Chronicles of Crime Millennium – 1400

Chronicles of Crime: Millennium – 1400

Ich bin sehr großer Fan des Spiels Chronicles of Crime und seiner technischen Umsetzung. Viele Kritiker sagen immer, dass Spiel besteht ja nur aus dem Scannen von ein paar Codes, aber wer soetwas sagt, hat irgendetwas auch nicht wirklich verstanden. Ob man nun Codes scannt oder einer Nummer in einem Buch folgt und noch selber umblättert ist eigentlich egal. Chronicles of Crime löst das durch das Scannen der QR-Codes äußerst elegant und bindet neue Technik gekonnt in das Spiel ein. Ein fantastisches System mit dem man als Krimifan voll auf seine Kosten kommt. Lucky Duck hatten ziemlichen Erfolg mit ihrem Spiel und so ist es wenig verwunderlich, das es einen Nachfolger geben würde. Aber man hat sich überlegt, das das zugrundeliegende System ja auf alle Szenarien funktioniert und durch die ersten Erweiterungen auch festgestellt, das man durchaus zusätzliche Elemente hinzufügen kann, die das Spiel nicht stören, nein, es sogar toll erweitern. Deshalb hat man sich entschlossen gleich eine Serie von drei Spielen über Kickstarter zu finanzieren: Die sogenannte Millennium Serie. Den Anfang macht das Jahr 1400, wo wir uns im Spätmittelalter bewegen.

Worum geht es?

Im Jahr 1400 bewegen wir uns als Ritter Abelard Lavel durch das spätmittelalterliche Paris. Wir sind Ritter unter König Karl VI. und leben auf einem großen Familienanwesen in der Stadt. Der Protagonist, den wir als die Spieler verkörpern, hat Visionen und seltsame Träume, soweit er sich zurückerinnern kann. Sie zeigen vergangene Grausamkeiten oder noch kommendes Unheil. Jemand mit einer solchen Gabe spricht sich schnell herum und wird deshalb von vielen Menschen aufgesucht, die mysteriöse Fälle zu lösen haben. Dies ist die Aufgabe von uns als Spieler.

Chronicles of Crime: 1400 – Spielaufbau / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Wer das ursprüngliche Chronicles of Crime kennt, wird zunächst nichts Neues vom Spielprinzip erwarten. Das Spiel funktioniert genauso wie der Vorgänger und für diejenigen, die es noch nicht kennen, werde ich das hier noch einmal kurz beschreiben. Im Anschluss komme ich dann zu den neuen Komponenten und die Aussicht auf die weiteren Teile der Serie, denn wir haben es hier nur mit dem ersten Teil einer Trilogie zu tun.

Chronicles of Crime ist ein Deduktionsspiel, indem wir Kriminalfälle lösen müssen. Diese Ausgabe enthält erst einmal vier Stück. Zu diesem Zweck stehen uns analoges Spielmaterial in Form von verschiedenen Karten und Tableaus zur Verfügung, die wir vor uns auf dem Tisch liegen haben und wir benötigen ein oder mehrere Smartphones und Tablets, auf die wir die zugehörige App gespielt haben. Diese gibt es kostenlos bei Google Play oder im App Store.

Chronicles of Crime: 1400 – Parzival / Foto: Spieltroll

Wir legen sämtliches Spielmaterial vor uns aus. Es gibt einen Spielplan, den wir für alle gut sichtbar in der Mitte platzieren. Dieser zeigt drei Bereiche. Der erste ganz oben besteht aus drei roten Reihen, auf denen wir im Verlauf des Spiels unsere Hinweis- und Sonderkarten auslegen, die wir bekommen. Darunter gibt es eine ebensolche Reihe in blau, in der wir Hinweise- und Sonderkarten platzieren, von denen wir wissen, sie aber noch nciht gefunden haben. Nocheinmal darunter folgen vier Felder für noch nicht gefundene Charaktere. Die Charakter-, Hinweis- und Sonderkarten legen wir allesamt in ihren Stapeln bereit. Diese Karten beinhalten alle einen QR-Code und sind universell für alle Kriminalfälle einzusetzen. Das heißt, das ein bestimmter Charakter, der auf einer Karte abgebildet ist, in dem ersten Fall ein Mörder sein kann und im zweiten Fall eine völlig andere Person.

Ähnlich funktionieren auch die Ortstafeln, die doppelseitig bedruckt sind und ebenfalls über QR-Codes verfügen. Zusätzlich zeigt jede Ortstafel vier Ablageplätze für Charakterkarten. Sobald wir einen Charakter einem Ort zuweisen können, legen wir ihn an den Ort an. Zusätzlich bekommen wir als Spieler noch unsere Heimatortstefel, die drei unserer Familienmitglieder zeigt, die wir auf unserem Anwesen ebenfalls zu dem Fall befragen können. Unser Onkel ist ein Mönch und kennt sich gut mit Religion und Schriftstücken aus und kann zu diesen Themen befragt werden. Unsere beiden Geschwister stehen uns ebenfalls zur Verfügung. Unsere Schwester ist eine reiche Händlerin und Sammlerin von Kunstgegenständen und kann uns oftmals mit Informationen zu bestimmten Objekten helfen. Unser Bruder ist der Spion des Königs und kennt ziemlich viele Leute in Paris. Zusätzlich zu diesen dreien bekommen wir noch unsere Hundekarte mit unserem treuen Begleiter Parzival, den wir auf Spuren ansetzen können. All diese Informationsquellen haben QR-Codes die wir scannen können. Das letzte Element ist ein Kartenstapel mit Visionskarten zu denen ich etwas später komme.

Chronicles of Crime: 1400 – Familienmitglieder / Foto: Spieltroll

Das Spiel funktioniert nun wie folgt: Wir wählen in der App einen Fall aus und starten ihn. Dann folgen wir zunächst allen Anweisungen und lesen uns durch die Startgeschichte, die uns das Szenario erklärt. Tauchen Personen auf, werden sie uns mit Namen vorgestellt und wir suchen die entsprechend nummerierte Charakterkarte aus dem Stapel und legen sie offen aus. Natürlich werden uns so auch Orte genannt und eine Auslage entwickelt sich. Wir als Gruppe entscheiden dann was zu tun ist. Am Anfang macht es Sinn sich den Tatort anzuschauen und wir scannen die entsprechende Ortstafel. Das heißt, wir begeben uns zum Tatort und das kostet uns zwanzig Minuten Zeit. Dann können wir uns den Tatort in einer dreidimensionalen Ansicht anschauen und durchforsten den Hinweisstapel nach Dingen, die wir am Tatort gesehen ahben und uns verdächtig vorkamen. Wir legen die Karten heraus und Scannen sie eine nach der anderen. Die App verrä uns, ob sie wichtig ist und wir sie in unseren roten Bereich legen dürfen, oder ob sie wieder in den Stapel wandert. Dann können wir Leute befragen. Allerdings nur, wenn sie sich an dem Ort aufhalten, an dem wir gerade sind. Auch hierfür werden sie einfach gescannt. Im Befragungsmodus können wir sie nun zu Gegenständen und Personen befragen. Dazu scannen wir einfach den entsprechenden QR-Code und bekommen neue Hinweise in Gesprächsform. So manövrieren wir uns durch die Hinweise dieses Spiels. Sollten wir den Fall lösen können, gehen wir zu dem Ort, wo wir das tun können. Soltle uns die Zeit irgendwann davon laufen, so zwingt uns das Spiel irgendwann dazu lösen zu müssen.

Chronicles of Crime: 1400 – Charakterkarte auf Ortstafel / Foto: Spieltroll

Das ist natürlich noch nicht alles. Dieses Zeitsystem spielt mit Ereignissen. Manchmal wechseln Personen ihren Standort und müssen erst wiedergefunden werden. Manche Informationsquelle läss sich erst zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten antreffen und wir müssen rechtzeitig dort sein. Jeder Scan bedeutet fünf Minuten Zeitverlust und jeder Ortswechsel zwanzig. Die ganze Technik ist hier nur Hilfsmittel und Werkzeug, das Lösen des Falls ist immer noch reine Deduktion. Was ist genau passiert? Wen können wir überführen? Wir müssen immer noch alles alleine mit unserem Hirnschmalz zu einem logischen Fall zusammenfügen.

Die Besonderheiten dieses ersten Teils der Millennium Serie ist das Setting und die Visionen. Zu Beginn eines Szenarios erhalten wir eine bestimmte Anzahl der Visionskarten vom Stapel. Diese zeigen uns kleine Szenen die unsere Träume und Visionen darstellen sollen und uns Hinweise auf den Fall geben. Wir wissen allerdings nicht, wann diese Szenen spielen. Sind sie bereits passiert? Oder passieren sie erst noch. Wie ist der zeitliche Zusammenhang und was wird da überhaupt gezeigt. Mit der Zeit entwirren sich diese Bilder langsam, wenn man die darauf gezeigten Personen im Szenario findet oder Gegenstände zuordnen kann, entwirrt sich das ganze . Allerdings sollte man den Zeitdruck bei manchen Fällen nicht unterschätzen. Einfach ständig alles scannen ist nicht drin, man soltle schon sinnvoll vorgehen. Auch den Hundebegleiter sollte man als Besonderheit hervorheben, denn er kann uns durch erschnüffeln direkt zu Orten und Personen führen. Auch dies ist etwas, das uns das Originalspiel so nicht geboten hat.

Chronicles of Crime: 1400 – verschiedene Kartensets / Foto: Spieltroll

Das Fazit

1400 ist der erste Teil der Millennium Serie, die im Abstand von jeweils 500 Jahren stattfinden. Ein Millennium eben. Ich bin absoluter Fan von Chronicles of Crime und so ist es auch kaum verwunderlich, dass mir auch diese Variante sehr gefällt. Sie bietet genug Eigenständigkeit, um nicht einfach nur mehr vom Gleichen zu sein, wobei das bei Chronicles of Crime auch nicht so schlimm wäre, denn hier fällt das Spiel eh mit den einzelnen Szenarien. Hiervon bekommt man vier Stück, die für ein paar vergnügliche Abende ausreichen sollten. Natürlich hoffe ich, das es wie beim Grundspiel auch hier weitere Fälle geben wird. Was ein wenig dagegen spricht ist die Tatsache, dass man bei dieser Version ja physisches neues Spielmaterial in Form der Visionskarten benötigt. Das könnte man aber leicht umgehen, indem man sie digital zur Verfügung stellt. Das Anzeigegerät wird ja im Spiel eh als Werkzeug dauerhaft benutzt. Die Materialqualität rein von der Optik ist phänomenal. Die Illustrationen gefallen mir richtig gut und sind sehr stimming zum Setting des Jahres 1400. Was mir nicht ganz so gut gefällt, ist die Qualität der Ortstafeln und des Spielbretts. Die verwendete Pappe ist einfach ein wenig zu dünn und speziell das Spielbrett, wölbt sich ständig auf dem Tisch, was dazu führen kann, das es zu einem großen Kartenkuddelmuddel kommen kann. Der Karton verfügt darüber hinaus über ein schönes Inlay mit Deckel.

Chronicles of Crime: 1400 – Visionskarten / Foto: Spieltroll

Die neue „Mechanik“ mit den Visionen fügt sich sehr gut ins Gesamtbild ein. Sie gibt den Spielern ein wenig Führung im späteren Verlauf und sorgt zu Beginn für wilde Spekulationen, weil man das Gesehene eigentlich überhaupt nicht einordnen kann. Erst wenn man fortschreitet erkennt man Personen auf den Bilder und stellt Mutmaßungen darüber an, welche Szene man da gerade sieht. Die Schlüsse aus all den Aussagen müssen die Spieler natürlich immer noch selber ziehen und das Spiel macht einen recht guten Job mit den zufälligen Ereignissen, den Ortswechseln von interessanten Personen und so sind die Spieler irgendwann in Zeitnot und müssen immer abwägen, ob es Sinn macht noch einen weiteren Gegenstand zu scannen oder eine weitere Person etwas vermeidlich Unwichtiges zu fragen.

Insgesammt eine sehr runde Sache mit einer kleinen Schwäche beim Material, aber große Fehler in der Logik oder in der Erzählung der Fälle und Funktion der App sind nicht zu bekunden. Für Fans von Chronicles of Crime ein absoluter Pflichtkauf und für Deduktionsfreunde ebenso.


  • Verlag: Corax Games
  • Autor(en): David Cicurel, Wojciech Grajkowski
  • Illustrator(en): Barbara Gołębiewska, Mateusz Komada, Katarzyna Kosobucka, Mateusz Michalski
  • Erscheinungsjahr: 2021
  • Spieleranzahl: 1 – 4
  • Dauer: 60 – 90 Minuten

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