Klassiker – Bluff

Durch die lange Umzugspause gab es seit April keine Klassiker-Review mehr. Es wird Zeit das nachzuholen und heute nehme ich mir einen schon ziemlich alten Klassiker vor: Bluff von Richard Borg. Wobei Bluff nur einer von sehr vielen Namen ist, der in Zusammenhang mit diesem Spiel steht. Das Spiel das ihr da oben seht ist die deutsche Version des Spiels, dass der Amerikaner Richard Borg in dieser Weise veröffenlichte. Das Spielprinzip ist aber bereits wesentlich älter und stammt weder aus Deutschland, noch aus Amerika – Wobei doch, nicht aus den USA wäre korrekter. In Peru und ein paar anderen südamerikanischen Ländern spielten die Menschen dieses Spiel schon rund um das Jahr 1800. Hättet ihr das gedacht? Das Spiel Bluff ist die mit Abstand berühmteste und kommerziell erfolgreichste Version, da sie im Jahr der deutschen Veröffentlichung, 1993, sogar den Preis für das Spiel des Jahres gewann. Genug Fakten in der Einleitung um zu rechtfertigen, warum ich für Bluff eine Klassiker-Review machen wollte.

Bevor ich ein wenig in die Geschichte dieses Spiels abdriften werde, sollte ich aber für diejenigen von euch, die Bluff nicht kennen, ersteinmal kurz das Spielprinzip erklären. Einigen könnte es dann vielleicht doch bekannt vorkommen, nur kennen sie es unter einem anderen Namen.

Bluff ist ein wirklich simples Spiel und schnell erklärt. Jeder Spieler bekommt einen Würfelbecher und fünf Würfel. Auf den Würfeln ist die Eins durch einen Stern ersetzt. Dieser Stern fungiert als Joker. Kann also als jede andere Augenzahl benutzt werden. Die Spieler würfeln nun alle gleichzeitig und halten ihr Ergebnis geheim. Sie selbst dürfen es natürlich anschauen. Der auserkorene Startspieler muss nun eine Wette ansagen. Er schaut sich seine Würfel an und behauptet unter allen Würfelbechern würden sich zum Beispiel vier Zweien befinden. Dann ist der nächste Spieler an der Reihe und hat nun nur zwei Möglichkeiten. Entweder er glaubt, dass diese Wette stimmt und dann muss er eine neue, erhöhte Wette abgeben. Dabei darf die Anzahl der Würfel oder die Augenzahl erhöht werden. Um bei dem Beispiel zu bleiben, sagt er vielleicht fünf Zweien oder auch nur drei Dreien an. Eine Sonderrolle kommt der Sternseite zu. Diese können als jede Augenzahl benutzt werden und man kann auch auf die Sterne wetten. Die Wetten werden auf dem Spielbrett mit einem Anzeigewürfel dargestellt. Die zweite Möglichkeit für einen Spieler ist natürlich die Wette anzuzweifeln. Dann werden alle Becher aufgedeckt und die Wette wird überprüft. Der Verlierer muss dann soviele Würfel von seinen abgeben, um die die Wette nicht gepasst hat. Also bei fünf Zweiern gewettet und nur drei unter den Bechern, muss derjenige zwei Würfel abgeben. Es wird dann solange gespielt, bis nur noch ein Spieler mit Würfeln überbleibt.

Sehr einfaches Spielprinzip, schnell erklärt und schnell begriffen. Wahrscheinlich kommt das Spielprinzip dem ein oder anderem in ähnlicher Form sogar bekannt vor. Es gib unbestreitbar Ähnlichkeiten zu einem Party- und Trinkspiel, dass man bei uns im Norden der Republik Meiern nannte. Weiter südlich ist es eher als Mäxchen oder Mäxle bekannt. Und da sind wir dann schon mittendrin im kunterbunten Wirrwarr der Entstehungsgeschichte von Bluff.

Das Spiel, von dem ich hier rede stammt vom Amerikaner Richard Borg. Dieser wurde 1948 geboren und hat der Spielewelt einige bakannte Spiele bescherrt. Bluff ist wahrscheinlich das bekannteste, aber sein Kopf steckt auch hinter dem dem Zweipersonenspiel Hera und Zeus bzw. Blitz und Donner, Memoir´44 und Battlelore. Das Spielprinzip der letzen beiden Spiele bescherte ihm ebenfalls eine große Anhängerschaft und beide Spiele wurden mit sehr vielen Erweiterungen versehen. Bluff hieß im damaligen Original, dass Borg 1986 im Eigenverlag herausbrachte, auch noch Doubter´s Dice. 1988 wurde es dann von MB übernommen und unter dem bekannten Namen Liar´s Dice herausgebracht. Das Spiel war in Amerika längst ein Hit und wurde zu einem großen Erfolg. F.X. Schmid brachte das Spiel dann schließlich 1993 über den großen Teich und gab ihm den Namen Bluff. Noch im selben Jahr wurde das Spiel zum Spiel des Jahres ernannt. Auch bei der Wahl zum Deutschen Spielepreis erreichte es den vierten Platz.

Richard Borg reklamiert das Spielprinzip für sich und sagt er habe es erfunden und ich würde sagen, dass das für sein Spiel auch stimmt. Seine Variante ist einzigartig und war so vorher nicht bekannt. Aber er hat die Basis von einem schon viel älteren Spiel benutzt und etwas Neues daraus gemacht. Vielleicht nicht weit genug weg von den Originalen, darüber kann man gerne argumentieren, aber er war meiner Meinung nach der erste der das Spielprinzip in eine solche Form gebracht hat. Bruno Cathala wird ja auch nicht schief angeschaut, weil er Mancala, Domino oder Tic Tac Toe als Basis für seine Spiele benutzt hat.

Woher kommt nun aber all der Zweifel an Borgs Spiel. Die Spiele die hier in Deutschland bekannt waren (Meiern etc.) weisen schon einige Ähnlichkeiten auf. Würfel die unter einem Becher geheimgehalten werden und man auf sie wettet. Allerdings nur zwei Würfel und ein Becher der am Tisch rumgeht. Die größte Ähnlichkeit vom Namen her, hat Liar´s Dice mit einem Spiel das MB schon 1974 herausgebracht hat. Das hieß nämlich Liar Dice und hat ebenfalls ein ähnliches Spielprinzip, ist aber nur für zwei Spieler und es geht dabei um Würfel die Pokerhände simulieren. Der Autor an dieser Stelle ist E.S. Lowe. Eine ähnliche Variante unter dem gleichen Namen ist schon seit längerem bei Offizieren der U.S. Army ein Begriff, das wiederum die Pokerwürfel verwendet. Diese Versionen sind alle deutlich früher entstanden als Borgs Version.

Die größte Ähnlichkeit weisst sein Spiel aber mit einem südamerikanischen Spiel auf, das vor allem in Peru beheimatet ist und war. Dudo heißt es dort und wird mit mehreren Bechern und Würfeln gespielt. Schon 1800 tauchen spanische Berichte über das Spiel auf. Glücksspiel wurde wohl sogar eine Zeit lang dort verboten, weil es zuviel gespielt wurde. Keine Ahnung ob das sstimmt, aber das es zu dieser Zeit ein Spiel dort drüben gab das Ähnlichkeiten hat ist unstrittig. Weitere Namen aus Südamerika für dieses Spiel sind Chaco, Cacho, Pico, Cachito, sowie Dadinho. 1987 tauchte in England auch noch eine weitere Version auf, die sich Perudo nannte und sich Südamerika zum Vorbild nahm und das Spiel als das Spiel der Inkas vermarktete. Auch Perudo war ein gebräuchlicher Name für das Spiel und hält sich bis heute. Dieses Spiel ist wohl nahezu parallel zu Borgs Version entstanden und beide Versionen sind nahezu identisch. Bluff weisst viele Parallelen zu Dudo auf ist aber doch ein wenig anders. Borg selbst hat in einem Interview einmal erklärt, dass ihm das südamerikanische Spiel nicht bekannt war, als er das Spiel erfand. Er selbst kannte nur das Army-Spiel und warf noch ein ganz anderes Spiel als Inspirationsquelle in den Raum. Die Idee kam ihm wohl durch das Spiel Dollar Poker, das in der amerikanischen Bevölkerung praktiziert wurde und bei dem jeder einen Dollar aus seiner Geldbörse zückt, sich die Seriennummer anschaut und auf die Menge der Zahlen wettet. „Mein Schein hat fünf Zweien in seiner Seriennummer! Und meiner sechs Fünfen!“

Es ist wahrscheinlich gar nicht final zu klären, wer das Spiel erfunden hat. Das Spielprinzip ist so simpel das es wahrscheinlich überall in unterschiedlicher Form gespielt wurde oder sich ausgebreitet hat. Richard Borg war aber der erste, der die heute bekannte Version in ein Gesellschaftsspiel gepackt hat. Den Würfeln noch einen Stern verpasst und ein Brett zum Wetten beigefügt hat. Alle die etwas Ähnliches tun sind Derivate.

Das Spiel hat übrigens auch noch einen berühmten Auftritt in Fluch der Karibik 2 als Pirate Dice. Ihr seht schon, Bluff bringt es auf wahnsinnig viele Namen und ist ein ziemlich bekanntes Spiel weltweit und ein Klassiker im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich selbst besaß das Spiel insgesamt dreimal. Aktuell befindet es sich aber nicht in meiner Sammlung. Rein Optisch gefallen mir aktuelle Perudo-Versionen besser als Bluff, das inzwischen von Ravensburger herausgegeben wird. Die alten Bluff-Versionen kommen mit Plastikbechern und das hat beim Spielen immer einen immensen Krach gemacht. Wir haben mal eine bierseelige Runde mit sechs Personen gespielt und irgendwann klingelte eine Nachbarin bei uns und sagte, das laute gerede würde sie nicht stören, aber das immer wieder auftretende ohrenbetäubende Geschepper wäre so spät nicht mehr auszuhalten. Ja das stimmt, wenn sechs Mann gleichzeitg fünf Würfel in diesen Plastikbechern geschüttelt haben war das wirklich unerträglich laut. Zum Glück kann man das Spiel selbst gut modifizieren oder gar komplett selbst basteln. Ab und zu überkommt mich immer mal wieder die Lust ein paar Runden Bluff zu spielen, oder Perudo, Dudo… was auch immer. Es ist Poker sehr ähnlich. Vordergründig ein Glücksspiel, bei dem man aber im Laufe des Abends anfängt seine Gegner zu Lesen und somit das Glück immer mehr durch Psychologie minimiert.


  • Verlag: Ravensburger
  • Autor(en): Richard Borg
  • Illustrator(en):
  • Erscheinungsjahr: 1993
  • Spieleranzahl: 2 – 6 Spieler
  • Dauer: 15 – 30 Minuten

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