War – Battle for Germany
  6. British Rails
  7. Fire in the East
  8. Conquest of the Empire
  9. Southern Front
  10. Metropolis

Okay, das sieht doch schonmal ganz schön düster aus würde ich sagen. Ich kenne genau fünf Spiele dem Namen nach von dieser Liste und nur zwei habe gespielt, bzw. befanden sich schonmal in meinem Besitz. Das ist keine besonders große Anzahl, aber ich bin halt eben auch nicht der größte Wargamer und kenne mich in dem Bereich nicht besonders gut aus. Platz eins und das ziemlich unangefochten, da es das einzige Spiel ist, dass auch heute noch unter den 1000 besten Spielen bei Boardgamegeek zu finden ist, ist mit Wizard auch tatsächlich das enzige Spiel, über das ich hier auf dem Blog schon einen Artikel verfasst habe. Wizard ist den meisten Spielern bekannt und wenn nicht Wizard, dann eines seiner Derivate wie Rage usw. Definitiv das beste Spiel aus diesem Jahr und eines, das man durchaus mal gespielt haben sollte. Das zweite Spiel Balderdash ist ein Partyspiel, bei dem ich mir schon seit geraumer Zeit mein Hirn zermatere, ob das Spiel auch mal einen deutschen Titel gehabt hat, aber ich glaube es kam bei Schmidt tatsächlich nur unter dem Originaltitel heraus. Ich kenne es, habe es persönlich aber noch nie gespielt. Es ist auch nicht die Art von Spiel die ich gerne spiele. Das Spiel existiert aber genau wie Wizard bis heute und viele mögen es.

Heimlich & Co. von Wolfgang Kramer kam bereits Ende 1984 auf den Markt und viele dürften es kennen, aber es gewann erst 1986 den Preis zum Spiel des Jahres und wurde einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Ich selbst bekamm es 1986 geschenkt und habe es immer gern gespielt. Erst im letzten Jahr verließ mein originales Exemplar, dass ich gehgt und gepfelgt habe meine Sammlung. Auch das Thema dieses Spiels ist wahrscheinlich auch der Zeit geschuldet. Agententhematik war total angesagt und passte hervorragend zu dem Spiel. Nach diesen drei Spielen sind die zwei die ich persönlich in meiner Sammlung hatte schon durch und es folgen nun einige Spiele, von denen ich noch nie in meinem Leben Notiz genommen habe. Handeln wir ersteinmal die Wargames ab. Vietnam 1965-1975, The Third World War – Battle for Germany, Fire in the East und Southern Front sind allesamt Spiele mit Kriegsthematik und wahrscheinlich nur etwas für Eingeweihte. Zumindest passen Battle for Germany und Southern Front in die Zeitgeschichte mit der Angst vor dem dritten Weltkrieg. Fire in The East beschäftigt sich thematisch mit dem Russland Feldzug der deutschen Armee im zweiten Weltkrieg und Vietnam spricht für sich selbst. Krieg war eines der Themen für erwachsene Brettspiele zu der Zeit.

Bevor ich zu Platz sechs komme, das zumindest in anderem Zusammenhang ganz interessant ist, möchte ich noch erwähnen, dass Conquest of the Empire ein Spiel aus der MB Gamemasterserie ist, das ich aus einem Prospekt kannte, dass aber meines Wissens nach nie in Deutschland erschienen ist, obwohl auch aus dieser Serie einiges den Weg nach Deutschland fand, ansonsten hätte ich es wahrscheinlich Jahre später mal gespielt. Hier bewegen wir uns mit den Konflikten in der Antike und müssen uns als Römer im Mittelmeer herumplacken. Dies ist also das vierte Spiel, dass ich zumindest vom Namen her kenne. Das fünfte ist dann auch das letzte in der Liste. Metropolis von Ravensburger war zu der zeit sehr ungewöhnlich, denn es hatte eine Alterskennung ab 16 Jahren und stammt von Ravensburger. Das Spiel hat mich immer gereizt, auch damals als kleiner Junge schon es ging um Städtebau und sah für mich damals faszinierend aus, aber rangetraut habe ich mich bis heute nicht. Das Spiel ist von Großmeister Sid Sackson und die Altersangabe hat mich dann doch immer abgeschreckt und später gab es das Spiel dann nur noch selten. Leider kann ich ansosnten nichts dazu sagen, aber ich hätte es damals gerne gehabt.

British Rails habe ich ausgespart, weil es ein besonderes Spiel ist. Es gehört zu den Eisenbahnspielen, bei denen man mit Stiften seine Strecken einzeichnet und davon gab es seinerzeit recht viele. Mayfair Games hatten einige davon am Start. Ich persönlich kannte dieses Spiel nicht, aber ein anderes, das dann wiederum nicht von Mayfair war, habe ich in diesem Jahr zu meinem Geburtstag bekommen und das war Dampfross und damit sind wir dann auch schon bei der Abteilung Spiel des Jahres.

1984 bekam Dampfross den bereits damals begehrten Preis. Das Spiel war aber zu diesem Zeitpunkt gar nicht neu. Es hatte bereits fünf Jahre auf dem Buckel. 1979 erschien in England das Spiel Railway Rivals und das war der Beginn einer ganzen Serie von Eisenbahnspielen, die mit Stiften agierten, um sich quasi ihre eigenen Spielfelder zu schaffen. Mayfair Games brachten in diesem Zusammenhang ab 1980 eine ganze Serie von sogenannten „Crayon Rail Games“ (was soviel wie Buntstift-Schienen-Spiele bedeutet) heraus. Railway Rivals war aber nicht von ihnen, sondern wurde unter anderem von Games Workshop (ja, denen mit den Miniaturen) herausgegeben. Dampfross wie es dann in Deutschland hieß, bekam 1984 den Preis Spiel des Jahres von der Jury und ich habe das Spiel damals geliebt, weil es so anders war. Es war irgendwie cool ein Spielbrett zu haben auf dem man herumkritzeln konnte und dann hatte man auch noch ein Spiel dabei das mir damals wahrscheinlich wirklich Spaß gemacht hat, mich heute aber nicht mehr hinter dem Ofen hervorlocken kann.

Neben Dampfross tauchten noch fünf Spiele auf der Empfehlungsliste auf und davon kenne ich tatsächlich sage und schreibe nur eines und das ist das bereits erwähnte Metropolis von Sid Sackson. Die anderen möchte nur der Vollständigkeit halber erwähnen, weil ich ansonsten nichts zu ihnen sagen kann: Netzwerk, Feuerwehr, Domingo und Claim. Wobei Claim kommt mir zumindest vom ansehen bekannt vor. Es gab in diesem Jahr auch noch einen Sonderpreis für ein besonders schönes Spiel und den bekam Uisge.

Der Deutsche Spielepreis soll an dieser Stelle noch erwähnt werden, wurde aber erst ein paar Jahre später zum ersten mal verliehen. Also kein Preisträger hier. Dann wird es Zeit diesen Beitrag abzuschließen und ich empfinde rückwirkend betrachtet, dass 1984 kein gutes Spielejahr war. Allerdings waren die Jahre in diesem Brettspielzeitalter alle ziemlich mau. Wenn man sich die Datenbank von Boardgamegeek.com etwas genauer und umfassender anschaut stellt man fest das nur 28 Spiele aus 1984 unter den ersten 10000 Spielen auftauchen. Also mehr als mies. Zum Glück änderte sich das aber irgendwann. Wenn ich meiner virtuellen Ludothek ein paar Spiele aus diesem Jahr hinzufügen müsste, so wären das definitiv Wizard und auch Heimlich & Co, dass ich besser finde als sein Ruf heutzutage zu sein scheint. Auch Dampfross könnte man mitaufnehmen, aber das stünde aber wahrscheinlich nur aus nostalgischen Gründen in dieser Sammlung.

Gibt es etwas, dass ich aus diesem Jahr vergessen habe und das dringend hier Erwähnung finden müsste? Dann schreibt einen Kommentar und sagt es mir.

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