Codex Naturalis

Codex Naturalis

Huch! ist den letzten Jahren ein Verlag gewesen, der immer wieder spannende Spiele veröffentlicht hat. Spannend nicht nur im Hinblick auf das spielerische, sondern auch in optischer Hinsicht oder mit Blick auf das Spielmaterial. Immer wieder kamen da recht interessante Dinge hervor. Denken wir zum Beispiel an das wunderbar verschachtelte Romeo & Julia, die schönen Spielsteine von Seikatsu oder auch das fantastische Design und Spielmaterial von Dreamscape. Allesamt Dinge die nicht dem Standard entsprechen. So verwundert es kaum, dass auch Codex Naturalis in diese Kategorie gehört, denn es kommt in einer kleinen Metallschachtel daher und hat einen gewissen Blingbling-Faktor, denn einige Karten haben goldfarbene Elemente. Hier haben wir es zudem auch noch mit einem Spiel eines neuen Autoren zu tun. Bisher ist mir der Name von Thomas Dupont nämlich völlig unbekannt und meine recherche über ihn brachte mich auch nicht wirklich weiter. Codex Naturalis ist ein kleines Karten-Legespiel mit einer außergewöhnlichen Optik und machte mich allein schon deswegen neugierig.

Worum geht es?

Rein thematisch versuchen wir hier die schön gestalteten Seiten eines Antiken Buchs, des Codex Naturalis, wieder zusammenzufügen. Spielerisch sieht das natürlich völlig anders aus, denn wir legen kleine Karten überlappend aneinander. Auf diesen Karten befinden sich Symbole mit denen wir uns eine Auslage zurechtbasteln und Punkte kassieren, um siegreich zu sein. Die kleinen Karten sehen zwar nicht wie Buchseiten aus, aber ihre Optik, mit den goldenen Verzierungen, sehen in der Tat ein wenig aus, wie Zeichnungen aus antiken Manuskripten.

Codex Naturalis – Spielsituation / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Das Thema ist schon irgendwie ein wenig seltsam und kommt beim Spielmaterial auch gar nicht so rüber, aber das Spiel an sich hat dann nichts mit dem Thema zu tun. Wir starten nämlich alle mit einer von sechs unterschiedlichen Startkarten, die wir uns zuvor auswählen. An diese legen wir im Spielverlauf immer mehr Karten an, so dass sich eine Art Kartengeflecht daraus ergibt, die Karten überlappen sich nämlich an den vier Ecken, je nachdem, wie wir sie zusammenpuzzeln. Um das Spiel gut zu verstehen muss ich zunächst die Karten des Spiels erklären, die haben nämlich einige Besonderheiten und wenn ihr die kennt, ist es leichter den Kern des Spiels nachzuvollziehen.

Codex Naturalis – Rückseite Goldkarte / Foto: Spieltroll

Die kleinformatigen Karten gehören zunächstmal vier unterschiedlichen Farben und damit Symbolen an. das sind die vier Farben und Symbole, die auch das Cover schon zeigt. Grün steht für das Blatt, Blau für den Fuchs, Lila für den Schmetterling und Rot für den Pilz. Jede Karte hat natürlich immer zwei Seiten, aber bei Codex Naturalis sind beide Seiten für das Spiel relevant. Auf der Rückseite sind auf jeder Karte immer vier leere Ecken zu sehen und in der Mitte der Karte ist das jeweilige Symbol zu Farbe zu erkennen. Die einzigen Karten die später hiervon abweichen sind die sechs Startkarten und die Aufgabenkarten, die komplett anders aussehen. Auf den Vorderseiten der normalen Spielkarten sind ebenfalls Ecken abgebildet, jedoch sind die nicht immer leer und fehlen mitunter an manchen Ecken der Karten. In der Mitte der Vorderseite findet sich unterdessen nie ein Symbol. Die Ecken, wenn sie dort sind, können wie gesagt sowohl leer als auch mit Smbolen gefüllt sein. Bei den Symbolen kann es sich um die vier Farbsymbole oder aber auch um eines von drei goldenen Spezialsymbolen (Feder, Pergament und Tintenfass) handeln.

Codex Naturalis – Vorderseite Goldkarte / Foto: Spieltroll

Insgesamt besteht Codex Naturalis aus über 100 Karten. 40 sind normale Spielkarten und nocheinmal 40 sind die sogenannten Goldkarten. Sie unterscheiden sich von den normalen Karten durch die goldenen Elemente auf der Rückseite. Auf den Vorderseiten beider Karten sind immer mal wieder goldene Elemente zu finden. Die Goldkarten haben aber noch einen weiteren wichtigen Unterschied zu den normalen Karten, denn zwischen den hervorgehobenen Ecken am oberen und unteren Rand der Karte, haben sie weitere Symbole abgebildet. Am unteren Rand sehen wir Voraussetzungen, die wir in unserer Auslage vorfinden müssen, um diese Karte auslegen zu dürfen und am oberen Rand sehen wir einen Punktewert den wir erhalten, wenn wir die Karte auslegen. Manche der normalen Karten bringen ebenfalls Punkte, haben aber keine Voraussetzung.

Codex Naturalis – Spielaufbau / Foto: Spieltroll

So, nun zurück zum Spielaufbau. In der Mitte des Tisches wird nämlich das Zählbrett ausgelegt, auf dem die Spieler*innen ihre Punkte abtragen. Sollte jemand 20 Punkte erreichen, wird die Runde noch beendet und danach noch eine komplette Runde gespielt, bevor das Spiel endet. Das Spielende trifft ebenfalls ein wenn die Nachziehstapel aufgebraucht sind. Neben dem Zählbrett werden drei Nachziehstapel gebildet. Der erste mit den normalen Spielkarten, Nummer zwei mit den goldenen und der dritte besteht aus den Auftragskarten. Zu Beginn erhählt jede*r Spieler*in zwei normale, eine goldene und zwei Auftragskarten. Bei den Auftragskarten muss entschieden werden, welche der beiden genommen wird. Die andere wandert zurück. Neben die Nachziehstapel werden jeweils zwei Karten von den Stapeln offen ausgelegt. Nun kann das Spiel beginnen.

Codex Naturalis – Spielsituation / Foto: Spieltroll

Ist ein*e Spieler*in an der Reihe wird eine Karte von der Hand in die Auslage gespielt und anschließend wird eine neue Karte aus der Mitte genommen, sei es aus der offenen Auslage oder vom Stapel verdeckt. Beim Auslegen der Karten muss darauf geachtet werden, dass sie passend angelegt wird. Dabei ist nur wichtig, das die Karte die bereits liegt eine freie Ecke haben muss. Die Karte die ausgelegt wird braucht keine Ecke zu haben. Auch Symbole sind egal, die dürfen überbaut werden. Soll eine goldene Karte ausgelegt werden müssen zusätzlich die Voraussetzungen erfüllt sein. Etwaige Belohnungen werden auf dem Zählbrett gutgeschrieben. Die beiden offen ausliegenden Aufträge gelten für alle Spieler*innen und bringen Punkte am Spielende ein. Der geheime Auftrag auf der Hand kommt als dritter hinzu. Bei den Aufträgen gibt es verschiedene Typen. Zum einen müssen bestimmte Muster in der Auslage liegen, die genau die abgebildete Form mit den entsprechend farbigen Karten haben müssen. Dann gibt es auch Sammelaufträge, bei denen für bestimmte Symbole Punkte erhalten werden. Jeder Auftrag kann die Punkte dabei jeweils mehrfach erbringen, wenn die geforderte Aufgabe mehrfach erfüllt wird.

Das Fazit

Klein aber fein trifft hier den Kern ganz gut. Ich habe absolut nichts von Codex Naturalis erwartet und bin doch positiv überrascht. Das Spiel ist einfach, schnell erklärt und macht Spaß. Die Auslage mit den sich überlappenden Karten ist dabei kniffliger als es zunächst aussieht. Schnell ist es passiert, das eine Karte ausgelegt wurde, die uns einen toten Arm in unserer Auslage beschert, weil sie keine Ecke zum Anlegen zur Verfügung stellt. Auch baue ich mir gerne wieder Symbole zu, die ich eigentlich noch gebraucht habe um eine goldene Karte auslegen zu können. Bis das Spielende von zwanzig Punkte eingeläutet wird, haben unsere Auslagen schon eine beträchtliche Größe erreicht und bieten viel Raum. In der ersten Partie wurde noch zu wenig daran gedacht, dass die Karten ja auch einfach umgedreht werden können und so immer vier freie Ecken zur Verfügung stehen. Die andere Seite ist halt immer attraktiver durch die Möglichkeit Punkte zu erzielen oder die ganzen Symbole, die benötigt werden um später Punkte zu erzielen. Es sollten nie zu wenig Verzweigungen zu Beginn entstehen, sonst besteht die Gefahr, dass man sich zu sehr einengt.

Codex Naturalis – Erfüllung eines Auftrags / Foto: Spieltroll

Codex Naturalis gefällt mir recht gut, einzig die Tatsache das auch bei drei und vier Spieler*innen nur zwei Aufträge ausliegen führt dazu, dass bestimmte Karten, sobald sie in der Auslage auftauchen, immer sofort genommen werden. Ist man dann selbst in der Position immer hinten dran zu sein, ist das sicherlich nachteilig. Mehr Aufträge würden das Problem auch sicher nicht unbedingt lösen, sondern das Spiel zum Ende hin einfach unberechenbarer machen. So bleibt für mich der Eindruck, dass es zu zweit am besten funktioniert, zu dritt gut spielbar ist und ich zu viert nicht ganz glücklich damit bin.

Im Grunde ist Codex Naturalis aber nicht sonderlich komplex und kann in der Familie gut gespielt werden. Es besticht durch seine besondere Optik die mit den goldenen Akzenten und seiner ansonsten monochromen Art besticht. Etwas Ähnliches habe ich im Spielbereich bisher nicht gesehen und es wirkt eindeutig besonders und schafft Aufmerksamkeit auf dieses kleine gelungene Spiel. Thomas Dupont könnte ein Name werden, den man sich in der Brettspielwelt merken sollte. Sein Design von Codex Naturalis ist auf jeden Fall sehr geschliffen. Schlicht aber gut.


  • Verlag: Huch!
  • Autor(en): Thomas Dupont
  • Illustrator(en): Maxime Morine
  • Erscheinungsjahr: 2021
  • Spieleranzahl: 2 – 4
  • Dauer: 30 Minuten

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