Tribes – Aufbruch der Menschheit

Tribes – Aufbruch der Menschheit

Manchmal lässt man sich doch einfach von Äußerlichkeiten leiten. Ich bin nicht stolz darauf, aber ja auch ich habe es getan. Tribes von KOSMOS hat mich fast gänzlich allein durch das Cover dazu gebracht es zu kaufen. Es gefällt mir wirklich sehr gut. Rustan Hakansson ist dann auch ein durchaus bekannter Name der für Aufbau- und Zivilisationsspiele spricht und die stehen bei mir eigentlich recht hoch im Kurs. Tribes – Aufbruch der Menschheit soll nach Titel und Werbetext eben ein solches Spiel sein und hatte mich sofort. Es sah gut aus und thematisch passte es ziemlich gut zu mir, also mussten eigentlich nur noch die Mechaniken Spaß machen und das Spielerlebnis gut sein. Dem war leider nicht so und ich muss nun versuchen zum Ausdruck zu bringen, warum es uns leider so gar nicht gefiel, obwohl die Mechanismen recht ansprechend sind und alles auf den ersten Blick gut aussieht. Letzlich hatten wir nach nur einer Partie bereits das Gefühl das Spiel ausgereizt zu haben und es musste wieder ausziehen.

Worum geht es?

Ich möchte an dieser Stelle den Text auf der Rückseite der Schachtel zitieren:

Die Erde vor 30.000 Jahren. Führe deinen Stamm durch die Frühgeschichte der Menschheit bis in die Bronzezeit. Erkunde unbekanntes Land, um es zu besiedeln. Dadurch erhältst du Zugriff auf wertvolle Ressourcen, die dir neue Entdeckungen und Errungenschaften erlauben. Aber du musst dich auch gegen Ereignisse wie Naturkatastrophen, Krankheiten und feindliche Überfälle wappnen, damit dein Stamm schließlich als erfolgreichster dasteht. Erlebe die spannende Geschichte unserer Zivilisation!

Das klingt doch gut oder? Vor meinem Auge zeichnet sich da ganz deutlich ein cooles Spiel ab indem wir uns entwickeln, andere Stämme bezwingen und Widrigkeiten überstehen müssen. Tribes ist aber im Kern nur ein Punktesalat mit einem netten Aktionsmechanismus, einem winzigen Technikbaum und ein Legespiel für Grundschüler. Werbetexte versprechen natürlich immer mehr als sie halten, aber in diesem Fall habe ich wirklich ein deutlich anderes Spiel erwartet.

Tribes: Aufbruch der Menschheit – Spielaufbau / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Man muss das Spiel schon etwas näher betrachten, um zu verstehen was ich meine, deshalb werde ich das Spiel mal etwas genauer erläutern. Tribes verfügt tatsächlich über ein paar Spielelemente, die allesamt recht eigenständig sind und dann doch verzahnt ineinandergreifen. In der Mitte des Tisches für alle Spieler zugänglich liegt der Entwicklungsbaum, der sich in drei Epochen aufteilt und sehr simpel ist. Jede Epoche ist eine Stufe und hat man eine „Technologie“ entwicklet wird die darüberliegende aufgedeckt. Von den drei Reihen ist zu Beginn nur die unterste sichtbar und man kann ersteinmal nur direkt nach oben weiter. Die Technologien die in einer Partie verfügbar sind, werden zufällig gezogen. Eine Technologie jeder Epoche bleibt so immer in der Schachtel.

Tribes: Aufbruch der Menschheit – Errungenschaften der 1. Epoche / Foto: Spieltroll

Rechts auf dem Spielplan werden Geistesblitz-Ereignisplättchen in verdeckten Stapeln bereitgelegt, die im Verlauf der Partie gezogen werden. Links auf dem Spielplan sind vier Fortschrittsleisten für die Eigenschaften unseres Stammes aufgedruckt. Hier können wir in Stärke, Erkundung, Nachwuchs und Bewegung voranschreiten. Nach unserem Fortschritt hier richtet sich die Stärke unserer Aktionen im Spiel. Auf jede Leiste kommt einer unserer Marker.

Tribes: Aufbruch der Menschheit – Aktionsplättchen oberhalb des Spielbretts / Foto: Spieltroll

Über dem Spielbrett legen wir die sechs Aktionsplättchen des Spiels in einer zufälligen Reihenfolge an. Sind wir an der Reihe müssen wir eines der Aktionsplättchen auswählen und nehmen. Am Ende unseres Zuges legen wir es ans Ende der Reihe zurück und schieben die Reihe wieder zusammen. Das vorderste Aktionsplättchen ist dabei immer umsonst. Wollen wir eines aus der Reihe weiter hinten nehmen, so müssen wir auf jedes übersprungene Plättchen eine Muschel (die Währung des Spiels) legen. Von diesen Muscheln bekommt jeder zu Spielbeginn fünf Stück und mehr werden im gesamten Spielverlauf nicht im Umlauf sein.

Tribes: Aufbruch der Menschheit – Muschel / Foto: Spieltroll

Zusätzlich zu den Muscheln bekommt jeder Spieler noch einen Satz Spielsteine in seiner Farbe, der aus Markierungssteinen und Steinzeitmeepeln besteht. Jeder erhält noch ein Pfeilplättchen und muss drei der sechseckigen Landschaftsfelder aus einem Beutel ziehen. Dabei wird darauf geachtet, dass jeder Spieler drei unterschiedliche und keine doppelten Plättchen zieht. Es gibt fünf verschiedene Landschaftsplättchen, die jeweils eine andere Ressource bereitstellen. Ziegen, Pferde, Weizen, Gold und Weihrauch sind die Ressourcen von Tribes. Die Spieler legen die Plättchen in einer dreieckigen Form aneinander und platzieren einen ihrer Meeple auf einem Feld ihrer Wahl. Zum Ausgleich der Spielreihenfolge bekommen Spieler die später an der Reihe sind ein paar Bärenzähne (Siegpunkte) mehr als die forderen.

Soweit so gut. Das Spiel kann nun beginnen und läuft so einfach ab, wie bereits angedeutet. Ist man an der Reihe, sucht man sich eines der Aktionsplättchen aus. Das erste ist umsonst, für spätere muss man zahlen, nimmt es aus der Aktionsreihe, führt die Aktion aus und legt das Plättchen ans Ende der Reihe. Hat man keine Muscheln zum bezahlen mehr, muss man immer die nächste Aktion in Reihe auswählen. Die sechs Aktionsplättchen spalten sich dabei in zwei Gruppen auf. Die erste Gruppe zeigt genau ein Symbol und gibt uns so vor, welche Aktion wir ausführen können. Nachwuchs zeugen, Figuren bewegen oder das Stammesgebiet erkunden. Die zweite Gruppe lässt uns die Wahl zwischen zwei Symbolen, denn auf diesen ist immer noch eine Hand mit abgebildet, die es uns erlaubt eine Errungenschaft zu machen.

Tribes: Aufbruch der Menschheit – Fortschrittsleisten / Foto: Spieltroll

Die einfachen Aktionen sind schnell abgehandelt denn hier passiert jeweils nur eine Sache. Wollen wir Nachwuchs zeugen, so bekommen wir genau soviele Meeple, wie uns unser eigener Fortschrittsmarker vorgibt und diese Meeple setzen wir dann auf einem Feld auf unserem Gebiet ein, auf dem schon ein Meeple steht. Nehmen wir die Bewegung, so dürfen wir soviele Meeple wie angegeben in unserem Gebiet bewegen und auf neue Felder ziehen. Wählen wir die Erkundung, so ziehen wir die angegebene Anzahl Plättchen aus dem Beutel und bauen sie an unsere Landschaft an.

Wollen wir nun aber eine Errungenschaft machen, so passiert ein bißchen mehr. Die Errungenschaftstafeln in der untersten Reihe des Spielbretts zeigen uns dafür ein paar Symbole. Ganz oben befindet sich ein Ressourcensymbol, das uns anzeigt, welche Ressource wir benötigen, um die Errungenschaft zu erlangen. Darunter wird uns durch eine Höhlenmalerei und den Namen gezeigt, welche Errungenschaft es genau ist. Rechts daneben wird angezeigt auf welcher Fortschrittsleiste wir für diese Errungenschaft nach oben wandern. Ganz unten ist eine kleine Leiste zu sehen, auf die vier Steine gesetzt werden können. Ein Stein pro Mitspieler. In diesem Kästchen sind Punktezahlen zu sehen, die von links nach rechts kleiner werden. Über manchen Kästchen befinden sich kleine Blitzsymbole. Haben wir uns nun dazu entschlossen eine Errungenschaft zu machen, so müssen wir über die Ressource verfügen. Was bedeutet, einer unserer Meeple muss auf einem solchen Landschaftsfeld stehen. Für die späteren Entwicklungsstufen sind mehr Symbole erforderlich. Sollte man einmal nicht genügend Symbole einer Sorte besitzen, so kann man Länderplättchen erschöpfen um sie als Joker zu benutzen. Diese Länderplättchen werden permanent umgedreht und stehen danach nicht mehr zur Verfügung. Dann setzt man seinen Markierungsstein auf das erste freie Kästchen ganz links und nimmt sich die entsprechende Punktezahl als Bärenzähne. Sollte sich ein Blitz über dem Kästchen befinden, so zieht man das oberste Ereignis vom Stapel und fügt es ganz ans Ende der Aktionsreihe hinzu. Diese Ereignisse sind einmalige Aktionen, die man ausführen kann. Sie werden wie normale Aktionen behandelt und können durch Muscheln übersprungen werden oder sogar früher durch das überspringen vorheriger Aktionen erlangt werden. Nach ihrer Ausführung werden sie dann abgelegt.

Tribes: Aufbruch der Menschcheit – Spielsituation / Foto: Spieltroll

Hat man eine Errungenschaft erlangt, wird die nächste Errungenschaft in der nächsten Entwicklungsstufe umgedreht, so dass man sie sehen kann. Man darf nur voranschreiten, wenn man die Stufe darunter entdeckt hat. Eine Ausnahme durch das Pfeilplättchen darf man in der Partie machen. Man darf es diagonal zwischen zwei Epochen legen und so quer in der Epoche aufsteigen. Die Pfeile bleiben liegen und können so auch von anderen Mitspielern benutzt werden.

Tribes: Aufbruch der Menschheit – Bärenzähne / Foto: Spieltroll

Das Spiel endet wenn eine bestimmte Anzahl an Ereignissen der letzten Epoche ausgeführt worden sind. Dann erhält man noch ein paar Punkte für einige Dinge. So bekommt jeder Punkte entsprechend seines Fortschritts auf den Fortschrittsleisten. Derjenige Spieler, der am meisten Stammesmitglieder auf seinem Land hat, bekommt zwei Bonussiegpunkte und genauso bekommt derjenige, der die meisten unerschöpften Landschaftsplättchen besitzt zwei Siegpunkte. Danach werden die Bärenzähne ausgezählt und das Spiel ist vorbei.

Das Fazit

Der zu Beginn zitierte Werbetext hat natürlich streng genommen nicht gelogen, aber er verspricht mir viel mehr als letztlich in dem Spiel drinsteckt. Ja, wir führen einen Stamm aus der Steinzeit in die Bronzezeit. Nur sind das im Spiel drei Epochen und in jeder Epoche gibt es genau vier Erungenschaften die auch noch in direkten Verbindungen stehen. Wir können zwar Querverbindungen selbst herstellen, aber es gibt keine verzweigten Technikbäume und unterschiedliche Entwicklungen die man vornehmen kann. Es geht lediglich darum, wer welche Entwicklung am schnellsten macht und das hat am Anfang mit der Reihenfolge der Spieler und mit ihren gezogenen Ressourcen zu tun. Auch später ist es immer wieder ein wenig auf Glück basiert, was man so aus dem Beutel zieht. Das ganze ist ziemlich langweilig und abwechslungslos. Man lässt zwar in jeder Partie aus jeder Epoche eine Errungenschaft in der Schachtel, aber so kann es einem durchaus passieren, dass man eine Fortschrittsleiste fast gar nicht erhöhen kann, weil die Möglichkeiten zu eingeschränkt sind.

Tribes: Aufbruch der Menschheit – Landschaftsplättchen mit unseren Meepeln / Foto: Spieltroll

Die angekündigten Überfälle, Naturkatastrophen usw. gibt es natürlich auch, aber sie verbergen sich spielmechanisch nur hinter den Ereignisplättchen die in die Aktionsleiste gelegt werden. Der größte Witz ist aber das Erkunden und die Landschaftsplättchenauslage. hier zieht man einfach entsprechend seines Fortschritts und legt die Dinger irgendwo an sein Gebiet an. Wo ist tatsächlich nahezu irrelevant, da man durch die Bewegungen und die Verteilung seiner Figuren wirklich fast überall schnell hinkommt und da man maximal drei von einer Ressource benötigt ist dieser Part vorhanden und bläht das Spiel durch Spielmaterial auf. Das ganze hätte man aber auch anders lösen können.

Das Spiel sieht wirklich gut aus und besticht durch sein schönes Material. Wir haben es gern ausprobiert und uns darauf gefreut. Das Spiel selbst hat uns dann aber doch enttäuscht. Nach nur einer Partie haben wir alles gesehen und nicht unbedingt Lust es nochmal zu spielen. Taktisch hält es einfach zu wenig Überraschungen bereit und ist zu durchschaubar um länger zu fesseln. Keine Ahnung, ob das für irgendwen anders Sinn macht. Tribes bewegt sich im oberen Familienspielbereich und ist für Kenner zu seicht. Schade.


  • Verlag: KOSMOS
  • Autor(en): Rustan Hakansson
  • Illustrator(en): Claus Stephan
  • Erscheinungsjahr: 2018
  • Spieleranzahl: 2-4 Spieler
  • Dauer: 45 Minuten

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